Pro­cess­Wire ist ein kos­ten­lo­ses Open-Source-Content-Ma­nage­ment-Framework (CMF) und Content-Ma­nage­ment-System (CMS). Das Back-End ist sauber und im Sinne einer leichten Hand­ha­bung struk­tu­riert. Dieses Tool lässt Ihnen alle Frei­hei­ten bei der Webseiten-Ge­stal­tung. Zwar ist es nicht so bekannt wie der CMS-Riese WordPress oder die Kon­kur­ren­ten Joomla!, Drupal und TYPO3, doch zeichnet sich die schlanke Software gegenüber der größeren Kon­kur­renz durch einige Vorteile aus. Aus diesem Grund lohnt sich ein genauerer Blick auf Pro­cess­Wire.

Pro­cess­Wire: Die Ge­schich­te

Unter dem Namen Dictator CMS befand sich das CMS bereits 2003 in aktiver Ent­wick­lung. Im Jahr 2007 brachte Ryan Cramer die Software dann schließ­lich unter dem Namen Pro­cess­Wire 1.0 heraus. Al­ler­dings waren sowohl Dictator CMS als auch Pro­cess­Wire 1.0 noch nicht Open-Source, obwohl es Be­stre­bun­gen in diese Richtung gab. Erst die Version 2.0 wurde 2010 schließ­lich unter der Mozilla Public License 2.0 ver­öf­fent­licht. Laut eigenen Angaben war Version 2.3 für die Ent­wick­ler ein be­son­de­rer Mei­len­stein, da es das erste Release war, an dem die Community gemeinsam an der Kern-Software ge­ar­bei­tet hatte. Version 3.0 (ver­öf­fent­licht 2016) ist das neueste große Release. Dank der aktiven Community gibt es auch Lo­ka­li­sie­rungs-Packs für einige Sprachen – darunter unter anderem Deutsch, Fran­zö­sisch, Spanisch und Ita­lie­nisch.

Das Pro­cess­Wire-CMS: Die wich­tigs­ten Be­stand­tei­le

Das Pro­cess­Wire-Back-End ist gut struk­tu­riert, das User-Interface überaus nut­zer­freund­lich. Sie bauen die Webpages mit Pro­cess­Wire aus einzelnen Elementen auf, den so­ge­nann­ten Feldern. Dabei bestimmen Sie, welche Funktion ein Feld hat und plat­zie­ren es innerhalb der Seite. Zur Fest­le­gung der Sei­ten­struk­tur erstellen Sie mit Pro­cess­Wire ein Template. In diesem plat­zie­ren Sie die Felder ganz nach Wunsch. Ordnen Sie Seiten einem Template zu, stellt Ihre Website diese Seiten alle gemäß der von Ihnen vor­ge­ge­be­nen Struktur dar.

Templates und Sei­ten­ver­hält­nis­se

Im Bei­spiel­bild unten sehen Sie das Back-End der Demo-In­stal­la­ti­on von Pro­cess­Wire Pro­cess­Wire Demo Site, die online zum Test zur Verfügung steht. Unter „Setup“ finden Sie den Template-Editor. Das Template „Architect“ legt die Sei­ten­ei­gen­schaf­ten (Layout, Textboxen, Ein­ga­be­fel­der etc.) für 216 Webseiten innerhalb der Domain fest.

Wenn Sie das Template anklicken, öffnet sich der Editor, mit dem Sie das gewählte Template be­ar­bei­ten. Dort finden Sie den un­ter­ge­ord­ne­ten Reiter „Basics“. Damit be­ar­bei­ten Sie Felder oder fügen Sie hinzu. Zudem verwalten Sie dort die Zu­gangs­rech­te, die Hier­ar­chie­ver­hält­nis­se der Seiten, URLs, den Cache sowie Ein­stel­lun­gen zu bei­spiels­wei­se Tags und Icons. Außerdem im­por­tie­ren Sie dort Felder aus anderen Themes oder löschen über­flüs­si­ge Templates.

Im Reiter „Family“ be­stimm­ten Sie die internen Webpage-Be­zie­hun­gen. Wenn Sie mit Pro­cess­Wire eine Website oder Ap­pli­ka­ti­on bauen, erhält jeder Be­stand­teil eine Seite (Page). Die einzelnen Seiten haben „Kinder“ bzw. Un­ter­sei­ten. Die Seiten-Be­zie­hun­gen stellt Pro­cess­Wire in einem Sei­ten­baum dar, ähnlich wie das DOM (Document Object Model). Ryan Cramer, Urheber von Pro­cess­Wire, ori­en­tier­te sich dabei an dem sehr über­sicht­li­chen jQuery. Es gibt für die Ent­wick­ler dabei keine Be­gren­zung, wie tief oder verzweigt sie die Struktur aufbauen können.

