Die Unified Modeling Language, kurz UML, abs­tra­hiert und vi­sua­li­siert Systeme der ob­jekt­ori­en­tier­ten Pro­gram­mie­rung. Die Mo­del­lie­rungs­spra­che ist daher ein prak­ti­sches Werkzeug für Ent­wick­ler. Sie er­mög­licht es zum einen, über­sicht­li­che Blau­pau­sen für Software-Projekte zu erstellen. Zum anderen lassen sich mit ihr komplexe Software-Systeme auch für fach­frem­de Personen ver­ständ­lich dar­stel­len. Wenn Sie bei­spiels­wei­se dem Head of Marketing die Software für die neueste Firmen-App vor­stel­len möchten, nutzen Sie dazu nicht den Code, sondern können den Ent­schei­dungs­trä­gern via UML einen Überblick über die wich­tigs­ten Features der App geben.

UML-Diagramme zeichnet man natürlich nicht mit Paint. Statt­des­sen helfen Ihnen UML-Tools dabei, die Mo­del­lie­rungs­spra­che zu nutzen. Doch das richtige Tool dafür zu finden, ist gar nicht so einfach. Es gibt unzählige Anbieter von UML-Pro­gram­men im Netz, aber nicht jedes Programm bietet die gleichen Funk­tio­nen. Einige Tools benötigen zwar weniger Ar­beits­spei­cher, verfügen dem­entspre­chend aber auch über nur wenige Features. Andere UML-Diagramm-Tools können jegliche Dia­gramm­ty­pen abbilden und in ver­schie­de­ne Pro­gram­mier­spra­chen ex­por­tie­ren sowie ein Modell aus vor­han­de­nem Code im­por­tie­ren. Dafür bieten viele solcher Programme im Gegenzug keine Funktion, um sich im Team über Projekte aus­zu­tau­schen.

Die Object Ma­nage­ment Group (kurz OMG), die den UML-Standard spe­zi­fi­ziert, empfiehlt daher, sich zunächst zu überlegen, was genau man mit UML dar­stel­len möchte. Soll die Struktur des Systems auf­ge­zeigt werden oder das Sys­tem­ver­hal­ten? Abhängig von der Antwort ent­schei­den Sie sich dann für ein UML-Tool, das sich für Ihr je­wei­li­ges Projekt eignet.

Die In­for­ma­tio­nen sind auf dem Stand von Mai 2021.

UML-Tools im Vergleich: Ein Überblick

Ob Free-UML-Tool, Online-UML-Tool oder in­te­grier­te Ent­wick­lungs­um­ge­bung, die UML-Werkzeuge bietet: Das beste UML-Tool ist eines, das die ge­wünsch­ten Aufgaben effizient erledigt und dabei möglichst wenig Res­sour­cen ver­braucht. Egal, ob Sie eine kurze Skizze an­fer­ti­gen wollen oder für ein komplexes System Quellcode-Frames erstellen und anhand von Dia­gram­men ana­ly­sie­ren wollen – eine der vor­ge­stell­ten An­wen­dun­gen wird Ihnen sicher wei­ter­hel­fen können. Da man für ein kleines Tool für Skizzen ungern das gesamte Monats-Budget ausgibt, be­rück­sich­ti­gen wir in unserem Vergleich auch die Preise der einzelnen Angebote. In der folgenden Übersicht fassen wir die wich­tigs­ten Eckpunkte für UML-Diagramm-Tools zusammen.

UML-Tool Typ Plattform Un­ter­stütz­te Pro­gram­mier-sprachen/ Formate Team­ar­beit in­te­griert Unter-stützt UML-Version Geeignet
für
Preis
GitMind Online Mind Map Tool Browser ? ? Ein­stei­ger, Skizzen Kostenlos und günstiges Premium-Abon­ne­ment
Gliffy Web­ba­sier­te Diagramm-Software Browser, Plug-in für Con­fluence oder Jira Ja­va­Script, HTML5, VDX, gXML UML 2.5 Ein­stei­ger, Skizzen Kostenlos und günstiges Premium-Abon­ne­ment
MagicDraw Pro­prie­tä­re Software mit Single-User-, Floating- und Mobile-Lizenz Desktop, plattform-un­ab­hän­gig Java, C++, C#, CIL, XML, CORBA, WSDL, EJB, DDL, IDL Team Server in En­ter­pri­se-Edition UML 2.5 Große Unter-nehmen, komplexe Aufgaben relative hohe Ein­mal­zah­lung
Lu­cid­chart Web­ba­sier­te Diagramm-Software Browser Ja­va­Script, HTML5, SQL ? Skizzen, große Projekte, Team-Arbeit Kostenlos und günstiges Premium-Abon­ne­ment
IBM Rational Rhapsody Grafische Ent­wick­lungs-umgebung für mo­dell­ba­sier­te Software-Ent­wick­lung und -Va­li­die­rung plattform-un­ab­hän­gig Java EE, C++, C#, EJB, WSDL, XSD, CORBA IDL, SQL, .NET Mit Plug-in ? Modulare, voll in­te­grier­ba­re IDE Auf Anfrage
Microsoft Visio Pro­prie­tä­re Diagramm- und Vek­tor­gra­fik-Software Windows, Browser, iPad-App, virtuelle Maschine C++, C#, VSDX, VSDM UML 2.0 + 2.5 Große Projekte vi­sua­li­sie­ren Günstiges Abon­ne­ment oder hohe Ein­mal­zah­lung

UML-Diagramm-Tools: Das müssen Sie beachten

Die Unified-Modeling-Language spe­zi­fi­ziert 14 Dia­gramm­ty­pen, die Struktur, Verhalten und In­ter­ak­tio­nen eines Systems dar­stel­len. Um mit ihr zu arbeiten, benötigen Sie das richtige Werkzeug: UML-Tools sind Mo­del­lie­rungs-Tools, die weit mehr vermögen als ein einfaches Zeichen-Tool. Denn diese Programme liefern nicht nur die stan­dar­di­sier­ten UML-Formen, die Sie mit ent­spre­chen­den Pfeilen und Labeln versehen können. Sie sind zudem häufig platt­form­un­ab­hän­gig und ex­por­tie­ren Ihre UML-Diagramme in ver­schie­de­ne Formate. Mit einigen können Sie auch Code im­por­tie­ren und diesen als Diagramm anzeigen lassen – oder Sie ex­por­tie­ren Diagramme als Code-Vorlage. Andere Tools er­mög­li­chen Ihnen, UML ei­gen­stän­dig zu spe­zi­fi­zie­ren, um so zu Ihrem Projekt passende Profile anzulegen.

