Network Attached Storage (NAS): Aufbau, Funktionsweise und Einsatz des Netzwerkspeichers
Die zentrale Bereitstellung von Dateien ist die Grundlage computergestützter Teamarbeit. Viele Unternehmen stellen ihren Mitarbeitenden dafür in einem lokalen Netzwerk (Local Area Network, LAN) eine gemeinsame Speicherplattform zur Verfügung. Gegenüber dezentralen Ansätzen, bei denen Festplatten direkt an Einzelrechnern hängen (Direct Attached Storage, DAS), hat das klare Vorteile: Zentrale Datenbestände ermöglichen die gemeinsame Arbeit an Dokumenten, ohne dass verschiedene Versionen einer Datei entstehen und ausgetauscht werden müssen. Zudem lassen sich Daten-Back-ups für eine gemeinsame Plattform deutlich einfacher organisieren als für viele einzelne Festplatten.
Technische Grundlage der zentralen Dateiablage sind je nach Unternehmensgröße Fileserver, SAN-Systeme (Storage Area Networks) oder NAS-Systeme (Network Attached Storage). Letztere sind seit Jahren auch bei Privatanwendern beliebt, die Fotos, Videos oder Musik zentral verwalten und von verschiedenen Endgeräten abrufen möchten. Anders als Fileserver und SAN-Lösungen, die mit aufwendiger Hard- und Software auf Businesskunden zielen, gibt es NAS-Systeme als leicht administrierbare Komplettlösungen zu überschaubaren Preisen.

- Automatisch: Backups und Recovery
- Intuitiv: Planung und Management
- Intelligent: KI-basierter Bedrohungsschutz
- Inkl. 300,- € Startguthaben im 1. Monat
Was ist ein NAS?
Ein Network Attached Storage (NAS), auf Deutsch „netzgebundener Speicher“ oder kurz Netzwerkspeicher, ist ein eigenständiges Speichergerät, das direkt mit dem lokalen Netzwerk verbunden ist und dort Dateien für mehrere Nutzer und Geräte gleichzeitig bereitstellt. Der Zugriff erfolgt auf Dateiebene über Netzwerkprotokolle wie SMB oder NFS. Im Vergleich zu anderen Lösungen für die zentrale Datenablage zeichnen sich NAS-Systeme durch einen günstigen Anschaffungspreis und einen geringen Administrationsaufwand aus.
Angeboten werden NAS-Systeme unter anderem von Synology, QNAP, Asustor, TerraMaster, UGREEN, Buffalo und Western Digital – meist als sofort einsatzfähiges Gerät mit vorinstallierter Software, teils mit, teils ohne Festplatten. Wer mehr Kontrolle möchte, kann ein NAS auch selbst bauen und mit einem freien NAS-Betriebssystem wie TrueNAS oder OpenMediaVault betreiben. Zielgruppen sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen, Selbstständige sowie private Nutzer.
Wie ist ein NAS aufgebaut?
Grundsätzlich ist ein NAS wie ein kompakter Rechner aufgebaut: Im Gehäuse mit Netzteil und Lüfter stecken Mainboard, Prozessor und Arbeitsspeicher. Hinzu kommen Schnittstellen, vor allem Ethernet (bei aktuellen Geräten zunehmend mit 2,5 oder 10 Gbit/s) und USB; WLAN ist bei NAS-Systemen die Ausnahme. Für die eigentliche Speicherfunktion verfügt das Gerät über mehrere Laufwerkseinschübe für Festplatten (HDDs) oder SSDs (Solid State Drives), bei vielen Modellen ergänzt um M.2-Steckplätze für einen SSD-Cache.
Mehrere Laufwerke fasst das NAS per RAID (Redundant Array of Independent Disks) zu einem logischen Speicherverbund zusammen. Bei Geräten für Zuhause und kleine Büros übernimmt das in der Regel eine Software-RAID-Funktion des Betriebssystems und kein separater Hardware-Controller. Als Betriebssystem kommt meist ein angepasstes Linux zum Einsatz, etwa DSM bei Synology oder QTS bzw. QuTS hero bei QNAP. Darauf setzt die NAS-Software mit Weboberfläche, Benutzerverwaltung und Zusatzdiensten auf.
Wie funktioniert ein NAS-System?