Da jeder Teil Ihrer Website eine Webpage zu­ge­ord­net bekommt, arbeitet das CMS mit ver­steck­ten Seiten (Hidden Pages). Diese sind entweder immer versteckt und werden bei­spiels­wei­se als In­halts­spei­cher für andere Seiten genutzt oder sie regeln die Na­vi­ga­ti­on. Eine weitere Mög­lich­keit: Die Seite erscheint, wenn User auf gewisse Weise mit der Website in­ter­agie­ren. Zum Beispiel wird die 404-Feh­ler­mel­dung geladen, wenn sie eine ungültige URL eingeben.

Eine stabile API

Die stabile Pro­gram­mier­schnitt­stel­le (abgekürzt API für Ap­pli­ca­ti­on Pro­gramming Interface) ist der ganze Stolz des CMF. Aufgrund des modularen Aufbaus von Pro­cess­Wire benötigt das System interne Schnitt­stel­len, über die Nutzer Daten finden, ändern oder neu erstellen können. Mithilfe von Schnitt­stel­len-Variablen und -Se­lek­to­ren be­ar­bei­ten Sie diese Daten. Im Script können Sie die nötigen Befehle verketten und so in einer Zeile un­ter­brin­gen. Neben in­te­grier­ten Modulen er­mög­licht das API auch den flüssigen Da­ten­aus­tausch mit Dritt­an­bie­ter-Plug-ins. 

Felder

Die bereits erwähnten Seiten bestehen aus Feldern (Fields). Auch diese haben eine Be­son­der­heit. Anders als bei­spiels­wei­se bei WordPress gibt es kein einzelnes großes Ein­ga­be­feld für die Eingabe sämt­li­cher Inhalte auf einer Seite. Sie können alle Felder auf Ihren Wunsch­in­halt anpassen. Auf der Seite kom­bi­nie­ren Sie dann mehrere Felder – seien es nun einfache Text­fel­der oder Videos. Diese Felder ordnen Sie den Pro­cess­Wire-Templates zu. Ob simple HTML-Datei oder komplexe PHP-Anwendung, die Template-Files bringen Sie in wenigen Schritten via Drag-and-drop im CMS unter. Meist verwenden Ent­wick­ler Templates mit PHP-Tags, um dy­na­mi­sche Inhalte dar­zu­stel­len. 
Wie Templates bei Pro­cess­Wire funk­tio­nie­ren, lässt sich fol­gen­der­ma­ßen erklären: Laden User eine Seite, ruft das CMS das Template auf, das der Seite zu­ge­wie­sen ist. Es ordnet dem Template API-Variablen zu und führt es dann als PHP-Skript aus.

Module

Das Kern­pro­gramm umfasst bereits einige stabile Plug-ins. Es gibt Module für: 

  • Admin-Themes 
  • Spam-Blocker von Akismet für die Kom­men­tar­spal­te
  • Fieldtype-Plug-ins (Checkbox, Bilder, Aus­wahl­op­tio­nen, Sei­ten­ti­tel etc.)
  • Ordner-Ein­stel­lun­gen
  • Bilder
  • Input-Felder (Buttons, E-Mail, Name, Selector, Textarea etc.)
  • jQuery
  • Sprachen
  • Hooks
  • Mark-ups
  • Seiten
  • Prozesse (Seiten editieren, Be­rech­ti­gun­gen, Felder editieren etc.)
  • Sessions
  • das System
  • Text­for­ma­tie­rung

Sie können die Methodik mithilfe von Hooks anpassen. Statt den Quellcode zu verändern, schalten Sie an einer be­stimm­ten Stelle im Code eine Ver­bin­dung zu einem Plug-in oder Theme dazu. Zu­sätz­li­che Module finden Sie im Plug-in-Ver­zeich­nis. Dort laden Community-Mit­glie­der neue Open-Source-Module hoch. Sie können solche Mo­dul­pa­ke­te pro­blem­los nutzen: Dazu gehören unter anderem Form Builder – ein Tool, das Ihnen das Bauen von For­mu­la­ren er­leich­tert – und ProFields, das eine größere Zahl Daten in weniger Feldern ver­ar­bei­ten kann.

