Flug­rei­sen, Ho­tel­bu­chun­gen oder auch Kleidung: Viele Kunden im eCommerce zahlen online mit ihren Kre­dit­kar­ten. Da hierbei sensible In­for­ma­tio­nen versendet werden, müssen besondere Vor­keh­run­gen für die Si­cher­heit der Ver­brau­cher getroffen werden. Im Zuge der PSD2 hat die EU nun noch stärkere An­for­de­run­gen an Be­zahl­sys­te­me im Internet gestellt – und die Kre­dit­kar­ten­in­sti­tu­te haben reagiert. Mit der neuen Version des 3D-Secure-Ver­fah­rens ent­spre­chen VISA und Mas­ter­card den Re­gu­la­ri­en der EU und ver­bes­sern den Schutz der Kunden.

Was ist 3D Secure: Code, Passwort, TAN?

Das Kre­dit­kar­ten­in­sti­tut VISA hat bereits im Jahr 2000 ein Verfahren ent­wi­ckelt, das die Ver­wen­dung von Kre­dit­kar­ten im Internet sicherer machen sollte. Das Un­ter­neh­men selbst verwendet die Technik unter dem Namen „Verified by VISA“. Gleich­zei­tig haben auch andere Anbieter von Kre­dit­kar­ten den Si­cher­heits­me­cha­nis­mus bei sich im­ple­men­tiert. 3D Secure heißt bei Mas­ter­card bei­spiels­wei­se „Se­cu­re­Code“ (in­zwi­schen „Identity Check“), bei American Express „SafeKey“ und bei JCB „J/Secure“.

Zuvor lief eine Bezahlung per Kre­dit­kar­te im Internet sehr simpel ab: Man gab seine Kre­dit­kar­ten­in­for­ma­tio­nen in die ent­spre­chen­den Felder ein, be­stä­tig­te den Besitz der Karte mit dem Card Va­li­da­ti­on Code (CVC), der auf der Rückseite jeder Kre­dit­kar­te zu finden ist, und belastete die Karte mit einem Mausklick. Jeder, der im Besitz der Kre­dit­kar­te war, konnte somit Produkte – auch mit hoch­prei­si­ge – aus dem Internet kaufen. Dass diese Methode nicht son­der­lich sicher ist, war of­fen­sicht­lich.

Da sich der E-Commerce-Bereich immer weiter ausweitet und immer mehr Menschen online mit der Kre­dit­kar­te zahlen, nimmt auch das Interesse von Kri­mi­nel­len an den Kar­ten­in­for­ma­tio­nen zu. Besonders durch Phishing und Social En­gi­nee­ring kommen Kri­mi­nel­le vielfach an Daten. Um diese Ent­wick­lung ein­zu­däm­men, wurde 3D Secure ent­wi­ckelt.

Zu­sätz­lich zu den In­for­ma­tio­nen, die sich auf der Karte befinden (und damit deren Besitz be­stä­ti­gen), muss bei diesem Verfahren eine weitere In­for­ma­ti­on angegeben werden, etwa ein Passwort, das nur der recht­mä­ßi­ge Besitzer der Kre­dit­kar­te wissen kann. Es handelt sich also um eine Zwei-Faktor-Au­then­ti­sie­rung: Es werden zwei un­ter­schied­li­che Merkmale benötigt, um die Belastung der Kre­dit­kar­te zu ver­an­las­sen.

Dafür wird der Ver­brau­cher auf die Seite des Kre­dit­kar­ten­in­sti­tuts wei­ter­ge­lei­tet und gibt dort das zu­sätz­li­che Si­cher­heits­merk­mal ein. Den zweiten Faktor teilen Nutzer somit nur der Bank bzw. dem Kre­dit­kar­ten­in­sti­tut mit. Der Betreiber des On­line­shops erhält an­schlie­ßend nur die Be­stä­ti­gung, dass die Ver­wen­dung der Karte recht­mä­ßig ist. Doch auch diese Methode hat sich nicht als sehr sicher her­aus­ge­stellt. Bis zum Jahr 2016 ist die Be­trugs­sum­me im SEPA-Raum laut eu­ro­päi­scher Zen­tral­bank auf 1,32 Mil­li­ar­den Euro an­ge­wach­sen.

Der Umgang mit sta­ti­schen Pass­wör­tern ist si­cher­heits­tech­nisch un­ge­eig­net. Ist dieses nämlich erst einmal Dritten bekannt, ist der an­ge­streb­te Schutz hinfällig. Besser geeignet sind daher dy­na­mi­sche Verfahren, die sich bei jedem Vorgang anpassen. Eine SMS bei­spiels­wei­se mit einem nach kryp­ti­schen Verfahren ge­ne­rier­ten Secure-Code kann nur für diese eine Zahlung genutzt werden.

Sowohl Kunden als auch On­line­händ­ler waren zudem mit der ersten Version von 3D Secure mehr als un­zu­frie­den. Die Website zur Eingabe des zu­sätz­li­chen Si­cher­heits­fak­tors war äußerst unschön gestaltet, Be­an­tra­gung und Ver­wen­dung des be­nö­tig­ten Passworts waren un­über­sicht­lich und das Verfahren ließ sich nicht zu­frie­den­stel­lend in Mobile Apps einbauen. Kunden waren immer wieder genervt und brachen Be­stell­vor­gän­ge ab, was wiederum Con­ver­si­ons vermieste und On­line­händ­ler erboste.

