Re­gel­mä­ßig auf LinkedIn zu ver­öf­fent­li­chen, klingt einfach, bis jede Woche neue Themen gefunden, Gedanken struk­tu­riert und aus ersten Ideen lesbare Beiträge gemacht werden müssen. Genau hier kann KI als Ghost­wri­ter für LinkedIn un­ter­stüt­zen: Sie ent­wi­ckelt Entwürfe, bringt Gedanken in eine klare Form und passt Texte an einen ge­wünsch­ten LinkedIn-Schreib­stil an.

Ghost­wri­ting ≠ Fake: Wie Au­then­ti­zi­tät gesichert wird

Ein Ghost­wri­ter schreibt tra­di­tio­nell Texte im Namen einer anderen Person. Dabei ist nicht ent­schei­dend, wer die einzelnen Sätze for­mu­liert hat, sondern wessen Gedanken, Er­fah­run­gen und Po­si­tio­nen der Text wie­der­gibt. Bei einem KI-Ghost­wri­ter für LinkedIn funk­tio­niert das grund­sätz­lich genauso.

Pro­ble­ma­tisch wird der Einsatz erst dann, wenn die KI nicht mehr for­mu­liert, sondern die Person hinter dem Profil erfindet. Wenn Sie bei­spiels­wei­se nie ein be­stimm­tes Projekt geleitet haben, sollte die ge­ne­ra­ti­ve KI daraus keine per­sön­li­che Er­folgs­ge­schich­te machen. Die wich­tigs­te Regel lautet deshalb: Die KI darf Ihre Gedanken schreiben, aber sie sollte Ihre Gedanken nicht erfinden.

Für au­then­ti­sches Personal Branding empfiehlt sich dabei eine klare Auf­ga­ben­tei­lung. Sie liefern die fachliche Substanz und das LLM übernimmt Aufgaben wie Struk­tu­rie­rung, For­mu­lie­rung, Kürzung, Va­ri­an­ten­bil­dung und sprach­li­che Über­ar­bei­tung. Das ent­spricht auch der aktuellen Linie von LinkedIn: Die Plattform un­ter­schei­det zwischen sinnvoll un­ter­stütz­ten Beiträgen und so­ge­nann­tem AI Slop. Letzterer wird al­go­rith­misch und mithilfe einer Melde-Funktion un­ter­drückt.

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„Voice Capture“: 15 Fragen, mit denen die KI Ihren Schreib­stil ken­nen­lernt

Viele KI-Texte klingen aus­tausch­bar, weil das Sprach­mo­dell kaum In­for­ma­tio­nen über die Person erhält, für die es schreiben soll. Ein Prompt wie „Schreiben Sie einen pro­fes­sio­nel­len LinkedIn-Post über Führung“ führt zu einem pro­fes­sio­nel­len, aber ge­ne­ri­schen Ergebnis.

Ein so­ge­nann­tes Voice Capture löst dieses Problem. Dabei sammeln Sie In­for­ma­tio­nen darüber, wie Sie denken, sprechen und schreiben. Diese Angaben können an­schlie­ßend Be­stand­teil eines festen Prompts, eines eigenen KI-Projekts oder eines re­dak­tio­nel­len Briefings werden.

Nutzen Sie bei­spiels­wei­se diese 15 Fragen als Template:

