In einer glo­ba­li­sier­ten Welt agieren Un­ter­neh­men zunehmend in­ter­na­tio­nal. Auch On­line­händ­ler haben es mit Kun­den­krei­sen in un­ter­schied­lichs­ten Ländern zu tun – jeder mit einer eigenen Sprache und eigenen so­zio­kul­tu­rel­len Ge­pflo­gen­hei­ten. Eine Standard-Website für alle reicht da oft nicht aus. Statt­des­sen wollen Kon­su­men­ten mit maß­ge­schnei­der­ten Web­in­hal­ten direkt adres­siert werden. Doch On­line­mar­ke­ting strebt nicht aus­schließ­lich in die Weite. Auch die gezielte Aus­steue­rung von Wer­be­mit­teln und Pro­dukt­an­ge­bo­ten auf lokale Kunden gilt als er­folg­ver­spre­chend. In beiden Fällen kommt Geo­tar­ge­ting zum Einsatz. Doch was kann eine Kun­den­lo­ka­li­sie­rung leisten und wie wird diese umgesetzt?

Was ist Geo­tar­ge­ting?

Als Teil­ge­biet des Ziel­grup­pen-Tar­ge­tings umfasst das Geo­tar­ge­ting ver­schie­de­ne Tech­no­lo­gien, die im On­line­mar­ke­ting zum Einsatz kommen, um Kun­den­grup­pen geo­gra­fisch zu lo­ka­li­sie­ren. Ziel ist es, In­ter­net­nut­zern in einer be­stimm­ten Region passgenau zu­ge­schnit­te­ne Web­in­hal­te zur Verfügung zu stellen. Dies können Sprach­ver­sio­nen einer Website oder Wer­be­an­zei­gen mit re­gio­na­lem Bezug sein. Geo­tar­ge­ting spielt im E-Commerce eine zentrale Rolle, kommt jedoch nicht aus­schließ­lich im Rahmen kom­mer­zi­el­ler Web­an­ge­bo­te zum Einsatz. Wir geben Ihnen einen Überblick über die gän­gigs­ten Lo­ka­li­sie­rungs­ver­fah­ren, gehen auf die An­wen­dungs­fel­der des Geo­tar­ge­tings ein und zeigen Grenzen und Risiken der Tech­no­lo­gie auf.

Haupt­mo­ti­va­ti­on für Targeting-Maßnahmen ist die Annahme, dass In­ter­net­nut­zer Web­in­hal­te, die auf ihre eigenen Be­dürf­nis­se zu­ge­schnit­ten sind, als re­le­van­ter bewerten. Ein zentraler Faktor ist dabei der Standort eines Nutzers. Dieser gibt Online-Anbietern Hinweise auf die be­vor­zug­te Sprache, so­zio­kul­tu­rel­le Be­son­der­hei­ten oder recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen in der ent­spre­chen­den Region. Doch Geo­tar­ge­ting kommt nicht aus­schließ­lich im Rahmen der Ziel­grup­pen­an­spra­che bei der Be­reit­stel­lung von Web­in­hal­ten oder der Auf­be­rei­tung von Online-Wer­be­mit­teln zum Einsatz. Auch Ent­wick­ler von Smart­phone-Apps nutzen die Mög­lich­kei­ten der Stand­ort­be­stim­mung, um Cross-Media-Stra­te­gien um­zu­set­zen und On­line­ka­nä­le mit Offline-Touch­points zu ver­knüp­fen. Zudem finden Geo­tar­ge­ting-Techniken in der Markt­wirt­schaft, beim Ur­he­ber­schutz und der Ab­si­che­rung von on­lin­ege­stütz­ten Be­zahl­vor­gän­gen Anwendung.

