Wo spricht man po­ten­zi­el­le Kunden am besten an? Dort, wo sie sich mit hoher Wahr­schein­lich­keit auch über Produkte und Dienst­leis­tun­gen in­for­mie­ren: im Netz. Und vor allem in sozialen Netz­wer­ken, auf den zahl­rei­chen Social-Media-Platt­for­men und in Com­mu­ni­tys suchen Nutzer nach Rat­schlä­gen, Kauf­emp­feh­lun­gen und Be­wer­tun­gen.

Um als Un­ter­neh­men eine ver­trau­ens­vol­le Beziehung zu po­ten­zi­el­len Kunden auf­zu­bau­en, kommt man um Social Selling heute kaum herum. Dabei geht es ähnlich wie beim Social-Media-Marketing nicht um das direkte Verkaufen und of­fen­sicht­li­che Anpreisen von Produkten über Facebook und Co. Vielmehr greift Social Selling in den Prozess ein, der den Kunden auf seine Kauf­ent­schei­dung vor­be­rei­tet. Doch während man im Social-Media-Marketing über Facebook-Fanpages oder Twitter-Accounts mit allen Fans und Followern kom­mu­ni­ziert, sucht man beim Social-Selling das per­sön­li­che Gespräch mit einzelnen Ent­schei­dern.

Was ist Social Selling?

Social Selling ist der Prozess zum Aufbau einer Kun­den­be­zie­hung als Teil des Ver­kaufs­pro­zes­ses. Im Mit­tel­punkt steht der direkte Dialog mit dem Kunden, sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich. Social Selling schafft damit eine viel größere Nähe zum Kunden als der klas­si­sche Online-Verkauf.

Übersetzt heißt Social Selling auf Deutsch so viel wie soziales Verkaufen – doch wie so oft im Marketing-Jargon klingt der englische Begriff natürlich in­no­va­ti­ver. Nichts­des­to­trotz trifft die Über­set­zung im Grunde den Kern des Themas: Es geht um die soziale Kom­po­nen­te des Verkaufs bzw. des Kaufens und der Kauf­ent­schei­dung.

Diese soziale Kom­po­nen­te be­ein­fluss­te schon immer Kon­sum­entschei­dun­gen, bereits lange bevor es so etwas wie Social Media überhaupt gab. Denn oft sind Emp­feh­lun­gen aus dem sozialen Umfeld, von Freunden, Kollegen oder Fa­mi­li­en­mit­glie­dern aus­schlag­ge­bend für Kauf­ent­schei­dun­gen. Man vertraut auf die Rat­schlä­ge seiner Freunde, denn diese pro­fi­tie­ren schließ­lich im Gegensatz zu pro­fes­sio­nel­len Ver­käu­fern von keiner Provision, wenn wir ihren Emp­feh­lun­gen folgen. Eine Ausnahme bilden spezielle Freunde-werben-Freunde-Programme, aber die lassen wir in diesem Artikel als Aus­nah­me­fall außen vor.

Im nach­fol­gen­den eng­lisch­spra­chi­gen Video wird der Un­ter­schied zwischen dem tra­di­tio­nel­len Verkauf im Vergleich zum Social Selling plakativ vor­ge­stellt:

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Und warum spielt das fürs Online-Marketing eine Rolle?

Unserer soziales Mit­ein­an­der, unserer Freund­schaf­ten und Be­zie­hun­gen finden heute bei den meisten in einem gewissen Rahmen auch über soziale Netzwerke oder Messaging-Dienste statt. Social Media haben einen hohen Stel­len­wert im Leben vieler Nutzer – und sind gleich­zei­tig ein wichtiger Be­stand­teil des Marketing-Mix. Die po­ten­zi­el­le Ziel­grup­pe und zu­künf­ti­ge Kunden sind mit hoher Wahr­schein­lich­keit aktiv im Social Net. Als Teil von Com­mu­ni­tys in­ter­agie­ren sie dort mit anderen Nutzern und geben viel über sich, ihre Wünsche und Sorgen preis. Und genau dort finden Un­ter­neh­men wertvolle In­for­ma­tio­nen. Gleich­zei­tig bilden Social Media die ideale Schnitt­stel­le, um mit Kunden per­sön­lich in Kontakt zu treten und eine ver­trau­ens­vol­le Beziehung aufbauen. Das soziale Netzwerk LinkedIn hat mit dem Social Selling Index (kurz SSI) sogar einen eigenen Index kreiert, über den man den Ver­triebs­er­folg über LinkedIn messen können soll. In diesen Social Selling Index fließen ver­schie­de­ne Kenn­zah­len, wie bei­spiels­wei­se die Anzahl der Kontakte, die ge­sen­de­ten Nach­rich­ten und deren Ant­wort­quo­te, Pro­fil­an­sich­ten und vieles mehr ein. Der SSI ist al­ler­dings nur ein Indikator und seine Aus­sa­ge­kraft für die Ver­triebs­leis­tung begrenzt. Gemessen wird bei dieser Be­trach­tung des Social Sellings über LinkedIn lediglich die Aktivität auf dem Netzwerk und bei­spiels­wei­se nicht die Qualität oder den Erfolg bei der Ge­ne­rie­rung von Neukunden.

