Network-Marketing, auch als Struk­tur­ver­trieb be­zeich­net, ist eine Ver­triebs­form, bei der man Produkte oder Dienst­leis­tun­gen ohne den klas­si­schen Zwi­schen­han­del über La­den­ge­schäf­te direkt an die Kunden verkauft. In den meisten Fällen handelt es sich um Kör­per­pfle­ge­pro­duk­te oder Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel. Diese Ver­brauchs­gü­ter kann man re­gel­mä­ßig an dieselben Stamm­kun­den verkaufen.

Wie funk­tio­niert Netzwerk-Marketing?

Die Tup­per­par­ty und die AVON-Beraterin sind typische Beispiele für Network-Marketing, die wohl jedem geläufig sind. Doch wie genau funk­tio­niert Network-Marketing und was sind die Un­ter­schie­de zum klas­si­schen Di­rekt­ver­trieb?

De­fi­ni­ti­on: Network-Marketing

Diese Form des Mar­ke­tings, die auch als Multi-Level-Marketing (MLM) bekannt ist, be­schreibt eine besondere Art des Di­rekt­ver­triebs, bei dem der Verkauf von Produkten an Endkunden über ein wach­sen­des Netz aus wenigen an­ge­stell­ten Ver­triebs­mit­ar­bei­tern und vielen frei­be­ruf­lich tätigen Ver­triebs­part­nern erfolgt. Durch Anwerben in­ter­es­sier­ter Kunden als neue Ver­triebs­part­ner lassen sich zu­sätz­li­che Einnahmen erzielen.

Im Gegensatz zum typischen Di­rekt­ver­trieb, bei dem die Verkäufer bei der Firma an­ge­stellt sind, setzt Network-Marketing auf frei­be­ruf­li­che Ver­triebs­part­ner, die diese Arbeit im Haupt- oder Ne­ben­er­werb ausführen. Meistens handelt es sich dabei um zu­frie­de­ne Kunden, die man mit Boni, günstigen Ein­kaufs­kon­di­tio­nen und hohen Pro­vi­sio­nen anwirbt. Die Idee hinter Netzwerk-Marketing ist, dass die per­sön­li­chen Netzwerke der Ver­triebs­part­ner für gezieltes Emp­feh­lungs­mar­ke­ting genutzt werden – nach dem Motto: „Einem Freund glaubt man eher als einer Wer­be­agen­tur.“

En­ga­gier­te un­ab­hän­gi­ge Ver­triebs­part­ner funk­tio­nie­ren als Mar­ken­bot­schaf­ter oft besser als teure Pro­mi­nen­te. Das Prinzip der Micro-In­fluen­cer im On­line­mar­ke­ting wird im Network-Marketing außerhalb des Netzes im per­sön­li­chen Freun­des­kreis umgesetzt. Mund­pro­pa­gan­da spielt dabei eine ebenso große Rolle wie im In­fluen­cer-Marketing oder viralen Marketing.

Die in­ter­na­tio­nal ver­wen­de­te Be­zeich­nung Multi-Level-Marketing (Level = Ebene) bezieht sich auf die ver­schie­de­nen Rang­stu­fen innerhalb der py­ra­mi­den­ähn­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur. Der Ver­triebs­chef der Firma hat einige wenige fest­an­ge­stell­te Mit­ar­bei­ter unter sich, die frei­be­ruf­li­che Ver­triebs­part­ner anwerben, die ih­rer­seits neue Partner anwerben.

Generiert ein Ver­triebs­part­ner Umsätze, bekommt er eine Provision. Dabei erhält derjenige, der ihn geworben hat, ebenfalls eine Teil­pro­vi­si­on, und auch dessen Sponsor wird am Umsatz beteiligt. Dieses Prinzip setzt sich bis nach ganz oben fort. Auch in der Fir­men­spit­ze soll neben dem reinen Warenwert etwas von der Provision ankommen. So ist es durchaus üblich, dass ein Ver­triebs­part­ner höheren Rangs mehr Einnahmen durch Pro­vi­si­ons­an­tei­le aus Umsätzen der von ihm ge­wor­be­nen Personen erhält als durch den eigenen Verkauf von Waren.