Je nachdem, in welcher Phase Ihres Projekts Sie gerade stecken, kann ein be­stimm­tes Tool besser für Ihre Zwecke geeignet sein als andere. Deshalb ist es sinnvoll, mehr als ein Programm zur Hand zu haben. Dabei muss es sich nicht unbedingt um Desktop-Apps handeln. Es gibt auch eine Vielzahl von Online-UML-Tools. Diese haben oft einen ge­rin­ge­ren Funk­ti­ons­um­fang, reichen aber voll­kom­men aus, um schnell erste Skizzen an­zu­fer­ti­gen. Wichtig ist, dass das Programm via XMI (kurz für: XML-Metadata-In­ter­ch­an­ge, ein Aus­tausch­for­mat für Metadaten) Ihr Diagramm in einem Format ex­por­tiert, das kom­pa­ti­bel mit Ihren anderen Tools ist. Im Folgenden erläutern wir einige An­wen­dungs­fäl­le und geben Tipps, welche Funk­tio­nen ein UML-Tool im je­wei­li­gen Fall bieten sollte.

An­wen­dungs­fall A: Einfache Skizzen oder Pro­to­ty­pen

Sie stehen noch ganz am Anfang und haben lediglich einige erste Ideen für die Struktur? Oder Sie wollen schnell einen Teil­be­reich des Systems grafisch dar­stel­len? Dann sind Free-UML-Tools ein probates Mittel. Wer es eilig hat, der greift oft auch auf Block und Stift zurück oder nutzt ein simples Zeichen-Tool. Diese Varianten haben aber den Nachteil, dass grafische Formen eben nur Formen bleiben. Doch selbst ein kos­ten­lo­ses UML-Tool schreibt diesen Formen eine Bedeutung zu. So sym­bo­li­siert bei­spiels­wei­se ein simples Rechteck mit dem Label <<clas­si­fier>> die Instanz einer Klasse.

Arbeiten Sie im Team und aus der Skizze wird ein ver­wend­ba­rer Prototyp, er­mög­licht ein UML-Tool, das Diagramm mittels XMI in ein funk­ti­ons­rei­che­res Programm zu ex­por­tie­ren. Dort in­te­grie­ren Sie es bei­spiels­wei­se in Ihre be­stehen­de Ar­chi­tek­tur oder erweitern das gerade erstellte Model. Stellen Sie sich bei der Auswahl eines UML-Tools folgende Fragen:

  • Soll auf Basis dieser Grafik bereits pro­gram­miert werden?
  • Ist der dar­zu­stel­len­de Sys­tem­be­reich sehr komplex?
  • Habe ich viel Zeit, mich in das Programm ein­zu­ar­bei­ten?
  • Bin ich bereit, für einfache Skizzen ein großes Budget aus­zu­ge­ben?

Wenn Sie die meisten dieser Fragen mit „Nein“ be­ant­wor­tet haben, sollten Sie ein Programm auswählen, das …

  • schnell arbeitet.
  • keine über­flüs­si­gen Funk­tio­nen bietet, sondern nur die Diagramme mo­del­liert, die Sie brauchen.
  • eine nut­zer­freund­li­che, intuitiv ver­ständ­li­che Be­dien­ober­flä­che aufweist.
  • möglichst kostenlos verfügbar ist.
  • eine Web-Anwendung bietet, sodass Sie kein neues Programm her­un­ter­la­den müssen.

An­wen­dungs­fall B: Komplexe Systeme abs­tra­hie­ren

Die Haupt­auf­ga­be von UML ist es, komplexe Systeme ver­ein­facht dar­zu­stel­len, wodurch sie auch für Laien ver­ständ­lich werden. Ein gutes UML-Tool er­leich­tert daher auch die Team-Arbeit bzw. die Zu­sam­men­ar­beit un­ter­schied­li­cher Ab­tei­lun­gen. Da solche um­fang­rei­chen Tools selten kostenlos sind, sollten Sie auf jeden Fall darauf achten, dass diese mit einer möglichst aktuellen Version von UML 2 kom­pa­ti­bel sind. Denn UML 2 bietet mehr Dia­gramm­ty­pen als UML 1 und er­mög­licht Ihnen, Profile anzulegen, die die Me­ta­mo­del­lie­rung genauer auf Ihre Be­dürf­nis­se zu­schnei­det.

Für den oben genannten An­wen­dungs­zweck benötigen Sie ein UML-Diagramm-Tool, das sich durch folgende Merkmale aus­zeich­net:

  • Es arbeitet platt­form­un­ab­hän­gig und ist idea­ler­wei­se rück­wärts­kom­pa­ti­bel.
  • Die aktuellen UML-Dia­gramm­ty­pen sind in einem über­sicht­li­chen Menü an zentraler Stelle po­si­tio­niert mit allen dafür nötigen Formen.
  • Diagramme lassen sich mittels Drag-and-drop-Funktion, Tas­ta­tur­ein­ga­be oder aus im­por­tier­tem Code erstellen.
  • Das Programm sollte den Import und Export der von Ihnen genutzten Pro­gram­mier­spra­che un­ter­stüt­zen.
  • Die Do­ku­men­ta­ti­on erstellt das Programm au­to­ma­tisch im Hin­ter­grund.
  • Auch wenn ein Fehler im System auftritt, sollte sich das Programm noch gut bedienen lassen: Usability und Ro­bust­heit sind für groß angelegte Projekte mit zahl­rei­chen Usern besonders wichtig.
  • Sharing und gleich­zei­ti­ge Arbeit an einem Projekt sollte, wenn nicht im Tool verankert, zumindest über die In­te­gra­ti­on mit Teamwork-Ap­pli­ka­tio­nen funk­tio­nie­ren.
  • Ein Debugger meldet sofort, wenn Fehler im Modell auftreten.
  • Ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven zur Ansicht sowie de­tail­lier­te Mo­dell­ty­pen ver­schaf­fen Überblick über das gesamte System sowie spe­zi­fi­sche Aspekte.
  • Das Tool er­mög­licht Si­mu­la­tio­nen, um Feh­ler­quel­len aus­zu­mer­zen.

