Facial Re­co­gni­ti­on (Ge­sichts­er­ken­nung) ist ein al­go­rith­mi­sches Verfahren, das Personen anhand bio­me­tri­scher Ge­sichts­merk­ma­le iden­ti­fi­ziert be­zie­hungs­wei­se deren Identität bestätigt. Ge­sichts­er­ken­nungs­sys­te­me bieten ein ef­fi­zi­en­tes Ve­ri­fi­zie­rungs­ver­fah­ren und eine höhere Ge­nau­ig­keit als klas­si­sche Methoden, bringen jedoch auch einige Her­aus­for­de­run­gen mit sich – ins­be­son­de­re hin­sicht­lich des Da­ten­schut­zes.

De­fi­ni­ti­on: Was ist ein Facial-Re­co­gni­ti­on-System?

Facial Re­co­gni­ti­on – im Deutschen Ge­sichts­er­ken­nung – stellt eine Tech­no­lo­gie zur Iden­ti­fi­zie­rung und Ve­ri­fi­zie­rung von Personen anhand ihrer Ge­sichts­zü­ge dar. Facial-Re­co­gni­ti­on-Systeme basieren auf der Erfassung und Analyse ein­zig­ar­ti­ger bio­me­tri­scher Ge­sichts­merk­ma­le wie der Form der Augen und der Nase, die in ma­the­ma­ti­sche Muster um­ge­wan­delt und mit einer Datenbank ab­ge­gli­chen werden.

Moderne Ge­sichts­er­ken­nungs­sys­te­me lassen sich zur Iden­ti­fi­ka­ti­on von Personen auf Fotos, in Videos und auch in Echtzeit verwenden. Mithilfe ent­spre­chen­der Verfahren besteht zum Beispiel die Mög­lich­keit, ab­zu­glei­chen, ob auf zwei un­ter­schied­li­chen Bildern das Gesicht derselben Person ab­ge­bil­det ist. Darüber hinaus besitzen Facial-Re­co­gni­ti­on-Systeme ebenso die Fähigkeit, große Mengen an Bild- oder Vi­deo­ma­te­ri­al nach einem be­stimm­ten Gesicht zu durch­su­chen.

Hinweis

Bei Facial Re­co­gni­ti­on handelt es sich um ein bio­me­tri­sches Iden­ti­fi­zie­rungs­ver­fah­ren. Ent­spre­chen­de Verfahren zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein­zig­ar­ti­ge, un­ter­scheid­ba­re Merkmale zur Iden­ti­fi­zie­rung von Personen her­an­zie­hen. Neben der Ge­sichts­er­ken­nung fallen bei­spiels­wei­se auch Stimm­erken­nung, Fin­ger­ab­druck­er­ken­nung und Au­gen­er­ken­nung in diese Kategorie.

Wie funk­tio­niert Ge­sichts­er­ken­nung?

Facial Re­co­gni­ti­on ist ein mehr­stu­fi­ger Prozess, der auf Tech­no­lo­gien aus den Bereichen Computer Vision und künst­li­che In­tel­li­genz zu­rück­greift. Obwohl es ver­schie­de­ne Facial-Re­co­gni­ti­on-Systeme gibt, die sich in ihrem Aufbau und ihrer Ar­beits­wei­se un­ter­schei­den, läuft die Iden­ti­fi­zie­rung von Ge­sich­tern ty­pi­scher­wei­se nach dem folgenden Schema ab:

  1. Ge­sichts­er­fas­sung (Face Detection): Der erste Schritt besteht darin, in einem Bild oder Video ein Gesicht zu lo­ka­li­sie­ren – in der Regel mithilfe von Computer Vision. Die Tech­no­lo­gie erfasst nicht nur Ge­sichts­da­ten von vorn, sondern auch im Profil.
  2. Ge­sichts­ana­ly­se (Face Analysis): Als Nächstes ana­ly­siert das Facial-Re­co­gni­ti­on-System die bio­me­tri­schen Merkmale des Gesichts. Zu den wich­tigs­ten Variablen zählen bei­spiels­wei­se die Tiefe der Au­gen­höh­len und der Abstand der Augen, die Form der Wan­gen­kno­chen und die Kontur der Lippen, Ohren sowie des Kinns. Die meisten Ge­sichts­er­ken­nungs­sys­te­me ziehen für die Analyse 2D-Bilder heran, da diese sich einfacher mit öf­fent­li­chen Fotos und Da­ten­ban­ken ab­glei­chen lassen.
  3. Er­stel­lung eines Face­prints: Der Al­go­rith­mus wandelt die erfassten Ge­sichts­merk­ma­le in eine digitale Signatur um, die als „Faceprint” be­zeich­net wird und eine ma­the­ma­ti­sche Re­prä­sen­ta­ti­on des Gesichts darstellt. Da jeder Mensch eigene Ge­sichts­zü­ge besitzt, ist diese wie ein Fin­ger­ab­druck ein­zig­ar­tig.
  4. Vergleich mit Datenbank: Das Ge­sichts­er­ken­nungs­sys­tem gleicht den erstellen Faceprint mit einer Datenbank bekannter Gesichter ab und bewertet die Wahr­schein­lich­keit einer Ge­sichts­über­ein­stim­mung. Den hoch­ent­wi­ckel­ten Ver­gleich­s­al­go­rith­men gelingt es, trotz un­ter­schied­li­cher Licht­ver­hält­nis­se, Ge­sichts­aus­drü­cke und Auf­nah­me­win­kel, Über­ein­stim­mun­gen zu finden.
Hinweis

