Wird der Spei­cher­platz auf dem System knapp, steht das Ausmisten unnötiger Dateien auf der Prio­ri­täts­lis­te ganz oben. So nützlich und richtig eine solche Be­rei­ni­gung in den meisten Fällen ist, so wichtig ist es auch, dass dabei keine wichtigen Sys­tem­da­tei­en gelöscht werden. Viele dieser Dateien, die eine rei­bungs­lo­se Aus­füh­rung des Be­triebs­sys­tems ge­währ­leis­ten, sind aus diesem Grund stan­dard­mä­ßig versteckt bzw. aus­ge­blen­det und darüber hinaus mit spe­zi­el­len Zu­griffs­kon­trol­len versehen.

In Windows-Be­triebs­sys­te­men zählt zu diesen Dateien u. a. die Aus­la­ge­rungs­da­tei pagefile.sys, die im Rahmen der Spei­cher­ver­wal­tung zum Einsatz kommt. Was genau steckt hinter der Datei und warum ist es grund­sätz­lich nicht zu empfehlen, pagefile.sys zu löschen?

Was ist pagefile.sys?

Bei pagefile.sys handelt es sich um die Aus­la­ge­rungs­da­tei (engl. page file) der Windows-Be­triebs­sys­te­me von Microsoft. Diese Datei, die vom System au­to­ma­tisch erzeugt und verwaltet wird, hat aus­schließ­lich die Funktion, den Ar­beits­spei­cher bei der Aus­füh­rung besonders re­chen­in­ten­si­ver Programme bzw. Prozesse zu entlasten. Zu diesem Zweck erweitert Windows immer dann, wenn nicht alle Daten Platz im ver­füg­ba­ren Ar­beits­spei­cher finden, zunächst den adres­sier­ba­ren Sys­tem­spei­cher. An­schlie­ßend kann das System die be­tref­fen­den Daten diesem zu­sätz­li­chen Adress­raum zuordnen und in die pagefile.sys ver­schie­ben.

Aus der Sicht der An­wen­dun­gen macht es keinen Un­ter­schied, ob die Daten in der pagefile.sys zwi­schen­ge­spei­chert werden oder im phy­si­schen Speicher. Al­ler­dings ist der Zugriff auf die Aus­la­ge­rungs­da­tei aus tech­ni­schen Gründen deutlich langsamer, weshalb es zu er­heb­li­chen Per­for­mance-Einbußen kommt, wenn große Da­ten­men­gen in die pagefile.sys ver­scho­ben werden. Je nach Aus­las­tung und Sys­tem­ver­si­on kann die Datei eine Größe von wenigen Megabyte bis zu mehr als einem Gigabyte haben. Letzteres ist bei­spiels­wei­se für die pagefile.sys von Windows 10 (auf den meisten Geräten) stan­dard­mä­ßig der Fall.

Hinweis

Die Größe der Aus­la­ge­rungs­da­tei ist grund­sätz­lich dynamisch, da sie sich nach dem aktuellen Ar­beits­spei­cher­be­darf richtet. Viele An­wen­dun­gen lagern aber auch dann Daten in der Aus­la­ge­rungs­da­tei ab, wenn ei­gent­lich noch genügend Ar­beits­spei­cher zur Verfügung steht. Ty­pi­scher­wei­se geschieht dies, wenn ein Programm minimiert wird – um auf diese Weise das Spei­cher­kon­tin­gent für alle momentan aktiven An­wen­dun­gen und Prozesse zu erhöhen. Ferner lässt sich manuell auch eine fixe Ma­xi­mal­grö­ße ein­stel­len.

pagefile.sys löschen: Möglich und emp­feh­lens­wert?

An­ge­sichts des sehr hohen Bedarfs an Fest­plat­ten­spei­cher, den die Windows-Aus­la­ge­rungs­da­tei in be­stimm­ten Si­tua­tio­nen mit sich bringt, stellt sich ins­be­son­de­re bei Geräten mit stark be­grenz­tem Spei­cher­ver­mö­gen (ty­pi­scher­wei­se Notebooks) die Frage, ob es nicht besser ist, die pagefile.sys zu löschen. Zu empfehlen ist dies jedoch nicht: Die Aus­la­ge­rungs­da­tei ist in Windows für das bereits be­schrie­be­ne Ma­nage­ment der Spei­cher­res­sour­cen fest ein­ge­plant, weshalb ihre Ab­we­sen­heit die Sys­tem­leis­tung mi­ni­mie­ren oder gar zum Absturz von Windows führen kann. Gleiches gilt für Programme, die stan­dard­mä­ßig auf die pagefile.sys zu­rück­grei­fen, obwohl genügend Ar­beits­spei­cher verfügbar wäre.

Nicht von ungefähr hat Microsoft die Aus­la­ge­rungs­da­tei als „ge­schütz­te Sys­tem­da­tei“ ein­ge­stuft, die sich bei­spiels­wei­se unter Windows 10 erst nach der Aus­füh­rung folgender Schritte einsehen lässt:

  1. Rufen Sie über den Da­tei­ex­plo­rer das Laufwerk auf, auf dem Sie Windows in­stal­liert haben (ty­pi­scher­wei­se C:).
  2. Wechseln Sie in den Reiter „Ansicht“ und setzen Sie zunächst ein Häkchen bei „Aus­ge­blen­de­te Elemente“.
  3. Im Anschluss klicken Sie auf „Optionen“ und danach auf „Ordner- und Such­op­tio­nen ändern“.
  4. Rufen Sie auch in dem neuen Fenster den Reiter „Ansicht“ auf und entfernen Sie das Häkchen bei dem Punkt „Ge­schütz­te Sys­tem­da­tei­en aus­blen­den (empfohlen)“.
  5. An­schlie­ßend be­stä­ti­gen Sie die Än­de­run­gen im auf­pop­pen­den Dialog mit „Ja“ und drücken danach auf „Über­neh­men“ und „OK“.
  6. Nun sollte die pagefile.sys direkt im Explorer zu sehen sein.