  • Mehr­spra­chi­ge Online-Angebote: Viele Websites richten sich an Nutzer weltweit und bieten daher Inhalte in ver­schie­de­nen Sprach­ver­sio­nen an. Einen Hinweis auf die be­vor­zug­te Sprache geben Header-In­for­ma­tio­nen, die jeder Web­brow­ser bei Ser­ver­an­fra­gen au­to­ma­tisch über­mit­telt. Wird eine mehr­spra­chi­ge Website über einen Browser mit deutschen Sprach­ein­stel­lun­gen auf­ge­ru­fen, spielt das zu­grun­de­lie­gen­de Content-Ma­nage­ment-System die deutsche Sprach­ver­si­on aus. Ein Web­sei­ten­be­su­cher aus den USA hingegen liest denselben Inhalt mög­li­cher­wei­se zeit­gleich in eng­li­scher Sprache. Doch nicht alle Websites verlassen sich aus­schließ­lich auf die Header-In­for­ma­tio­nen. Auch Geo­tar­ge­ting er­mög­licht eine Sprach­be­stim­mung auf Basis tech­ni­scher Lo­ka­li­sie­rungs­ver­fah­ren.
  • Geo­tar­ge­ting im E-Commerce: Auch On­line­shops richten sich mit mehr­spra­chi­gen Websites an eine in­ter­na­tio­na­le Kund­schaft. Geo­tar­ge­ting bietet hier die Mög­lich­keit, ver­schie­de­ne Versionen eines Shops unter derselben globalen URL an­zu­bie­ten. Diese halten je nach Ziel­re­gi­on eine andere Pro­dukt­pa­let­te, re­gio­nal­spe­zi­fi­sche Währungen, Preise und  Lie­fer­be­din­gun­gen sowie In­for­ma­tio­nen zur nächst­ge­le­ge­nen Off­line­fi­lia­le bereit.
  • Regional aus­ge­steu­er­te Werbung: Die Wer­be­bra­che bedient sich der tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten, In­ter­net­nut­zer zu orten, um die An­zei­gen­re­le­vanz für die ge­wünsch­te Ziel­grup­pe zu steigern. Wer­be­netz­wer­ke wie Google AdWords oder Mi­cro­softs Bing Ads bieten Werbenden Funk­tio­nen, um mit Anzeigen für regionale Produkte oder Dienst­leis­tun­gen gezielt In­ter­net­nut­zer aus den ent­spre­chen­den Gebieten ins Visier zu nehmen. So haben bei­spiels­wei­se lokale Hand­werks­be­trie­be die Mög­lich­keit, On­line­wer­bung zu nutzen, um Neukunden aus der Umgebung zu gewinnen. Ziel ist es, durch eine regionale Aus­steue­rung Wer­be­aus­ga­ben zu re­du­zie­ren und die ver­füg­ba­ren Mittel da ein­zu­set­zen, wo sie die größte Wirkung erzielen.
  • Stand­ort­be­zo­ge­ne Services: Mit der zu­neh­men­den Ver­brei­tung von Smart­phones und Tablets gewinnt Geo­tar­ge­ting auch im Rahmen stand­ort­be­zo­ge­ner Services („Location-based Services“, LBS) an Bedeutung. Zahl­rei­che Apps erfassen den Auf­ent­halts­ort eines Nutzers bei Ein­ver­ständ­nis au­to­ma­tisch. Dies gibt Ent­wick­lern die Mög­lich­keit, Software-Funk­tio­nen auf den aktuellen Standort ab­zu­stim­men. Denkbar sind Dienste, die nur innerhalb eines Un­ter­neh­mens oder in aus­ge­wähl­ten Ge­schäf­ten und Re­stau­rants verfügbar sind. Anwendung finden LBS bei­spiels­wei­se bei Coupon-Apps: Betritt ein Kunde ein teil­neh­men­des Geschäft, poppt au­to­ma­tisch eine Ra­batt­mar­ke auf dem Smart­phone-Display auf.
  • Markt­for­schung: Auch die Markt­for­schung setzt auf Geo-Daten, wenn es darum geht, Ziel­grup­pen zu bestimmen und die Nachfrage nach Produkten oder Dienst­lei­tun­gen auf geo­gra­fi­sche Gebiete ein­zu­gren­zen.
  • Ur­he­ber­schutz: Im Rahmen des Ur­he­ber­schut­zes kommt eine Form der Nut­zer­loka­li­sie­rung zum Einsatz, die als Ge­o­blo­cking be­zeich­net wird. Mul­ti­me­dia­platt­for­men wie YouTube nutzen die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten des Geo­tar­ge­tings, um Inhalte auf bestimmte Länder oder Regionen zu be­schrän­ken und so die Rechte der Urheber zu schützen. Auch ge­büh­ren­fi­nan­zier­te Web­in­hal­te öf­fent­lich-recht­li­cher Rund­funk­an­stal­ten wie der ARD lassen sich zum Teil nur in den Ur­sprungs­län­dern abrufen.
  • Zah­lungs­si­cher­heit: Ein weiteres Ein­satz­ge­biet der Nut­zer­loka­li­sie­rung sind Online-Be­zahl­vor­gän­ge. Zah­lungs­an­bie­ter nutzen Geo­tar­ge­ting-Techniken, um Stand­ort­in­for­ma­tio­nen mit den Account-Daten eines Nutzers ab­zu­glei­chen und so mögliche Un­ge­reimt­hei­ten auf­zu­de­cken.

