Am 27. Juli 2016 fiel die Ent­schei­dung über die Ver­kaufs­rech­te der ge­ne­ri­schen Top-Level-Domain .web zugunsten von Nu Dot Co. Für 135 Millionen US-Dollar sicherte sich das US-Un­ter­neh­men den Zuschlag im Bieter-Wett­streit, und darf fortan Domains mit .web-Endung verkaufen. Die Domain-Endung gilt als Nach­fol­ger der beliebten Top-Level-Domain .com, die seit vielen Jahren im Gebrauch ist – mit der Folge, dass zahl­rei­che begehrte .com-Domains bereits vergeben sind.

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Für die Ver­ga­be­stel­le ICANN ist der Auk­ti­ons­er­lös in gleich mehr­fa­cher Weise ein be­mer­kens­wer­ter Rekord: Er über­trifft den bis dato höchsten um mehr als das Dreifache und den bis­he­ri­gen Durch­schnitts­preis für Top-Level-Domains etwa um das Sie­ben­fa­che. Der Ein­zel­er­lös der Auktion für die .web-Endung über­steigt zudem die Ge­samt­sum­me aller zuvor erzielten Auk­ti­ons­er­lö­se. Den vor­he­ri­gen Rekord markierte die Auktion um die .shop-Endung: Im Januar 2016 zahlte das ja­pa­ni­sche Domain-Un­ter­neh­men GMO Registry 41,5 Millionen US-Dollar für die prägnante E-Commerce-TLD.

Wie der Do­main­han­del funk­tio­niert und wie so­ge­nann­te „Domainers“ damit Millionen verdienen, zeigt folgender Kurz­bei­trag von BBC.

Tur­bu­len­zen im Vorfeld der ICANN-Auktion

Als einziger der Bieter willigte Nu Dot Co nicht in eine Privat-Auktion ein. Bei diesem Verfahren wäre der Erlös zu gleichen Teilen unter den un­ter­le­ge­nen Bietern auf­ge­teilt worden. Mangels Einigung fand die Vergabe aber in Form einer ICANN-Auktion statt. Bei diesem Modus fließt der gesamte Auk­ti­ons­er­lös in die Kassen der Non-Profit-Or­ga­ni­sa­ti­on.

Die Mitbieter Radix und Donuts legten Be­schwer­de bei der ICANN ein mit dem Ziel, die Domain-Auktion auf einen späteren Zeitpunkt zu ver­schie­ben. Sie ver­mu­te­ten einen Ge­sell­schaf­ter-Wechsel hinter Nu Dot Co und wollten den Kon­kur­ren­ten als Stroh­fir­ma eines Big Players im Do­main­ge­schäft enttarnen, um ihn vom Bie­ter­ver­fah­ren aus­zu­schie­ßen. Nach nur vier Tagen wurde die Be­schwer­de jedoch seitens der ICANN ab­ge­wie­sen. Das erscheint un­ge­wöhn­lich schnell vor dem Hin­ter­grund, dass die zu­stän­di­gen Gremien in der Ver­gan­gen­heit für ge­wöhn­lich mehr als einen Monat be­nö­tig­ten, um eine solche Ent­schei­dung zu treffen.

Donuts, u. a. als Ei­gen­tü­mer der neuen Top-Level-Domains .business und .company bekannt, gab sich damit nicht zufrieden und bemühte sich, eine einst­wei­li­ge Verfügung gegen die ICANN zu erwirken. Donuts warf der ICANN vor, durch ihr Handeln bzw. durch Un­tä­tig­keit gegen die eigene Ge­schäfts­po­li­tik und gegen eta­blier­te Richt­li­ni­en verstoßen zu haben. Teil der Klage war zudem eine Scha­den­er­satz-Forderung in Mil­lio­nen­hö­he für ent­gan­ge­ne und zu­künf­ti­ge Gewinne in Höhe von min­des­tens 10 Millionen US-Dollar – begründet u. a. mit Ver­trags­ver­let­zung und un­lau­te­rem Wett­be­werb. Das zu­stän­di­ge US-Gericht ließ sich jedoch nicht über­zeu­gen, und die Auktion nahm den eingangs be­schrie­be­nen Verlauf.

Wer steckt hinter Nu Dot Co?

In­zwi­schen be­stä­tig­te das US-Un­ter­neh­men Verisign offiziell, dass es hinter dem Kauf­an­ge­bot von Nu Dot Co gestanden und Gelder dafür zur Verfügung gestellt habe. Der Domain-Anbieter ist bereits als Inhaber der Ver­kaufs­rech­te für die Endungen .com und .net bekannt. Mit dem Erwerb der .web-TLD baut Verisign seine Markt­macht weiter aus. Im Bericht für das dritte Quartal 2016 weist Verisign eine Ausgabe in Höhe von „ungefähr 130 Millionen US-Dollar für die künftige Über­tra­gung ver­trag­li­cher Rechte“ („ap­pro­xi­m­ate­ly $ 130 million for the future as­sign­ment of con­trac­tu­al rights“) aus. In jenem Quartal ist auch der Auk­ti­ons­preis an die ICANN zu ent­rich­ten.

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