Das Internet ist sehr groß, doch selbst im globalen Netz gibt es tat­säch­lich Platz­man­gel: Das System der IP-Adressen, wie wir es derzeit verwenden (IPv4) ist schon längst aus­ge­schöpft. Alle möglichen Adressen (immerhin 4.294.967.296) sind bereits vergeben. Deshalb musste man sich bereits vor einigen Jahr­zehn­ten eine Lösung überlegen. CIDR hilft, den Adress­rah­men zu erweitern.

Was ei­gent­lich als kurz­zei­ti­ge Über­gangs­lö­sung gedacht war, ist nun schon seit über 20 Jahren aktiv, und da die flä­chen­de­cken­de Ein­füh­rung von IPv6 noch auf sich warten lässt, wird CIDR wohl auch in den nächsten Jahren weiterhin wichtig bleiben. Grund genug, sich über das Classless-Inter-Domain-Routing zu in­for­mie­ren.

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Wofür wurde CIDR ent­wi­ckelt?

Bereits 1993 war klar, dass das Internet schneller wächst, als man zunächst an­ge­nom­men hatte. Deshalb musste eine Lösung her: Diese bestand darin, die Netz­klas­sen auf­zu­ge­ben. Der IP-Adress­raum war ur­sprüng­lich ein­ge­teilt in fünf Klassen. Wenn ein Un­ter­neh­men an das Internet an­ge­schlos­sen werden wollte, musste es IP-Adressen aus der passenden Klasse wählen. Für jede Klasse wurden un­ter­schied­lich viele Oktette (so nennt man die vier Zah­len­blö­cke der IP-Adressen) für die Iden­ti­fi­zie­rung der Netze her­an­ge­zo­gen. Die jeweils rest­li­chen Oktette be­stimm­ten die Anzahl der Hosts in einem Netz.

Klasse A Klasse B Klasse C Klasse D Klasse E  
0.0.0.0 - 127.255.255.255 128.0.0.0 - 191.255.255.255 192.0.0.0 - 223.255.255.255 224.0.0.0 - 239.255.255.255 240.0.0.0 - 255.255.255.255  

So war es in einem Klasse-A-Netz möglich, über 16 Millionen Hosts un­ter­zu­brin­gen, doch standen nur 128 (0-127) dieser Netze zur Verfügung. In der Klasse B hingegen waren etwas mehr als 16.000 Netze möglich, wobei aber jedes Netz 65.534 Hosts enthalten konnte. Die Netze in Klasse C schließ­lich hatten nur ein Oktett übrig und konnten somit nur 254 (1-254, da 0 und 255 immer re­ser­viert sind) Hosts un­ter­brin­gen.

Es hat sich gezeigt, dass diese Ein­tei­lung in den meisten Fällen nicht prak­ti­ka­bel war: Für viele Un­ter­neh­men ist ein Netz mit nur 254 Teil­neh­mern viel zu klein, aber zig­tau­send Hosts benötigen nur die wenigsten Netzwerke. Dies führte schließ­lich zu einer großen Ver­schwen­dung, da Un­ter­neh­men zwangs­läu­fig un­ge­nutz­te Adressen ver­ein­nahm­ten. Um besser auf die Be­dürf­nis­se der In­ter­net­nut­zer eingehen zu können, entschied man sich, die Netz­grö­ßen flexibler zu gestalten, Rou­ting­ta­bel­len in In­ter­net­rou­tern zu ver­klei­nern und die Abnahme der ver­füg­ba­ren IP-Adressen zu ver­lang­sa­men.

Rou­ting­ta­bel­len liegen in einem Router und helfen selbigem, den Weg zur richtigen Ziel­adres­se zu finden. Vom Ursprung bis zum Ziel durch­lau­fen Da­ten­pa­ke­te viele Kno­ten­punk­te: Damit Router also erkennen, wie der optimale Pfad durch das Netz aussieht, wird eine ent­spre­chen­de Tabelle mit In­for­ma­tio­nen gefüttert. Die Größe der Datei wächst ex­po­nen­zi­ell, wenn für jegliches mögliche Ziel ein Weg ein­ge­führt werden muss. Da CIDR Adressen zu Blöcken zu­sam­men­stellt, müssen nicht mehr so viele In­for­ma­tio­nen in den Rou­ting­ta­bel­len ge­spei­chert werden. Man fasst also mehrere Adressen zu einer Route zusammen.