Wie funk­tio­niert Geo­tar­ge­ting?

Geo­tar­ge­ting-Techniken un­ter­schei­den sich auf Basis der Daten, die zur Be­stim­mung des Nut­zer­stand­orts verwendet werden. Neben der frei­wil­li­gen Auskunft durch manuelle Eingaben oder die Stand­ort­frei­ga­be im Web­brow­ser kommen Verfahren zum Einsatz, die sich auf eine au­to­ma­ti­sier­te Aus­wer­tung von IP-Adressen oder GPS-Daten stützen.

Geo­tar­ge­ting durch Nut­zer­ein­ga­ben

Eine einfache tech­ni­sche Umsetzung des Geo­tar­ge­tings stützt sich auf manuelle Nut­zer­ein­ga­ben. Noch immer finden sich Web­an­ge­bo­te im Netz, bei denen Nutzer auf der Start­sei­te manuell auswählen, welche Län­der­ver­si­on der Website sie aufrufen möchten oder aus welcher Region der Zugriff erfolgt. Umsetzen lässt sich dies durch On­line­for­mu­la­re, die eine Post­leit­zahl oder die ge­wünsch­te Sprache abfragen und an­schlie­ßend auf die ent­spre­chen­den Inhalte wei­ter­lei­ten.

Eine andere Mög­lich­keit der Stand­ort­be­stim­mung bietet sich ihm Rahmen eines Re­gis­trie­rungs­pro­zes­ses an – bei­spiels­wei­se bei der Anmeldung auf einer Website, in einem Forum oder für eine Web-App. In diesem Fall sind Stand­ort­in­for­ma­tio­nen nur von re­gis­trier­ten Nutzern verfügbar, die bei­spiels­wei­se Angaben zu Ihrem Wohnort hin­ter­legt haben. Der aktuelle Auf­ent­halts­ort wird bei dieser Art der Geo­lo­ka­li­sie­rung nur selten be­rück­sich­tigt. Eine Stand­ort­be­stim­mung aufgrund frei­wil­li­ger Angaben ist daher ungenau und abhängig von der Auf­rich­tig­keit des Nutzers.

Stand­ort­frei­ga­be im Web­brow­ser

Mit der HTML5 Geo­lo­ca­ti­on-API bietet das World Wide Web Con­sor­ti­um (W3C) eine Pro­gram­mier­schnitt­stel­le, über die Webseiten und An­wen­dun­gen den Browser anweisen können, stand­ort­re­le­van­te Daten aus dem Be­triebs­sys­tem zu­sam­men­zu­tra­gen. Diese werden an den im Browser ein­ge­tra­ge­nen Geo­lo­ca­ti­on-Provider über­mit­telt, der wiederum mit konkreten Ko­or­di­na­ten und Adresse antwortet. Diese werden über die Geo­lo­ca­ti­on-API aus­ge­le­sen und der Website be­reit­ge­stellt. Die Qualität der Angaben hängt von der tech­ni­schen Aus­stat­tung des Endgeräts und den ver­füg­ba­ren Daten ab.

Mögliche In­for­ma­tio­nen umfassen GPS-Daten, Netz­werk­si­gna­le wie die IP-Adressen, WLAN, RFID und Bluetooth-MAC-Adressen sowie Daten im Rahmen der Funk­zel­len­or­tung (GSM/CDMA). Diese un­ter­schei­den sich vor allem bezüglich der Ge­nau­ig­keit der Ortung. Je nach Lo­ka­li­sie­rungs­tech­nik sind Ab­wei­chun­gen von wenigen Metern bis hin zu mehreren Ki­lo­me­tern möglich. Die HTML5 Geo­lo­ca­ti­on-API gibt daher sowohl Geo-Ko­or­di­na­ten als auch einen Wert zur Be­ur­tei­lung der Ge­nau­ig­keit aus.

