Bei Decision Support Systems handelt es sich um in­ter­ak­ti­ve Systeme, die Un­ter­neh­men bei der Ent­schei­dungs­fin­dung un­ter­stüt­zen, indem sie große Da­ten­men­gen ana­ly­sie­ren und auswerten. Die Systeme werden in zahl­rei­chen Branchen ein­ge­setzt und kommen vor allem bei un­struk­tu­rier­ten Problemen be­trieb­li­cher Funk­ti­ons­krei­se zum Einsatz.

Decision Support Systems: De­fi­ni­ti­on

Decision Support Systems (DSS) sind com­pu­ter­ge­stütz­te Planungs- und In­for­ma­ti­ons­sys­te­me zur Ver­bes­se­rung der Ent­schei­dungs­fä­hig­keit von Un­ter­neh­men, die im Deutschen auch als Ent­schei­dungs­un­ter­stüt­zungs­sys­te­me (EUS) be­zeich­net werden. Die in­ter­ak­ti­ven Systeme helfen dem Ma­nage­ment, den Be­triebs­ebe­nen und den Pla­nungs­ebe­nen dabei, Probleme von hoher Kom­ple­xi­tät zu struk­tu­rie­ren und fundierte Ent­schei­dun­gen zu treffen. Es werden sowohl operative als auch stra­te­gi­sche Aufgaben un­ter­stützt. Als zentrale Funk­tio­nen von Decision Support Systems gelten:

  • Sor­tie­rung, Filterung und flexible Dar­stel­lung von Daten
  • Aus­wer­tungs­op­tio­nen wie Ver­glei­che, Sum­men­bil­dung oder Durch­schnitts­be­rech­nung
  • Durch­füh­rung von Mo­dell­rech­nun­gen
  • Da­ten­ver­knüp­fung mit Op­ti­mie­rungs­al­go­rith­men

Um relevante In­for­ma­tio­nen zu ermitteln, auf­zu­be­rei­ten und in Form von Tabellen, Grafiken oder Si­mu­la­tio­nen zu prä­sen­tie­ren, ana­ly­sie­ren DSS große Da­ten­men­gen. Sie greifen auf Wissen und Daten aus un­ter­schied­li­chen Bereichen zurück, zu denen nicht nur Rohdaten und Dokumente zählen, sondern bei­spiels­wei­se auch per­sön­li­ches Wissen. Dadurch bieten Decision Support Systems eine höhere In­for­ma­ti­ons­qua­li­tät als übliche Berichte. Als Da­ten­quel­len fungieren vor allem re­la­tio­na­le Da­ten­ban­ken, Data Warehou­ses und Cubes (Da­ten­spei­cher innerhalb von Modellen), aber teilweise ebenso andere In­for­ma­ti­ons­quel­len wie Umsatz- und Ver­kaufs­pro­gno­sen oder elek­tro­ni­sche Ge­sund­heits­ak­ten.

Hinweis

Im All­ge­mei­nen werden Decision Support Systems von Fach­leu­ten ähnlich wie Data Mining als Kategorie von Business In­tel­li­gence (BI) ein­ge­stuft. Während dieser Bereich eine breite Palette von An­wen­dun­gen und Tech­no­lo­gien umfasst, zielen DSS für ge­wöhn­lich darauf ab, Un­ter­stüt­zung bei spe­zi­fi­schen Ent­schei­dun­gen zu leisten.

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Wie funk­tio­nie­ren Decision Support Systems?

In der Regel setzen sich Decision Support Systems aus drei Kom­po­nen­ten zusammen:

  • Wis­sens­da­ten­bank: Die Datenbank fungiert als Bi­blio­thek für In­for­ma­tio­nen und ist ein zentraler Be­stand­teil von DSS. Sie be­inhal­tet sowohl un­ter­neh­mens­in­ter­ne In­for­ma­tio­nen als auch solche, die aus externen Quellen wie dem Internet stammen. DSS-Da­ten­ban­ken lassen sich je nach Bedarf auch als ei­gen­stän­di­ges System oder Data Warehouse umsetzen.
  • Soft­ware­sys­tem: Die Grundlage des Soft­ware­sys­tems bildet ein Modell, also die Si­mu­la­ti­on eines realen Systems. Ver­wen­dung finden unter anderem sta­tis­ti­sche Modelle, die Be­zie­hun­gen zwischen Er­eig­nis­sen und Variablen her­stel­len, Sen­si­ti­vi­ty-Analysis-Modelle („Was wäre wenn“-Analysen) und ver­schie­de­ne Vor­her­sa­ge­mo­del­le, etwa Zeit­rei­hen­ana­ly­sen und Re­gres­si­ons­mo­del­le.
  • Be­nut­zer­ober­flä­che: Da­sh­boards er­mög­li­chen es An­wen­de­rin­nen und Anwendern, sich Er­geb­nis­se an­zu­schau­en und er­leich­tern die Be­ar­bei­tung ge­spei­cher­ter Daten. DSS-Be­nut­zer­ober­flä­chen umfassen neben einfachen Fenstern auch Be­fehls­zei­len und me­nü­ge­steu­er­te In­ter­faces.