An­wen­dungs­fall C: Fertigen Code aus einem Modell erstellen

Mit einigen UML-Tools lassen sich Diagramme in eine vor­ge­ge­be­ne Pro­gram­mier­spra­che umwandeln. Häufig arbeiten sie mit Java, C++, C# oder XML-Schemata. Manche Tools re­kon­stru­ie­ren zudem UML-Diagramme aus vor­han­de­nem Code. Jedoch bieten einige dieser Tools pa­ra­do­xer­wei­se die Reverse-En­gi­nee­ring-Funktion nicht unbedingt für dieselben Pro­gram­mier­spra­chen, mit denen sie aus UML-Dia­gram­men den Code erstellen.

Wollen Sie fertigen Quellcode aus einem UML-Diagramm umwandeln, überlegen Sie, wie komplex Ihre Anwendung letztlich gestaltet sein soll. Wer bereits mit Mo­del­lie­rungs-Software ge­ar­bei­tet hat, der weiß, wieviel Zeit die Dia­gramm­skiz­zie­rung in Anspruch nimmt. Ein um­fang­rei­ches und zugleich schnelles Tool käme für solch eine Aufgabe infrage. UML soll ei­gent­lich komplexe Systeme ver­ein­facht dar­stel­len. Ein zu de­tail­lier­tes und zeit­auf­wän­dig er­stell­tes Diagramm wi­der­spricht diesem Zweck. Erstellen Sie ein Diagramm, das alle Instanzen inklusive Ihrer Ab­hän­gig­kei­ten de­tail­liert vi­sua­li­siert, ver­ur­sacht dies mehr Ar­beits­auf­wand, als einfach einem Pro­gram­mie­rer-Team eine Übersicht zu geben und die Leute daran arbeiten zu lassen.

UML-Diagramm-Tools mit Round-Trip-En­gi­nee­ring ge­ne­rie­ren Diagramme aus Quellcode und wandeln die über­ar­bei­te­te Version wieder in Code um. Dass Sie somit nicht alle Instanzen selbst zeichnen müssen, spart viel Zeit und er­leich­tert Ihnen die Pro­jekt­do­ku­men­ta­ti­on. Zeichnen Sie jedoch selbst, ist es sinnvoll, ein gewisses Abs­trak­ti­ons­le­vel bei­zu­be­hal­ten. Wandeln Sie Ihr Diagramm an­schlie­ßend in Code um, können Sie zumindest in einem or­dent­li­chen Gerüst arbeiten.

UML-Tools im Vergleich: Von kos­ten­lo­sen UML-Tools bis zu um­fang­rei­chen Desktop-Versionen

Ein gutes Werkzeug erledigt seinen Job, ohne mit unnötigen Extras die Bedienung zu er­schwe­ren. Für einfache Skizzen wie in An­wen­dungs­fall A reichen Free UML-Tools. Um komplexe Systeme dar­zu­stel­len oder durch Diagramme Lö­sungs­an­sät­ze für die Pro­gram­mein­bin­dung zu finden (wie in den Fällen B und C), brauchen Sie die besten UML-Tools mit zahl­rei­chen Features. Im Folgenden stellen wir Ihnen deshalb Tools mit un­ter­schied­li­chem Funk­ti­ons­um­fang vor.

Hinweis

UML-Tools sind häufig Teil von rech­ner­ge­stütz­ter Software-Ent­wick­lung (Englisch: Computer-aided software en­gi­nee­ring, kurz: CASE), die darauf abzielt, Quellcode möglichst au­to­ma­ti­siert zu erstellen und fertige Software-Produkte ebenso au­to­ma­tisch zu warten. Mithilfe fach­li­cher Be­schrei­bun­gen soll der Prozess möglichst feh­ler­frei ablaufen und schnell Er­geb­nis­se erzielen. Als CASE-Tool sollten sich aus­ge­reif­te UML-Werkzeuge gut in eine in­te­grier­te Ent­wick­lungs­um­ge­bung (IDE) einfügen lassen.

GitMind: Einfache Bedienung in der Cloud

Komplett über den Browser steuern Sie das UML-Tool GitMind. Mit der Software erstellen Sie neben UML-Dia­gram­men auch Mind Maps oder Ein­kaufs­lis­ten. Besonders angenehm für Ein­stei­ger: Das Tool kommt bereits mit einigen Vorlagen. Im UML-Bereich finden Sie bei­spiels­wei­se ver­schie­de­ne Use-Case- und Klas­sen­dia­gram­me. So muss man nicht alle Elemente per Hand einfügen. Obwohl dies auch nicht kom­pli­ziert ist: Ver­schie­de­ne Bausteine findet man in un­ter­schied­li­chen Ka­te­go­rien in der Sei­ten­leis­te des Ar­beits­be­reichs. Mit einem Klick lassen sich die Elemente in das Diagramm über­tra­gen und dort per Drag-and-Drop ver­schie­ben. Ori­en­tie­rungs­li­ni­en helfen bei der Aus­rich­tung.

Die Arbeit mit GitMind läuft komplett online ab. Alles ist in der Cloud ge­spei­chert. Der Vorteil ist hierbei, dass Sie von überall und von jedem Gerät aus auf Ihre Diagramme zugreifen können. Das gibt viel Freiheit, auch spontan an den Do­ku­men­ten zu arbeiten. Leider hat der Anbieter aber keine Download-Version vor­ge­se­hen, was besonders bei der mobilen Be­ar­bei­tung von Dia­gram­men ein Hindernis darstellt.

Im Gegensatz zu anderen Tools in diesem Vergleich lässt sich GitMind kaum in andere Prozesse in­te­grie­ren. So können Sie neben anderen Projekten nur XMind-Dateien im­por­tie­ren. XMind ist ein ähnliches Tool wie GitMind, das den Fokus al­ler­dings noch stärker auf das Thema Brain­stor­ming legt. Auch im Export sind die Da­tei­for­ma­te eher be­schränkt. Es stehen die drei Bild­for­ma­te PNG, JPG und SVG sowie das Do­ku­men­ten­for­mat PDF zur Verfügung.

