Linux-basierte Be­triebs­sys­te­me wie Ubuntu erfordern tra­di­tio­nell einen höheren Grad an tech­ni­schem Wissen als andere Be­triebs­sys­te­me, sind in den letzten Jahren jedoch deutlich nut­zer­freund­li­cher geworden. Al­ler­dings kommt es immer noch vor, dass schwer­wie­gen­de Fehler von der Nutzerin oder dem Nutzer selbst behoben werden müssen. Wir stellen Ihnen einige Lö­sungs­an­sät­ze vor, falls Ihr Ubuntu nicht startet.

Problem iden­ti­fi­zie­ren: Hardware oder Software?

Wie viele andere sys­tem­na­he Prozesse kann der Boot-Prozess eines Be­triebs­sys­tems sowohl an fehlender oder schad­haf­ter Software als auch an be­schä­dig­te Hardware liegen. Um das grund­le­gen­de Problem in Ihrem System zu iden­ti­fi­zie­ren und zu beheben, muss erstmal bestimmt werden, ob es an der Software oder der Hardware liegt. Al­ler­dings haben Probleme mit dem Boot-Prozess meistens mehr mit der Sys­tem­soft­ware zu tun als mit der Hardware, es sei denn, Sie haben kürzlich etwas an Ihren Kom­po­nen­ten geändert. Deswegen ist es meistens sinnvoll, zunächst alle soft­ware­ba­sier­ten Ansätze aus­zu­pro­bie­ren, bevor man sich die Hardware anschaut. Wir kon­zen­trie­ren uns ent­spre­chend eher auf Software-Lösungen.

Falls Sie die unten auf­ge­führ­ten Software-Lösungen aus­pro­biert haben und Ubuntu immer noch nicht startet, ist es durchaus möglich, dass etwas an Ihrer Hardware be­schä­digt ist. Häufig ist entweder die Fest­plat­te oder der Ar­beits­spei­cher ver­ant­wort­lich. Um den Ar­beits­spei­cher und die Fest­plat­te zu über­prü­fen, eignen sich jeweils das Tool MemTest86 und das ein­ge­bau­te Fest­plat­ten-Dienst­pro­gramm von Ubuntu (GNOME Disks). Für beide müssen Sie jeweils ein boot­fä­hi­ges Medium erstellen, entweder mit MemTest86 oder der Desktop-Version von Ubuntu. Mehr zu hard­ware­be­ding­ten Problemen und möglichen Lösungen erklären wir in unserem Artikel “Laptop startet nicht”.

Tipp

Ubuntu ist nicht das einzige Be­triebs­sys­tem, das von einem schwer­wie­gen­den Fehler betroffen sein kann. Wir erklären Ihnen, was sie machen können, wenn Ihr Windows nicht startet.

Im Wie­der­her­stel­lungs­mo­dus starten

Wenn Sie schon versucht haben, Ihren Computer an- und aus­zu­schal­ten, sollten Sie zunächst versuchen, Ihr System im Wie­der­her­stel­lungs­mo­dus zu starten. Im Wie­der­her­stel­lungs­mo­dus wird Ihr System nur mit den Prozessen gestartet, die für den Betrieb zwingend notwendig sind. Dies können Sie mit dem GRUB-Boot­loa­der machen. Ein Boot­loa­der ist ein kleines Programm, das das Be­triebs­sys­tem aus einem boot­fä­hi­gen Medium in den Ar­beits­spei­cher lädt. Um GRUB auf­zu­ru­fen, starten Sie Ihren Computer wieder und drücken während des Boot-Prozesses die [Umschalt]-Taste.

Hinweis

Wenn Ihr Computer eine ältere Haupt­pla­ti­ne hat, kann es sein, dass Sie für den obigen Schritt eine PS/2-Tastatur verwenden müssen, da USB-Tas­ta­tu­ren bei manchen älteren Modellen erst nach dem Start erkannt werden. Versuchen Sie es aber erstmal mit Ihrer ge­wöhn­li­chen Tastatur.

Sie sollten folgende Anzeige bekommen:

Bild: GRUB-Bootlader Menü
GRUB-Boot­loa­der Menü

Nutzen Sie die Pfeil-Tasten, um zu den er­wei­ter­ten Optionen für Ubuntu zu na­vi­gie­ren, und wählen Sie an­schlie­ßend den Wie­der­her­stel­lungs­mo­dus des Linux-Kerns aus, mit dem Sie starten wollen. Wenn Sie nicht wissen, welchen Kern Sie nutzen wollen, sollten Sie den aktuellen wählen (mit der größten Ver­si­ons­num­mer), der auf Ihrem System in­stal­liert ist. Doch wenn das Problem beim Linux-Kern liegt, mit dem Sie immer starten, wäre es auch ziel­füh­rend, eine ältere Version aus­zu­pro­bie­ren, sofern eine in­stal­liert ist.

Bild: GRUB Wiederherstellungsmodi für installierte Kerne
Wie­der­her­stel­lungs­mo­di für alle in­stal­lier­ten Kerne

An­schlie­ßend werden Sie eine Anzeige sehen, in der einige Wie­der­her­stel­lungs­op­tio­nen und deren Funk­ti­ons­wei­sen auf­ge­lis­tet sind. In der folgenden Tabelle sehen Sie die Szenarien, für die sich die je­wei­li­gen Optionen am besten eignen. Die Optionen “resume”, “grub” und “network” al­ler­dings sind für Ihr Problem wahr­schein­lich nicht relevant.