Dass ins­be­son­de­re 2D-Ge­sichts­er­ken­nungs­sys­te­me verwendet werden, um Bilder zu ana­ly­sie­ren, liegt in erster Linie daran, dass sie einfacher zu im­ple­men­tie­ren und kos­ten­güns­ti­ger sind. 3D-Ge­sichts­er­ken­nung verwendet Tie­fen­in­for­ma­tio­nen, um Gesichter aus ver­schie­de­nen Winkeln und unter schwie­ri­gen Licht­ver­hält­nis­sen zu erkennen. Dadurch sind die Lösungen zwar präziser, aber auch komplexer und teurer.

Was sind die wich­tigs­ten An­wen­dungs­ge­bie­te für Ge­sichts­er­ken­nungs­sys­te­me?

Die Ge­sichts­er­ken­nungs­tech­no­lo­gien werden mitt­ler­wei­le für eine Vielzahl von An­wen­dun­gen genutzt. Zu den wich­tigs­ten Ein­satz­ge­bie­ten zählen:

  • Smart­phones: Zahl­rei­che Smart­phone-Modelle bieten Nut­ze­rin­nen und Nutzern die Mög­lich­keit, das Gerät mittels Facial Re­co­gni­ti­on zu ent­sper­ren. Nach Aussagen des Her­stel­lers Apple zur „Face ID“ liegt die Wahr­schein­lich­keit, dass ein zu­fäl­li­ges Gesicht ein iPhone entsperrt, bei weniger als eins zu einer Million.
  • Straf­ver­fol­gung: In den USA – aber auch in anderen Ländern – findet Ge­sichts­er­ken­nung zunehmend Ver­wen­dung, um Personen ausfindig zu machen, nach denen po­li­zei­lich gefahndet wird. Die Tech­no­lo­gie er­mög­licht es Be­am­tin­nen und Beamten sogar, mit einem mobilen Endgerät ein Foto vor Ort auf­zu­neh­men und dieses mit Da­ten­ban­ken ab­zu­glei­chen.
  • Flughäfen und Grenz­kon­trol­len: Eine zu­neh­men­de Anzahl an Reisenden verfügt über bio­me­tri­sche Pässe, mit denen sich lange War­te­schlan­gen dank ePass-Kontrolle über­sprin­gen lassen. Facial Re­co­gni­ti­on wird zudem bei Groß­ver­an­stal­tun­gen wie den Olym­pi­schen Spielen genutzt, um für eine bessere Si­cher­heit zu sorgen.
  • Banking: Die Banking-Apps vieler Kre­dit­in­sti­tu­te eröffnen Userinnen und Usern die Option, Trans­ak­tio­nen per Ge­sichts­er­ken­nung zu au­then­ti­fi­zie­ren. Da kein Passwort be­zie­hungs­wei­se keine PIN ein­zu­ge­ben ist, haben Cy­ber­kri­mi­nel­le auch keine Ge­le­gen­heit, ent­spre­chen­de Daten aus­zu­spä­hen. Dadurch steigt die Si­cher­heit im Online-Banking.
  • Ge­sund­heits­we­sen: Mittels eines Ge­sichts­er­ken­nungs­sys­tems lässt sich die Pa­ti­en­ten­re­gis­trie­rung in Kran­ken­häu­sern ra­tio­na­li­sie­ren. Facial Re­co­gni­ti­on er­mög­licht es außerdem, Emotionen und Schmerzen bei den zu be­han­deln­den Personen zu erkennen.
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Fünf An­wen­dungs­bei­spie­le für Facial Re­co­gni­ti­on aus der Praxis