Die Stand­ort­frei­ga­be erfordert die Zu­stim­mung des Nutzers und un­ter­schei­det sich in ihrem Umfang ja nach Web­brow­ser. Google Chrome gestattet die Freigabe von Stand­ort­da­ten seit Version 50 bei­spiels­wei­se nur noch bei HTTPS-Ver­bin­dun­gen. Ob ein Nutzer seine aktuelle Position mitteilen möchte, wird bei jeder Website oder Web­an­wen­dung separat abgefragt.

IP-Targeting

Ein zentrales Netz­werk­si­gnal zur Stand­ort­be­stim­mung ist die IP-Adresse. Jeder In­ter­net­nut­zer sendet bei der Da­ten­über­tra­gung via HTTP (Hypertext Transfer Protocol) eine Ab­sen­der­adres­se ins Netz. Dabei handelt es sich um die IPv4-Adresse des Routers oder eine ge­rä­te­spe­zi­fi­sche IPv6-Adresse. Im World Wide Web kommen IP-Adressen zum Einsatz, um Geräte adres­sier­bar und somit er­reich­bar zu machen. Im Rahmen eines Web­sei­ten­auf­rufs ver­schickt ein Nutzer eine HTTP-Anfrage an die IP-Adresse des zu­stän­di­gen Web­ser­vers. Diese wird au­to­ma­tisch mit einer Ab­sen­der­adres­se versehen. Der adres­sier­te Webserver hat somit die Mög­lich­keit, den Absender der Anfrage zu iden­ti­fi­zie­ren und das an­ge­for­der­te Da­ten­pa­ket zu­rück­zu­sen­den.

Aufgrund der Adress­knapp­heit von IPv4-Adressen stehen Routern und Client-Geräten anders als Web­ser­vern meist keine sta­ti­schen Adressen zur Verfügung. Statt­des­sen werden die IPs von Internet-Service-Providern (ISP) dynamisch vergeben. In der Regel ändert sich die IP-Adresse privater In­ter­net­an­schlüs­se etwa alle 24 Stunden. Eine grobe Stand­ort­be­stim­mung auf Basis der IP ist dennoch möglich. Grund dafür ist das Ver­ga­be­ver­fah­ren von IP-Adressen unter der Schirm­herr­schaft der IANA (Internet Assigned Numbers Authority), einer Abteilung der ICANN (Internet Cor­po­ra­ti­on for Assigned Names and Numbers). Diese ist mit der Zuteilung von IP-Adress­be­rei­chen an so­ge­nann­te RIRs (Regional Internet Re­gis­tries) betraut. Derzeit finden sich weltweit fünf RIRs mit un­ter­schied­li­chen re­gio­na­len Zu­stän­dig­kei­ten:

  • Réseaux IP Européens Network Coor­di­na­ti­on Centre (RIPE NCC): Zuständig für Europa, den Nahen Osten und Zen­tral­asi­en.
  • American Registry for Internet Numbers (ARIN): Zuständig für die USA, Kanada, das Bermuda-Gebiet, die Bahamas und Teile der Karibik.
  • Asia-Pacific Network In­for­ma­ti­on Centre (APNIC): Zuständig für Asien und Pazifik-Region.
  • Latin American and Caribbean Internet Addresses Registry (LACNIC): Zuständig für La­tein­ame­ri­ka und Teile der Karibik.
  • African Network In­for­ma­ti­on Centre (AfriNIC): Zuständig für Afrika.

Die fünf RIRs teilen die ihnen zur Verfügung ge­stell­ten Adress­be­rei­che in Segmente auf und geben diese an lokale Ver­ga­be­stel­len (Local Internet Re­gis­tries, LIR) weiter. In der Regel handelt es sich dabei um Internet-Service-Provider (ISP), die das End­kun­den­ge­schäft abwickeln.