Sehr angenehm ist die Mög­lich­keit zur Zu­sam­men­ar­beit. Sie können pro­blem­los andere GitMind-User in Ihr Team aufnehmen und mit diesen Personen dann Projekte teilen und gemeinsam an den UML-Dia­gram­men arbeiten. In Ihrem Konto finden Sie zudem eine bequeme Datei-Ver­wal­tung, in der Sie auch die Freigaben re­gu­lie­ren können.

Alle Funk­tio­nen von GitMind sind bereits in der kos­ten­lo­sen Version verfügbar. Sie müssen sich nur auf der Plattform re­gis­trie­ren und können bereits um­fang­rei­che UML-Diagramme erstellen, speichern und ex­por­tie­ren – Letzteres aber nur in einem be­grenz­ten Rahmen. Auch die Zu­sam­men­ar­beit mit anderen Nutzern ist in der Gratis-Version vorhanden. Im kos­ten­pflich­ti­gen Abo stehen Ihnen dann eine un­be­grenz­te Zahl an Exporten sowie der Kun­den­sup­port per E-Mail zur Verfügung.

Vorteile Nachteile
Ein­steig­er­freund­lich Keine Download-Version verfügbar
Alle Funk­tio­nen in kos­ten­lo­ser Version enthalten Erstellt keinen Code
Für alle gängigen Browser geeignet Schlechte deutsche Über­set­zung
Viele Vorlagen Keine Schnitt­stel­len zu anderen Diensten
Zu­sam­men­ar­beit mit Team-Mit­glie­dern  

Gliffy: Ein Online-UML-Tool für Ein­stei­ger

Die Online-Anwendung Gliffy ist ein Cloud-basiertes UML-Tool für den Browser. Das 2006 erstmals ver­öf­fent­lich­te Mo­del­lie­rungs-Tool erstellt alle Arten von Dia­gram­men – bei­spiels­wei­se Flow­charts, Venn-Diagramme und natürlich UML-Diagramme. Das Online-Tool wurde in HTML5 ge­schrie­ben und überzeugt durch eine schnelle Re­ak­ti­ons­zeit. Noch bevor Gliffy 2007 die Beta-Phase durch­lau­fen hatte, ko­ope­rier­te das gleich­na­mi­ge Un­ter­neh­men mit dem aus­tra­li­schen Software-Konzern Atlassian. Bereits 2006 in­te­grier­te dessen Kol­la­bo­ra­ti­ons-Software Con­fluence ein Gliffy-Plug-in. Später ent­wi­ckel­te das Gliffy-Team ein Plug-in für Jira. Auch Googles Workspace und Drive binden das UML-Tool ein.

Ob als Plug-in oder ei­gen­stän­di­ge Browser-Version, die Software eignet sich her­vor­ra­gend für Team­ar­beit. Sie können sowohl Read-only-Versionen teilen als auch aktiv parallel an Dia­gram­men arbeiten und sich mittels der in­te­grier­ten Kom­men­tar­funk­ti­on aus­tau­schen.

Bevor Sie Gliffy verwenden können, melden Sie sich mit Ihrer E-Mail-Adresse oder einem Google-, Microsoft oder Facebook-Konto an. Die kos­ten­lo­se Test-Version ist nach der Testdauer nur noch als Free-Account mit re­du­zier­tem Funk­ti­ons­um­fang nutzbar. Diesen können Sie jedoch zu einem Premium-Account mit Monats-Abo hoch­stu­fen.

Gliffy weist eine große, gut sortierte For­men­bi­blio­thek auf. Neben UML können Sie damit unter anderem einfache Flow­charts oder Business Process Models and Notations (BPMN) mo­del­lie­ren. Am Anfang er­mög­licht Ihnen ein Ori­en­tie­rungs-Fenster, Ihre ge­wünsch­te Mo­del­lie­rungs­spra­che zu bestimmen. Se­lek­tie­ren Sie Gruppen, werden die ent­spre­chen­den Werkzeuge dafür in der Me­nü­leis­te her­vor­ge­ho­ben. Dank Git­ter­netz und Hilfs­li­ni­en lassen sich Dia­gramm­ele­men­te sehr exakt plat­zie­ren.

Das Themen-Werkzeug soll die Farb­fa­mi­lie für das Diagramm bestimmen, begrenzte sich im Test jedoch lediglich auf die Pfeil­ele­men­te. Mit einem Klick auf Klassen, Kom­po­nen­ten und Co. passen Sie die Symbole trotzdem schnell in Farbe und Schrift an. Auch ver­schie­de­ne Ebenen erstellen Sie mit einem Klick auf den ent­spre­chen­den Menüpunkt (ganz rechts in der Tool-Zeile) im Hand­um­dre­hen. Zudem müssen Sie den Dia­gramm­bau nicht Schritt-für-Schritt vor­aus­pla­nen. Fehler machen Sie einfach mit der Lösch­funk­ti­on rück­gän­gig. Wollen Sie ein Element zwi­schen­schal­ten, erkennt Gliffy die Ver­än­de­rung und schlägt passende Einfüge-Optionen vor.

Als Free UML-Tool im­por­tiert Gliffy Diagramme in den Formaten GON, Gliffy und gXML. Für das Microsoft-Visio-Format VDX benötigt man einen Business-Account. Dasselbe gilt übrigens für den Export von gängigen Bild­for­ma­ten wie JPG, PNG und SVG und die Ver­bin­dung zu Google Drive. Auch kos­ten­lo­se Accounts verfügen über das native Format „Gliffy“. Speichern Sie ein Dokument in diesem Format, können Sie es leicht mit Team­kol­le­gen über einen Down­load­link teilen oder es auf diversen Platt­for­men wie HipChat, Slack, Con­fluence oder WordPress einbetten.