Anders als in der klas­si­schen Un­ter­neh­mens­hier­ar­chie gelten die Ebenen im Multi-Level-Marketing nur für die Ver­tei­lung der Pro­vi­sio­nen. Ver­triebs­part­ner höherer Ebenen haben keinerlei Wei­sungs­be­fug­nis gegenüber un­ter­ge­ord­ne­ten Personen. Diese flache Hier­ar­chie empfinden viele Ver­triebs­part­ner als sehr positiv, da sie gefühlt einen „di­rek­te­ren Kontakt“ zur Chefetage haben. Al­ler­dings haben die Ver­triebs­part­ner im Multi-Level-Marketing ein we­sent­lich höheres Ge­schäfts­ri­si­ko als Ver­triebs­mit­ar­bei­ter im klas­si­schen Di­rekt­ver­trieb, da sich ihr Einkommen meist einzig und allein aus Pro­vi­sio­nen zu­sam­men­setzt.

Die meisten Ver­triebs­part­ner im Network-Marketing zeichnen sich durch hohe Mo­ti­va­ti­on aus, obwohl sie oft keine kauf­män­ni­sche Aus­bil­dung haben, sondern lediglich von der Firma Produkt- und Ver­kaufs­schu­lun­gen erhalten. Die Un­ter­neh­men belohnen starkes En­ga­ge­ment in den meisten Fällen mit zwei typischen Modellen: Wer im Anwerben neuer Ver­triebs­part­ner er­folg­reich ist, generiert durch wei­ter­ge­lei­te­te Pro­vi­sio­nen ein hohes passives Einkommen. Außerdem können er­folg­rei­che Verkäufer auf­stei­gen und höhere Pro­vi­sio­nen erzielen.

Network-Marketing – Ab­gren­zung gegenüber un­se­riö­sen Schnee­ball­sys­te­men

Ein Schnee­ball­sys­tem ist ein Ge­schäfts­mo­dell, das nur dadurch funk­tio­niert, dass die Anzahl der Teil­neh­mer erheblich wächst. Hier steht das Anwerben neuer Teil­neh­mer, die Ei­gen­ka­pi­tal oder zumindest eigene Ar­beits­leis­tung in das System ein­brin­gen, gegenüber dem ei­gent­li­chen Pro­dukt­ver­kauf deutlich stärker im Vor­der­grund. Vertreibt ein solches System gar kein richtiges Produkt, sondern z. B. nur eine Anleitung, wie man mit dem System Geld verdienen kann, ist das nicht nur unseriös, sondern illegal. Dasselbe gilt, wenn die ver­trie­be­nen Produkte – oft gibt es sogar nur ein einziges – derart über­teu­ert angeboten werden, dass niemand es kaufen würde ohne den Anreiz, durch Re­kru­tie­rung weiterer Teil­neh­mer Pro­vi­sio­nen zu er­wirt­schaf­ten.

Im Gegensatz dazu verkauft ein seriöses Multi-Level-Marketing hoch­wer­ti­ge Produkte zu güns­ti­ge­ren Preisen als die Kon­kur­ren­ten mit klas­si­schen Ver­triebs­we­gen. Die Ver­kaufs­pro­vi­si­on muss sich für die Ver­triebs­part­ner lohnen und kann durchaus höher ausfallen als im her­kömm­li­chen Vertrieb, da das Un­ter­neh­men Lohn­ne­ben­kos­ten für An­ge­stell­te, Mieten und Groß­han­dels­mar­gen einspart. Seriöse Un­ter­neh­men, die auf Network-Marketing setzen, sind auch an ihrer Au­ßen­dar­stel­lung zu erkennen, die vorrangig die Produkte bewirbt und nicht in erster Linie die Mög­lich­keit, durch Anwerben von weiteren Ver­triebs­part­nern passives Einkommen zu erzielen.

Wichtige Begriffe aus dem Network-Marketing / MLM

Im Zu­sam­men­hang mit Network-Marketing oder Multi-Level-Marketing tauchen immer wieder Fach­be­grif­fe auf, die in dem Kontext teilweise anders verwendet werden als im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch.