  • Wie würden Sie Ihren eigenen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stil be­schrei­ben? Sind Sie eher direkt, ana­ly­tisch, humorvoll, ruhig, provokant oder erklärend?
  • Wie möchten Sie auf LinkedIn wahr­ge­nom­men werden?
  • Welche drei Ei­gen­schaf­ten sollen Ihre Beiträge ver­mit­teln?
  • Welche Ei­gen­schaf­ten sollen Ihre Texte aus­drück­lich nicht haben?
  • Wie sprechen Sie Ihre Le­se­rin­nen und Leser an?
  • Wie lang sind Ihre Sätze nor­ma­ler­wei­se?
  • Wie beginnen Sie nor­ma­ler­wei­se eine Ge­schich­te? Starten Sie direkt mit einer Be­ob­ach­tung, einer Aussage, einer Frage oder einer per­sön­li­chen Situation?
  • Wie deutlich äußern Sie Meinungen? Schreiben Sie bei­spiels­wei­se „Ich halte das für falsch“ oder eher „Ich sehe diesen Ansatz kritisch“?
  • Welche Wörter und For­mu­lie­run­gen verwenden Sie häufig?
  • Welche For­mu­lie­run­gen würden Sie niemals verwenden?
  • Wie viel Per­sön­li­ches möchten Sie erzählen?
  • Welche Themen gehören zu Ihrer fach­li­chen Po­si­tio­nie­rung?
  • Zu welchen Themen haben Sie eine klare eigene Haltung?
  • Welche Ihrer bis­he­ri­gen LinkedIn-Beiträge klingen besonders nach Ihnen? Geben Sie der KI mehrere echte Beispiele und erklären Sie möglichst, was Ihnen daran gefällt.
  • Was soll ein Leser nach einem typischen Beitrag von Ihnen denken oder tun?

Die Antworten müssen nicht lang sein. Bereits zwei oder drei konkrete Sätze pro Frage liefern einer KI deutlich mehr Ori­en­tie­rung als all­ge­mei­ne An­wei­sun­gen wie „Schreibe mensch­lich“ oder „Klinge au­then­tisch“.

Wertvoll sind zu­sätz­lich einige ältere Texte, die tat­säch­lich von Ihnen stammen. Daraus kann die KI typische Satz­län­gen, Einstiege, Übergänge oder be­vor­zug­te For­mu­lie­run­gen ableiten. Wichtig bleibt al­ler­dings, dass Sie das Ergebnis kon­trol­lie­ren.

Re­dak­ti­ons­pro­zess

Auch mit einem guten Voice Capture sollte ein KI-Entwurf nicht direkt ver­öf­fent­licht werden. Ein einfacher Re­dak­ti­ons­pro­zess sorgt dafür, dass aus einem ma­schi­nell erzeugten Draft ein per­sön­li­cher Beitrag wird.

1. Draft: Die KI erstellt den ersten Entwurf

Am Anfang steht nicht der perfekte Prompt, sondern guter Input. Geben Sie der KI eine Be­ob­ach­tung aus Ihrem Ar­beits­all­tag, eine These, drei Stich­punk­te aus einem Meeting oder eine Sprach­no­tiz. Aus diesem Roh­ma­te­ri­al darf die KI zunächst einen voll­stän­di­gen Beitrag ent­wi­ckeln. Dieser ist jedoch zunächst nur Ar­beits­ma­te­ri­al. Gerade konkrete Zahlen, Studien, Zitate, Pro­dukt­funk­tio­nen oder Aussagen über andere Personen und Un­ter­neh­men dürfen nicht allein deshalb über­nom­men werden, weil sie plausibel for­mu­liert sind.

2. Fact-check: Fakten sys­te­ma­tisch über­prü­fen

Im zweiten Schritt prüfen Sie alle über­prüf­ba­ren Aussagen. Diese Kontrolle ist besonders wichtig, weil ge­ne­ra­ti­ve KI falsche In­for­ma­tio­nen über­zeu­gend for­mu­lie­ren kann. Der Fact-check betrifft al­ler­dings nur Tatsachen. Ein faktisch korrekter Beitrag kann trotzdem voll­kom­men aus­tausch­bar sein. Deshalb folgt ein weiterer Schritt.

