Beim „Un­su­per­vi­sed Learning“ wird ein KI-Modell anhand von un­ge­kenn­zeich­ne­ten Daten trainiert, um ver­bor­ge­ne Muster, Zu­sam­men­hän­ge und Ähn­lich­kei­ten zu entdecken. Lesen Sie weiter, um mehr über Un­su­per­vi­sed Learning zu erfahren.

Was ist Un­su­per­vi­sed Learning?

Un­su­per­vi­sed Learning ist eine Methode zur Da­ten­ana­ly­se innerhalb des Gebiets der künst­li­chen In­tel­li­genz. Hierbei ori­en­tiert sich ein künst­li­ches neu­ro­na­les Netzwerk an Ähn­lich­kei­ten innerhalb ver­schie­de­ner In­put­wer­te. Beim Un­su­per­vi­sed Learning versucht der Computer selbst­stän­dig Muster und Struk­tu­ren innerhalb der Ein­ga­be­wer­te zu erkennen.

Un­su­per­vi­sed Learning steht damit im Gegensatz zum Su­per­vi­sed Learning. Bei dieser Methode behalten Ent­wi­ckeln­de die Kontrolle komplett in der Hand und geben das Lernziel klar vor. Al­ler­dings müssen die Trai­nings­da­ten bei Su­per­vi­sed Learning vor dem Training manuell ge­kenn­zeich­net resp. ka­te­go­ri­siert werden, was einen er­heb­li­chen Zeit­auf­wand darstellt.

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Wie funk­tio­niert Un­su­per­vi­sed Learning?

Ver­ein­facht dar­ge­stellt ist die Lern­me­tho­de ein künst­li­ches neu­ro­na­les Netz, das eine große Menge an In­for­ma­ti­ons­ein­ga­ben ana­ly­siert, um mittels dieser In­for­ma­tio­nen Zu­sam­men­hän­ge, Muster und Ähn­lich­kei­ten in Daten zu ermitteln. Dieser Vorgang basiert auf ver­schie­de­nen Verfahren. Eine Technik, der sich die Lern­me­tho­de bedient, ist das Clus­te­ring, auch bekannt als Clus­ter­ver­fah­ren. Hierbei müssen die Al­go­rith­men selbst­stän­dig Cluster – also Grup­pie­run­gen – bilden. Im Anschluss werden diesen Clustern dann Daten zu­ge­ord­net.

Wenn die Daten bei­spiels­wei­se Fotos von Hunden und Katzen dar­stel­len, würde das Programm beim Un­su­per­vi­sed Learning diese Fotos anhand ihrer Merkmale ver­glei­chen und Grup­pie­ren. Ob der Al­go­rith­mus dabei zwischen Hun­de­fo­tos und Kat­zen­fo­tos un­ter­schei­det, ist anders als beim Su­per­vi­sed Learning nicht vor­ge­ge­ben, aber möglich. Die Al­go­rith­men beim Un­su­per­vi­sed Machine Learning treffen ihre Ent­schei­dun­gen auf der Basis von Ge­mein­sam­kei­ten und Un­ter­schie­den in den Bildern, wie zum Beispiel anhand der Fellfarbe des Tieres.

Ein weiteres Verfahren ist As­so­cia­ti­on. Hierbei werden Daten, die sich mit anderen Daten über bestimmte Attribute in Ver­bin­dung bringen lassen, ka­te­go­ri­siert. Die Aufgabe der Al­go­rith­men ist es also, Objekte zu finden, die in Ver­bin­dung mit­ein­an­der stehen – dafür müssen sie aber nicht gleich oder überhaupt ähnlich sein. Wieder das Beispiel mit den Hun­de­fo­tos: Bei der As­so­cia­ti­on würde der Un­su­per­vi­sed-Learning-Al­go­rith­mus nicht alle Hunde zu­sam­men­fas­sen, sondern bei­spiels­wei­se eine Leine mit dem Hund in Ver­bin­dung bringen.

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Wo und wann wird Un­su­per­vi­sed Learning ein­ge­setzt?

Es gibt viele Beispiele für Un­su­per­vi­sed Learning in der Praxis. Dadurch, dass Programme aufgrund der Lern­me­tho­de in der Lage sind, Spiel­re­geln und somit auch Ge­winn­stra­te­gien zu erlernen, lassen sie sich z. B. ge­winn­brin­gend an der Börse einsetzen. So ist es möglich, die Bör­sen­kur­se als rohe Daten zur Verfügung zu stellen und das Programm bestimmte Bör­sen­ak­ti­vi­tä­ten erkennen und Trends vor­aus­se­hen zu lassen.

Künst­li­che In­tel­li­genz und ins­be­son­de­re Un­su­per­vi­sed Learning wird aber auch in vielen weiteren Bereichen bereits an­ge­wen­det. Durch das Clus­ter­ver­fah­ren lassen sich Per­so­nen­grup­pen zu­sam­men­stel­len, was vor allem im Marketing von Bedeutung ist. Dort ist nämlich die Ziel­grup­pe der Mit­tel­punkt und die Grundlage für die Er­ar­bei­tung einer Wer­be­stra­te­gie. Al­go­rith­men können selbst­stän­dig lernen, eine solche Gruppe an Menschen zu­sam­men­zu­fas­sen.