Jeder ISP verfügt über einen festen Pool an Adressen, die Kun­den­rou­tern oder End­ge­rä­ten dynamisch oder statisch zugeteilt werden. Auf Basis der IP lassen sich somit to­po­lo­gi­sche In­for­ma­tio­nen über den hier­ar­chi­schen Aufbau des Adress­sys­tems und die Zuordnung von Teil­net­zen auslesen. Dadurch können Web­sei­ten­be­trei­ber zu­rück­ver­fol­gen, von welchem ISP eine IP vergeben wurde. Dessen Standort und Ein­fluss­be­reich wiederum lassen Rück­schlüs­se auf die ungefähre Position eines Nutzers zu. Die genaue Adresse eines Kun­den­an­schlus­ses kann im Rahmen des Geo­tra­ckings jedoch nicht genutzt werden, da sie dem Da­ten­schutz un­ter­liegt und lediglich dem ISP bekannt ist.

Doch gerade bei großen Internet-Service-Providern ist die Stand­ort­be­stim­mung auf Grundlage der in der IP kodierten In­for­ma­tio­nen für Geo­tar­ge­ting-Maßnahmen un­zu­rei­chend. Zahl­rei­che Dienst­leis­ter haben sich daher auf die Er­mitt­lung von Zu­satz­in­for­ma­tio­nen spe­zia­li­siert, um den Standort einer IP-Adresse genauer bestimmen zu können. Web­sei­ten­be­trei­bern stehen diese In­for­ma­tio­nen in der Regel kos­ten­pflich­tig in kon­ti­nu­ier­lich ak­tua­li­sier­ten Da­ten­ban­ken zur Verfügung.

Um die Geo­lo­ca­ti­on einer IP-Adresse so genau wie möglich zu bestimmen, kommen Lo­ka­li­sie­rungs­stra­te­gien zum Einsatz, die sich auf Netz­mes­sun­gen stützen und diese mit La­tenz­zei­ten ab­glei­chen. Andere Ansätze greifen auf BGP-Rou­ting­ta­bel­len, Adress-Präfixe und Whois-Da­ten­be­stän­de zurück, um IP-Adressen in Cluster ein­zu­tei­len. Zudem finden sich IP-Da­ten­ban­ken, die durch frei­wil­li­ge Nut­zer­aus­künf­te im Rahmen von Online-Ge­winn­spie­len aufgebaut wurden. Trotz dieser Bemühung liefert die IP-basierte Stand­ort­be­stim­mung bes­ten­falls Nä­he­rungs­wer­te. Web­sei­ten­be­trei­ber, die ver­läss­li­che Daten benötigen, sollten auf die Stand­ort­frei­ga­be im Web­brow­ser setzen.

GPS-Targeting

GPS-Targeting stützt sich auf ein sa­tel­li­ten­ba­sier­tes Or­tungs­sys­tem. Mit dessen Hilfe lässt sich die Position eines Endgeräts bis auf wenige Meter genau bestimmen. Dazu werden die Pseudo-Lauf­zei­ten von 6 bis 12 Sa­tel­li­ten­si­gna­len aus­ge­wer­tet. GPS-Empfänger sind heute in nahezu allen modernen Mo­bil­ge­rä­ten verbaut. Sta­tio­nä­re Computer lassen sich via GPS in der Regel nicht orten. GPS-Targeting kommt daher in erster Linie bei der Ziel­grup­pen­aus­rich­tung mobiler Webseiten, zur Umsetzung stand­ort­be­zo­ge­ner Dienste im Rahmen der App-Nutzung und im Mobile Ad­ver­ti­sing zum Einsatz.

Eine Lo­ka­li­sie­rung via GPS ist nur dort möglich, wo Sa­tel­li­ten­si­gna­le empfangen werden. Mo­bil­funk­ge­rä­te in ge­schlos­se­nen Räumen lassen sich u. U. nicht orten. Zudem muss der Nutzer den Or­tungs­dienst für das jeweilige Endgerät aktiviert und einer Nutzung von Stand­ort­da­ten durch einen Web­sei­ten­be­trei­ber oder App-Anbieter via Opt-in zu­ge­stimmt haben.

Funk­zel­len­or­tung

Bei der Funk­zel­len­or­tung handelt es sich um ein Verfahren zur Geo­lo­ka­li­sie­rung von Mo­bil­funk­ge­rä­ten. Sie kann über den Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­ter, ein GSM-Modem oder eine darauf zu­grei­fen­de Pro­gram­mier­schnitt­stel­le wie die Geo­lo­ca­ti­on-API im Browser erfolgen. Endgeräte, die in voll­di­gi­ta­le Mo­bil­funk­net­ze ein­ge­bun­den sind, lassen sich über die relative Position zu den na­he­ge­le­ge­nen Funk­mas­ten lo­ka­li­sie­ren. Eine spezielle Or­tungs­tech­no­lo­gie wie GPS wird dazu nicht benötigt.