Ein kos­ten­lo­ser Account stellt zudem 2 MB Spei­cher­platz in der Cloud für Ihre Diagramme bereit und er­mög­licht Ihnen, gleich­zei­tig fünf Modelle öf­fent­lich zu teilen. Mit einem Paid Account ab etwa 6 € im Monat bietet Ihnen Gliffy noch mehr Mög­lich­kei­ten, etwa un­be­grenz­ten Speicher oder den Dia­gramm­im­port aus Visio und Export in die erwähnten Bild­for­ma­te. Für merklich mehr Leistung ist ein En­ter­pri­se-Account nötig. Für solch gehobenen Ansprüche gibt es al­ler­dings bessere Software.

Vorteile Nachteile
Für alle gängigen Browser geeignet Kleine Fehler bei der Dar­stel­lung deutscher Umlaute
Um­fas­sen­der Support Features wie Bild­ex­port und Google-Drive-Schnitt­stel­le nur ab Gruppen-Business-Abo nutzbar
In­te­grier­te Team­kom­mu­ni­ka­ti­on Kein Debugger
Schnelle Bedienung dank HTML5, Drag-and-drop und über­sicht­li­cher Be­dien­ober­flä­che Erstellt keinen Code
UML-2-kom­pa­ti­bel  

MagicDraw: Alles was man für pro­fes­sio­nel­le UML-Diagramme braucht

MagicDraw von No Magic ist die erste um­fas­sen­de Voll­ver­si­on für pro­fes­sio­nel­le Mo­del­lie­rung in dieser Liste. Moderne Ge­stal­tung und ein sauberes Layout zeichnen die Desktop-App auf den ersten Blick als pro­prie­tä­re Software für gehobene Ansprüche aus. Funk­ti­ons­um­fang und Nut­zer­freund­lich­keit be­stä­ti­gen dieses Bild. Das Mo­del­lie­rungs-Tool un­ter­stützt UML, sein Pendant für Be­triebs­sys­te­me, SysML, die grafische Dar­stel­lung von Ge­schäfts­pro­zes­sen mit BPMN (Business Process Model and Notation) sowie das Ar­chi­tek­tur-Framework UPDM (United Profile für DoDAF/MODAF). In MagicDraw arbeiten Sie mit den aktuellen Dia­gram­men nach UML-2.5-Standard, deren Profile Sie auf die eigenen Be­dürf­nis­se zu­schnei­den können. MagicDraw bietet auch OCL, die Rand­be­din­gungs­no­ta­ti­on, und XMI, mit dem Sie Diagramme ver­lust­frei in andere Programme ex­por­tie­ren können.

MagicDraw bietet fünf Editionen (von Reader bis En­ter­pri­se), die sich sowohl hin­sicht­lich des Funk­ti­ons­um­fangs als auch der Kosten un­ter­schei­den. In unserem Test haben wir uns die En­ter­pri­se-Edition näher angesehen, da sie nicht nur alle Features und Plug-ins für ef­fek­ti­ves Mo­del­lie­ren bietet, sondern auch die volle Ein­bin­dung in eine in­te­grier­te Ent­wick­lungs­um­ge­bung wie Eclipse Workbench er­mög­licht.

Das UML-Tool im­por­tiert viele Da­tei­for­ma­te, darunter native XMI-Metadaten-Formate von Eclipse und IBMs Rhapsody, CSV, ReqIF, DoDAF und den CA ERwin Data Modeler. Ihre Diagramme können Sie in den Bild­for­ma­ten BMP, PNG, JPG und EMF als Kopie speichern und aus­dru­cken. Aber auch Code-Ge­ne­rie­rung sowie Reverse En­gi­nee­ring und Round-Trip-En­gi­nee­ring sind möglich. Dabei stützt sich MagicDraw auf gleich drei Sprachen: Java, C++ in ver­schie­de­nen Dialekten und C#.

Mo­del­lie­ren Sie selbst UML-Diagramme in einem leeren Dokument oder fügen einer Mo­del­lie­rung Details hinzu, werden Sie die an­pass­ba­ren Panels schnell schätzen lernen. Bereits beim ersten Start des UML-Diagramm-Tools erweist sich die über­sicht­li­che Ein­tei­lung als großes Plus. Fügen Sie so viele Reiter zu, wie Sie für Ihren Workflow für nötig halten. Denn trotz der vielen Funk­tio­nen und Be­ar­bei­tungs­mög­lich­kei­ten sorgt MagicDraw mit über­sicht­li­chem Layout und un­auf­dring­li­chen Kurz­erklä­run­gen dafür, dass selbst un­er­fah­re­ne User ohne viel Ein­ar­bei­tung schnell erste Skizzen zu­sam­men­fü­gen können.

Wählen Sie in der Haupt-Me­nü­leis­te den Reiter Diagramme, öffnet das UML-Tool das Template für den gewählten Typ in der Sidebar der Ar­beits­flä­che. Ziehen Sie ein Element auf das Ar­beits­blatt und klicken es einmal an, er­schei­nen kleine Buttons. Mit einem Klick darauf (oder Rechts­klick auf das Element) be­ar­bei­ten Sie die Ob­jek­tei­gen­schaf­ten, fügen Text oder Hy­per­links hinzu. Die per­so­na­li­sier­ba­re Werk­zeug­leis­te über dem Ar­beits­blatt hebt immer die Tools hervor, mit denen Sie ein oder mehrere markierte Elemente grafisch anpassen. Das Layout-Werkzeug bringt Ordnung in un­struk­tu­rier­te Skizzen. Mit dem Zoom- und Per­spek­ti­ven-Panel haben Sie Ihr Projekt voll­stän­dig im Blick – von kleinen Details bis zum großen Ganzen.

Das UML-Programm un­ter­sucht Ihr Projekt auch auf Fehler und zeigt diese an. Für die ei­gen­stän­di­ge Analyse haben Sie die Mög­lich­keit, ver­schie­de­ne Versionen eines Diagramms ne­ben­ein­an­der zu ver­glei­chen und un­ter­schied­li­che Abs­trak­ti­ons­le­vel auf Tracea­bi­li­ty (Nach­voll­zieh­bar­keit) zu prüfen. Ar­chi­tek­ten schätzen besonders die Frei­text­ein­ga­be für die Er­stel­lung von Dia­gram­men, da Sie einen flüssigen Workflow be­güns­tigt.