3. Opinion: Ihre eigene Position ergänzen

Fragen Sie sich nach dem Fak­ten­check: „Was denke ich ei­gent­lich darüber?“ Viel­leicht hat die KI aus Ihrer Idee einen Beitrag über die Vorteile einer neuen Tech­no­lo­gie ge­schrie­ben. Ihre ei­gent­li­che Erfahrung lautet aber: „Technisch funk­tio­niert das gut, im Ar­beits­all­tag über­schät­zen Un­ter­neh­men jedoch den Nutzen.“ Genau dieser Satz ist für Personal Branding oft in­ter­es­san­ter als die zehn all­ge­mei­nen Vorteile davor.

4. Final Polish: Sprache ver­bes­sern, Per­sön­lich­keit behalten

Erst danach folgt die end­gül­ti­ge sprach­li­che Über­ar­bei­tung. Die KI darf den Beitrag kürzen, einen schwachen Einstieg ver­bes­sern, unnötige Wie­der­ho­lun­gen entfernen oder Absätze besser struk­tu­rie­ren. Dabei sollte sie jedoch nicht jede Eigenheit be­sei­ti­gen, damit der Post nach wie vor nach Ihnen klingt. Wenn Letzteres der Fall ist, hat die KI ihre Aufgabe als Ghost­wri­ter erfüllt.

Welche LinkedIn-Formate sich mit einem KI-Ghost­wri­ter erstellen lassen

Ein ein­ge­lern­tes Sprach­pro­fil lässt sich für un­ter­schied­li­che Formate verwenden. Dabei sollte nicht jedes Thema zwangs­läu­fig in denselben Aufbau gepresst werden.

Short Posts: Eine Idee klar auf den Punkt bringen

Kurze Beiträge eignen sich für einzelne Be­ob­ach­tun­gen, Meinungen oder kleine Er­kennt­nis­se. Der Aus­gangs­punkt kann bereits ein Satz sein. Die KI kann daraus einen kompakten Beitrag ent­wi­ckeln, ohne zehn zu­sätz­li­che Argumente zu erfinden. Gerade bei kurzen Posts ist Zu­rück­hal­tung wichtig. Eine starke Be­ob­ach­tung benötigt häufig keine kom­pli­zier­te Story-Struktur. Für au­then­ti­sches Personal Branding sind solche Beiträge nützlich, da eine klare Haltung schnell erkennbar wird.

Story Posts: Er­fah­run­gen ver­ständ­lich erzählen

Bei Story Posts liefert die KI vor allem Struktur. Sie kann eine Situation, das ei­gent­li­che Problem, eine Ent­schei­dung und die daraus ent­stan­de­ne Er­kennt­nis sinnvoll mit­ein­an­der verbinden. Die Ge­schich­te selbst sollte jedoch real bleiben. Ein KI-Ghost­wri­ter sollte keine Konflikte dra­ma­ti­sie­ren, Dialoge erfinden oder aus einem ge­wöhn­li­chen Meeting eine Krise kon­stru­ie­ren, nur damit der Einstieg emo­tio­na­ler wirkt. Eine einfache be­ruf­li­che Be­ob­ach­tung ist glaub­wür­di­ger als eine künstlich per­fek­tio­nier­te Ge­schich­te.

Carousels eignen sich, wenn ein Thema schritt­wei­se erklärt werden soll. Statt direkt komplette Slides ge­ne­rie­ren zu lassen, können Sie der KI zunächst die Kern­aus­sa­ge geben. An­schlie­ßend kann sie daraus eine Rei­hen­fol­ge ent­wi­ckeln: Aus­gangs­pro­blem, zentrale These, mehrere Er­klär­schrit­te, Beispiel und Schluss­fol­ge­rung.

News­let­ter-Teaser: Interesse wecken, ohne alles vor­weg­zu­neh­men

Auch ein längerer LinkedIn-News­let­ter lässt sich mithilfe eines KI-Ghost­wri­ters effizient bewerben. Statt lediglich die Ein­lei­tung zu kopieren, kann die KI aus dem fertigen News­let­ter ver­schie­de­ne Teaser ent­wi­ckeln. Ein guter Teaser nennt das Problem oder die zentrale Er­kennt­nis des Beitrags, verrät aber nicht bereits die voll­stän­di­ge Antwort. Auch hier sollte der ver­wen­de­te Stil zur bis­he­ri­gen Kom­mu­ni­ka­ti­on passen.