Arten von Decision Support Systems

Es gibt un­ter­schied­li­che Typen von Decision Support Systems, die sich anhand ihrer primär genutzten In­for­ma­ti­ons­quel­le in Ka­te­go­rien einteilen lassen:

  • Da­ten­ba­sier­te Ent­schei­dungs­un­ter­stüt­zungs­sys­te­me (Data-driven DSS) basieren auf Daten aus internen oder externen Da­ten­ban­ken. Sie nutzen nor­ma­ler­wei­se Data-Mining-Techniken, um Muster zu erkennen und aus diesen Prognosen ab­zu­lei­ten. Un­ter­neh­men greifen oftmals auf da­ten­ba­sier­te Ent­schei­dungs­un­ter­stüt­zungs­sys­te­me zurück, um Ge­schäfts­pro­zes­se zu op­ti­mie­ren. In der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung kommen Data-driven DSS unter anderem im Zuge der Ver­bre­chens­be­kämp­fung zum Einsatz.
  • Mo­dell­ba­sier­te Ent­schei­dungs­un­ter­stüt­zungs­sys­te­me (Model-driven DSS) fo­kus­sie­ren sich auf die Nutzung ma­the­ma­ti­scher und si­mu­la­ti­ons­ba­sier­ter Modelle, die auf die spe­zi­fi­schen Be­nut­zer­an­for­de­run­gen angepasst werden. Model-driven DSS sind nor­ma­ler­wei­se nicht allzu da­ten­in­ten­siv und erweisen sich als besonders praktisch in Si­tua­tio­nen, in denen es sich schwierig gestaltet, fundierte Ent­schei­dun­gen aus­schließ­lich auf Grundlage his­to­ri­scher Daten zu treffen.
  • Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und grup­pen­ba­sier­te Ent­schei­dungs­un­ter­stüt­zungs­sys­te­me (Com­mu­ni­ca­ti­on-driven DSS und Group-DSS) zielen darauf ab, die Kom­mu­ni­ka­ti­on, Ko­or­di­na­ti­on und Zu­sam­men­ar­beit zu un­ter­stüt­zen oder den an der Ent­schei­dungs­fin­dung be­tei­lig­ten Gruppen bei der Analyse von Pro­blem­si­tua­tio­nen zu helfen. Dies wird vor allem durch die Ver­wen­dung un­ter­schied­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­werk­zeu­ge wie Instant Messaging erreicht.
  • Wis­sens­ba­sier­te Ent­schei­dungs­un­ter­stüt­zungs­sys­te­me (Knowledge-driven DSS) stellen spe­zia­li­sier­tes Fach­wis­sen für die Lösung von Problemen zur Verfügung. Dieses wird in einer Wis­sens­da­ten­bank ab­ge­spei­chert, die das System kon­ti­nu­ier­lich ak­tua­li­siert. Knowledge-driven DSS finden vor allem Ver­wen­dung bei Aufgaben, die mensch­li­che Expertise erfordern.
  • Do­ku­men­ten­ba­sier­te Ent­schei­dungs­un­ter­stüt­zungs­sys­te­me in­te­grie­ren spezielle Tech­no­lo­gien, um Dokumente abzurufen und zu ana­ly­sie­ren. Ein Beispiel dafür sind Such­ma­schi­nen, die es An­wen­de­rin­nen und Anwendern gestatten, Da­ten­ban­ken nach bestimmen Such­be­grif­fen zu durch­fors­ten.

Was sind die wich­tigs­ten An­wen­dungs­ge­bie­te von DSS?

DSS lassen sich an wech­seln­de Fra­ge­stel­lun­gen und tech­ni­sche Ge­ge­ben­hei­ten anpassen, wodurch sie flexibel ein­setz­bar sind. Al­ler­dings wird die mensch­li­che Ur­teils­fä­hig­keit nur un­ter­stützt und nicht ersetzt. Das heißt, die In­ter­pre­ta­ti­on der be­reit­ge­stell­ten In­for­ma­tio­nen und die letzt­li­che Ent­schei­dungs­fin­dung obliegt weiterhin den Menschen. Decision Support Systems stellen lediglich die re­le­van­tes­ten In­for­ma­tio­nen bereit und bewerten die Aus­wir­kun­gen möglicher Ent­schei­dun­gen.