Vorteile Nachteile
Enthält alle Templates für Dia­gramm­ty­pen im aktuellen UML 2.5 Da­tei­down­load nur nach Kon­to­an­mel­dung möglich
Un­ter­stützt viele Pro­gram­mier­spra­chen und Formate Ver­gleichs­wei­se hohe Preise
Intuitiv ver­ständ­li­che Nut­zer­ober­flä­che WebPortal nur in En­ter­pri­se-Edition
Import/Export sowie Code-Ge­ne­rie­rung, Reverse En­gi­nee­ring und Round-Trip En­gi­nee­ring  
Kurze Ein­ar­bei­tungs­zeit  

Lu­cid­chart: Das Online-UML-Tool für Team-Arbeit

Lu­cid­chart ist ein UML-Tool, auf das Sie jederzeit im Browser zugreifen können. Der kos­ten­lo­se Account gibt Ihnen einen gut gefüllten UML-Werk­zeug­kof­fer an die Hand. Darin finden Sie 7 UML-Dia­gramm­ty­pen sowie Ge­schäfts­pro­zess­mo­del­lie­rungs­spra­chen wie BPMN 2.0, Templates für Netz­werk­sym­bo­le, Mock-ups mobiler Endgeräte und Video-In­te­gra­ti­on. Ein Pluspunkt von Lu­cid­chart ist seine intuitive Bedienung. Es er­mög­licht außerdem Sharing und gleich­zei­ti­ge Be­ar­bei­tung von Dia­gram­men im Team und in­te­griert Kom­men­ta­re direkt im Tool. Als UML-Tool, das Mac, Linux und Windows bedient, ist es für Mac-User eine gute Al­ter­na­ti­ve zu Microsoft Visio.

Nutzen Sie bereits andere Team­ar­beits-Software, werfen Sie einen Blick auf die Liste der In­te­gra­tio­nen. Lu­cid­chart ver­knüp­fen Sie bei Bedarf als Plug-in mit Google- und Microsoft-An­wen­dun­gen, Atlassian-Produkten sowie diversen Chat-Apps und Amazon-Web-Services.

Wenn Sie das UML-Tool kostenlos aus­pro­bie­ren wollen, erstellen Sie un­ver­bind­lich ein kos­ten­lo­ses Konto oder nutzen Sie die ebenso kos­ten­freie Testphase der Premium-Accounts. Mit letzt­ge­nann­tem können Sie eine un­be­grenz­te Zahl an Do­ku­men­ten be­ar­bei­ten (statt nur drei) und er er­mög­licht Ihnen, Diagramme zu ex­por­tie­ren, Dritt­an­bie­ter zu in­te­grie­ren und mit mehr pro­fes­sio­nel­len Formen zu arbeiten. Im Free Account verfügen Sie über folgende UML-Diagramm-Templates:

Wollen Sie komplexe Diagramme mit mehr als 60 Objekten entwerfen, benötigen Sie einen Premium-Account. Das Gleiche gilt, wenn Sie an mehr als drei aktiven Dokumente gleich­zei­tig arbeiten.

Daten und Diagramme im­por­tie­ren können Sie aber auch schon mit dem kos­ten­lo­sen Konto. Das UML-Diagramm-Tool un­ter­stützt native Dia­gramm­for­ma­te von Microsoft Visio, Om­ni­graff­le, Gliffy und Draw.io. Daten ziehen Sie aus CSV-Dateien, SQL, AWS Ar­chi­tek­tur und Mindmaps. Das Feature Data Linking bindet zudem Echt­zeit­da­ten von Excel, CSV und Google Sheets ein. Wollen Sie native Formate anderer Anbieter be­ar­bei­ten, benötigen Sie jedoch wieder einen kos­ten­pflich­ti­gen Account. Dieser er­mög­licht auch, Ihre Daten zu sichern und wie­der­her­zu­stel­len.

Aber wie gut arbeitet man mit Lu­cid­chart? Die Nut­zer­ober­flä­che zeichnet sich durch ein über­sicht­li­ches Layout auf, das der Ar­beits­flä­che viel Platz einräumt. Am rechten Rand ver­schwin­det das Menü platz­spa­rend als schmale Button-Leiste, bis Sie es nutzen. Mit einem Klick ändern Sie Sei­ten­ein­stel­lun­gen, erstellen Ebenen und Prä­sen­ta­tio­nen oder tauschen sich mit Team­kol­le­gen aus. Die Templates finden Sie in einer Leiste links der Ar­beits­flä­che. Deren Inhalt und Größe passen Sie in­di­vi­du­ell an, indem Sie Templates hin­zu­fü­gen und die Leis­ten­brei­te mit der Maus auf Maß ziehen.

Die ho­ri­zon­ta­le Werk­zeug­leis­te zeigt die jeweils be­nö­tig­ten Tools, sobald Sie eine Form oder Linie auf die Ar­beits­flä­che ziehen. Größe und Aus­rich­tung passen Sie einfach mit einem Klick auf die Form an. Fahren Sie mit der Maus über eine Form, er­schei­nen kleine, rote Kreise. An diesen Punkten fügen Sie Pfeile und Linien zu. Mit dem Git­ter­netz und au­to­ma­ti­sier­ten Hilfs­li­ni­en zeichnen Sie mühelos saubere Diagramme mit ab­ge­stimm­ten Abständen. Einige Ent­wick­ler schreiben statt­des­sen lieber Ein­ga­be­be­feh­le und bauen so ihr UML-Diagramm. Dafür bietet das Tool die Funktion UML-Mark-up.

Die Team-Edition erlaubt es Ihnen, Nut­zer­rol­len an­zu­pas­sen und durch Single-Sign-on-Au­then­ti­fi­zie­rung Ihre Dokumente zu schützen. Der Lu­cid­chart-Cloud-Speicher ver­schlüs­selt zudem Ihre Daten. Jedes Mal, wenn Sie ein Dokument teilen, ent­schei­den Sie, wer es be­ar­bei­ten und kom­men­tie­ren oder lediglich lesen darf.