Social Selling vs. Social-Media-Marketing

Social Selling und Social-Media-Marketing haben vieles gemeinsam. In beiden Dis­zi­pli­nen tritt das Un­ter­neh­men nicht als Werber auf, sondern will sich als be­ra­ten­der Experte eta­blie­ren. Der Verkauf steht nicht im Vor­der­grund, vielmehr will man der Ziel­grup­pe ein Stück näher kommen. Platt­for­men wie Facebook oder Twitter bilden das perfekte Umfeld, um mehr über die Wünsche und Bedenken seiner (po­ten­zi­el­len) Kunden zu erfahren, und bieten ein offenes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­um­feld. Der Un­ter­schied zwischen Social Selling und Social-Media-Marketing liegt vor allem in der Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Über Fanpages und andere of­fi­zi­el­le Un­ter­neh­mens-Accounts im Social Net findet eine One-to-many-Kom­mu­ni­ka­ti­on statt. Social-Media-Marketer ver­brei­ten über die Kanäle Inhalte und In­for­ma­tio­nen an eine breite Ziel­grup­pe. Beim Social Selling steht im Gegenzug die One-to-one-Kom­mu­ni­ka­ti­on im Vor­der­grund. Durch die direkte Ein­bin­dung des Kunden in einen Dialog nähert sich der Un­ter­neh­mens­ver­tre­ter dem einzelnen Vertreter der Ziel­grup­pe an, tritt mit ihm in Kontakt und schafft so ein ver­trau­ens­vol­les Ver­hält­nis. So kommt man dem Kunden näher als es der klas­si­sche Online-Verkauf je er­mög­licht hat. Vor allem im B2B-Bereich ist dieser per­sön­li­che und un­mit­tel­ba­re Kontakt wichtig und Social Selling gewinnt dort immer mehr an Bedeutung.

Social Selling: Schritt für Schritt

Schritt 1: Zuhören & Iden­ti­fi­zie­ren

Der erste Schritt sollte immer das so­ge­nann­te Social Listening sein: Denn Zuhören ist das neue Verkaufen. Statt mit forschen Wer­be­bot­schaf­ten nach vorne zu preschen, geht es beim Social Selling vielmehr ums aktive Zuhören. Wer richtig zuhört, der gewinnt wertvolle Er­kennt­nis­se. Denn die po­ten­zi­el­le Kund­schaft äußert im Social Net natürlich Bedenken, Wünsche und Ideen. Also: Der auf­merk­sa­men Verkäufer hört zu und ana­ly­siert Be­dürf­nis­se und Wünsche seiner Ziel­grup­pe. Alle weiteren Maßnahmen des Un­ter­neh­mens richtet man darauf aus.

Schritt 2: Re­pu­ta­ti­on aufbauen

Als Basis für den Aufbau einer ver­trau­ens­wür­di­gen Beziehung muss man sich als Marke oder Un­ter­neh­men eine gewisse Re­pu­ta­ti­on er­ar­bei­ten. Um sich als Experte auf seinem Gebiet zu eta­blie­ren steht natürlich hoch­wer­ti­ger Content mit Mehrwert für den Nutzer im Mit­tel­punkt. Nachdem man eigene Blog­ar­ti­kel oder Gast­bei­trä­ge erstellt hat, bringt man die ent­spre­chen­den Inhalte in Umlauf und platziert sie im ge­eig­ne­ten Kontext.