Ein Bereich, in dem das Prinzip des Un­su­per­vi­sed Learning bereits fest verankert ist, ist die Sprach­er­ken­nung. Die Bedienung von As­sis­tenz­pro­gram­men wie Siri, Alexa oder Google Assistant wird bei­spiels­wei­se erst durch Sprach­er­ken­nung möglich. Hierbei lernen die Programme die Sprech­ge­wohn­hei­ten eines Nutzers bzw. einer Nutzerin und können mit der Zeit immer genauere Sprach­ein­ga­ben verstehen, auch wenn der Nutzer bzw. die Nutzerin eventuell einen Sprach­feh­ler hat oder einen Dialekt spricht.

Viele Smart­phones arbeiten bereits mit Un­su­per­vi­sed Learning und sorgen auf diese Weise in Fo­to­ga­le­rien für Ordnung. Durch das selbst­stän­di­ge und un­über­wach­te Lernen ist das Gerät in der Lage, dieselbe Person auf Fotos zu erkennen oder auch in den Meta-Daten gleiche Auf­nah­me­or­te fest­zu­stel­len. So können die Fotos nach Ort der Aufnahme oder auch nach Personen, die auf dem Foto ab­ge­bil­det sind, geordnet werden.

In Chats hat sich Un­su­per­vi­sed Learning ebenfalls bewährt: Ein Großteil der In­ter­net­nut­zen­den hat bereits mit Chatbots Erfahrung gemacht. Sie regeln bei­spiels­wei­se den sozialen Umgang innerhalb von vir­tu­el­len Ge­sprä­chen. So werden Be­lei­di­gun­gen, Hetze, ras­sis­ti­sche Äu­ße­run­gen und auch Dis­kri­mi­nie­rung von den Bots selbst­stän­dig erkannt und die be­tref­fen­den Nutzenden aus dem Chat entfernt oder ermahnt. Auch hier spielt künst­li­che In­tel­li­genz eine Rolle. Ähnlich funk­tio­nie­ren die au­to­ma­ti­sier­ten Chats im Kun­den­dienst und bei der On­line­be­stel­lung. Egal ob in einem Messenger oder am Telefon – die Bots lernen selbst­stän­dig und zum Teil auch un­über­wacht.

Negativ-Beispiel: Chatbot in Social Media

Dass un­über­wach­tes Lernen al­ler­dings auch negative Aus­wir­kun­gen haben kann, musste Microsoft 2016 fest­stel­len. Deren KI „Tay“ hatte einen Twitter-Zugang und lernte durch die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit anderen Nutzenden der Plattform. Anfangs war das Programm noch recht einfältig, doch schnell benutzte es viele Smileys und bildete ganze Sätze.

Al­ler­dings bewertete die KI die Aussagen nicht und hetzte über­ra­schend schnell gegen Ausländer und Fe­mi­nis­ten und ver­brei­te­te Ver­schwö­rungs­theo­rien – all dies geschah innerhalb von 24 Stunden. Das Programm an sich war weder ras­sis­tisch noch politisch motiviert, es hatte einfach von den Menschen gelernt. Ob und wie viele Twitter-Nutzende sich einen Scherz erlaubten und Tay mit diesen Daten fütterten, ist nicht bekannt.

Positiv-Beispiel: Gen­for­schung

Durchaus positive Aus­wir­kun­gen hat Un­su­per­vi­sed Learning al­ler­dings auf die Gen­for­schung. Hier hilft das Clus­ter­ver­fah­ren bei der Analyse von Gen­ma­te­ri­al. Der me­di­zi­ni­sche und tech­ni­sche Bereich wächst Dank der künst­li­chen In­tel­li­genz und deren Lern­me­tho­den dichter zusammen und die Forschung wird enorm be­schleu­nigt, sodass Erb­krank­hei­ten wie die Si­chel­zel­len­an­ämie oder auch eine vererbte Blindheit zukünftig behandelt und geheilt werden können.

Vorteil von Un­su­per­vi­sed Learning gegenüber anderen Methoden

Machine Learning bedeutet nicht nur tech­ni­scher Fort­schritt, sondern auch eine Ent­las­tung und Er­leich­te­rung in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Es ist eine Be­rei­che­rung für Alltag, Wirt­schaft und auch Forschung. Im Gegensatz zu den anderen beiden Lern­me­tho­den (Su­per­vi­sed und Rein­force­ment Learning) sind Ent­wi­ckeln­de nicht am ei­gent­li­chen Training beteiligt, was neben einer even­tu­el­len Zeit­er­spar­nis auch noch einen weiteren Vorteil mit sich bringt: Mit Un­su­per­vi­sed Learning können Muster erkannt werden, die ein Mensch zuvor nicht erkannt hat. Somit haben Al­go­rith­men auf der Basis von Un­su­per­vi­sed Machine Learning die Mög­lich­keit, kreative Ideen zu ent­wi­ckeln.