Wie genau sich die Position eines Smart­phones oder Tablets bestimmen lässt, hängt von der Anzahl der um­lie­gen­den Funk­mas­ten ab. Die Funk­zel­len­or­tung liefert in Bal­lungs­ge­bie­ten daher bessere Er­geb­nis­se als in länd­li­chen Regionen. Mo­bil­funk­be­trei­ber nutzen die Ortung über das Mo­bil­funk­netz, um ihren Kunden stand­ort­be­zo­ge­ne Dienste an­zu­bie­ten. An­wen­dungs­ge­bie­te sind bei­spiels­wei­se das Flot­ten­ma­nage­ment im Rahmen der Logistik oder eine Geo­lo­ka­li­sa­ti­on von Notrufen. Zudem kommt die Funk­zel­len­or­tung bei der Stand­ortermitt­lung ge­stoh­le­ner oder ver­lo­re­ner Endgeräte zum Einsatz. Auch die Polizei kann sich in be­grün­de­ten Fällen Zugriff zu Stand­ort­da­ten ver­schaf­fen, um den Auf­ent­halts­ort einer ver­däch­ti­gen Person zu ermitteln.

Geo­tar­ge­ting im Rahmen der Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung

Auch im Rahmen der Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung kommt Geo­tar­ge­ting zum Einsatz. Schnitt­punk­te finden sich im In­ter­na­tio­nal SEO sowie bei der Aus­rich­tung einer Website auf regionale Such­an­fra­gen (Local SEO).

In­ter­na­tio­nal SEO

In­ter­na­tio­nal SEO fasst alle Praktiken zusammen, anhand derer Such­ma­schi­nen-Crawler fest­stel­len können, an welches Land bzw. welche Sprach­grup­pe sich eine Webseite richtet. In­ter­na­tio­nal agierende Un­ter­neh­men bieten Web­in­hal­te in der Regel mehr­spra­chig an. Doch nicht immer erscheint die richtige Sprach­ver­si­on auch in den Er­geb­nis­lis­ten der Such­ma­schi­nen. So könnte ein deutscher In­ter­net­nut­zer bei­spiels­wei­se die viel besuchte eng­lisch­spra­chi­ge Website eines ame­ri­ka­ni­schen Un­ter­neh­mens aus­ge­spielt bekommen, obwohl auch eine seltener ab­ge­ru­fe­ne deutsche Version existiert. Um dies zu ver­hin­dern, hat sich eine Methode etabliert, die Such­ma­schi­nen die Wahl der richtigen Sprach­ver­si­on er­leich­tert: das hreflang-Attribut. <link rel="alternate" href="http://example.com" hreflang="en-us" /> Das hreflang-Attribut bietet Web­sei­ten­be­trei­bern die Mög­lich­keit, In­for­ma­tio­nen zu Sprach­ver­sio­nen ihrer Website im Kopf­be­reich einer jeden Un­ter­sei­te sowie in der XML-Sitemap zu hin­ter­le­gen. Mittels hreflang stellt man einzelne Sprach­ver­sio­nen für ver­schie­de­ne Länder oder mehrere Sprach­ver­sio­nen für ein Land (z. B. die Schweiz oder Kanada) zur Verfügung. Such­ma­schi­nen lesen die Angaben im hreflang-Attribut aus und nutzen vom Betreiber erfasste Stand­ort­da­ten, um Nutzern Such­ergeb­nis­se in be­vor­zug­ten Sprach- und Län­der­ver­sio­nen aus­zu­lie­fern. Hinweise zum Einsatz des hreflang-Attributs finden sich im Hilfs­be­reich der Google-Search-Console. Sinnvoll ist das hreflang-Attribut in Kom­bi­na­ti­on mit regional aus­ge­rich­te­tem Content. Neben der passenden Sprache sollten Web­sei­ten­be­trei­ber Signale für eine lokale Aus­rich­tung auch über ent­spre­chend an­ge­pass­te Kon­takt­in­for­ma­tio­nen, Wäh­rungs­an­ga­ben und Links auf andere Web­in­hal­te der gleichen Region geben. Für die Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung von in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­te­ten Websites ist das hreflang-Attribut von großer Bedeutung. Die feh­ler­freie Aus­lie­fe­rung der richtigen Sprach- und Län­der­ver­si­on einer Website steigert aus Nut­zer­sicht sowohl die Relevanz als auch die Usability einer Website. Dies schlägt sich in Ab­sprungra­te und Ver­weil­dau­er nieder – zwei Re­fe­renz­wer­ten für das Ranking in der Such­ma­schi­ne.