Zu erwähnen sei noch der Cache. Sowohl in der Inklusiv- als auch in der kos­ten­pflich­ti­gen Profi-Version (die Einnahmen Preis durch ProCache fließen voll­stän­dig in die Ent­wick­lung ein) ist der Cache ein prak­ti­sches Tool, das den Sei­ten­auf­bau be­schleu­nigt.

Pro­cess­Wire: An­for­de­run­gen

Min­dest­an­for­de­run­gen:

  • Ein Web-Server auf Unix- oder Windows-Basis
  • Apache (unter Umständen ein Äqui­va­lent wie NGINX oder IIS, wenn ein Ersatz für .htaccess, z.B. web.config für IIS, bereit steht)
  • mod-rewrite muss in Apache aktiviert sein
  • Apache muss .htaccess un­ter­stüt­zen
  • PHP ab Version 5.3.8 mit PDO-Datenbank-Un­ter­stüt­zung
  • GD-2-Bi­blio­thek Bundle für PHP 

Best Case:

  • die neueste stabile PHP Version
  • kurze Tags für PHP sind aktiviert
  • Multi-Byte-String-Un­ter­stüt­zung kom­pi­liert mit PHP (--enable-mbstring)

Der Vergleich: Pro­cess­Wire vs. WordPress

Beide Tools er­schie­nen erstmals 2003 auf der Bild­flä­che. WordPress ist der CMS-Riese, der mit einem Markt­an­teil von 60 % (im Januar 2018) das weltweite Ranking unter den Content-Ma­nage­ment-Systemen anführt. Die Nut­zer­zah­len für Pro­cess­Wire bewegen sich hingegen nur im vier­stel­li­gen Bereich, was einen Markt­an­teil von weniger als 0,1 % bedeutet. Ein großer Un­ter­schied zwischen den beiden Tools ist, dass WordPress sehr einfach ein­zu­rich­ten und zu bedienen ist und keinerlei HTML- oder PHP-Kennt­nis­se erfordert. 

Es ist ein bisschen wie bei Musik. Für einen ge­ne­ri­schen Pop-Song braucht man nicht viel Talent oder Zeit. Das Ar­ran­ge­ment entsteht nach Schema F und Auto-Tune bügelt Fehler aus. Die Musik spielt zudem oft im Radio, da sie ein geringes Ein­stiegs­le­vel hat. Kom­ple­xe­re Musik bietet meist mehr Vielfalt, al­ler­dings benötigt man zum Kom­po­nie­ren auch größere Fä­hig­kei­ten.

Nut­zer­freund­lich­keit

Pro­cess­Wire verfügt über einige Funk­tio­nen, die Web­de­si­gnern und Ent­wick­lern das Leben einfacher machen – wie bei­spiels­wei­se der Drag-and-drop-Datei-Upload. Auch die In­stal­la­ti­on kostet ver­hält­nis­mä­ßig wenig Zeit. Aber die Freiheit, jede Website nach den eigenen Vor­stel­lun­gen entwerfen zu können, erfordert auch Vor­kennt­nis­se im Bereich der Pro­gram­mier­spra­chen. Die Ziel­grup­pe von Pro­cess­Wire ist somit eine andere als die für WordPress. Der Markt­füh­rer wirbt mit einer In­stal­la­ti­on und Ein­rich­tung in weniger als 5 Minuten. Die be­stehen­den Themes und Templates geben einen Rahmen vor. So können selbst Laien nach kurzer Zeit einen an­sehn­li­chen Blog auf die Beine stellen. 

Die Pro­cess­Wire-Templates teilt der Website-Ent­wick­ler den je­wei­li­gen Seiten zu. Man muss sich den Rahmen der Website praktisch selbst mit Commands zu­sam­men­schwei­ßen. Pro­cess­Wire richtet sich daher an pro­fes­sio­nel­le Web­de­si­gner oder Freizeit-Pro­gram­mie­rer. Der End­be­nut­zer der fertigen Website braucht selbst jedoch keine großen Vor­kennt­nis­se: Steht das Gerüst, sind Updates und das Zufügen neuer Pages auch für IT-Laien kein Problem. Besonders praktisch ist die Out-of-the-box-Funktion, mit der sich mehrere lo­ka­li­sier­te Domains für einen Web­auf­tritt erstellen lassen. Dank der Sprach­pa­ke­te können Sie auch im Back-End in der je­wei­li­gen Ziel­spra­che arbeiten. Bei WordPress verläuft die Sprach­in­te­gra­ti­on meist nicht so glatt.