Un­ter­schie­de zu Su­per­vi­sed Learning und Semi-su­per­vi­sed Learning

Zu­sätz­lich zum Un­su­per­vi­sed Learning gibt es auch noch Su­per­vi­sed Learning und Semi-su­per­vi­sed Learning, die beide einige Un­ter­schie­de zum Un­su­per­vi­sed Learning aufweisen. Im Folgenden gehen wir jeweils kurz auf diese Un­ter­schie­de ein.

Un­su­per­vi­sed Learning vs. Su­per­vi­sed Learning

Anders als beim Un­su­per­vi­sed Learning sind beim Su­per­vi­sed Learning sowohl die Ein­ga­be­da­ten als auch die zu­ge­hö­ri­gen Ausgaben von vorn­her­ein bekannt. Su­per­vi­sed Learning hat aber auch andere Ziele als Un­su­per­vi­sed Learning. Da es beim Su­per­vi­sed Learning für jeden Da­ten­punkt schon eine „richtige“ Antwort gibt, zielt dieses Lern­ver­fah­ren darauf ab, dass die KI nach dem Training „richtig“ antworten kann.

Zu­sätz­lich zu den un­ter­schied­li­chen Zielen und Ein­satz­mög­lich­kei­ten sind Su­per­vi­sed Learning und Un­su­per­vi­sed Learning auch in ihrer Effizienz und Klarheit sehr un­ter­schied­lich. Un­su­per­vi­sed Learning benötigt lediglich Rohdaten, um zu trai­nie­ren und Muster zu erkennen. Dafür sind die Er­geb­nis­se im Vergleich zu Su­per­vi­sed Learning aber oft sehr abstrakt und müssen manchmal an­schlie­ßend manuell ana­ly­siert werden. Dem­ge­gen­über sind die Vor­lauf­kos­ten beim Su­per­vi­sed Learning sehr hoch, da das Training nur mit voll­stän­dig ge­la­bel­ten Daten erfolgen kann. Der Vorteil davon ist, dass die Ziele des Trainings durch das Kenn­zeich­nen der Daten sehr klar definiert werden und die End­ergeb­nis­se in der Regel sehr nach­voll­zieh­bar sind.

Un­su­per­vi­sed learning vs. Semi-su­per­vi­sed learning

Beim Semi-su­per­vi­sed Learning werden sowohl ge­kenn­zeich­ne­te als auch nicht ge­kenn­zeich­ne­te Daten für das Training verwendet. Dabei lernt das Modell zuerst aus den ge­kenn­zeich­ne­ten Daten, um ein ru­di­men­tä­res Klas­si­fi­zie­rungs­mo­dell zu erzeugen. Dieses Modell wird dann verwendet, um Vor­her­sa­gen für die un­ge­la­bel­ten Daten zu treffen. An­schlie­ßend wird das Modell erneut trainiert, diesmal sowohl mit den ge­kenn­zeich­ne­ten Daten als auch den Vor­her­sa­gen, die als Kenn­zei­chen benutzt werden. Dieser Prozess kann dann iterativ fort­ge­setzt werden.

Da Semi-su­per­vi­sed Learning wie Su­per­vi­sed Learning eher für Klas­si­fi­zie­rungs­pro­ble­me geeignet ist, ist dieses Verfahren grund­sätz­lich anders zu Un­su­per­vi­sed Learning, was haupt­säch­lich fürs Clus­te­ring und As­so­cia­ti­on ein­ge­setzt wird. Al­ler­dings weist Semi-su­per­vi­sed Learning in seinen relativ niedrigen Vor­lauf­kos­ten eine Ähn­lich­keit zu Un­su­per­vi­sed Learning auf.

Weitere KI-Lern­ver­fah­ren: Rein­force­ment Learning

Zwischen den beiden Lehr­me­tho­den steht noch eine dritte: Beim Rein­force­ment Learning geben Ent­wi­ckeln­de nur Impulse, um das Training der Al­go­rith­men zu be­ein­flus­sen. Ein Computer lernt hierbei durch Versuch und Irrtum, welche Ent­schei­dun­gen die richtigen sind. Auf jede Ent­schei­dung bekommt der Computer von der Trai­nings­um­ge­bung entweder positives oder negatives Feedback. So kann die künst­li­che In­tel­li­genz lang­fris­tig Zu­sam­men­hän­ge erkennen und Stra­te­gien ent­wi­ckeln, um möglichst viel positives Feedback zu bekommen.

Bei­spiels­wei­se könnte man einen Roboter mittels Rein­force­ment Learning dazu trai­nie­ren, ein Objekt in einem Raum zu finden, das jedes Mal an einer anderen Stelle platziert wird. Der Roboter würde für Kol­li­sio­nen und ver­schwen­de­te Zeit negatives Feedback bekommen. Lang­fris­tig würde der Roboter Stra­te­gien ent­wi­ckeln, um sein Such­ver­fah­ren zu op­ti­mie­ren.

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