Den Begriff Pro­to­ty­p­ing kennen viele aus den Bereichen Webdesign und Soft­ware­ent­wick­lung. Um die Um­setz­bar­keit eines Projekts zu testen und vor allem auch die Usability einzelner Funk­tio­nen und Übergänge zu prüfen, setzt man ver­schie­de­ne Arten von Pro­to­ty­pen ein. Mithilfe von Mock-ups und Wire­frames testet man Stärken und Schwächen eines Konzepts. Der Ent­wick­ler erhält so wertvolle Er­kennt­nis­se, die dabei helfen, Fehler früher zu erkennen und damit Zeit und vor allem Kosten zu sparen.

Auch im On­line­markt­ing ist Pro­to­ty­p­ing ein nütz­li­ches In­stru­ment. Bei der Kon­zep­ti­on von On­line­mar­ke­ting-Kampagnen setzt man es ein, um eine rea­lis­ti­sche Analyse des Markt­po­ten­zi­als zu erhalten. Das Pro­to­ty­p­ing liefert Marketern handfeste Daten und Zahlen, die sie zur sinn­vol­len Ge­stal­tung ihrer Marketing-Maßnahmen benötigen.

Wie setzt man Pro­to­ty­p­ing im On­line­mar­ke­ting um?

Wie im Webdesign gibt es auch im Bereich On­line­mar­ke­ting un­ter­schied­lich auf­wen­di­ge Pro­to­ty­pen. Auf der einen Seite stehen sehr auf­wen­di­ge und in der Umsetzung relativ kost­spie­li­ge Aus­füh­run­gen, wie z. B. bedingt funk­ti­ons­fä­hi­ge Webseiten. Ein Prototyp muss aber kei­nes­wegs aufwendig gestaltet sein, um Er­geb­nis­se zu liefern. Die Umsetzung kann auch sehr einfach gehalten sein – wichtig ist vor allem, dass der Prototyp den vor­ge­ge­be­nen Zweck erfüllt. Oft arbeitet man im Pro­to­ty­p­ing mit klas­si­schen An­ge­bots­sei­ten, wie zum Beispiel einfachen Stan­da­lo­ne-Landing­pa­ges.

Wie könnte das aussehen?

Für ein Produkt, das man im Rahmen eines neuen Projekts online verkaufen soll, erstellt man eine An­ge­bots­sei­te, die alle wichtigen In­for­ma­tio­nen und vor allem die passenden CTAs (Call to Action = Hand­lungs­auf­for­de­rung) enthält. Der „Jetzt kaufen“ oder „Jetzt bestellen“-Button führt aber lediglich zu einer Seite, die darüber in­for­miert, dass die Produkte momentan noch nicht verfügbar sind. Die Landing­pa­ge ist sozusagen ein „Dummy”, ein leere Hülle, über die man nicht wirklich eine Be­stel­lung aufgeben kann.

Um die Ziel­grup­pe zu erreichen, schaltet man zu Beginn z. B. Google-AdWords-Anzeigen auf relevante Keywords. Nach wenigen Tagen zeichnen sich erste Er­geb­nis­se ab. Natürlich sind die Daten aus­sa­ge­kräf­ti­ger, wenn man die Anzeigen über mehrere Wochen laufen lässt.

Welche Er­kennt­nis­se gewinnt der Marketer?

Durch die Analyse der Test-Kampagne erhält der Marketer Auf­schluss über das Markt­po­ten­zi­al des geplanten Angebots. Die Klick­zah­len verraten, ob überhaupt ein Bedarf für das Produkt besteht. Viele Klicks auf die CTAs lassen auf einen konkreten Kauf­wil­len der po­ten­zi­el­len Ziel­grup­pe schließen und erlauben somit positive Zu­kunfts­pro­gno­sen für die Ge­schäfts­idee. Mithilfe der Test­kam­pa­gne kann man außerdem Such­vo­lu­mi­na und Klick­prei­se genauer kal­ku­lie­ren und eine exaktere Ren­ta­bi­li­täts­rech­nung auf­stel­len. Hat die Pro­to­ty­p­ing-Kampagne nicht die er­wünsch­ten Erfolge erzielt, ist das ebenfalls eine wertvolle Er­kennt­nis. Es ist als Hinweis zu werten, dass entweder das geplante Produkt kein Interesse bei der Ziel­grup­pe weckt oder die An­ge­bots­sei­te bzw. der Website-Dummy nicht an­spre­chend genug gestaltet ist. Sehr auf­schluss­reich ist auch die Analyse der Re­ak­tio­nen von Mit­be­wer­bern. Reagiert die Kon­kur­renz schon auf den Prototyp stark, z. B. mit ag­gres­si­ver An­zei­gen­schal­tung, zeigt das, dass der Markt hart umkämpft ist. Ob sich die Wei­ter­ver­fol­gung des Projekts bei einer starken Kon­kur­renz­si­tua­ti­on und dem harten Wett­be­werb lohnt, muss man dann abwägen. Neben der eben be­schrie­be­nen Analyse bezahlter Wer­be­an­zei­gen (SEA) gibt es noch weitere Ein­satz­fel­der. Im Bereich Content-Marketing nutzt man Pro­to­ty­p­ing häufig für ein so­ge­nann­tes Pre-Seeding. Im Social-Media-Kontext dient Pro­to­ty­p­ing als eine Art Re­so­nanz­mes­ser, um das virale Potenzial eines Angebots zu testen.

Wann lohnt sich der Einsatz von Pro­to­ty­pen?

Im Online-Marketing lohnt sich Pro­to­ty­p­ing ei­gent­lich fast immer. Außer natürlich, man hat bereits handfeste Zahlen und präzise In­for­ma­tio­nen über Ziel­grup­pe, Angebot, Kanäle und Mit­be­wer­ber. Doch gerade bei neuen Produkten und Ansätzen ist das selten der Fall – dann bietet es sich also an, zunächst einen Prototype zu erstellen. Einen Testlauf sollte man in einer möglichst frühen Ent­wick­lungs­pha­se starten, noch bevor große In­ves­ti­tio­nen statt­ge­fun­den haben.

Was man al­ler­dings nicht un­ter­schät­zen darf: Geht man schon sehr früh mit einer Idee an die Öf­fent­lich­keit, besteht immer auch das Risiko, dass die Kon­kur­renz zu­sätz­li­che Zeit gewinnt, um darauf zu reagieren. Aber allgemein ist Pro­to­ty­p­ing in allen Phasen der On­line­mar­ke­ting-Kon­zep­ti­on sinnvoll.

Die Er­stel­lung eines Prototyps ver­ur­sacht natürlich Kosten. Doch unter Umständen bewahrt eine kleine In­ves­ti­ti­on in der Testing-Phase das Un­ter­neh­men vor großen Verlusten im späteren Ent­wick­lungs­ver­lauf.

Die Analyse mithilfe von Pro­to­ty­pen liefert aus­wert­ba­re Daten. Sollten Pro­dukt­ideen und Konzepte entgegen der Er­war­tun­gen keine her­aus­ra­gen­den Er­geb­nis­se liefern, kann man von seiner Idee Abstand nehmen, noch bevor die ei­gent­li­chen Mar­ke­ting­kam­pa­gnen anliefen. So lassen sich kost­spie­li­ge Fehl­ent­schei­dun­gen vermeiden.

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