Local SEO

Versuchen Web­sei­ten­be­trei­ber regional aus­ge­rich­te­te Websites gezielt für lokale Such­an­fra­gen zu op­ti­mie­ren, spricht man von Local SEO. Bei lokalen Such­an­fra­gen kann es sich um Such­phra­sen handeln, die ein­deu­ti­ge Hinweise darauf geben, auf welche Region sich ein Nutzer bezieht – Beispiele wären „Optiker Berlin“ oder „Hotel im Schwarz­wald“. Such­ma­schi­nen spielen Er­geb­nis­se für Angebote in un­mit­tel­ba­rer Nähe des Nutzers jedoch auch auf Basis von Netz­werk­si­gna­len wie der IP oder Stand­ort­in­for­ma­tio­nen eines Nut­zer­pro­fils (z. B. Google+) aus.

Web­sei­ten­be­trei­ber mit regional aus­ge­rich­te­ten Produkt- oder In­for­ma­ti­ons­an­ge­bo­ten haben ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, der Such­ma­schi­ne die Relevanz ihres Angebots zu ver­mit­teln. Stra­te­gien im Rahmen des Local SEO umfassen eine Onpage-Op­ti­mie­rung auf regionale Keywords sowie Einträge und Be­wer­tun­gen in Online-Bran­chen­bü­chern und Kar­ten­sys­te­men.

  • Onpage-Op­ti­mie­rung: Um Such­ma­schi­nen eine regionale Relevanz zu si­gna­li­sie­ren, empfiehlt es sich, Content und Me­ta­in­for­ma­ti­on einer Website durch Keywords ent­spre­chend aus­zu­rich­ten. Title-Tag, Über­schrift, URL, Text­in­hal­te und Al­ter­na­tiv­tex­te für Bilder sollten die Ziel­re­gi­on sowie ein für die Website re­le­van­tes Keyword enthalten. Darüber hinaus bietet es sich an, einen Kar­ten­dienst wie Google Maps ein­zu­bet­ten, um Offline-Filialen, den Un­ter­neh­mens­stand­punkt oder andere regionale An­lauf­punk­te zu markieren.
  • Google-My-Business-Eintrag: Wer regional ranken möchte, kommt an Google My Business nicht vorbei. Der Service dient als zentrales Ver­wal­tungs­tool für Google Maps (siehe hierzu auch Google Maps Eintrag erstellen) und Google Plus Local (ehemals Google Places) und bündelt somit die Bran­chen­diens­te des Such­ma­schi­nen-Markt­füh­rers. Un­ter­neh­men können ein kos­ten­lo­ses Profil anlegen und den eigenen Standort mit einer Steck­na­del bei Google Maps markieren. Darüber hinaus besteht die Aussicht auf eine Plat­zie­rung im begehrten Local Pack. In diesem führt Google die drei re­le­van­tes­ten Anbieter für eine lokale Suche inklusive Kar­ten­ein­trag in den or­ga­ni­schen Such­ergeb­nis­sen auf. Das Local Pack enthält die NAP-Daten (Name, Adresse und Te­le­fon­num­mer) eines Un­ter­neh­mens und er­mög­licht so eine schnelle Kon­takt­auf­nah­me durch den Suchenden. Finden sich diese Daten in gleicher Form auch auf anderen Websites, spricht man von Local Citations.
  • Local Citations: Relevant für das Ranking in der Such­ma­schi­ne sind Local Citations auf lokalen Websites und re­prä­sen­ta­ti­ven Bran­chen­por­ta­len. Web­sei­ten­be­trei­ber sollten dabei auf eine kon­sis­ten­te Dar­stel­lung der Daten achten. Um Such­ma­schi­nen die Zuordnung zu er­leich­tern, empfiehlt es sich, für NAP-Daten in Local Citations dasselbe Format wie auf der eigenen Website und bei Google My Business zu verwenden. Auch die Voll­stän­dig­keit und der De­tail­grad eines Bran­chen­ein­trags wirken sich auf das lokale Ranking aus. Local Citations sollten daher um Zu­satz­in­for­ma­tio­nen wie Ka­te­go­rien, Fotos der Ge­schäfts­räu­me und die Angabe der Öff­nungs­zei­ten erweitert werden.
  • Be­wer­tun­gen: Auch Kun­den­be­wer­tun­gen auf Bran­chen­por­ta­len werden von Google als Ran­king­fak­tor für die lokale Suche gewertet. Im Fokus steht dabei Google+ Locations, eine Ver­knüp­fung des Vor­gän­ger­diens­tes Google Places mit dem sozialen Netzwerk des Such­ma­schi­nen­an­bie­ters.

