Die Weiterentwicklung eines CMS: Aus eZ Publish wird eZ Platform und eZ Studio

Die norwegischen Programmierer von eZ Systems besitzen nicht nur ein Faible für unkomplizierte Software-Bedienung, sondern auch für Wortspiele: Ihre eZ (sprich: „easy“) CMS-Anwendungen haben schon dem Namen nach den Anspruch, das hauptsächlich für Unternehmen gedachte Content-Management so einfach wie möglich zu halten. Den Anfang der Software-Reihe machte eZ Publish – 2003 wurde mit eZ Publish 3 der Grundstein für die Bedienung der nachfolgenden Versionen gelegt. Inzwischen ist das CMS in zwei Programme aufgeteilt worden: eZ Platform und eZ Studio. Wir stellen die Anwendungen vor und prüfen, ob sie bei der Benutzerfreundlichkeit Wort halten.

eZ Publish: Das CMS und seine Nachfolger

eZ Publish wurde von eZ Systems zunächst in zwei Ausführungen veröffentlicht: als kostenfreie Version mit der GNU General Public License und als kostenpflichtige Enterprise-Variante. Letztere richtet sich an Unternehmen und umfasst neben dem CMS auch einen Kundenservice.

Die Stärke von eZ Publish lag seit jeher in der Umsetzung von Websites mit vielen Inhalten. Mit den aktuellen Versionen hat sich das Programm darüber hinaus zu einer leistungsstarken Enterprise-CMS-Lösung entwickelt. Neben Unternehmens- und Nachrichtenwebsites bietet sich die Software inzwischen auch für Seiten mit spezifischeren Anforderungen wie umfangreiche Webshops, Communities und Intranet-Lösungen an. Beispielsweise wurde eZ Publish als CMS-Grundlage für die Webauftritte der Financial Times, der Sparda-Banken und von Borussia Dortmund verwendet.

Das CMS wird im Webbrowser ausgeführt, läuft als PHP-Anwendung auf einem Webserver und speichert seine Inhalte in einer SQL-Datenbank. Dank einem Online-Editor und einer Drag-and-Drop-Bedienung können auch Anfänger rasch Content erstellen und eZ Publish-Templates anpassen. Über „Extensions“ lässt sich eZ Publish mit SEO- oder Onlineshop-Plug-ins erweitern. Zahlreiche Erweiterungen für alle eZ CMS-Anwendungen finden Sie beim Onlinedienst GitHub. Erfahrene Nutzer können außerdem eigene Inhaltsklassen erstellen und damit die Datenstruktur individuell anpassen.

eZ Platform

2014 wurde das letzte CMS unter der Bezeichnung eZ Publish veröffentlicht, seither tragen die neuen Versionen des Programms den Namen eZ Platform. Sie können die Open-Source-Software von der offiziellen Seite gratis herunterladen. Die Einführung von eZ Platform Ende 2015 brachte einige Änderungen mit sich:

  • Das System verwendet nun Symfony2 als technische Plattform – eines der meistgenutzten PHP-Webframeworks.
  • Das Backend wurde vollständig überarbeitet und übersichtlicher gestaltet.
  • Im Gegensatz zu eZ Publish werden im Editor nur solche Funktionen eingeblendet, die die Redakteure im jeweiligen Arbeitsprozess wirklich anwenden können.

Weiterhin bietet eZ Platform viele Funktionen, die schon bei eZ Publish als Features im Backend zur Verfügung standen:

  • Benutzerdefinierte Inhaltsklassen und Objekte
  • Mediendatenbank
  • Workflow-Management
  • Templating-System
  • Benutzerrollen- und Rechteverwaltung
  • Pflege mehrerer Websites
  • Versionierungsfunktion

Jedoch wurden nicht alle eZ Publish-Features auf eZ Platform übertragen. Vermissen werden viele die Erweiterung eZ Flow – das Tool besitzt gerade für Multimedia- und E-Commerce-Websites hilfreiche Funktionen. eZ Flow ermöglicht beispielsweise die zeitgesteuerte Veröffentlichung von Inhalten, das einfache Einpflegen von speziellem Medien-Content und die leichte Umsatzgenerierung (etwa durch Adserver oder kostenpflichtige Inhalte der Website). Um die Vorteile der Erweiterung nutzen zu können, benötigen Sie nun neben eZ Platform auch das Programm eZ Studio.

eZ Studio

Bei eZ Studio handelt es sich um eine Software-Erweiterung für eZ Platform. Es kann als Pendant zur Enterprise-Variante von eZ Publish angesehen werden. Mit dem kostenpflichtigen Programm lässt sich Content noch intuitiver herstellen und verwalten. Die eZ Platform-Seiten können dann auch im Frontend per Online-Editor bearbeitet werden. Eine Demo fordern Sie auf der eZ Studio-Homepage an, indem Sie zugleich einige wenige Angaben zu Ihnen (und Ihrem Unternehmen) hinterlassen.

Wichtige Funktionen von eZ Studio:

  • Die Veröffentlichung von Website-Inhalten kann mittels einer Timeline-Funktion geplant werden.
  • Es lassen sich schnell und ohne großes Know-how Landingpages mit komplett anderen Designs anfertigen.
  • Die Content-Überprüfung und -Bearbeitung durch mehrere Redakteure wird dank der Flex-Workflow-Funktion vereinfacht.

Fazit: Die Qualität hat ihren Preis

eZ Platform und eZ Studio werden zusammen unter dem Namen eZ Enterprise in verschiedenen Editionen vermarktet. Ab 10.000 Euro ist das günstigste Paket erhältlich, zu dem neben eZ Platform und eZ Studio ein Webserver, eine Content-Datenbank und der Online-Support gehören. Die teureren Editionen umfassen des Weiteren einen telefonischen Kundenservice, einen technischen Kundenbetreuer sowie jährliche Installationsprüfungen. Mit diesem Komplettpaket haben Unternehmen ein System zur Hand, das eine unkomplizierte und professionelle Content-Pflege ermöglicht.

Der Online-Editor von eZ Studio stellt gleichermaßen unerfahrene wie fachkundige CMS-User zufrieden: Verglichen mit der Kernsoftware des Systems (aber auch mit vielen anderen bekannten CMS) ist er übersichtlicher, einfacher zu bedienen und trotzdem vielseitig einsetzbar. Ebenso punkten die anderen Bestandteile von eZ Studio mit einer intuitiven Bedienung und sinnvollen Features. Die Software aus dem Hause eZ Systems hält also in der Tat, was ihr Name verspricht.

Negativ fällt hingegen auf, dass sich der Funktionsumfang von eZ Platform momentan noch recht eingeschränkt präsentiert. Aus der CMS-Kernsoftware wurden einige nützliche Anwendungen gestrichen, die bei eZ Publish noch gratis verfügbar waren – sie sind nunmehr Teil des kostenpflichtigen eZ Studios. Der Ausbau von eZ Platform um weitere Funktionen ist allerdings langfristig geplant. Davon wird auch abhängen, ob eZ Platform und eZ Studio eine gute Alternative zu bekannten CMS-Konkurrenten wie Joomla, TYPO3 oder Drupal darstellen. Für mittelgroße bis große Unternehmens-Websites mit umfangreichem Content bietet sich das CMS indessen schon jetzt an.


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