Die zweite Version von 3D Secure – auch als 3DS2 bekannt – geht diese Probleme an und baut zudem die Si­cher­heit aus. Die Neue­run­gen ent­spre­chen damit auch den neuen Zah­lungs­dienste­richt­li­ni­en der EU. Außerdem reagieren die Kre­dit­kar­ten­in­sti­tu­te mit der neuen Version auf tech­ni­sche Ent­wick­lun­gen. In­zwi­schen bieten vor allem moderne Geräte (z. B. Smart­phones) Au­then­ti­sie­rung mithilfe von bio­me­tri­schen Daten an: per Fin­ger­ab­druck oder durch Analyse der Ge­sichts­zü­ge.

3D Secure 2.0 ist so gestaltet, dass On­line­händ­ler das Verfahren in den Be­zahl­vor­gang einbauen können. Damit ergibt sich für den Kunden ein an­ge­neh­me­res Kauf­erleb­nis. Außerdem soll es sich um ein in­tel­li­gen­tes System handeln. Die Au­then­ti­sie­rungs­me­tho­de passt sich demnach dem Risiko an. Das heißt: Für kleine Beträge gelten geringere Si­cher­heits­an­for­de­run­gen als für große Summen. Zudem ist 3DS2 auch bei mobilen Zahlungen ein­setz­bar und arbeitet mit Apps von Banken zusammen.

Vor- und Nachteile von 3D Secure

Sowohl für Händler als auch für Ver­brau­cher hat das 3D-Secure-Verfahren Vorteile, bringt aber auch Nachteile mit sich.

Vorteile Nachteile
Mehr Si­cher­heit für Kunden Mehr Aufwand für Kunden
Kre­dit­kar­ten­an­bie­ter über­neh­men die Kosten bei Betrug trotz 3D Secure (Haf­tungs­um­kehr) Händler verlieren Con­ver­si­ons
Verfahren ist für Kunden und Händler kostenlos Hun­dert­pro­zen­ti­ge Si­cher­heit kann nicht ga­ran­tiert werden

Worauf müssen sich Kunden ein­stel­len?

Für Ver­brau­cher sollte das 3D-Secure-Verfahren ein besseres Be­zahl­er­leb­nis liefern. Statt das veraltete Verfahren zu bemühen oder ganz auf die Si­cher­heits­über­prü­fung zu ver­zich­ten, können Nutzer jetzt von einem sicheren und modernen Verfahren pro­fi­tie­ren. Damit müssen Kunden rechnen:

  • Re­gis­trie­ren: Um 3D Secure nutzen zu können, muss man sich bei seiner Bank dafür re­gis­trie­ren. Ver­ant­wort­lich ist die Bank, die auch die Kre­dit­kar­te aus­ge­stellt hat.
     
  • In­stal­la­ti­on: Man kann davon ausgehen, dass Banken zukünftig Apps verwenden werden, um den 3D-Secure-Code zu versenden oder bio­me­tri­sche Daten an­zu­for­dern.
     
  • Be­reit­hal­ten: Bei der Zahlung muss dann sowohl die Kre­dit­kar­te als auch das Smart­phone vorhanden sein.
Hinweis

Auch mit 3D Secure sollten Nutzer im Internet aufpassen, wenn sie im Internet mit ihrer Kre­dit­kar­te zahlen. Sensible Daten dürfen nur dann ein­ge­ge­ben werden, wenn man sicher ist, dass man sich auf der korrekten Website befindet. Ein gültiges SSL-Zer­ti­fi­kat ist ein Anzeichen dafür, dass man der Website vertrauen kann.

Aus­wir­kun­gen für den On­line­han­del

Die Payment Services Directive 2 der EU schreibt vor, dass ab dem 14. September 2019 On­line­zah­lun­gen be­son­de­ren Si­cher­heits­stan­dards gerecht werden müssen. 3D Secure erfüllt die neuen An­for­de­run­gen. Um das neue Verfahren einsetzen zu können, müssen sich On­line­händ­ler mit ihrem Payment Service Provider (PSP) in Kontakt setzen. Dieser sollte eine tech­ni­sche Lösung bieten, die Händler dann nur noch in ihren On­line­shop im­ple­men­tie­ren müssen.

  • PSP kon­tak­tie­ren: Zunächst müssen On­line­händ­ler mit ihren Zah­lungs­dienst­leis­tern in Kontakt treten. Viele Anbieter haben bereits auf ihren Websites In­for­ma­tio­nen für Händler hin­ter­legt.
     
  • 3DS2 im­ple­men­tie­ren: Da sich das neue 3D-Secure-Verfahren nicht mehr auf einer anderen Website abspielt, sondern direkt im Shop, muss die Technik in den On­line­shop in­te­griert werden.

Im Sinne von PSD2 und der darin ver­an­ker­ten Strong Customer Au­then­ti­ca­ti­on (SCA) müssen nicht alle Zahlungen über so hohe Standards ve­ri­fi­ziert werden, wie sie 3D Secure bietet. Bei Zahlungen unter 30 Euro bei­spiels­wei­se kann auf die hohe Si­cher­heits­stu­fe ver­zich­tet werden. Doch auf­ge­passt: Diese und andere Ri­si­ko­ein­schät­zun­gen liegen nicht im Ermessen des Händlers, sondern werden von der Bank vor­ge­nom­men.

Auch abseits der ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen lohnt es sich für Händler, 3D Secure in ihren Webshops an­zu­bie­ten: Das neue System ist sehr viel kun­den­freund­li­cher, spielt sich komplett auf der Website des Händlers ab und erhöht das Vertrauen der Ver­brau­cher in den E-Commerce. Das sorgt wiederum für mehr Con­ver­si­ons und damit für mehr Umsatz.

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