Vorteile Nachteile
Viele Team­ar­beit-Features Viele Funk­tio­nen nur im Pro- bzw. Team-Account verfügbar
Große Template-Bi­blio­thek Kein Debugger
UML-Mark-ups be­schleu­ni­gen Workflow Code aus Dia­gram­men zu ge­ne­rie­ren ist nicht möglich
Ska­lier­bar durch Cloud-Speicher  
Platz­spa­ren­des, über­sicht­li­ches Design  

IBM Rational Rhapsody: grafische Ent­wick­lungs­um­ge­bung für volle Pro­zess­in­te­gra­ti­on

IBM Rational Rhapsody ist eine grafische, in­te­grier­te Ent­wick­lungs­um­ge­bung (englisch: In­te­gra­ted De­ve­lo­p­ment En­vi­ron­ment, IDE) für Software- und Pro­dukt­ent­wick­lung. Das UML-Programm un­ter­stützt ob­jekt­ba­sier­te Software-Ent­wick­lung sowohl für web­ba­sier­te An­wen­dun­gen als auch ein­ge­bet­te­te Systeme und Echt­zeit­sys­te­me auf Basis von C++ und Java EE. Mithilfe von UML-/SysML-Mo­del­lie­rung erstellen Sie in der IDE im Hand­um­dre­hen Quellcode für die bereits an­ge­ge­be­nen Sprachen sowie C und C# und Ada.

Rhapsody ging nach seiner Ent­wick­lung im Jahr 1998 durch mehrere Hände. Nachdem IBM die schwe­di­sche Firma Telelogic AB im Jahr 2008 aufkaufte, er­wei­ter­te das ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men seine Rational-Pro­dukt­pa­let­te durch Te­le­lo­gics Rhapsody. Die Schweden hatten das IDE erst 2006 durch die Übernahme der ur­sprüng­li­chen Ent­wick­ler­fir­ma I-Logix erstanden. Als eine der ersten gra­fi­schen Ent­wick­lungs­um­ge­bun­gen ver­brei­te­te sich Rational Rhapsody in kurzer Zeit.

In­ter­na­tio­na­le Brands nutzen die Software für Groß­pro­jek­te, die de­tail­lier­te Ver­si­ons­un­ter­schei­dun­gen für zahl­rei­che Team­mit­glie­der in un­ter­schied­li­chen Ländern benötigen. Der Au­to­mo­bil­her­stel­ler Jaguar Land Rover nutzt bei­spiels­wei­se Rational Rhapsody, um die Software seines In­fo­tain­ment-Angebots auf un­ter­schied­li­che Märkte ab­zu­stim­men.

Für diese und andere Aufgaben bietet Rhapsody eine Ent­wick­lungs­um­ge­bung, in der Sie Diagramme zeichnen, daraus Code ge­ne­rie­ren und prüfen, ver­schie­de­ne Versionen ver­glei­chen oder ana­ly­sie­ren können. Das UML-Tool un­ter­stützt folgende No­ta­tio­nen:

  • UML
  • SysML
  • AUTOSAR
  • DoDAF
  • MODAF
  • UPDM

Diese UML-basierten Mo­del­lie­rungs­spra­chen eignen sich für die werk­zeug­ge­stütz­te Software-Ent­wick­lung, die Pro­gram­mie­rern viel Arbeit spart. Zudem können Sie sich auf die Kom­pa­ti­bi­li­tät verlassen, da UML und Rhapsody im gleichen Haus ent­wi­ckelt wurden – nämlich bei Rational Software.

In Rhapsody zeichnen Sie die Modelle entweder frei, im­por­tie­ren vor­han­de­nen Code zur Vi­sua­li­sie­rung als Diagramm oder laden An­for­de­run­gen aus einem Re­qui­re­ments Ma­nage­ment Tool wie Doors herunter, einem Ver­wand­ten aus der Rational-Familie. Das folgende YouTube-Video zeigt bei­spiel­haft, wie Sie aus einer Liste aus An­for­de­run­gen in Doors ein SysML-Modell für ein Echt­zeit­sys­tem entwerfen. In diesem Fall stellt IBM seine Her­an­ge­hens­wei­se bei der INCOSE Vendor Challenge vor. Für das Projekt sollte ein Park­platz­sys­tem für eine Ho­tel­ket­te erstellt werden.

Die Ent­wick­ler bauten das UML-Tool auf Basis der Open-Source-Software Eclipse. Auch die aktuelle Version un­ter­stützt weiterhin die Eclipse-IDE-Plattform als In­te­gra­ti­on oder Plug-in. Weitere In­te­gra­ted De­ve­lo­p­ment En­vi­ron­ments bindet es als Workflow-In­te­gra­ti­on ein:

  • Wind River Workbench
  • Green Hills MULTI
  • Microsoft Visual Studio 2008

Als IDE arbeitet Rhapsody in Echtzeit und erstellt Quellcode-Frames aus Dia­gram­men. Das Programm erhalten Sie in vier ver­schie­de­nen Li­zenz­for­men. Zu­sätz­lich bietet IBM speziell für die un­ter­schied­li­chen Ansprüche diverser Ab­tei­lun­gen ver­schie­de­ne Versionen des UML-Tools. Die Module sind kom­pa­ti­bel mit der IDE. Sie wählen zwischen dem Architect for Systems Engineers, dem Designer for Systems Engineers, dem Architect for Software oder dem Developer. Die Programme un­ter­schei­den sich haupt­säch­lich im Funk­ti­ons­um­fang und im Preis.

Der Developer ist die Voll­ver­si­on, welche alle Features vereint und Ihren er­stell­ten Quellcode in die ein­ge­bet­te­te Ent­wick­lungs­um­ge­bung in­te­griert. Zudem optimiert er den Weg von der ersten Skizze über den Pro­to­ty­pen bis zur fertigen Rea­li­sie­rung. Zu diesem Zweck nutzen Sie bei­spiels­wei­se Round-Trip-En­gi­nee­ring und Reverse-En­gi­nee­ring. Wollen Sie Quellcode und Design ab­glei­chen oder den Prozess do­ku­men­tie­ren, ist auch das möglich. Unter den schlanken Versionen ist Architect for Software das stärkste Tool für die Arbeit mit UML, da es als einziges diese Developer-Funk­tio­nen bietet. Der Designer for Systems Engineers hingegen punktet bei Aufgaben wie der Er­stel­lung von Pro­to­ty­pen und simuliert die Sys­tem­aus­füh­rung bereits in der An­fangs­pha­se.

