Mit der starken Ver­brei­tung mobiler Endgeräte wie Smart­phones und Tablets hat sich im E-Commerce ein neuer Bereich ent­wi­ckelt: der so­ge­nann­te Mobile Commerce, kurz M-Commerce. Da die Be­nut­zer­freund­lich­keit ein zentraler Faktor für den Erfolg eines On­line­shops ist, sollten Sie Ihre Angebote auch für die mobile Nutzung op­ti­mie­ren. Die Her­aus­for­de­rung dabei ist, die Be­son­der­hei­ten mobiler Endgeräte und das ver­än­der­te Nut­zer­ver­hal­ten zu be­rück­sich­ti­gen.

Mobile Commerce in Deutsch­land

Immer mehr In­ter­net­nut­zer sind in­zwi­schen dank Smart­phones, Tablets und günstigen Mo­bil­funk­ver­trä­gen mit hohem Da­ten­vo­lu­men online, wann und wo immer sie wollen. Doch das Smart­phone wird nicht nur zur Online-Kom­mu­ni­ka­ti­on via Messenger oder für Social Apps wie Facebook genutzt, auch für den E-Commerce spielt der Mobile Boom eine immer wich­ti­ge­re Rolle:

  • 63 Prozent der Ge­samt­be­völ­ke­rung Deutsch­lands sind laut Bitkom im Besitz eines Smart­phones.
  • 64 Prozent der Smart­phone- und Tablet-User nutzten 2015 ihr Mo­bil­ge­rät auch zum On­line­shop­ping.
  • 16,9 Mil­li­ar­den Euro wurden im Jahr 2015 im Mobile Commerce in Deutsch­land umgesetzt.

Damit belegt Deutsch­land im in­ter­na­tio­na­len Vergleich den zweiten Platz, lediglich die Briten kaufen noch mehr über Smart­phone und Tablet, wie diese In­fo­gra­fik zeigt:

Klicken Sie hier, um die In­fo­gra­fik zum mobile-Commerce in Deutsch­land her­un­ter­zu­la­den.

Diese Zahlen aus der Studie von Re­tail­MeNot zeigen: Wer sich als On­line­händ­ler dem Mobile Boom ver­schließt, verliert eine riesige Ziel­grup­pe für den M-Commerce und ver­schenkt damit Um­satz­chan­cen. Doch der Weg von der Desktop-Version zur mobilen Website erfordert Zeit und Mühe: Der mobile Nutzer wird immer an­spruchs­vol­ler und schließt eine schlecht oder gar nicht op­ti­mier­te Seite im mobilen Browser mit einer einzigen Dau­men­be­we­gung.

Website to go: Die Vor­aus­set­zun­gen

Wer seinen mobilen On­line­shop nur als „Miniatur-Version“ der Desktop-Aus­füh­rung sieht, ver­nach­läs­sigt viele wichtige Aspekte der mobilen In­ter­net­nut­zung. Denn die ver­än­der­ten Vor­aus­set­zun­gen ergeben sich nicht nur durch die begrenzte Display-Größe.

Die wich­tigs­ten Aspekte im Überblick:

  • die Bedienung erfolgt per Touch­screen
  • die Na­vi­ga­ti­on übernimmt der Finger, nicht die präzisere Maus
  • das Display ist viel kleiner, damit ist auch der sichtbare Bereich ein­ge­schränkt
  • die Surf­ge­schwin­dig­keit ist oft reduziert (LTE noch nicht überall verfügbar)
  • es kommt bei vielen Geräten zu Dar­stel­lungs­pro­ble­men von Java und Flash

Bei der mobilen Op­ti­mie­rung sollte man in jedem Fall Tablets und Smart­phones nicht in einen Topf werfen, denn die Nut­zungs­ge­wohn­hei­ten un­ter­schei­den sich stark, vor allem im mobilen E-Commerce. Tablets ersetzen für viele mitt­ler­wei­le Laptop oder Desktop-Rechner und werden zum Surfen und Stöbern genutzt. Für Shops bietet sich hier die Chance, den Nutzer zu in­spi­rie­ren und ihn zu Im­puls­käu­fen zu mo­ti­vie­ren. Ein Smart­phone gilt hingegen als Zielkauf-In­stru­ment. Die Nutzer suchen damit gezielt nach Produkten und die Kauf­ak­tio­nen sind meist geplant.

Mobiler On­line­shop – Ver­schie­de­ne Lösungen

Zu Beginn müssen Shop-Betreiber die richtige tech­ni­sche Lösung für ihr Projekt finden. Dabei gibt es drei Optionen: Die mobile Website, die re­spon­si­ve Website und eine native App bzw. Webapp.

Mobile Website

Eine mobile Website wird eigens für den M-Commerce ent­wi­ckelt und ist damit speziell auf die Nutzung mit mobilen End­ge­rä­ten ab­ge­stimmt. Alle wichtigen Prozesse und die Dar­stel­lung des Shops sind voll optimiert. In der Regel handelt es sich nicht um eine komplette, ver­klei­ner­te Spie­ge­lung der Desktop-Seite; auf manche Un­ter­sei­ten wird z. B. ver­zich­tet, um die Per­for­mance nicht zu schwächen. Vielmehr wird eine separate mobile Seite parallel zur Desktop-Version angeboten. Dabei verwendet man ein komplett ei­gen­stän­di­ges Template oder eine eigene mobile In­stal­la­ti­on des Shop­sys­tems. Der große Vorteil bei mobilen Websites ist die Kon­zen­tra­ti­on auf die Usability für den mobilen Nutzer.