Decision Support Systems eignen sich vor allem für die Be­wäl­ti­gung un­struk­tu­rier­ter Probleme – also für Si­tua­tio­nen mit stark ver­streu­ten Daten oder enormen Da­ten­men­gen (Big Data) und für Fälle, in denen sich zwischen In­for­ma­tio­nen kein logischer Zu­sam­men­hang erkennen lässt. Zu den Ein­satz­fel­dern, in denen DSS verwendet werden, zählen:

  • Rou­ten­pla­nung per GPS: Decision Support Systems sind durch Analyse der ver­füg­ba­ren Optionen dazu in der Lage, die ideale Route zwischen zwei Punkten zu ermitteln. Moderne Systeme bieten sogar die Mög­lich­keit, den Verkehr live zu über­wa­chen, wodurch sich Staus umgehen lassen.
  • Land­wirt­schaft: Bäue­rin­nen und Bauern nutzen DSS, um den optimalen Zeitpunkt für Aussaat, Düngung und Ernte zu bestimmen.
  • Medizin: Klinische Ent­schei­dungs­un­ter­stüt­zungs­sys­te­me werden unter anderem ein­ge­setzt, um Test­ergeb­nis­se zu in­ter­pre­tie­ren, Er­kran­kun­gen zu dia­gnos­ti­zie­ren und Be­hand­lungs­plä­ne zu erstellen. Ein konkretes Beispiel ist ein von Penn Medicine kon­zi­pier­tes kli­ni­sches DSS, das ent­wi­ckelt wurde, um Pa­ti­en­tin­nen und Patienten schneller von Be­atmungs­ge­rä­ten zu entwöhnen.
  • ERP-Da­sh­boards: Ent­spre­chen­de Da­sh­boards er­mög­li­chen eine Mo­ment­auf­nah­me zentraler Un­ter­neh­mens­kenn­zif­fern. Mithilfe von Decision Support Systems lassen sich Geschäfts- und Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se vi­sua­li­sie­ren und die Ge­schäfts­leis­tung be­tref­fen­de Ziele über­wa­chen, um Bereiche mit Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al ausfindig zu machen.
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In welchem Zu­sam­men­hang stehen DSS und KI?

Ent­schei­dungs­un­ter­stüt­zungs­sys­te­me bieten grund­sätz­lich die Mög­lich­keit, künst­li­che In­tel­li­genz zu in­te­grie­ren. So­ge­nann­te In­tel­li­gent Decision Support Systems – kurz IDSS – eröffnen die Mög­lich­keit, enorme Da­ten­men­gen aus un­ter­schied­li­chen Quellen zu ver­ar­bei­ten, aus denen sich Emp­feh­lun­gen für bessere Ent­schei­dun­gen ableiten lassen. Um Muster und Zu­sam­men­hän­ge zu erkennen, nutzen sie KI-Tech­no­lo­gien wie Machine Learning.

In­tel­li­gen­te DSS verhalten sich ähnlich wie mensch­li­che Be­ra­te­rin­nen und Berater, haben jedoch die Fähigkeit, In­for­ma­tio­nen ef­fi­zi­en­ter zu ver­ar­bei­ten und zu ana­ly­sie­ren als Menschen. Solche Systeme finden zum Beispiel Anwendung in der flexiblen Fertigung, im Marketing und in der me­di­zi­ni­schen Dia­gnos­tik.

Was sind die Vor- und Nachteile von Decision Support Systems?

DSS bieten zahl­rei­che Vorteile, die Un­ter­neh­men dabei helfen, ef­fi­zi­en­ter Ent­schei­dun­gen zu treffen. Sie lassen sich flexibel und nahtlos in be­stehen­de In­for­ma­ti­ons­sys­te­me in­te­grie­ren und bei Bedarf in­di­vi­du­ell erweitern. Ent­spre­chen­de Systeme er­mög­li­chen eine intuitive Bedienung, die ins­be­son­de­re für Mensch-Maschine-In­ter­ak­tio­nen von wichtiger Bedeutung ist. Obwohl die end­gül­ti­ge Ent­schei­dungs­fin­dung immer noch beim Menschen liegt, tragen Decision Support Systems erheblich zur Ver­bes­se­rung von Pla­nungs­pro­zes­sen – und damit oftmals auch zu Kos­ten­ein­spa­run­gen – bei. Von Vorteil ist außerdem, dass die Mög­lich­keit besteht, jegliche Da­ten­evi­denz auf ihre Herkunft zu­rück­zu­füh­ren.

Es gibt al­ler­dings auch einige Nachteile. Ei­ner­seits erweisen sich die Im­ple­men­tie­rung und Wartung von DSS nicht selten als kost­spie­lig. An­de­rer­seits hängt die Qualität der Emp­feh­lun­gen stark von den zu­grun­de­lie­gen­den Daten ab. Zu­sätz­lich besteht das Risiko, dass sich Ent­schei­dungs­trä­ge­rin­nen be­zie­hungs­wei­se Ent­schei­dungs­trä­ger zu sehr auf das Un­ter­stüt­zungs­sys­tem verlassen und dadurch die eigene Ur­teils­fä­hig­keit ver­nach­läs­si­gen.

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