Das kennen sicher viele Schüler und Studenten: Einmal im Un­ter­richt kurz abgelenkt gewesen, kurz aus dem Fenster geschaut und schon sitzt man am Nach­mit­tag vor den Haus­auf­ga­ben oder der Nach­be­rei­tung einer Vorlesung und weiß nicht weiter. Abhilfe schafft seit jüngster Zeit die App „Socratic“: Die Anwendung löst selbst kom­pli­zier­te Glei­chun­gen, be­ant­wor­tet Fragen zur Welt­ge­schich­te, zur Grammatik und ist sogar in As­tro­phy­sik bewandert. Zauberei? Eher eine aus­ge­klü­gel­te künst­li­che In­tel­li­genz. Was die Haus­auf­ga­ben-App tat­säch­lich kann, zeigt Ihnen unser aus­führ­li­cher Test.

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Socratic löst Haus­auf­ga­ben aus fast allen Fächern

Auf den ersten Blick scheint die App „Socratic“ die wildesten Träume eines jeden Schülers wahr werden zu lassen: Man muss lediglich ein Foto von einer Mat­he­for­mel schießen und schon prä­sen­tiert die App die richtigen Er­geb­nis­se zur Haus­auf­ga­be. Doch Socratic ist mehr als nur ein digitaler Spick­zet­tel. Statt lediglich das Ergebnis an­zu­zei­gen, erklärt die App auch den Lö­sungs­weg und schlägt weitere Re­cher­che­quel­len für tie­fer­ge­hen­de Studien vor. Sie be­ant­wor­tet Fragen zu The­men­be­rei­chen zahl­rei­cher Fächer: Darunter auch Deutsch, Ge­schich­te, Erdkunde, Biologie oder Physik. Statt einer simplen Antwort erhält man um­fas­sen­de Er­läu­te­run­gen. Fragen Sie Socratic bei­spiels­wei­se nach der mit­tel­al­ter­li­chen Stän­de­ord­nung, sammelt die App passende Such­ergeb­nis­se aus dem Web. Gleiches bei einer kom­pli­zier­ten Gleichung aus der Ma­the­klau­sur, die von der App in kürzester Zeit gelöst wird. Die ur­sprüng­lich für iOS kon­zi­pier­te Haus­auf­ga­ben-App hat es zu einer enormen Po­pu­la­ri­tät gebracht. Grund dafür ist nicht zuletzt die Tatsache, dass die App in­zwi­schen auch für Android-Geräte verfügbar ist und nicht mehr nur Englisch, sondern Deutsch, Spanisch, Fran­zö­sisch, In­do­ne­sisch und Por­tu­gie­sisch versteht.

So funk­tio­niert die „Socratic“-App

Socratic findet die Er­geb­nis­se zu Haus­auf­ga­ben auf zwei un­ter­schied­li­chen Wegen: Zum einen kann man einfach ein Foto von der Frage oder einer Ma­the­auf­ga­be machen. Dank ihrer aus­ge­feil­ten Tex­terken­nung kann die App sogar ma­the­ma­ti­sche Glei­chun­gen mit Wurzeln und Brüchen iden­ti­fi­zie­ren und den Lö­sungs­weg auf­schlüs­seln. Das funk­tio­niert besonders gut, wenn die Aufgabe in Ma­schi­nen­schrift vorliegt. Möchte man hand­schrift­li­che Fragen oder Aufgaben an die Socratic-App wei­ter­rei­chen, sollte man auf Schön­schrift achten. An­dern­falls kann es passieren, dass ähnlich aus­se­hen­de Buch­sta­ben wie ein „R“ oder ein „K“ ver­wech­selt werden.

Sollte die App eine hand­schrift­li­che Frage nicht ent­zif­fern können, besteht noch die Mög­lich­keit, diese manuell ein­zu­tip­pen. Das ist zwar etwas mühselig – besonders bei ma­the­ma­ti­schen Glei­chun­gen –, hilft aber, wenn man seine un­le­ser­li­chen, hand­schrift­li­chen Notizen aus dem Un­ter­richt oder der Vorlesung später über­prü­fen möchte.