Ethik und Trans­pa­renz: Was beim KI-Ghost­wri­ting okay ist

Die wich­tigs­te ethische Grenze beim KI-Ghost­wri­ting verläuft weniger zwischen „mit KI“ und „ohne KI“ als zwischen Un­ter­stüt­zung und Täuschung.

Un­pro­ble­ma­tisch ist es in der Regel, eigene Stich­punk­te von einer KI struk­tu­rie­ren zu lassen, For­mu­lie­run­gen zu ver­bes­sern, einen Beitrag zu kürzen oder mehrere Varianten für einen Einstieg ent­wi­ckeln zu lassen. Nicht passend für au­then­ti­sches Personal Branding wäre dagegen, Er­fah­run­gen zu erfinden, Qua­li­fi­ka­tio­nen auf­zu­wer­ten, nicht vor­han­de­ne Kun­den­pro­jek­te zu be­schrei­ben oder anderen Personen Aussagen zu­zu­schrei­ben, die sie nie gemacht haben. Auch LinkedIns Community-Richt­li­ni­en verlangen reale und au­then­ti­sche Angaben und un­ter­sa­gen unter anderem falsche oder ir­re­füh­ren­de Inhalte.

Hinzu kommen die Trans­pa­renz­vor­ga­ben des eu­ro­päi­schen AI Act. Artikel 50 betrifft unter anderem KI-ge­ne­rier­te oder ma­ni­pu­lier­te Texte, die ver­öf­fent­licht werden, um die Öf­fent­lich­keit über An­ge­le­gen­hei­ten von öf­fent­li­chem Interesse zu in­for­mie­ren. Solche Inhalte können einer Kenn­zeich­nungs­pflicht un­ter­lie­gen. Für re­dak­tio­nell be­ar­bei­te­te Texte gibt es al­ler­dings eine wichtige Ausnahme: Wurde ein Text tat­säch­lich von einem Menschen in­halt­lich geprüft oder re­dak­tio­nell kon­trol­liert und übernimmt eine na­tür­li­che oder ju­ris­ti­sche Person die re­dak­tio­nel­le Ver­ant­wor­tung, verlangt Artikel 50 für diese Text­ka­te­go­rie keine ent­spre­chen­de Kenn­zeich­nung.

KI-Ghost­wri­ter als Un­ter­stüt­zung für au­then­ti­sches Personal Branding

Ein guter Ghost­wri­ter für LinkedIn soll nicht dafür sorgen, dass Sie wie jemand klingen, der besonders gut schreibt. Er sollte dafür sorgen, dass Ihre tat­säch­li­chen Gedanken schneller in eine ver­öf­fent­lich­ba­re Form kommen. Dafür braucht es weniger kom­pli­zier­te Prompt-Tricks als oft an­ge­nom­men. Ein durch­dach­tes Voice Capture liefert der KI Ihren sprach­li­chen Rahmen. Der Re­dak­ti­ons­pro­zess aus Draft, Fact-check, eigener Opinion und Final Polish schützt vor Fehlern und aus­tausch­ba­ren Texten. Un­ter­schied­li­che Formate sorgen an­schlie­ßend dafür, dass aus denselben Gedanken kurze Posts, Ge­schich­ten, Carousels oder News­let­ter-Teaser entstehen können.

Der wich­tigs­te Teil bleibt jedoch mensch­lich: Er­fah­run­gen machen, Be­ob­ach­tun­gen einordnen und eine eigene Meinung ent­wi­ckeln. Genau darin liegt der Un­ter­schied zwischen mas­sen­haft pro­du­zier­tem KI-Content und au­then­ti­schem Personal Branding.

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