Wie funk­tio­niert CIDR?

CIDR basiert auf der Idee von Sub­netz­mas­ken. Eine Maske wird über eine IP-Adresse gelegt und erzeugt so ein Teilnetz: ein Netz, das dem Internet un­ter­ge­ord­net ist. Die Sub­netz­mas­ke si­gna­li­siert dem Router, welcher Teil der IP-Adresse den Hosts zu­ge­ord­net ist (den einzelnen Teil­neh­mern des Netzes) und welcher das Netz bestimmt. Statt eine Sub­netz­mas­ke hin­zu­zu­fü­gen, kann man eine Spe­zi­fi­ka­ti­on durch das Classless-Inter-Domain-Routing aber auch in Form von Suffixen direkt in die IP-Adresse in­te­grie­ren. Das verkürzt aber nicht nur die Dar­stel­lung: CIDR er­mög­licht es zudem, neben Subnetzen auch Su­per­net­ze zu schaffen. Das bedeutet, dass man nicht nur ein Netz genauer un­ter­tei­len, sondern auch mehrere Netze zu­sam­men­fas­sen kann. Su­per­net­ting ist zum Beispiel dann wichtig, wenn ein Un­ter­neh­men mehrere Standorte hat, aber alle Rechner im gleichen Netz behandeln möchte. Durch Su­per­net­ting lassen sich mehrere Netze zu einer Route zu­sam­men­fas­sen, weshalb die Technik auch Route Ag­gre­ga­ti­on (also Grup­pie­rung von Routen) genannt wird. Das bedeutet, dass Da­ten­pa­ke­te nur zu einem Ziel gesandt werden – un­ab­hän­gig davon, an welchem Standort die Hosts sitzen.

Fakt

Wichtiger Be­stand­teil von CIDR ist VLSM: Die Variable Length Subnet Mask er­mög­licht überhaupt erst, dass Subnetze auch mit variablen Längen und nicht nur in den Grö­ßen­ord­nun­gen der Netz­klas­sen rea­li­sier­bar sind.

Die CIDR-Notation

Anhand der IP-Adresse ließ sich früher ablesen, zu welcher Klasse sie gehörte. So lagen die Klasse-C-Netze zum Beispiel im Adress­raum 192.0.0.0 bis 223.255.255.255. Eine Sub­netz­mas­ke – zum Beispiel 255.255.255.0 – legt sich wie eine Schablone über die IP-Adresse und bestimmt die Hosts. Im CIDR-Format steckt diese In­for­ma­ti­on als Suffix in der IP-Adresse selbst. Das grund­le­gen­de Prinzip bleibt aber das gleiche: Das Suffix gibt an, welche Stellen (Bits) der IP-Adresse die Network-ID dar­stel­len und damit auch au­to­ma­tisch, welche Bits den Bereich der Host-ID ausmachen. Möchte man das im Detail verstehen, ist es sinnvoll, eine Sub­netz­mas­ke in ihrer binären Form zu be­trach­ten:

255.255.255.0 ≙ 11111111 11111111 11111111 00000000

In der CIDR-Notation wäre also diese (Klasse-C-) Sub­netz­mas­ke /24, da die ersten 24 Bits den Netzteil der IP-Adresse bestimmen. Und es ist eben möglich, Oktette nicht nur komplett mit Einsen oder Nullen zu füllen, sondern mittels VLSM auch fle­xi­ble­re Subnetze zu erstellen. So ent­spricht zum Beispiel die Maske /25 dem binären Wert 11111111 11111111 11111111 10000000 und dieser wiederum (in der Dotted-Decimal-Notation) 255.255.255.128.

Hinweis

Aber auch mit CIDR und VLSM müssen Bits in Sub­netz­mas­ken immer von links nach rechts gefüllt werden und dürfen nicht un­ge­ord­net auf 1 oder 0 stehen.

