Moderne Be­triebs­sys­te­me sind komplexe Gebilde. Als Microsoft 1982 mit MS-DOS den Vorläufer des heutigen Windows auf den Markt brachte, bestand dieser noch aus sieben Dateien mit einer un­ge­fäh­ren Ge­samt­grö­ße von gerade einmal 400 Kilobyte. Beim Start sah man nicht mehr als eine Kom­man­do­zei­le mit einem blin­ken­den Cursor, die auf Befehle wartete.

Wenn Sie heute ein Windows-Be­triebs­sys­tem hoch­fah­ren, werden unzählige aus­führ­ba­re Programme in den Ar­beits­spei­cher geladen. Mehrere Dutzend Prozesse und Dienste sind bereits aktiv, bevor Sie sich überhaupt auf dem System anmelden können. Eines dieser wichtigen Sys­tem­pro­gram­me ist das Programm csrss.exe, dessen Funktion im Windows-System wir in diesem Artikel genauer unter die Lupe nehmen.

Was ist csrss.exe?

Hinter der Abkürzung „csrss“ verbirgt sich das Programm „Client Server Runtime Subsystem“. In älteren Windows-Versionen stand die Anwendung als Server für die An­for­de­rung gra­fi­scher Be­nut­zer­ober­flä­chen zur Verfügung. Mitt­ler­wei­le wurde dieser sensible Bereich in den Be­triebs­sys­tem­kern (Kernel) ver­scho­ben. Dennoch fungiert csrss.exe weiterhin als Server und hat es­sen­zi­el­le Aufgaben im System. Der Prozess ist u. a. dafür ver­ant­wort­lich, dass viele andere Sys­tem­pro­zes­se gestartet und beendet werden können. Zudem verwaltet er die Kom­man­do­zei­le, die mitt­ler­wei­le nur noch eines von vielen Pro­gram­men im Be­triebs­sys­tem ist. Wegen dieser wichtigen Aufgaben wird csrss.exe auch als kri­ti­scher Prozess ein­ge­stuft.

Das Client Server Runtime Subsystem wird einmal pro Sitzung gestartet, wobei es in ge­star­te­ten Windows-Instanzen immer min­des­tens zwei Sitzungen gibt – eine Sitzung „0“ für alle Dienste (Services) sowie eine Sitzung für Be­nut­zer­pro­zes­se. Die csrss.exe-Datei wird also immer min­des­tens zweimal gestartet.

Tipp

Die ge­star­te­ten Sitzungen können Sie sich über die Kom­man­do­zei­le mit dem Befehl „query SESSION“ anzeigen lassen. Dort werden auch die in­di­vi­du­el­len IDs der Sitzungen angezeigt. Auf diese Weise können Sie ab­glei­chen, ob die Anzahl der csrss.exe-Prozesse mit der Anzahl der Sitzungen im Task-Manager über­ein­stimmt.

Was macht csrss.exe?

Jeder csrss.exe-Prozess lädt mehrere DLLs (dy­na­mi­sche Bi­blio­the­ken) wie basesrv.dll, winsrv.dll oder csrsv.dll. Diese bieten u. a. folgende Funk­tio­nen:

  • Starten und Beenden von Prozessen
  • Starten und Beenden von Threads
  • Be­reit­stel­lung des Kon­so­len­fens­ters (Kom­man­do­zei­le)
  • Her­un­ter­fah­ren des Systems

Diese Funk­tio­nen können von anderen Pro­gram­men und Prozessen mithilfe von csrss.exe auf­ge­ru­fen und verwendet werden, was auch den zentralen Nutzen dieses Prozesses ver­deut­licht: Sollte csrss.exe nicht ord­nungs­ge­mäß aus­ge­führt oder gar beendet werden, stehen wichtige Funk­tio­nen des Be­triebs­sys­tems plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Auch bereits aktive Prozesse würden nicht mehr funk­tio­nie­ren, sobald die die Mög­lich­keit fehlt, Threads zu starten.

So über­prü­fen Sie den aktuellen Status von csrss.exe

Es gibt mehrere Mög­lich­kei­ten, den Prozess csrss.exe genauer unter die Lupe zu nehmen. Die bequemste Methode ist der stan­dard­mä­ßig in­te­grier­te Task-Manager. Dieser lässt sich bei­spiels­wei­se über die Tas­ten­kom­bi­na­ti­on [Strg] + [Shift] + [Esc] oder per Eingabe im Suchfeld von Windows aufrufen. Der Task-Manager, der auch Prozess-Manager genannt wird, bietet in mehreren Reitern In­for­ma­tio­nen über Sys­tem­aus­las­tung, aktive Prozesse und Dienste.