Im Kern ist ein NAS ein Fileserver, der auf die Datenspeicherung im lokalen Netz spezialisiert ist. Clients greifen über Dateiprotokolle auf freigegebene Ordner zu:
- SMB (Server Message Block): Standardprotokoll für Dateifreigaben unter Windows, das auch macOS und Linux (über Samba) nutzen. SMB ist heute das wichtigste NAS-Protokoll.
- NFS (Network File System): verbreitet in Linux- und Unix-Umgebungen sowie bei Virtualisierungsplattformen.
- AFP (Apple Filing Protocol): früheres Apple-Protokoll. Apple setzt seit Jahren auf SMB und hat den AFP-Client mit macOS Sequoia 15.5 als veraltet eingestuft; er soll in einer künftigen macOS-Version entfallen. Auch Time-Machine-Back-ups auf ein NAS laufen heute über SMB.
- FTP/SFTP und WebDAV: für Dateiübertragungen, auch von außerhalb des lokalen Netzes.
Eine zentrale Funktion jedes NAS ist die Zugriffskontrolle: Über Benutzerkonten, Gruppen und Freigaberechte lässt sich genau festlegen, wer welche Ordner lesen oder ändern darf. So können Dateien verschiedener Nutzer voneinander abgeschirmt auf derselben Plattform liegen, während gemeinsame Freigaben die Gruppenarbeit ermöglichen.
Ein NAS stellt Dateien und Ordner bereit, das Dateisystem verwaltet das NAS selbst. Ein SAN stellt dagegen Speicher auf Blockebene bereit, den der angebundene Server wie eine lokale Festplatte formatiert. Viele NAS-Systeme beherrschen zusätzlich iSCSI und können damit ebenfalls Blockspeicher, etwa für virtuelle Maschinen, bereitstellen.
- Vollständige Datensouveränität
- Kein Administrationsaufwand dank Managed-Betrieb
- Flexibel um Apps und Online Office erweiterbar
NAS im Vergleich zu DAS, SAN und Cloud-Speicher
Welche Speicherlösung passt, hängt vor allem von Nutzerzahl, Budget und Know-how ab. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede:
| DAS | NAS | SAN | Cloud-Speicher | |
|---|---|---|---|---|
| Anbindung | direkt am Rechner (USB, SATA, Thunderbolt) | lokales Netzwerk (Ethernet) | eigenes Speichernetz (Fibre Channel, iSCSI) | Internet |
| Zugriffsebene | Block (lokales Laufwerk) | Datei | Block | Datei oder Objekt, je nach Dienst |
| Gleichzeitige Nutzer | einer | viele | viele Server | viele, ortsunabhängig |
| Aufwand und Kosten | gering | gering bis mittel | hoch | laufende Gebühren, keine eigene Hardware |
| Typischer Einsatz | Einzelplatz, externe Festplatte | Zuhause, Büro, KMU | Rechenzentrum, Datenbanken, Virtualisierung | Zusammenarbeit über Standorte, externe Back-ups |
Vorteile und Eigenschaften eines NAS
Mit vergleichsweise geringen Anschaffungskosten spricht Network Attached Storage neben Privatnutzern vor allem das Marktsegment SOHO (Small Office, Home Office) an. Im Vergleich zu klassischen Servern überzeugt es durch geringen Administrationsaufwand, hohe Ausfallsicherheit und einen niedrigen Energieverbrauch.
Administration
Für den Betrieb eines NAS ist deutlich weniger Fachwissen nötig als für einen herkömmlichen Fileserver. Eingerichtet und verwaltet wird das Gerät über eine grafische Oberfläche im Webbrowser eines Rechners im selben Netzwerk; viele Hersteller bieten zusätzlich Smartphone-Apps an. Auf PCs und Laptops lassen sich Freigaben einfach als Netzlaufwerk einbinden, spezielle Programme für den Datentransfer sind nicht nötig. Smart-TVs, Streaming-Boxen und vernetzte Audiogeräte greifen über einen Medienserver (DLNA/UPnP) oder Anwendungen wie Plex oder Jellyfin auf Musik, Fotos und Videos zu. So eignet sich ein NAS auch zu Hause als zentraler Medienspeicher.
Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit
Ein wichtiger Kostenfaktor bei der Anschaffung ist die Zahl der Laufwerkseinschübe. Einstiegsgeräte mit einem oder zwei Einschüben richten sich an private Anwender, Business-Modelle bieten acht, zwölf oder mehr Einschübe; Rackmodelle lassen sich teils über Erweiterungseinheiten auf mehrere Dutzend Laufwerke ausbauen. Mehr Laufwerke ermöglichen Speicherarchitekturen, die durch Redundanz für hohe Ausfallsicherheit und durch parallele Zugriffe für einen hohen Datendurchsatz sorgen. Grundlage sind RAID-Verbünde, bei denen Daten so über mehrere Laufwerke verteilt werden, dass das NAS – je nach Level – auch beim Ausfall einzelner Festplatten weiterarbeitet. Übliche RAID-Level bei Network Attached Storage sind RAID-0, RAID-1, RAID-5, RAID-6 und RAID-10.
- RAID-0 (Striping): Die Daten werden blockweise auf mindestens zwei Laufwerke verteilt, Lese- und Schreibzugriffe laufen parallel. Das erhöht den Datendurchsatz und nutzt die volle Kapazität. Redundanz bietet RAID-0 jedoch nicht – fällt ein Laufwerk aus, sind die Daten des gesamten Verbunds verloren. Das „R“ im Namen trifft auf dieses Level daher streng genommen nicht zu.
- RAID-1 (Mirroring): Die Daten werden identisch auf zwei (oder mehr) Laufwerke geschrieben. Nutzbar ist nur die Kapazität eines Laufwerks, dafür bleiben die Daten erhalten, wenn ein Laufwerk ausfällt. Für NAS-Systeme mit zwei Einschüben ist RAID-1 die übliche Wahl.
- RAID-5: Ab drei Laufwerken verbindet RAID-5 Redundanz mit erhöhtem Datendurchsatz. Neben den Nutzdaten speichert das System Paritätsinformationen, die gleichmäßig über alle Laufwerke verteilt werden. Fällt ein Laufwerk aus, lassen sich dessen Daten aus den verbleibenden Daten- und Paritätsblöcken rekonstruieren. Die Parität belegt die Kapazität eines Laufwerks – bei drei Laufwerken also ein Drittel, bei mehr Laufwerken entsprechend weniger. Wegen des günstigen Verhältnisses von Kapazität und Ausfallsicherheit ist RAID-5 sehr verbreitet.
- RAID-6: Ab vier Laufwerken speichert RAID-6 doppelte Parität und verkraftet so den gleichzeitigen Ausfall von zwei Laufwerken. Das ist vor allem bei großen Festplatten sinnvoll, deren Wiederherstellung (Rebuild) lange dauert. Dafür steht die Kapazität von zwei Laufwerken nicht für Nutzdaten zur Verfügung.
- RAID-01 und RAID-10: Diese Kombinationen aus Striping und Spiegelung erfordern mindestens vier Laufwerke. Ein RAID-01 verteilt die Daten zunächst wie RAID-0 und spiegelt diesen Verbund anschließend gemäß RAID-1. Bei RAID-10 werden die Daten dagegen erst gespiegelt und die Spiegelpaare dann per Striping verbunden. RAID-10 ist RAID-01 vorzuziehen, da es den Ausfall eines zweiten Laufwerks in mehr Fällen verkraftet und sich nach einem Ausfall schneller wiederherstellen lässt. In beiden Fällen steht die Hälfte der Gesamtkapazität zur Verfügung.
Daneben bieten einige Hersteller eigene, flexiblere Verfahren an, etwa Synology Hybrid RAID (SHR), das auch Laufwerke unterschiedlicher Größe effizient kombiniert. Verzichten Anwender ganz auf ein RAID-Level, spricht man von JBOD (Just a Bunch of Disks): Die gesamte Kapazität aller Laufwerke steht zur Verfügung, es gibt aber weder Redundanz noch einen Geschwindigkeitsgewinn.
Ein RAID schützt vor dem Ausfall einzelner Laufwerke, nicht aber vor versehentlich gelöschten Dateien, Ransomware, Brand oder Diebstahl – Änderungen und Schäden werden sofort auf alle Laufwerke übertragen. Planen Sie deshalb zusätzlich regelmäßige Back-ups ein, idealerweise nach der 3-2-1-Regel: drei Kopien der Daten auf zwei verschiedenen Medien, davon eine außer Haus, zum Beispiel in der Cloud.
Für Datensicherungen bieten NAS-Systeme meist eigene Back-up-Funktionen: die Synchronisation mit einem zweiten NAS, Sicherungen auf USB-Festplatten oder in einen Cloud-Speicher. Dateisysteme wie Btrfs oder ZFS ermöglichen zudem Snapshots, mit denen sich frühere Stände von Ordnern schnell wiederherstellen lassen. Geräte für den Unternehmenseinsatz unterstützen teils auch das standardisierte Network Data Management Protocol (NDMP), über das eine zentrale Back-up-Software die Datensicherung des NAS steuern kann.