CIDR-Blocks: Erklärung & Tabelle

Eine IPv4-Adresse besteht aus 32 Bits. Deutlich wird dies, wenn man die dezimale Notation in das binäre Äqui­va­lent umrechnet: 201.105.7.34 ent­spricht 11001001 01101001 00000111 00100010. Die binäre Schreib­wei­se – und damit die Re­chen­wei­se, mit der Computer operieren – einer IP-Adresse besteht aus 32 Stellen, die entweder 1 oder 0 sein können: also 32 Bits. Daher liegen auch die möglichen Suffixe in der CIDR-Notation im Bereich von 0 bis 32.

Beim Erstellen von Subnetzen geht es darum, Ge­mein­sam­kei­ten zu schaffen. 201.105.7.34/24 liegt also im gleichen Netz wie 201.105.7.1/24. Das Suffix si­gna­li­siert, dass nur die ersten 24 Bits zum Netzteil gerechnet werden. Daher müssen diese gleich sein, sollen beide Adressen zum gleichen Netz zählen. Die übrigen Bits sind demnach für den Host-Teil re­ser­viert. Die Anzahl der Bits, die man im CIDR-Format nach dem Schräg­strich sieht, gibt die Anzahl der Stellen (von links nach rechts) an, die zum Netzteil der IP-Adresse gehören. Folgende Tabelle zeigt, welche Sub­netz­mas­ken hinter der CIDR-Notation stecken und wie viele Host-Adressen sie jeweils er­mög­li­chen.

Nicht alle Netze können aber auch Hosts stellen. Netze mit /31 haben schlicht­weg nur 2 mögliche IP-Adressen für Hosts, die dann aber für die Netz­adres­se (nur Nullen im Host-Teil) und die Broad­ca­st­adres­se (nur Einsen im Host-Teil) verwendet werden müssten. In jedem Netzwerk sind immer zwei Adressen re­ser­viert: die Netz­adres­se (nur Nullen im Host-Teil), welche zur Iden­ti­fi­zie­rung des Netzwerks dient, und die Broadcast-Adresse (nur Einsen im Host-Teil), die man für eine Über­tra­gung an alle Netz­teil­neh­mer verwendet. Deshalb haben nicht alle Netze die Mög­lich­keit, auch Hosts zu stellen. Ein /31-Netz hat schlicht­weg nur 2 mögliche IP-Adressen, die man dann aber für Broadcast- und Netz­adres­se verwenden muss. Deshalb muss man bei der Be­trach­tung der CIDR-Tabelle auch grund­sätz­lich zwei Adressen von den insgesamt ver­füg­ba­ren sub­tra­hie­ren. Im Netz /32 ist hingegen nur eine Adresse verfügbar. Sie er­mög­licht also weder Broadcast- noch Netz­adres­se.

Das /0-Netz umfasst den kom­plet­ten Adress­raum. Dieser enthielte nur ein großes Netz mit allen möglichen IP-Adressen (minus zwei) als Hosts – man kann also nicht wirklich von einem Subnetz sprechen. Auch die Netze /1 bis /7 werden nicht für einzelne Subnetze ein­ge­setzt. Da die mögliche Anzahl der Hosts viel zu groß ist, teilt man diese Netze noch in weitere Subnetze auf.

Be­rech­nung von CIDR: Beispiele

Anhand von Bei­spie­len lässt sich das Prinzip hinter CIDR an­schau­li­cher erklären. Wir erläutern im Folgenden seine Funk­ti­ons­wei­se sowohl beim Sub­net­ting als auch beim Su­per­net­ting.

Sub­net­ting

Wenn man Subnetze (ins­be­son­de­re flexible Subnetze) bilden möchte, genügt es nicht, das gleiche Suffix an die IP-Adresse an­zu­hän­gen. Es ist wichtig zu verstehen, was damit bei einer binären Um­rech­nung passiert. So gehören 192.168.200.5/30 und 192.168.200.9/30 nicht zum selben Netz. Den Grund dafür kann man erkennen, wenn man beide Adressen und die ent­spre­chen­de Sub­netz­mas­ke als binäre Zahlen darstellt. Im Anschluss ist eine logische UND-Ver­knüp­fung nötig: Dafür ver­gleicht man beide Werte. Nur wenn an der gleichen Stelle eine 1 steht wird dies auch in die Netz­adres­se über­nom­men. Die Kom­bi­na­tio­nen 0 ∧ 0 und 0 ∧ 1 ergeben Null.