Seit Windows 10 finden Sie csrss.exe im Task-Manager-Reiter „Prozesse“ unter der Be­zeich­nung „Client-Server-Lauf­zeit­pro­zess“. In früheren Versionen war er dort noch unter seinem An­wen­dungs­na­men (also „csrss.exe“) auf­ge­führt. Nach einem Rechts­klick auf den Prozess werden Ihnen mehrere Optionen angeboten. Nützlich für die Un­ter­su­chung des Prozesses sind:

  • Dateipfad öffnen: Öffnet ein Explorer-Fenster mit dem Spei­cher­ort von csrss.exe. Dieser muss immer der Pfad „Windows\System32\“ sein. Ist dies nicht der Fall, handelt es sich nicht um den korrekten Prozess.
  • Zu Details wechseln: Neben der Prozess-ID erfährt man hier auch, ob der Prozess aus­ge­führt wird und von welchem Nutzer. Bei csrss.exe sollte es immer der Nutzer „System“ sein, da es sich um einen Sys­tem­pro­zess handelt.
  • Ei­gen­schaf­ten: Im Reiter „Details“ können Ein­zel­hei­ten über die Anwendung ein­ge­se­hen werden. Im Reiter „Digitale Si­gna­tu­ren“ kann man das Zer­ti­fi­kat des Programms aufrufen. Aus­stel­ler des Zer­ti­fi­kats muss bei csrss.exe immer die Firma Microsoft sein.

Eine eta­blier­te Al­ter­na­ti­ve zur all­ge­mei­nen Über­prü­fung von Sys­tem­pro­zes­sen wie csrss.exe sind Programme des Windows-Insiders Mark Rus­si­no­vich. Dieser hat eine um­fang­rei­che Sammlung nütz­li­cher Software unter dem Namen „Sy­sin­ter­nals Suite“ ver­öf­fent­licht, darunter auch das Programm Process Explorer, mit dem sich die aktiven Prozesse hier­ar­chisch dar­stel­len lassen. Zudem bietet die Software eine direkte Ver­knüp­fung zu der Plattform Vi­rus­t­o­tal.com, die eine Schnell­über­prü­fung ge­wünsch­ter Prozesse er­mög­licht.

Kann csrss.exe beendet oder entfernt werden?

In In­ter­net­fo­ren taucht re­gel­mä­ßig die Frage auf, ob man Prozesse wie csrss.exe beenden oder die Software entfernen kann. Das Beenden von csrss.exe hätte al­ler­dings das sofortige Her­un­ter­fah­ren des Systems zur Folge. Schon deswegen ist für dieses Vorgehen kein sinn­vol­ler An­wen­dungs­zweck denkbar. Im Task-Manager kann der Prozess aufgrund fehlender Rechte nicht beendet werden.

Ver­ur­sacht der Prozess Probleme, bei­spiels­wei­se eine hohe CPU-Aus­las­tung, liegt Ihre Aufgabe vielmehr darin, her­aus­zu­fin­den, welche Kom­po­nen­ten dafür ver­ant­wort­lich sind. Zudem sollten Sie über­prü­fen, ob es sich überhaupt um den „echten“ csrss-Prozess handelt.

Die Anwendung csrss.exe gänzlich aus dem Sys­tem­ord­ner zu löschen, hätte zur Folge, dass das System nicht mehr funk­ti­ons­fä­hig wäre.

csrss.exe-Datei unter Vi­ren­ver­dacht

Da der Prozess csrss.exe immer aktiv ist, fällt er bei einer Un­ter­su­chung von laufenden Prozessen auf. Zudem verleitet der kryp­ti­sche Name Ent­wick­ler von Schad­soft­ware dazu, ähnlich lautende An­wen­dun­gen wie etwa „crss.exe“ oder „cssrs.exe“ zu pro­gram­mie­ren und in schlecht ge­schütz­te Systeme ein­zu­schleu­sen. Diese sind im Gegensatz zu völlig fremden Be­zeich­nun­gen bei einer flüch­ti­gen Be­trach­tung leicht über­seh­bar bzw. leicht mit der ori­gi­na­len Datei zu ver­wech­seln.

Sie sollten also immer zuerst die korrekte Schreib­wei­se und den richtigen Spei­cher­ort der Software über­prü­fen. Die Anwendung csrss.exe im Sys­tem­ord­ner .\Windows\System32\ ist mit sehr hoher Wahr­schein­lich­keit keine Schad­soft­ware. Sollte es wider Erwarten dennoch den Verdacht einer Ma­ni­pu­la­ti­on geben, empfiehlt sich ohnehin eine Neu­in­stal­la­ti­on, da in einem solchen Fall das gesamte System als unsicher zu be­trach­ten wäre.

Fazit

csrss.exe ist einer der wich­tigs­ten Sys­tem­pro­zes­se unter Windows und immer min­des­tens in zwei­fa­cher Aus­füh­rung aktiv. Da er es­sen­zi­el­le Aufgaben wie das Starten und Beenden von Prozessen übernimmt, wird er als kri­ti­scher Prozess be­zeich­net, der nicht beendet werden darf. Ist der Prozess aus dem Sys­tem­ver­zeich­nis .\Windows\System32\ gestartet worden, kann er nor­ma­ler­wei­se als Ver­ur­sa­cher von schad­haf­ten Prozessen aus­ge­schlos­sen werden.

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