  • Der E-Commerce-Gigant Amazon hat ein cloud­ba­sier­tes Ge­sichts­er­ken­nungs­sys­tem namens Re­ko­gni­ti­on ent­wi­ckelt, das neben der ge­sichts­ba­sier­ten Be­nut­zer­ve­ri­fi­zie­rung bei­spiels­wei­se auch Stim­mungs­ana­ly­sen und das Scannen von Videos auf an­züg­li­che Inhalte erlaubt.
  • Der Tech­kon­zern Apple gestattet es seinen Kundinnen und Kunden, per Ge­sichts­er­ken­nung ihr Smart­phone schnell zu ent­sper­ren. Es ist darüber hinaus auch möglich, Facial Re­co­gni­ti­on für die Anmeldung bei Apps und für die Be­stä­ti­gung von Einkäufen zu nutzen.
  • British Airways er­mög­licht Reisenden (je nach Flughafen) eine Iden­ti­täts­über­prü­fung via Facial Re­co­gni­ti­on. Dadurch entfällt die Not­wen­dig­keit, den Reisepass oder die Bordkarte vor­zu­zei­gen.
  • Coca-Cola greift unter anderem auf Ge­sichts­er­ken­nung zurück, um Kundinnen und Kunden in China dafür zu belohnen, Flaschen und Dosen zu recyceln. In Aus­tra­li­en schaltet das Un­ter­neh­men per­so­na­li­sier­te Werbung an seinen Ge­trän­ke­au­to­ma­ten und in Israel wird Facial Re­co­gni­ti­on im Zu­sam­men­hang mit Event­mar­ke­ting verwendet.
  • Die Social-Media-Plattform Facebook nutzt in den USA schon seit 2010 ein Ge­sichts­er­ken­nungs­tool, um Personen au­to­ma­tisch auf Fotos zu markieren (seit 2019 nur noch auf frei­wil­li­ger Basis).

Welche Rolle spielt künst­li­che In­tel­li­genz für Facial Re­co­gni­ti­on?

Künst­li­che In­tel­li­genz ist in der Ent­wick­lung und für die Funk­ti­ons­wei­se moderner Facial-Re­co­gni­ti­on-Systeme von zentraler Bedeutung. KI-Tools er­mög­li­chen die kon­ti­nu­ier­li­che Ver­bes­se­rung der Tech­no­lo­gie durch ma­schi­nel­les Lernen. Ent­spre­chen­de Systeme nutzen be­reit­ge­stell­te Daten, um ihre Al­go­rith­men an­zu­pas­sen und auf diese Weise mit der Zeit immer ef­fi­zi­en­ter zu werden.

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Häufig bilden neuronale Netze die Grundlage moderner Facial-Re­co­gni­ti­on-Systeme. Zum Einsatz kommen vor allem so­ge­nann­te Con­vo­lu­tio­nal Neural Networks (CNNs), die Ge­sichts­bil­der stu­fen­wei­se ver­ar­bei­ten und selbst unter sub­op­ti­ma­len Be­din­gun­gen sehr präzise Face­prints ge­ne­rie­ren. Dies schaffen CNN-Systeme sogar in Echtzeit, was sich ins­be­son­de­re für si­cher­heits­kri­ti­sche An­wen­dun­gen wie Zu­gangs­kon­trol­len oder Über­wa­chungs­sys­te­me als vor­teil­haft erweist.

Welche Chancen und Risiken birgt der Einsatz von Ge­sichts­er­ken­nung?

Facial Re­co­gni­ti­on bietet ins­be­son­de­re in den Bereichen Si­cher­heit und Effizienz er­heb­li­ches Potenzial. Ge­sichts­er­ken­nungs­sys­te­me der heutigen Ge­ne­ra­ti­on er­mög­li­chen eine glei­cher­ma­ßen schnelle wie zu­ver­läs­si­ge Iden­ti­fi­ka­ti­on von Personen, was sich sowohl bei Zu­gangs­kon­trol­len als auch bei der Ver­bre­chens­be­kämp­fung und Auf­klä­rung von Straf­ta­ten als nützlich erweist. Facial-Re­co­gni­ti­on-Systeme tragen außerdem zur Ver­bes­se­rung von Be­nutz­er­leb­nis­sen bei – etwa als Ent­sper­rungs­op­ti­on von Smart­phones. Un­ter­neh­men gestattet es Ge­sichts­er­ken­nung unter anderem, per­so­na­li­sier­te Dienst­leis­tun­gen zu of­fe­rie­ren und Prozesse zu op­ti­mie­ren.

Als größte Risiken der Ge­sichts­er­ken­nung gelten der Da­ten­schutz und die Pri­vat­sphä­re. Da Facial-Re­co­gni­ti­on-Systeme die Mög­lich­keit eröffnen, Personen unbemerkt zu iden­ti­fi­zie­ren und zu über­wa­chen, besteht die Gefahr eines Miss­brauchs durch Re­gie­run­gen, Un­ter­neh­men und Cy­ber­kri­mi­nel­le. Darüber hinaus äußern Fachleute auch Bedenken hin­sicht­lich der Ge­nau­ig­keit von Facial Re­co­gni­ti­on, die sich vor allem auf ethnische Min­der­hei­ten beziehen, bei denen häufiger Feh­li­den­ti­fi­ka­tio­nen auftreten.

Hinweis

Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass zu­künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen in der Ge­sichts­er­ken­nung die Ge­nau­ig­keit und Zu­ver­läs­sig­keit weiter erhöhen werden – ins­be­son­de­re durch den Einsatz von künst­li­cher In­tel­li­genz und ma­schi­nel­lem Lernen. Neue An­wen­dun­gen könnten vor allem in den Bereichen Augmented Reality und Smart Citys entstehen. Um Miss­brauch zu ver­hin­dern, besteht der große Spagat dabei darin, dass Re­gu­lie­run­gen und ethische Standards mit dem tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt Schritt halten.

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