Beide Adressen liegen also nicht im gleichen Netz. Korrekt wäre es al­ler­dings gewesen, wenn die zweite Adresse 192.168.200.6/30 gelautet hätte.

Um zu berechnen, welche IP-Adressen Ihnen in einem Subnetz zur Verfügung stehen, müssen Sie den Bereich berechnen. Als Beispiel wählen wir ein Un­ter­neh­men, das 2000 Hosts in einem Netzwerk un­ter­brin­gen muss. Die CIDR-Tabelle verrät uns, dass wir ein /21-Netz benötigen. Al­ter­na­tiv lässt sich dies aber auch berechnen. Dafür müssen Sie einen Log­arith­mus bilden: x=log2(2000). Das Ergebnis (≈10,666) ist keine na­tür­li­che Zahl, weshalb man aufrundet: 11. Demnach können Sie ein Subnetz mit 211 Host bilden: 2.048. (Wobei Sie wiederum zwei Adressen für Broadcast- und Netz­adres­se sub­tra­hie­ren müssen)

Wenn Sie sich die Tabelle anschauen, werden Sie erkennen, dass die Potenzen zur Basis 2 von unten (/32) nach oben (/0) ansteigen. So könnte man also 32-11 = 21 rechnen, um das benötigte Subnetz-Suffix (/21) zu erhalten.

Die vom In­ter­net­an­bie­ter vergebene Nummer lautet (in unserem Beispiel) 210.105.44.170. Auch diese In­for­ma­tio­nen über­tra­gen wir in die binäre Schreib­wei­se und wenden die soeben er­mit­tel­te Maske an.

Die erste Adresse – die nicht zu ver­wen­den­de Netz­adres­se – lautet also 210.105.40.0/21. Sie haben zwischen dieser und der Broad­ca­st­adres­se 2046 IP-Adressen zur Verfügung. Die höchste IP-Adresse (Broadcast) lautet demnach 210.105.47.255/21. Warum ist das so? 2048 (die maximale Anzahl der Adressen in dem Subnetz) geteilt durch 256 (die Anzahl der Mög­lich­kei­ten in einem Oktett) ergibt 8. Also sind im dritten Oktett die acht Werte von 40 bis 47 und im vierten Oktett alle Werte von 0 bis 255 zu belegen.

Tipp

Sie können sich die Re­chen­ar­beit auch ersparen: Im Internet gibt es einige gute Online-Rechner, die Ihnen den Bereich für Ihre Host-Adressen ausgeben. Die benötigte Subnetz-Größe müssen Sie in den meisten Fällen al­ler­dings noch selbst ermitteln. Aber diese finden Sie ja in der ent­spre­chen­den Tabelle.

Su­per­net­ting

Nehmen wir an, ein Un­ter­neh­men hat drei Standorte und damit drei Netze und die ent­spre­chen­den Router. Sinnvoll wäre es – auch im Sinne der Rou­ting­ta­bel­le – daraus ein Supernet zu machen. Die drei Netze haben die Adressen 192.168.43.0, 192.168.44.0 und 192.168.45.0. (Mögliche Sub­netz­mas­ken, die neben den IP-Adressen der Netze stehen, sind in diesem Kontext zunächst ir­rele­vant.) Auch diese stellen wir zunächst in binärer Schreib­wei­se gegenüber und über­neh­men aus­schließ­lich die Stellen, die alle drei Adressen gemein haben – und zwar von links nach rechts: Ab dem ersten Un­ter­schied werden alle weiteren Stellen auf null gesetzt.

Die Netz­adres­se des Supernets lautet also 192.168.40.0. Um die ent­spre­chen­de Sub­netz­mas­ke zu ermitteln, die diesem Netz zugehörig ist, zählt man die Stellen (Bits), die zu der neuen IP-Adresse geführt haben. In unserem Beispiel sind dies 21 Bits: 192.168.40.0/21.

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