Kosten und Energieverbrauch
NAS-Systeme werden inklusive Festplatten oder als Leergehäuse angeboten. Bei Leergehäusen entscheiden Nutzer selbst, wie viel Speicherkapazität sie benötigen; freie Einschübe erlauben eine spätere Erweiterung. Für den Dauerbetrieb empfehlen sich spezielle NAS-Festplatten. Prüfen Sie vor dem Kauf außerdem die Kompatibilitätsliste des Herstellers: Synology etwa ließ bei seinen 2025 vorgestellten Plus-Modellen zunächst nur geprüfte Laufwerke für Speicherpools zu und hat diese Einschränkung mit DSM 7.3 für Festplatten und SATA-SSDs anderer Hersteller wieder gelockert.
Während einfache Geräte für zu Hause vergleichsweise günstig sind, kostet ein leistungsstarkes Business-Modell mit Speichermedien ein Vielfaches. Im Unternehmen kann sich die Investition dennoch rechnen, denn moderne NAS-Systeme verbrauchen weniger Strom als klassische Server. Dazu tragen Stromsparfunktionen bei: Bei längerer Inaktivität fahren die Festplatten in den Ruhezustand, und per Zeitplan lässt sich das Gerät nachts automatisch aus- und morgens wieder einschalten. Per Wake-on-LAN kann ein ausgeschaltetes NAS zudem über das Netzwerk gestartet werden.
Erweiterbarkeit
Moderne NAS-Systeme sind weit mehr als reine Datenspeicher. Über App-Kataloge wie das Paket-Zentrum von Synology oder das App Center von QNAP lassen sich zusätzliche Anwendungen installieren, etwa für Foto- und Medienverwaltung, Dateisynchronisation, Videoüberwachung oder Druckdienste. Leistungsstärkere Modelle können darüber hinaus Docker-Container und virtuelle Maschinen ausführen. Viele NAS-Systeme ermöglichen zudem einen Fernzugriff über das Internet und lassen sich als Web-, FTP- oder E-Mail-Server betreiben. Für professionelle Postfächer mit hoher Verfügbarkeit ist ein gehosteter Dienst jedoch meist die zuverlässigere Wahl.
Sicherheit: Worauf sollten Sie beim NAS achten?
Weil ein NAS oft sämtliche Daten eines Haushalts oder Unternehmens bündelt, ist es ein lohnendes Ziel für Angreifer. So verschlüsselte die Ransomware DeadBolt im Jahr 2022 in mehreren Wellen Tausende QNAP-Geräte, die direkt aus dem Internet erreichbar waren. Mit wenigen Maßnahmen senken Sie das Risiko deutlich:
- Halten Sie Betriebssystem und Apps des NAS stets aktuell und aktivieren Sie automatische Sicherheitsupdates.
- Geben Sie das NAS nicht per Portweiterleitung direkt im Internet frei. Nutzen Sie für den Fernzugriff ein VPN oder den Relay-Dienst des Herstellers.
- Deaktivieren Sie das Standard-Administratorkonto, vergeben Sie starke Passwörter und aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung.
- Schalten Sie nicht benötigte Dienste und veraltete Protokolle wie SMB1 ab.
- Richten Sie Snapshots und ein externes Back-up ein, damit Sie Daten nach einem Angriff wiederherstellen können.
Für wen eignet sich ein NAS?
Ein NAS lohnt sich für alle, die Daten zentral, unter eigener Kontrolle und ohne laufende Speichergebühren ablegen möchten: Privatanwender nutzen es für Fotos, Medien und die Sicherung mehrerer Geräte, Selbstständige und kleine Unternehmen als gemeinsame Dateiablage und Back-up-Ziel. Die Grenzen liegen dort, wo hohe Verfügbarkeit über mehrere Standorte, sehr große oder schnell wachsende Datenmengen oder ein Betrieb ohne eigene Wartung gefragt sind. Dann sind ein SAN im Rechenzentrum oder skalierbarer Speicher aus der Cloud – etwa als Block- oder Objektspeicher – die passendere Lösung. Häufig ergänzen sich beide Ansätze, etwa wenn das NAS seine Daten zusätzlich in die Cloud sichert.



