Die mobile Da­ten­nut­zung stellt besondere Ansprüche an die Pro­gram­mie­rung von Webseiten und das Design digitaler Be­nut­zer­ober­flä­chen. Bei An­wen­dun­gen für Mo­bil­ge­rä­te steht eine schnelle und intuitive Be­dien­bar­keit im Vor­der­grund. Gleich­zei­tig müssen Inhalte aus dem Internet für kurze La­de­zei­ten optimiert werden. Der Trend geht daher zu einem mi­ni­ma­lis­ti­schen Ge­stal­tungs­stil, dem so­ge­nann­ten Flat-Design. Gemäß dem Motto „Weniger ist mehr“ ver­zich­tet dieses darauf, sich bei der Dar­stel­lung von Be­dien­ele­men­ten an realen Vor­bil­dern zu ori­en­tie­ren (in der bspw. ein Füller für ein Schreib­pro­gramm steht oder die Be­dien­ele­men­te für den Sound einem Mischpult nach­emp­fun­den sind). Statt­des­sen werden einfache Pik­to­gram­me verwendet. Diese zwei­di­men­sio­na­len Icons zeichnen sich durch eine Reduktion auf we­sent­li­che Ge­stal­tungs­merk­ma­le aus und werden in Form von Webfonts in den Quelltext von In­ter­net­sei­ten und Be­nut­zer­schnitt­stel­len ein­ge­bun­den. Damit kehrt das Flat-Design dem Skeu­omor­phis­mus den Rücken – einem Ge­stal­tungs­stil, der auf eine möglichst rea­lis­ti­sche Abbildung von Symbol-Objekten hin­ar­bei­tet, um Benutzern die In­ter­ak­tio­nen mit digitalen Be­dien­ele­men­ten zu er­leich­tern. Ein pro­mi­nen­tes Beispiel für ein kon­se­quen­tes Flat-Design ist die für Touch­screens op­ti­mier­te Be­nut­zer­ober­flä­che von Microsoft Windows 8.

Was ist ein Iconfont?

Die Lupe neben dem Suchfeld, der Ein­kaufs­wa­gen im On­line­shop oder der Brief­um­schlag neben der E-Mail-Adresse – Icons finden sich nahezu auf jeder Website. Sie bieten Nutzern eine Ori­en­tie­rungs­hil­fe, ver­deut­li­chen die Funktion von Be­dien­ele­men­ten und kommen dabei ohne Worte aus. Immer seltener jedoch werden Icons als Bitmap-Bilder oder CSS-Sprites ein­ge­bun­den. Web­ent­wick­ler greifen statt­des­sen auf Iconfonts zurück. Bei einem Iconfont handelt es sich um einen Webfont, der statt Buch­sta­ben vek­tor­ba­sier­te Pik­to­gram­me enthält. Gegenüber Zei­chen­dar­stel­lun­gen, die durch Bild­punk­te innerhalb einer Bitmap be­schrie­ben werden, bieten Vektor-Icons den Vorteil, dass sie sich ver­lust­frei skalieren lassen und dennoch eine geringere Da­tei­grö­ße aufweisen als Pixel-Icons. Zudem können Iconfonts durch CSS (Cascading Style Sheets) beliebig aus­ge­stal­tet werden. Aufgrund der auf­lö­sungs­un­ab­hän­gi­gen Ska­lie­rung werden vek­tor­ba­sier­te Icons auch auf hoch­auf­lö­sen­den Displays gestochen scharf dar­ge­stellt – im Gegensatz zu Bitmap-Grafiken jedoch nur einfarbig (CSS3 er­mög­licht auch Farb­ver­läu­fe). Zudem muss immer ein kom­plet­ter Iconfont ein­ge­bun­den werden, selbst wenn nur ein Pik­to­gramm verwendet wird. Im Internet findet man zahl­rei­che Anbieter, die kos­ten­lo­se Iconfonts zur Verfügung stellen. Zudem lassen sich Fontkits mit geringem Aufwand selbst erstellen. 

Iconfont-Anbieter

Web­ent­wick­ler müssen bei der Ein­bin­dung vek­tor­ba­sier­ter Pik­to­gram­me nicht zwangs­läu­fig kos­ten­pflich­ti­ge Iconfonts nutzen. Im Internet bieten zahl­rei­che Open-Source-Bi­blio­the­ken eine zum Teil be­ein­dru­cken­de Auswahl an Icons, die man kostenlos nutzen darf. Folgende Liste zeigt eine Auswahl der be­lieb­tes­ten Anbieter frei ver­füg­ba­rer Sym­bol­sät­ze:

  • Font Awesome: Eine der größten Open-Source-Samm­lun­gen für funk­tio­na­le Pik­to­gram­me. Dieser Iconfont wurde ur­sprüng­lich für Bootstrap kon­zi­piert, ist jedoch mit allen bekannten Frame­works kom­pa­ti­bel. Als pik­to­gra­fi­sche Schrift bietet Font Awesome mehr als 600 Icons mit web­re­le­van­tem Bezug. Alle Icons liegen als Vek­tor­gra­fi­ken vor, sind mit Screen­rea­dern kom­pa­ti­bel und können ohne Qua­li­täts­ver­lust beliebig skaliert werden. Der Iconfont un­ter­liegt der SIL Open Font License (SIL OFL) und kann selbst für kom­mer­zi­el­le Zwecke kostenlos genutzt werden.
  • Entypo: Anders als Font Awesome bietet Entypo keinen Iconfont, sondern ein Set aus vek­tor­ba­sier­ten Pik­to­gram­men im SVG-Format. Dieses stellt eine Grundlage für in­di­vi­du­el­le Fonts bereit, die sich mit Webfont-Ge­ne­ra­to­ren in­di­vi­du­ell zu­sam­men­stel­len lassen. Alle Entypo-Pik­to­gram­me un­ter­lie­gen der Creative-Commons-Lizenz nach CC BY-SA 4.0 und stehen somit auch für einen kom­mer­zi­el­len Gebrauch kostenlos zur Verfügung.
  • Typicons: Bei Typicons handelt es sich um einen Iconfont aus mehr als 300 screen­read­er­freund­li­chen vek­tor­ba­sier­ten Pik­to­gram­men, der sich über das Open-Source-Pa­ket­ver­wal­tungs­tool Bower in­stal­lie­ren lässt. Die Icons gibt es als Vek­tor­vor­la­ge und mi­ni­fi­zier­tes CSS. Auch der Typicons-Iconfont un­ter­liegt der SIL Open Font License.
  • Open Iconic: Die Iconfonts von Open Iconic bieten über 200 Pik­to­gram­me in SVG sowie ver­schie­de­ne Webfont- und Raster-Formate. Die Macher betonen vor allem die re­du­zier­ten Da­tei­grö­ßen ihrer Fonts: Der Open Iconic Iconfont im WOFF-Format umfasst gerade einmal 12,4 KB und ist somit um ein Viel­fa­ches kleiner als Font Awesome. Alle ver­wen­de­ten Pik­to­gram­me stehen unter MIT License. Die an­ge­bo­te­nen Fonts sind unter SIL OFL li­zen­ziert und stehen somit kostenlos für kom­mer­zi­el­le Projekte zur Verfügung.

Eigene Fontkits erstellen

In der Regel benötigen Web­ent­wick­ler nicht alle Pik­to­gram­me eines Iconfonts. Üblich ist eine Kom­bi­na­ti­on von Icons ver­schie­de­ner Anbieter auf einer Webseite. Möglich machen dies so­ge­nann­te Fontkits, die sich mit Webfont-Ge­ne­ra­to­ren wie Fontello, fontastic.me oder der IcoMoon App aus ver­schie­de­nen Quellen zu­sam­men­stel­len lassen. Ein in­di­vi­du­el­les Fontkit hat den Vorteil, dass nur die Icons per Webfont ein­ge­bun­den werden, die tat­säch­lich auf der Webseite zu sehen sind. Dies reduziert die Da­tei­grö­ße und somit die Ladezeit einer Webseite. 

Iconfonts einbinden

Iconfonts werden in der Regel mithilfe einer CSS-Klasse im HTML-Quellcode definiert. Dazu muss der ent­spre­chen­de Iconfont im Head-Bereich des HTML-Dokuments ein­ge­bun­den werden. Einige Anbieter stellen dazu eine Standard-CSS-Datei bereit. Möglich ist zudem eine Ein­bin­dung über das CSS-Framework Bootstrap, sofern der Font dieses un­ter­stützt. Wie man HTML Icons einbindet, zeigt der ver­tie­fen­de Artikel zum Thema bei­spiel­haft für den Iconfont Font Awesome.

Icons anpassen

Da Iconfonts über ein eigenes Style­sheet geladen und über vor­de­fi­nier­te CSS-Klassen abgerufen werden, bieten sie weit­rei­chen­de Mög­lich­kei­ten der Aus­ge­stal­tung. Im Gegensatz zu pi­xel­ba­sier­ten Gra­fik­da­tei­en lassen sich Pik­to­gram­me auf Vek­tor­ba­sis, die über Iconfonts ein­ge­bun­den werden, bequem durch Än­de­run­gen im CSS-Code de­fi­nie­ren. So passen Web­ent­wick­ler die Größe, Farbe oder Deckkraft eines Icons in­di­vi­du­ell an die jeweilige Website an. Zudem ist es möglich, Icons mit Texturen oder Schat­ten­ef­fek­ten aus­zu­ge­stal­ten. 

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