Vorteile Nachteile
Modularer Aufbau, ska­lier­bar Deutsch ist als An­zei­ge­spra­che nicht in­te­griert
Un­ter­stützt alle aktuellen UML-2-Dia­gramm­ty­pen Längere Ein­ar­bei­tung
In­te­grier­te Ent­wick­lungs­um­ge­bung und Schnitt­stel­len für weitere Ent­wick­ler­platt­for­men- und Tools er­mög­li­chen einen sicheren, in­te­grier­ten Workflow von Anfang an Ver­gleichs­wei­se hoch­prei­sig
Code-Frame-Ge­ne­rie­rung für viele Pro­gram­mier­spra­chen  

Microsoft Visio: Das UML-Zeichen-Tool für Office-Nutzer

Microsoft Visio ist eine beliebte Diagramm- und Vi­sua­li­sie­rung-Software und gehört zur Office-Familie. Somit lässt sich Visio pro­blem­los in die Suite in­te­grie­ren. Wenn Sie bei­spiel­wei­se Office Pro 365 nutzen, bietet Microsoft Ihnen eine Abo-Er­wei­te­rung für Visio an. Der Preis wird jedoch zu Ihrem Office-Abo addiert. Dafür erhalten Sie beim Visio Online Plan 2 eine Desktop-App und einen web­ba­sier­ten Editor für bis zu fünf PCs (Vo­lu­men­li­zen­zie­rung auf Anfrage).

Al­ter­na­tiv erhalten Sie Visio Pro­fes­sio­nal als dau­er­haf­te Lizenz zu einem recht hohen Festpreis. Visio Standard un­ter­stützt UML-Diagramme nicht und wird daher an dieser Stelle aus­ge­klam­mert. Als UML-Tool richten sich die vor­ge­stell­ten Visio-Versionen daher über­wie­gend an Fir­men­kun­den, die die gewohnte Office-Umgebung schätzen und ihren Workflow op­ti­mie­ren wollen, indem sie das passende Mo­del­lie­rungs-Tool lückenlos in ihr be­stehen­des System in­te­grie­ren.

Wenn Sie eine um­fas­sen­de Formen-Bi­blio­thek mit möglichst aktuellen UML-Notations-Standards benötigen und bereits Microsoft 365 abonniert haben, dann empfehlen wir den Online Plan 2.

Hinweis

Eine Desktop-Version von Visio für macOS ist derzeit nicht er­hält­lich. Die bereits erwähnte Cloud-basierte App Lu­cid­chart kann als Ver­mitt­ler dienen, da sie auch native Formate von Visio im­por­tiert.

Visio be­schränkt sich größ­ten­teils auf Funk­tio­nen, mit denen Sie Vek­tor­gra­fi­ken und Diagramme nach In­dus­trie­stan­dard zeichnen und im Team zu­sam­men­ar­bei­ten können. Geben Sie ein Diagramm frei, können zu­ge­las­se­ne Team-Mit­glie­der parallel im Dokument daran arbeiten. Außerdem lässt sich Visio auch in die Col­la­bo­ra­ti­on-Lösung Microsoft Teams in­te­grie­ren. Fertige Skizzen und Pro­to­ty­pen teilen Sie einfach über die an­ge­bun­de­ne Cloud.

Wollen Sie Code-Frames aus Ihren Dia­gram­men erstellen, benötigen Sie andere UML-Tools, zum Beispiel Visual Studio von Microsoft. Da dieses ebenso zur Produkt-Familie gehört, er­mög­licht die in­te­grier­te Ent­wick­lungs­um­ge­bung, Visio in den Ent­wick­lungs­pro­zess ein­zu­bin­den. Damit Sie Ihre Diagramme möglichst ohne Da­ten­ver­lust ex­por­tie­ren und daran wei­ter­ar­bei­ten können, speichern Sie Ihre Arbeit in dem UML-Diagramm-Tool in den nativen OPC/XML-Metadaten-Formaten.

Native Visio-Formate:

  • VSD (zum Zeichnen)
  • VSS (für Stempel)
  • VST (Templates)
  • VSW (Zeichnen im Web)
  • VSDX (Zeichnen mit OPC/XML-Metadaten)
  • VSDM (Zeichnen mit OPC/XML-Metadaten, ma­kro­fä­hig)
  • VSSX (Stempel mit OPC/XML-Metadaten)
  • VSSM (Stempel mit OPC/XML-Metadaten, ma­kro­fä­hig)
  • VSTX (Templates mit OPC/XML-Metadaten)
  • VSTM (Templates mit OPC/XML-Metadaten, ma­kro­fä­hig)
  • VSL (als Add-on)

Visio verfügt weder über Funk­tio­nen zur Code-Ge­ne­rie­rung noch fürs Round-Trip-En­gi­nee­ring. Es er­mög­licht jedoch Reverse En­gi­nee­ring. Dabei erstellen Sie UML-Diagramme aus im­por­tier­ten Daten, be­zie­hungs­wei­se Quellcode. Somit erfüllt das UML-Tool seine Haupt­auf­ga­be, die darin besteht, Prozesse und Systeme über­sicht­lich dar­zu­stel­len. Außerdem erlaubt Visio Ihnen, Echtzeit-Daten mit einem Klick in Ihre Diagramme ein­zu­bin­den. Diese so­ge­nann­te Daten-Ver­lin­kung stellt bei­spiels­wei­se komplexe Ge­schäfts­pro­zes­se (mit BPMN) während ihrer ganzen Laufzeit dar. Al­ter­na­tiv testen Sie damit Ab­hän­gig­kei­ten innerhalb eines Systems anhand eines UML-Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dia­gramms – und das live mit echten Daten.

Vorteile Nachteile
Un­ter­stützt UML 2.0 (Online Plan 2 auch UML 2.5), inklusive XML-Metadaten Steile Lernkurve für Anfänger
Echt­zeit­da­ten-Ver­lin­kung hilft bei Live-Testing Ver­gleichs­wei­se hoch­prei­sig
Über­sicht­li­che Nut­zer­ober­flä­che mit bekanntem Ribbon-Menü Keine Code-Frame-Ge­ne­rie­rung in­te­griert
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