Die fünfte Ebene des OSI-Modells wird als Sit­zungs­schicht be­zeich­net. Sie ist für die Ver­bin­dung zwischen zwei End­sys­te­men ver­ant­wort­lich, or­ga­ni­siert den Da­ten­aus­tausch und syn­chro­ni­siert diesen. Dadurch muss im Falle eines un­er­war­te­ten Abbruchs die Kom­mu­ni­ka­ti­on nicht wieder von vorne beginnen.

Was ist die Sit­zungs­schicht?

Die Sit­zungs­schicht wird auch als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­steue­rungs­schicht oder Session Layer be­zeich­net. Sie ist die fünfte Ebene des aus sieben Schichten be­stehen­den OSI-Modells, welches in den 1970er Jahren ent­wi­ckelt wurde, um Standards für die In­ter­ak­ti­on zwischen un­ter­schied­li­chen Geräten und Systemen in einem Netzwerk zu schaffen.

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­steue­rung auf der Sit­zungs­schicht

Die Haupt­auf­ga­be der Sit­zungs­schicht besteht darin, eine logische Ver­bin­dung zwischen zwei Systemen auf­zu­bau­en. Diese Ver­bin­dung wird als Sitzung be­zeich­net. Sie ist jeweils ein­zig­ar­tig und eindeutig. Auch die Kontrolle dieser Sitzungen oder Sessions obliegt der Sit­zungs­schicht. So kann die Ebene zum Beispiel den tem­po­rä­ren Zugriff auf ein anderes System erlauben und dabei die Kom­mu­ni­ka­ti­on steuern.

Diese findet beid­sei­tig, parallel oder rich­tungs­ab­hän­gig statt. Man spricht von einer Dia­log­kon­trol­le (Dialog Control), die von der OSI-Sit­zungs­schicht über­nom­men wird. Für eine ein­sei­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on kann der Session Layer Token vergeben, um die Rei­hen­fol­ge zu regeln und so einen un­ge­stör­ten Dialog zu er­mög­li­chen.

Diese Tokens werden für die OSI-Sit­zungs­schicht in vier Ka­te­go­rien un­ter­teilt:

  • Da­ten­mar­ken (Data Token): Diese geben während einer ein­sei­ti­gen Kom­mu­ni­ka­ti­on im Halb-Duplex-Betrieb an, welche Seite wann senden darf.
  • Ak­ti­vi­täts­mar­ken (Activity Major Token): Ak­ti­vi­täts­mar­ken un­ter­tei­len eine Ver­bin­dung in un­ter­schied­li­che Ak­ti­vi­tä­ten. Wird eine Aktivität un­ter­bro­chen oder ab­ge­bro­chen, kann sie später in dieser oder einer anderen Sitzung wie­der­auf­ge­nom­men werden.
  • Syn­chro­ni­sa­ti­ons­mar­ken (Syn­chro­ni­ze Minor Token): Diese Tokens sind von 0 bis 999.999 durch­num­me­riert und werden verwendet, um eine Kom­mu­ni­ka­ti­on zu un­ter­tei­len. Mehr über die Syn­chro­ni­sa­ti­on auf der Sit­zungs­ebe­ne erfahren Sie im weiteren Verlauf dieses Textes.
  • Be­en­di­gungs­mar­ken (Release Token): Diese markieren das Ende einer Session.

Syn­chro­ni­sa­ti­on auf der Sit­zungs­schicht

Neben der Or­ga­ni­sa­ti­on und Steuerung der Kom­mu­ni­ka­ti­on ist die Syn­chro­ni­sa­ti­on des Da­ten­aus­tauschs ein zweiter sehr wichtiger Dienst, der von der Sit­zungs­schicht be­reit­ge­stellt wird. Dieser rückt vor allem dann in den Fokus, wenn eine Da­ten­über­tra­gung auf der vierten oder einer dar­un­ter­lie­gen­den Ebene un­er­war­tet und ungewollt ab­ge­bro­chen wird.

Die OSI-Sit­zungs­schicht erstellt speziell für solche Fälle Syn­chro­ni­sa­ti­ons­punk­te. Wird dann die Kom­mu­ni­ka­ti­on un­ter­bro­chen, kann die Über­tra­gung an einem solchen Punkt wieder auf­ge­nom­men werden und muss nicht komplett von vorne beginnen. Ins­be­son­de­re bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on über langsame oder instabile Ver­bin­dun­gen oder bei besonders um­fang­rei­chen Dateien ist dieser Dienst eine große Hilfe.

Die Syn­chro­ni­sa­ti­ons­punk­te, die von der Sit­zungs­schicht zur Verfügung gestellt werden, un­ter­teilt man in zwei große Ka­te­go­rien.

  • Major-Syn­chro­ni­sa­ti­ons­punk­te un­ter­tei­len Daten, die aus­ge­tauscht werden sollen, in einzelne Einheiten. Diese Syn­chro­ni­sa­ti­ons­punk­te müssen aus­drück­lich bestätigt werden.
  • Minor-Syn­chro­ni­sa­ti­ons­punk­te sorgen innerhalb der Einheiten für eine logische und prak­ti­sche Struktur. Ihre Be­stä­ti­gung ist optional.

Welche Dienste führt die OSI-Sit­zungs­schicht aus?

Die zum Teil bereits erwähnten Dienste der Sit­zungs­schicht werden den An­wen­dungs­pro­zes­sen zur Verfügung gestellt und verfolgen alle das Ziel, die Kom­mu­ni­ka­ti­on besser zu or­ga­ni­sie­ren und zu syn­chro­ni­sie­ren. Sie kommen zum Einsatz, wenn die Sit­zungs­schicht von der Trans­port­schicht (Ebene 4) eine Ver­bin­dung zu einem zweiten Rechner anfordert. Die un­ter­schied­li­chen Dienste werden in Funk­ti­ons­ein­hei­ten zu­sam­men­ge­fasst. Die In­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­ti­on für Stan­da­ri­sie­rung (ISO), welche auch das OSI-Modell mit­ent­wi­ckelt hat, schlägt folgende Klas­si­fi­zie­rung für die Funk­ti­ons­ein­hei­ten vor. Die passende Kom­bi­na­ti­on wird im Vorfeld der Sitzung von beiden Parteien fest­ge­legt.

  • Basic Combined Subset (BCS): kom­pa­ti­bel mit Kernel, Halb-Duplex und Duplex
  • Basic Syn­chro­ni­zed Subset (BSS): kom­pa­ti­bel mit Kernel, Halb-Duplex, Nego­tia­ted Release, Minor- und Major-Syn­chro­ni­sa­ti­ons­punk­te sowie Re­syn­chro­ni­sa­ti­on
  • Basic Activity Subset (BAS): kom­pa­ti­bel mit Kernel, Halb-Duplex, Minor-Syn­chro­ni­sa­ti­ons­punk­te, Ausnahmen, Ak­ti­vi­täts­ma­nage­ment

Welche Pro­to­kol­le nutzen die Sit­zungs­schicht?

Es gibt zahl­rei­che Pro­to­kol­le, die die OSI-Sit­zungs­schicht nutzen. Dafür stellt die Sit­zungs­schicht ihre Pro­to­kol­le und Dienste den höher liegenden Ebenen über Pro­gram­mier­schnitt­stel­len zur Verfügung. Die Parameter und Ei­gen­schaf­ten der darunter liegenden Schichten sind dabei für die be­last­ba­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­bin­dun­gen nicht relevant. Zu den Pro­to­kol­len, die die Sit­zungs­schicht nutzen, gehören unter anderem folgende:

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