Vorteile von mobilen Websites:

  • Nutzung mobiler Wer­be­mög­lich­kei­ten
  • Umsetzung tech­ni­scher Be­son­der­hei­ten (HTML5 statt Flash)
  • bessere Per­for­mance
  • un­ab­hän­gig vom Be­triebs­sys­tem des Nutzers

Re­spon­si­ve Webdesign

Im re­spon­si­ven Design erstellte Websites passen sich au­to­ma­tisch der ver­füg­ba­ren Bild­schirm­grö­ße an. Diese Art des Web­de­signs arbeitet mit einem dy­na­mi­schen gra­fi­schen Aufbau und reagiert responsiv auf ver­schie­de­ne mobile Endgeräte. Sind Sie mit Ihrem On­line­shop technisch gut auf­ge­stellt (etwa mit sauberen Templates), können Sie ohne großen Aufwand das re­spon­si­ve Design umsetzen. Im Gegensatz zur App ist es un­ab­hän­gig vom Be­triebs­sys­tem. Kritiker sprechen von langen La­de­zei­ten und schlech­ter Usability bei re­spon­si­ven Webseiten, doch das kommt ganz auf die tech­ni­sche Umsetzung an. Bei hin­rei­chen­dem Ent­wick­ler-Know-how ist man mit einer re­ak­ti­ons­fä­hi­gen On­line­shop-Seite besser auf­ge­stellt als mit einer mobilen Website.

Vorteile von Re­spon­si­ve Webdesign:

  • eine Version für alle Geräte spart Zeit und Kosten
  • Wie­der­erken­nungs­wert dank ähnlicher Dar­stel­lung auf Desktop und Smart­phone
  • un­ab­hän­gig vom Be­triebs­sys­tem

Die mobile App

Die dritte tech­ni­sche Lösung ist die Ent­wick­lung einer ei­gen­stän­di­gen App, die Nutzer aus dem App-Store her­un­ter­la­den können. Der Ent­wick­lungs­auf­wand ist hier weitaus höher als bei einer mobilen oder re­ak­ti­ons­fä­hi­gen Website. Deshalb sollte man sich vorab fragen, ob eine App tat­säch­lich sinnvoll ist und welche Vorteile sie gegenüber der ein­fa­che­ren Lösung hat. Im Idealfall bietet die App echten Mehrwert für den Nutzer und er­mög­licht eine besondere Nut­zer­er­fah­rung (Offline-Modus, Push-Be­nach­rich­ti­gun­gen). Will man lediglich den Pro­dukt­ka­ta­log und den Be­stell­pro­zess mobil nutzbar machen, reicht eine mobile oder re­spon­si­ve Website.

Vorteile einer mobilen App:

  • Mehrwert durch besondere Nut­zer­er­fah­rung
  • in­te­grier­ba­re Ge­rä­te­funk­tio­nen (z. B. Kamera)
  • un­ab­hän­gig von Desktop-Version

Neben der oben be­schrie­be­nen Native App können erfahrene Pro­gram­mie­rer eine so­ge­nann­te Web­ap­pli­ka­ti­on zu ent­wi­ckeln. Diese wird im Browser auf­ge­ru­fen, macht aber vom Aufbau und der Be­dien­bar­keit her den Anschein einer Native App. Im Gegensatz zur Native App ist die Webapp un­ab­hän­gig vom Be­triebs­sys­tem, der Zugriff auf gewisse Ge­rä­te­funk­tio­nen ist jedoch ein­ge­schränkt.

Mobile Commerce im SEO-Kontext

Für das Thema Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung (SEO) spielt die mobile Op­ti­mie­rung eine zentrale Rolle, natürlich auch im M-Commerce. Seit dem Google-Mobile-Update im April 2015 werden Websites, die nicht für mobile Endgeräte optimiert sind, grund­sätz­lich niedriger gerankt. Auch On­line­shops, die ihren Nutzern nicht die optimale Erfahrung auf Smart­phone oder Tablet bieten, müssen mit einer Ver­schlech­te­rung des Google-Rankings und damit ver­bun­de­nen Traffic-Einbußen rechnen. Google bietet Website-Be­trei­bern die Mög­lich­keit, ihre eigene Seite auf Op­ti­mie­rung für Mo­bil­ge­rä­te zu testen.

Fazit: Usability ist alles

Die mobile Version eines On­line­shops ist heute ein absolutes Muss. Möchten Sie sich als Händler nicht den wach­sen­den Um­satz­chan­cen im mobilen E-Commerce ver­schlie­ßen, sollten Sie die mobilen Nutzer in den Mit­tel­punkt stellen. Egal, ob Sie sich für eine ei­gen­stän­di­ge mobile Website, ein re­spon­si­ves Webdesign oder die Ent­wick­lung einer App ent­schei­den: Wichtig ist, stets die Usability als wich­tigs­ten Faktor zu sehen. Damit Sie das in der Praxis umsetzen können, geben wir Ihnen 10 Tipps zur besseren Usability in On­line­shops.

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