Grundlage für die künst­li­che In­tel­li­genz der App sind unzählige Beispiele gelöster Haus­auf­ga­ben, die den Da­ten­grund­be­stand ausmachen, und ein in Ko­ope­ra­ti­on mit Lehrern und Experten aus­ge­ar­bei­te­ter Machine-Learning-Al­go­rith­mus. Damit bricht die Socratic-App Haus­auf­ga­ben auf das jeweils not­wen­di­ge Grund­kon­zept herunter, das zur Be­ant­wor­tung nötig ist, und kann dem Anwender das Lö­sungs­prin­zip anhand seiner je­wei­li­gen Bei­spiel­auf­ga­ben ver­deut­li­chen. Die App kann sogar ma­the­ma­ti­sche oder phy­si­ka­li­sche Text­auf­ga­ben lösen: Anhand ge­fil­ter­ter Schlag­wor­te wird der Rechenweg ermittelt und mit den je­wei­li­gen Werten vor­ge­führt. Das folgende Video der Ent­wick­ler ver­an­schau­licht dies anhand eines Beispiels:

Dank um­fas­sen­der Community-Features lernt die Haus­auf­ga­ben-App auch stetig Neues. So können Lehrer und Schüler aktiv mit­ar­bei­ten und den Frage-Antwort-Fundus weiter ausbauen. In­zwi­schen sind nach eigenen Angaben der Ent­wick­ler bereits über 350.000 Fragen aus 21 Fächern bzw. The­men­fel­dern be­ant­wor­tet. Die getestete Android-App lässt jedoch eine Speicher- und Ar­chiv­funk­ti­on für bereits gestellte Fragen vermissen. Möchte man später nochmal auf einen früheren Lö­sungs­weg zugreifen, bleibt nur, die Frage erneut zu fo­to­gra­fie­ren bzw. ein­zu­tip­pen. Wie gut der zu­grun­de­lie­gen­de Al­go­rith­mus wirklich funk­tio­niert, zeigt unser aus­führ­li­che Test in drei Un­ter­richts­fä­chern.

Socratic: So gut löst die Haus­auf­ga­ben-App Mathe-, Ge­schichts- und Eng­li­schauf­ga­ben

Ma­the­ma­tik

Gleich in der „ersten Stunde“ steht das von vielen Schülern ge­fürch­te­te Fach Ma­the­ma­tik auf dem Stun­den­plan des Socratic Här­te­tests. Dabei zeigt Socratic, dass es Ma­the­haus­auf­ga­ben aller Art akkurat lösen kann: Ob einfache Ad­di­tio­nen oder komplexe Glei­chun­gen, die Haus­auf­ga­ben-App hat alle Aufgaben im Test korrekt gelöst und zudem einen de­tail­lier­te Be­schrei­bung des Lö­sungs­vor­gangs geliefert. Lediglich in der deutschen Sprach­ver­si­on waren zum Test­zeit­punkt nicht alle Lö­sungs­we­ge voll­stän­dig übersetzt. So lagen ver­ein­zelt Be­schrei­bun­gen nur auf Englisch vor, was den durchweg positiven Eindruck des Inhalts jedoch kaum trübt.

Mit einer Bei­spiel­glei­chung des mit­tel­al­ter­li­chen Ma­the­ma­ti­kers al-Chwarizmi (la­ti­ni­siert: Algorismi), von dessen Namen sich der heutige Begriff „Al­go­rith­mus“ ableitet, sollte die Qualität der Mat­he­funk­ti­on überprüft werden: Bereits um das Jahr 825 stellte der iranische Uni­ver­sal­ge­lehr­te sechs un­ter­schied­li­che Typen qua­dra­ti­scher Wurzeln auf. Eines dieser Schemata lautet „x² + bx = c“. Gesucht ist jeweils das „x“. Mit konkreten Werten gefüllt, könnte die Gleichung fol­gen­der­ma­ßen aussehen: „x² + 10x = 39“. Fo­to­gra­fiert man diese Gleichung mit der Socratic-App erhält man wenige Sekunde später die richtige Lösung: x = 3 bzw. x = -13 und dazu den Lö­sungs­weg. Das folgende YouTube-Video der App-Ent­wick­ler zeigt noch ein weiteres Beispiel – mit der Tex­terken­nung einer hand­schrift­lich for­mu­lier­ten Aufgabe:

Fazit

Socratic ist ein echtes Ma­the­ma­tik-Genie. Von simplen Rech­nun­gen bis hin zu komplexen Glei­chun­gen hat die App den Mathetest vollends bestanden.