Plan: Dieser listet alle Mög­lich­kei­ten auf, wie Ver­triebs­mit­ar­bei­ter Geld verdienen können. Der Plan zeigt auch, wie die Vergütung vom Um­satz­vo­lu­men und von ge­wor­be­nen Mit­ar­bei­tern abhängt. Seriöse Un­ter­neh­men gestalten den Plan für ihre Mit­ar­bei­ter möglichst trans­pa­rent.

Sponsor: Eine Person, die eine andere für das System geworben hat.

Rekrut oder Partner: Eine Person, die von einem Sponsor für das System geworben wurde. Der Sponsor verdient an den Umsätzen des Partners mit.

Berater: Die meisten Multi-Level-Marketing-Systeme be­zeich­nen ihre Mit­ar­bei­ter nicht als Verkäufer, sondern als Berater.

Downline: Alle unterhalb eines Mit­ar­bei­ters ein­ge­ord­ne­ten Personen; entweder Mit­glie­der, die man selbst an­ge­wor­ben hat, oder die von ihnen neu an­ge­wor­be­nen Rekruten. Jeder verdient an den Umsätzen der eigenen Downline mit.

Upline: Alle Mit­ar­bei­ter, die in der Hier­ar­chie über dem eigenen Sponsor stehen – bis zum Ver­triebs­lei­ter. Jeder Mit­ar­bei­ter in der Upline verdient an den Umsätzen der tie­fer­ge­stell­ten Partner mit.

Beispiele für Un­ter­neh­men, die Network-Marketing/MLM betreiben

Welche Un­ter­neh­men betreiben in Deutsch­land er­folg­rei­ches Network-Marketing?

Tup­per­ware ist in Deutsch­land die be­kann­tes­te Firma, die auf Network-Marketing setzt. Das 1938 in den USA ge­grün­de­te Un­ter­neh­men hat es wie nur wenige andere geschafft, den Fir­men­na­men im Sprach­ge­brauch zum Synonym einer ganzen Pro­dukt­ka­te­go­rie – Frisch­hal­te­do­sen aus Kunst­stoff – zu machen. Ähnlich er­folg­reich in dieser Hinsicht waren Tesa für Kle­be­fil­me und Kärcher für Hoch­druck­rei­ni­ger, die aber beide klas­si­sche Ver­triebs­we­ge nutzen. An den so­ge­nann­ten Tup­per­ware-Partys, Ver­kaufs­ver­an­stal­tun­gen in Pri­vat­haus­hal­ten, sollen in Deutsch­land in einem einzigen Jahr 14 Millionen Gäste teil­ge­nom­men haben.

Avon ist als Kos­me­tik­mar­ke mit rund 6 Millionen Be­ra­te­rin­nen und einem Jah­res­um­satz von 5,7 Mil­li­ar­den US$ weltweit eines der größten Struk­tur­ver­triebs­sys­te­me. Anfang des Jahres 2020 wurde Avon Products, Inc. vom Kos­me­tik­kon­zern Natura & Co über­nom­men, zu dem auch die Marke „The Body Shop“ gehört.

LR Health & Beauty Systems gilt als größtes in Deutsch­land be­hei­ma­te­tes Network-Marketing-System der Ge­sund­heits- und Schön­heits­bran­che. Etwa 300.000 selb­stän­di­ge Ver­triebs­part­ner haben sich dem System mit Sitz in Ahlen (Westfalen) an­ge­schlos­sen.

Deutsche Ver­mö­gens­be­ra­tung verkauft Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen über Network-Marketing an Endkunden. Etwa 17.000 haupt­be­ruf­li­che Han­dels­ver­tre­ter setzten im Ge­schäfts­jahr 2018 mit 8 Millionen Kunden 1,57 Mil­li­ar­den Euro um.

Auch die Un­ter­neh­men Mary Kay, Prowin, doTerra und PartyLite ver­trei­ben in Deutsch­land er­folg­reich Kon­sum­gü­ter über Network-Marketing an End­ver­brau­cher.

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