Option Szenario
resume Sie wollen doch nicht in den Wie­der­her­stel­lungs­mo­dus starten.
clean Wenn Ihr Problem daran liegt, dass Ihre Fest­plat­te voll ist, versucht diese Option, etwas Platz zu schaffen.
dpkg Wenn Ihr System wegen eines kaputten Pakets oder Programms nicht startet
fsck Wenn Ihr Computer wegen einer kor­rum­pier­ten oder an­der­wei­tig be­schä­dig­ten Datei nicht startet
grub GRUB ak­tua­li­sie­ren
network Im Wie­der­her­stel­lungs­mo­dus starten, ohne das Netzwerk aus­zu­schal­ten
root Wenn Sie das Problem manuell in einer root-Shell beheben wollen; Achtung: Diese Option sollten Sie nur wählen, wenn Sie genau wissen, was Sie tun!
Bild: GRUB Wiederherstellungsoptionen
Wie­der­her­stel­lungs­op­tio­nen mit GRUB

Wenn Sie es mit einer der obigen Optionen schaffen, Ihr System zu starten, werden Sie wissen, woran das Problem lag. Sie können an­schlie­ßend weitere Schritte un­ter­neh­men, damit Ihr System auch im normalen Modus starten kann.

GRUB funk­tio­niert nicht?

Wenn bei Ihnen der GRUB-Boot­loa­der nicht funk­tio­niert, kann es sein, dass er be­schä­digt wurde, z. B. durch eine Dual-Boot-Kon­fi­gu­ra­ti­on mit Windows. In diesem Fall müssen Sie GRUB re­pa­rie­ren. Das ist nicht allzu kom­pli­ziert. Wir erklären Ihnen den Vorgang anhand folgender Schritte:

Schritt 1: In­stal­la­ti­ons­me­di­um erstellen und in Ubuntu booten

Um GRUB zu re­pa­rie­ren, müssen Sie ein Ubuntu-In­stal­la­ti­ons­me­di­um erstellen, wie Sie es wahr­schein­lich bei der ur­sprüng­li­chen In­stal­la­ti­on von Ubuntu getan haben. Die übliche Methode dafür ist mit einem USB-Laufwerk. Nachdem Sie ein boot­fä­hi­ges Medium erstellt haben, stecken Sie dieses in Ihrem Computer ein und booten davon. Dafür kann es notwendig sein, die Boot-Rei­hen­fol­ge in Ihrem BIOS zu ändern. Achten Sie darauf, dass Sie Ubuntu nicht neu in­stal­lie­ren, sondern dass Sie wirklich das Be­triebs­sys­tem auf dem USB-Laufwerk nutzen. Meistens gelingt dies über die Schalt­flä­che “Ubuntu aus­pro­bie­ren”.

Schritt 2: GRUB re­pa­rie­ren

Um GRUB zu re­pa­rie­ren, nutzen wir das Programm boot-repair von Canonical. Öffnen Sie den Ubuntu-Terminal und geben Sie die folgenden Befehle ein:

sudo apt-add-repository ppa:yannubuntu/boot-repair
sudo apt-get update
sudo apt-get install -y boot-repair
boot-repair
bash

Wählen Sie die Option “Emp­foh­le­ne Reparatur” aus und folgen Sie den An­wei­sun­gen. boot-repair wird GRUB für Sie neu in­stal­lie­ren. Sie können dann erneut versuchen, Ihr System zu starten.

Bild: Ubuntu boot-repair Benutzeroberfläche
Die Funktion boot-repair in Ubuntu

Ubuntu neu in­stal­lie­ren

Wenn Sie die Wie­der­her­stel­lungs­op­tio­nen aus­pro­biert haben und Ubuntu immer noch nicht startet, könnte eine Neu­in­stal­la­ti­on des Be­triebs­sys­tems die Lösung sein. Eine Neu­in­stal­la­ti­on von Ubuntu klingt sehr drastisch, aber sie ist möglich, ohne dass Sie Ihre Programme und Dateien verlieren. Dafür brauchen Sie nur ein boot­fä­hi­ges Ubuntu-Live-Medium. Ein USB-Laufwerk ist dafür sehr gut geeignet. Um ein USB-Laufwerk bootfähig zu machen, brauchen Sie eine Ubuntu-ISO, die sie von der Ubuntu-Website her­un­ter­la­den können, und ein Programm, um Ihr Laufwerk mit der ISO zu be­schrei­ben, z. B. ba­len­aEt­cher.

Nachdem Sie das Live-Medium erstellt haben, sollten Sie es in Ihren Computer ein­ste­cken und den Boot­vor­gang davon starten. Der Installer sollte erkennen, dass auf Ihrem Laufwerk schon eine Ubuntu-Instanz vorhanden ist, und Ihnen die Mög­lich­keit anbieten, Ihre Dateien und Programme mit­zu­neh­men.

Tipp

Da Linux-basierte Be­triebs­sys­te­me und Windows sehr un­ter­schied­lich sind, sind die Vorgänge bei vielen Feh­ler­be­he­bun­gen oft sehr anders. Wir erklären Ihnen, was Sie tun können, falls Windows 11 nicht startet.

Zum Hauptmenü