Grenzen des Geo­tar­ge­tings

Aus der Sicht eines Web­sei­ten­be­trei­bers birgt Geo­tar­ge­ting vor allem dann Schwie­rig­kei­ten, wenn Nutzer nicht geortet werden möchten. Tech­ni­sche Verfahren wie die GPS-Ortung und die Stand­ort­frei­ga­be über den Web­brow­ser setzen ein ex­pli­zi­tes Ein­ver­ständ­nis des Nutzers voraus. IP-Targeting ist prin­zi­pi­ell auch ohne Nut­zer­zu­stim­mung möglich, kann im Ein­zel­fall jedoch einen Verstoß gegen das Da­ten­schutz­ge­setz dar­stel­len. Zudem lässt sich die Geo­lo­ca­ti­on auf Basis der IP nur ungenau bestimmen. Hinzu kommt, dass zahl­rei­che In­ter­net­nut­zer über einen Proxy-Server im Internet surfen und ihre tat­säch­li­che Ab­sen­der­adres­se damit effektiv ver­schlei­ern.

Geo­lo­ka­li­sie­rung aus da­ten­schutz­recht­li­cher Sicht

Im Konflikt mit da­ten­schutz­recht­li­chen Be­stim­mun­gen steht Geo­tar­ge­ting dann, wenn es sich bei den erfassten Stand­ort­da­ten um Per­so­nen­da­ten handelt und die Lo­ka­li­sie­rung ohne Zu­stim­mung erfolgt. In einem White­pa­per zum Location Based Ad­ver­ti­sing definiert der Bun­des­ver­band Digitale Wirt­schaft (BDVW) Stand­ort­da­ten dann als per­so­nen­be­zo­gen, wenn diese ohne er­heb­li­chen Mehr­auf­wand einem einzelnen In­di­vi­du­um oder einer aus­rei­chend kleinen Gruppe zu­ge­ord­net werden können. Web­sei­ten­be­trei­bern, Werbenden und App-Ent­wick­lern wird daher empfohlen, Verfahren zur Geo­lo­ka­li­sie­rung so zu im­ple­men­tie­ren, dass eine Ortung in größeren Maßstäben erfolgt und die Iden­ti­fi­zie­rung von Ein­zel­per­so­nen technisch aus­ge­schlos­sen wird.

Al­ter­na­tiv bieten sich anonyme bzw. pseud­ony­mi­sier­te Er­he­bungs­ver­fah­ren an. In diesem Fall muss jedoch si­cher­ge­stellt werden, dass auch die da­ten­ver­ar­bei­ten­de Stelle keine Mög­lich­keit hat, so­ge­nann­te ver­wa­sche­ne Stand­ort­da­ten durch Zu­satz­in­for­ma­tio­nen auf einzelne In­di­vi­du­en zu beziehen. Darüber hinaus sollte Web­sei­ten­be­su­chern oder App-Nutzern in jedem Fall eine Opt-out-Funktion zur Verfügung gestellt werden, mit der eine Stand­ort­lo­ka­li­sie­rung explizit aus­ge­schlos­sen wird.

Rechtlich auf der sicheren Seite sind Anbieter von Web­in­hal­ten, die Stand­ort­da­ten nur mit Ein­ver­ständ­nis der Nutzer erheben und diese umfassend über Art und Umfang der Da­ten­nut­zung in­for­mie­ren.

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