Ge­schich­te

Kaum erholt vom Grübeln über ma­the­ma­ti­sche Glei­chun­gen ist in der zweiten Stunde Ge­schich­te dran. Ob sich die künst­li­che In­tel­li­genz der Haus­auf­ga­ben-App auch in den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten auskennt? Das bloße Erkennen bzw. „Verstehen“ der Frage funk­tio­niert je­den­falls ähnlich zu­ver­läs­sig wie bei Ma­the­auf­ga­ben – die Prä­sen­ta­ti­on der Lösungen un­ter­schei­det sich hingegen: Fragt man Socratic bei­spiels­wei­se, wann das Mit­tel­al­ter begann, sucht die App un­ter­schied­li­che, mehr oder minder zu­ver­läs­si­ge Quellen im Netz, um die Frage zu be­ant­wor­ten. Un­ab­hän­gig von der Qualität der Quellen ist das Vorgehen vor­bild­lich: Schließ­lich werden auch in der Ge­schichts­wis­sen­schaft un­ter­schied­li­che Quellen zurate gezogen. Die Qualität der Quelle ein­zu­schät­zen, bleibt jedoch Aufgabe des Anwenders.

Die Antworten stammen oft von der Community-Plattform „Yahoo! Clever“ oder aus der eigenen community-basierten Fragen-Datenbank von Socratic. Doch auch passende Auszüge aus Wikipedia findet die App mühelos. Mitunter sind auch weniger brauch­ba­re Seiten in der Auswahl, die teilweise nicht für mobile Endgeräte optimiert sind. Das erschwert die Recherche. Ist absolut nichts Brauch­ba­res dabei, bietet Socratic immerhin einen Verweis auf Google an und fügt die Frage in die Suchmaske der beliebten Such­ma­schi­ne ein. So kann man aus der App heraus auch selbst­stän­dig wei­ter­re­cher­chie­ren.

Fazit

Mit Ab­stri­chen ist die Socratic-App auch für Ge­schich­te zu ge­brau­chen. Al­ler­dings funk­tio­niert die App bei den im Test erprobten Fragen eher wie eine Such­ma­schi­ne mit Tex­terken­nungs­funk­ti­on. Praktisch ist das trotzdem.

Sprachen: Deutsch und Englisch

Bleibt noch zu klären, ob Socratic auch ein Sprach­ta­lent hat und für Fächer wie Englisch oder Deutsch in Frage kommt. In diesen Fächern ist besonders in­ter­es­sant, ob die Haus­auf­ga­ben-App auch Aufgaben versteht und Lö­sungs­we­ge anbieten kann, die nicht direkt als Frage, sondern als Auf­for­de­rung for­mu­liert sind. Ein Beispiel aus dem klas­si­schen Gram­ma­tik­un­ter­richt in unteren Jahr­gangs­stu­fen:

1. Un­ter­strei­che in dem folgenden Satz Subjekt (rot) und Prädikat (blau):

Peter kaufte sich gestern einen neuen Computer.

Fo­to­gra­fiert man eine solche Aufgabe, sind die Er­geb­nis­se er­nüch­ternd: Socratic scheint die Anfrage lediglich wie eine Such­ma­schi­ne als ge­wöhn­li­che Longtail-Such­an­fra­ge zu behandeln. Dem­entspre­chend bekommt man wenig hilf­rei­che We­b­er­geb­nis­se ein­ge­blen­det: Das Brauch­bars­te war noch ein all­ge­mein­ge­hal­te­ner Artikel über Satz­glie­der. Zugegeben: Die Frage ist doppelt gemein gewesen, da das Fach Deutsch offiziell (noch) nicht als zur App kom­pa­ti­bles Fach gelistet wird. Besser funk­tio­nie­ren aber auch auf Deutsch klas­si­sche Fragen zur Grammatik. Fragt man Socratic bei­spiels­wei­se: „Was ist ein Prädikat?“, zeigt die Haus­auf­ga­ben-App an erster Stelle In­for­ma­tio­nen aus dem ent­spre­chen­den Wikipedia-Artikel an – immerhin!

Er­war­tungs­ge­mäß versteht Socratic Haus­auf­ga­ben aus dem Fach Englisch besser als solche aus dem Fach Deutsch. Die Aufgabe: „Underline the verb in the following sentence“ (Un­ter­strei­che das Verb in dem folgenden Satz), bringt in der Socratic-App unter anderem eine De­fi­ni­ti­on von Verben und eine zumindest ähnliche Frage-Antwort-Kom­bi­na­ti­on aus der Datenbank von socratic.org hervor. Damit lässt sich in jedem Fall arbeiten.