Wenn Sie nun al­ler­dings auf dem gewohnten Weg versuchen, die pagefile.sys zu löschen, werden Sie fest­stel­len, dass dies nicht möglich ist: Sie erhalten die Nachricht, dass die Aus­la­ge­rungs­da­tei „in einem anderen Programm geöffnet“ ist, da Windows und andere An­wen­dun­gen während ihrer Laufzeit ja aktiv auf die Datei zugreifen.

Sofern Sie über Ad­mi­nis­tra­to­ren­rech­te verfügen, können Sie die Aus­la­ge­rungs­da­tei aber dennoch von Ihrem System entfernen, indem Sie die Spei­cher­ver­wal­tungs­funk­ti­on de­ak­ti­vie­ren und Windows im Anschluss neu booten. Das Aus­schal­ten und an­schlie­ßen­de Löschen der pagefile.sys in Windows 10 funk­tio­niert zum Beispiel fol­gen­der­ma­ßen:

  1. Öffnen Sie die Sys­tem­steue­rung über das Startmenü.
  2. Klicken Sie auf den Punkt „System“ (erfordert Symbol-Ansicht in der Sys­tem­steue­rung) und wählen Sie im linken Sei­ten­me­nü die Option „Er­wei­ter­te Sys­tem­ein­stel­lun­gen“ aus.
  3. Rufen Sie den Reiter „Erweitert“ auf, falls dieser noch nicht geöffnet ist, und klicken Sie in der Rubrik „Leistung“ auf „Ein­stel­lun­gen“.
  4. Wechseln Sie auch in diesen Leis­tungs­ein­stel­lun­gen zum Reiter „Erweitert“ und klicken Sie unter „Vir­tu­el­ler Ar­beits­spei­cher“ auf „Ändern“.
  5. Entfernen Sie das Häkchen bei „Da­tei­grö­ße für alle Laufwerke au­to­ma­tisch verwalten“ und markieren Sie an­schlie­ßend die Option „Keine Aus­la­ge­rungs­da­tei“.
  6. Klicken Sie auf den Button „Festlegen“ und be­stä­ti­gen Sie die Än­de­run­gen per Klick auf „OK“. Ab­schlie­ßend starten Sie Windows neu, um die aktuelle Version der pagefile.sys zu löschen.

pagefile.sys ver­schie­ben: Chance auf Per­for­mance-Schub

Wer mehrere Fest­plat­ten verwendet, muss die pagefile.sys nicht unbedingt löschen, wenn der Spei­cher­platz knapp wird: In diesem Fall besteht nämlich auch die Mög­lich­keit, die Aus­la­ge­rungs­da­tei auf einen anderen Da­ten­trä­ger zu ver­schie­ben. Das kann sich ins­be­son­de­re dann lohnen, wenn Sie auf diese Weise eine SSD-Fest­plat­te entlasten und so wert­vol­len SSD-Speicher frei­schau­feln können. Zudem finden in der Folge auch die Lese- und Schreib­zu­grif­fe auf die pagefile.sys auf dem Aus­weich­da­ten­trä­ger statt, was die all­ge­mei­ne Per­for­mance ge­ring­fü­gig ver­bes­sern kann.

Um die pagefile.sys zu ver­schie­ben, führen Sie folgende Schritte aus:

  1. Öffnen Sie die er­wei­ter­ten Sys­tem­ein­stel­lun­gen („Sys­tem­steue­rung“ -> „System“ -> „Er­wei­ter­te Sys­tem­ein­stel­lun­gen“).
  2. Rufen Sie den Tab „Erweitert“ auf.
  3. Drücken Sie unter „Leistung“ auf den Button „Ein­stel­lun­gen“.
  4. Rufen Sie ein weiteres Mal den Reiter „Erweitert“ auf und klicken Sie auf „Ändern“.
  5. De­ak­ti­vie­ren Sie die Option „Da­tei­grö­ße für alle Laufwerke au­to­ma­tisch verwalten“, indem Sie das Häkchen aus der Checkbox entfernen.
  6. Wählen Sie den Da­ten­trä­ger aus, auf den Sie die pagefile.sys ver­schie­ben möchten, markieren Sie den Punkt „Größe wird vom System verwaltet“ und be­stä­ti­gen Sie die Änderung mit „Festlegen“.
  7. Dann wählen Sie noch die Fest­plat­te, auf der die pagefile.sys bis dato verwaltet wurde, und „Keine Aus­la­ge­rungs­da­tei“ aus.
  8. An­schlie­ßend starten Sie den Computer neu.
Tipp

In den Ein­stel­lun­gen des vir­tu­el­len Ar­beits­spei­chers können Sie auch eine in­di­vi­du­el­le Minimal- bzw. Ma­xi­mal­grö­ße für die pagefile.sys de­fi­nie­ren. Klicken Sie hierfür einfach auf den Punkt „Be­nut­zer­de­fi­nier­te Größe“ und geben Sie dann die ge­wünsch­ten Werte (in Megabyte) an. Die Größe der Aus­la­ge­rungs­da­tei darf dabei al­ler­dings 16 MB nicht un­ter­schrei­ten. Vor­aus­set­zung ist, wie beim Ver­schie­ben und Löschen der pagefile.sys, dass die Option „Da­tei­grö­ße für alle Laufwerke au­to­ma­tisch verwalten“ de­ak­ti­viert ist.

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