Schritt 3: Be­zie­hun­gen knüpfen

Man hat nun bereits ein Gefühl für seine Ziel­grup­pe bekommen und ihr im zweiten Schritt auch einen Grund gegeben, tat­säch­lich zuzuhören. Nun startet die ent­schei­den­de Phase: Es geht darum, eine starke Beziehung auf­zu­bau­en. Hier geht es um mehr als nur Liken, Sharen und Kom­men­tie­ren, es muss eine richtige In­ter­ak­ti­on mit den Kunden statt­fin­den. Wer nützliche In­for­ma­tio­nen be­reit­stellt, au­then­ti­sche Ge­schich­ten erzählt und allgemein in­ter­es­san­te Themen besetzt, dem eröffnet sich einfacher ein span­nen­der und kon­struk­ti­ver Dialog mit seinen Kunden. Wichtig: Es geht darum, mit­ein­an­der ins Gespräch zu kommen, nicht nach dem One-to-many-Prinzip in eine Richtung zu kom­mu­ni­zie­ren.

Schritt 4: Mo­ni­to­ring & Analyse

Social Selling ist auch eine wichtige Quelle für Big Data. Aus­wer­tun­gen der Ak­ti­vi­tä­ten und einzelnen Kanäle sind wertvoll für künftige Strategie und Planung. Man findet heraus, wer zu den wert­volls­ten Kunden gehört und welche Kun­den­grup­pe für Großteil des Social-Selling-Umsatzes ver­ant­wort­lich ist. Daraus lassen sich unter Umständen Muster ableiten und man kann bspw. die Si­gni­fi­kanz de­mo­gra­fi­scher oder geo­gra­fi­scher Faktoren bestimmen. Mo­ni­to­ring ist nicht nur wichtig, um Be­stands­kun­den zu binden, sondern auch um die Neukunden-Akquise in die richtige Richtung zu führen.

Kon­takt­punk­te beim Social Selling

Social Selling funk­tio­niert auf den un­ter­schied­lichs­ten Kanäle: Im B2C-Bereich auf Facebook, Twitter und Instagram, im B2B-Bereich natürlich eher auf Platt­for­men wie LinkedIn und Xing. Je nach Kanal gibt es zudem eine große Anzahl ver­schie­de­ner Kon­takt­punk­te. Vertrieb und Marketing haben nun die schwie­ri­ge Aufgabe, die passenden zu iden­ti­fi­zie­ren, um mit po­ten­zi­el­len Kunden ins Gespräch zu kommen. Dabei darf man sich nicht scheuen, auch in negativen Kontexten das Gespräch zu suchen. Gerade Kritik und Be­schwer­den bieten eine gute Ge­le­gen­heit, Kontakt auf­zu­neh­men, zu helfen und auch der kom­plet­ten Community seine Dia­log­be­reit­schaft zu zeigen.

Vor­aus­set­zung ist natürlich, dass ein Un­ter­neh­men engagiert und aktiv auf den re­le­van­ten Platt­for­men ist. Dann entstehen ver­schie­de­ne Be­rüh­rungs­punk­te – bei­spiels­wei­se durch:

  • Positive Re­ak­tio­nen wie Likes, Kom­men­ta­re
  • All­ge­mei­ne Er­wäh­nun­gen eines Produkt oder Marke/Un­ter­neh­men
  • Rück­fra­gen oder Kritik an Produkten/Leis­tun­gen
  • Be­wer­tun­gen
  • Aktionen und Un­ter­hal­tun­gen um ähnliche Produkte

Kom­mu­ni­ka­ti­on in beide Rich­tun­gen

Social Selling ist nur dann er­folg­reich, wenn Un­ter­neh­men die Be­dürf­nis­se, Wünsche und Anliegen der po­ten­zi­el­len Kunden erkennen, verstehen und gezielt darauf reagieren. Im Gegensatz zum Social-Media-Marketing geht es nicht darum, eine Fan­ge­mein­de auf­zu­bau­en und diese re­gel­mä­ßig mit Angeboten und Marketing-Inhalten zu versorgen. Beim Social Selling will man im Idealfall echte Be­zie­hun­gen zur Ziel­grup­pe aufbauen, einen Dialog starten und Kom­mu­ni­ka­ti­on auf Augenhöhe er­mög­li­chen. Indem man für den po­ten­zi­el­len Kunden als An­sprech­part­ner, Ver­trau­ter und Berater auf einem Spe­zi­al­ge­biet auftritt, pro­fi­tie­ren beide Seiten: der Kunde von hoch­wer­ti­gen und mehr­wer­ti­gen Inhalten und In­for­ma­tio­nen, das Un­ter­neh­men von wichtigen Insights in die In­ter­es­sen und Wünsche der Ziel­grup­pe.

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