Fazit

Bei Fächern wie Deutsch oder Englisch ist anders als bei ma­the­ma­ti­schen Aufgaben deutlich mehr Ei­gen­in­itia­ti­ve des Anwenders notwendig: Zwar versteht die künst­li­che In­tel­li­genz die Fragen und erkennt halbwegs, auf welches Wissen es bei der Be­ant­wor­tung ankommt, doch die an­ge­zeig­ten In­for­ma­tio­nen muss der Anwender noch selbst filtern.

Socratic: Die App – ihre Stärken und Schwächen im Überblick

Die Beispiele aus unserem Test der Socratic-App zeigen, dass es ganz auf die Frage und das Fach ankommt, ob eine Aufgabe von der künst­li­chen In­tel­li­genz voll­stän­dig gelöst werden kann. Während die App Ma­the­auf­ga­ben und na­tur­wis­sen­schaft­li­che Fragen relativ akkurat be­ant­wor­tet, hapert es bei Geistes- und Sprach­wis­sen­schaf­ten noch ein bisschen – vor allem im Fach Deutsch, das al­ler­dings auch noch nicht als un­ter­stütz­tes Fach auf der Website von Socratic gelistet wird. Dennoch: Die an­ge­zeig­ten Recherche-Er­geb­nis­se reichen auch bei diesen Fach­ge­bie­ten aus, um mit ein bisschen Ei­gen­in­itia­ti­ve selbst auf die konkrete Lösung zu kommen. Zudem lernt die künst­li­che In­tel­li­genz der App dank einer großen Community, die ständig neue Fragen und Antworten liefert, schnell dazu und schließt so via Machine-Learning be­stehen­de Wis­sens­lü­cken.

Stichwort „Ei­gen­in­itia­ti­ve“: Bei der Haus­auf­ga­ben-App besteht trotz aller Be­mü­hun­gen der Ent­wick­ler, Lö­sungs­we­ge auch zu erklären, die Gefahr, dass Schüler die de­tail­lier­te Auf­zeich­nung von Lö­sungs­we­gen für schnelle Ab­schrif­ten miss­brau­chen, ohne dabei Be­mü­hun­gen an­zu­stel­len, die Auf­ga­ben­stel­lung me­tho­disch zu verstehen. Insofern könnte man es der Socratic-App fast als Pluspunkt anrechnen, in geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fächern komplexe Fragen nicht auf allzu simple Antworten her­un­ter­zu­bre­chen.

Tipp

Eltern sollten ihren Kindern einen ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit Socratic bei­brin­gen. Einfach den Lö­sungs­weg ab­schrei­ben, wird sich spä­tes­tens in der Klas­sen­ar­beit rächen. Für Eltern selbst kann die Haus­auf­ga­ben-App ein nütz­li­ches Kontroll- und Kor­rek­tur­instru­ment sein, wenn sie abends über die Haus­auf­ga­ben der Kinder schauen.

Letztlich bleibt ein über­wie­gend sehr positiver Eindruck bestehen: Die Tex­terken­nung funk­tio­niert bei Ma­schi­nen­schrift äußerst präzise und erkennt sogar kurze und sehr sauber ge­schrie­be­ne hand­schrift­li­che Fragen. In­zwi­schen ist die App auch für Android verfügbar, sodass die al­ler­meis­ten Smart­phone-Nutzer Zugang haben. Zum Abschluss noch einmal die Vor- und Nachteile im ta­bel­la­ri­schen Überblick:

Vorteile Nachteile
Verfügbar für iOS und Android Weniger präzise Antworten bei geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen und sprach­li­chen Fächern
Datenbank umfasst bereits über 350.000 Fragen App könnte zum Schummeln verleiten
Derzeit 21 offiziell ver­füg­ba­re Fächer Keine Speicher- und/oder Ar­chiv­funk­ti­on für bereits gestellte Fragen
Gute Tex­terken­nung via Smart­phone-Kamera Vor allem bei We­b­er­geb­nis­sen auch viele un­brauch­ba­re Quellen (Website offline, nicht für mobile Geräte optimiert etc.)
Zu­sätz­lich manuelle Eingabe von Fragen möglich
Sehr präzise Lö­sungs­we­ge für Ma­the­ma­tik­auf­ga­ben und na­tur­wis­sen­schaft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen
Große Community liefert stetig neue Fragen und Antworten
Auch für Eltern bestens als Kor­rek­tur­werk­zeug geeignet
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