SEO-Freund­lich­keit

Wer eine Website erstellt, möchte natürlich auch, dass diese im Netz gefunden wird. Sowohl Pro­cess­Wire als auch WordPress un­ter­stüt­zen Sie dies­be­züg­lich bei der Sei­ten­op­ti­mie­rung. Die Kern-Software optimiert zum Beispiel URLs für Such­ma­schi­nen-Crawler und Leser. Die Pro­cess­Wire-Baum­struk­tur eignet sich sehr gut dafür, über­sicht­li­che Hier­ar­chien zu erstellen. Dabei kann al­ler­dings die Pa­gi­na­ti­on ein Problem sein. In­halts­lo­se Seiten, die nur auf weitere Seiten verweisen, bieten Crawlern nichts an und schicken sie schlimms­ten­falls in einen Loop. Die Pro­cess­Wire-Ent­wick­ler raten daher, 404-Feh­ler­sei­ten für even­tu­el­le La­de­feh­ler vor­zu­be­rei­ten. Der Cache (als Grund­ver­si­on für kleine Projekte aus­rei­chend) erhöht die La­de­ge­schwin­dig­keit. Bei WordPress müssen Sie zu diesem Zweck eine Er­wei­te­rung zufügen. 

Im Plug-in-Bereich von WordPress finden Sie viele Op­ti­mie­rungs-Tools. Yoast SEO zum Beispiel bietet die wich­tigs­ten SEO-Funk­tio­nen in einem Paket. Dazu gehören Funk­tio­nen zur In­te­gra­ti­on sozialer Medien, Meta-Daten-Op­ti­mie­rung und eine Website-Analyse. Mit dem Plug-in Google XML Sitemaps erstellen sie eine Sitemap. Auch Pro­cess­Wire stellt dafür ein Modul zur Verfügung. Als Komplett-Lösung eignet sich die Er­wei­te­rung MarkupSEO. Dies Tool erstellt einen SEO-Reiter im Bereich „Pages“. Dort tragen Sie Title, Preview-Bilder und andere Meta-Daten ein. Im oberen Bereich sehen Sie parallel zur Be­ar­bei­tung ein Google-Preview. ProFields: AutoLinks verlinkt au­to­ma­tisch aus­ge­wähl­te Keywords mit vor­ge­ge­be­nen URLs. Mit dem Modul Pro­cess­Wire Ac­ces­si­bi­li­ty Tools erhöhen Sie die Bar­rie­re­frei­heit Ihrer Website.

Tipp

Sie wollen noch mehr über WordPress wissen? In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, was WordPress außer Blogs noch alles kann.

Grund­le­gen­de Struktur und Plug-ins

Wie bereits erwähnt, arbeiten Sie bei Pro­cess­Wire über eine fast endlos er­wei­ter­ba­re Baum­struk­tur. Für die Website-Ent­wick­lung verfügen Sie über eine solide und schlanke Software. Über die Pro­gram­mier­schnitt­stel­le binden Sie Module ein, die für das Projekt sinnvoll er­schei­nen. Einige enthält die Kern-Software bereits bei der In­stal­la­ti­on. Auch Community-An­wen­dun­gen basieren auf der Open-Source-Software und Lead-Ent­wick­ler prüfen sie, bevor sie Nutzern zu Verfügung gestellt werden. Das Programm gilt als Content-Ma­nage­ment-Framework, da Sie innerhalb der Software Ihr per­sön­li­ches Content-Ma­nage­ment-System nach Belieben zu­sam­men­stel­len.

WordPress basiert auf der Software b2. Es entstand ur­sprüng­lich als Weblog-Software. Sie können damit aber auch hier­ar­chi­sche Seiten betreuen und es somit als CMS nutzen. Das API wurde häufig kri­ti­siert: Im Gegensatz zu Pro­cess­Wire, wo Kern-Software und Module in­ein­an­der­grei­fen, fügt die große WordPress-Community ständig (mitunter unsichere und oft über­la­de­ne) Plug-ins hinzu. Aufgrund über­lap­pen­der Zu­stän­dig­kei­ten können un­ter­schied­li­che Plug-ins so in Kon­kur­renz zu­ein­an­der stehen. Außerdem lassen sich aufgrund ihrer großen Zahl kaum alle An­wen­dun­gen auf ihre Kom­pa­ti­bi­li­tät prüfen. Das führt dann bei den häufig au­to­ma­ti­sier­ten Updates mitunter dazu, dass eine neue Plug-in-Version unbemerkt andere Funk­tio­nen Ihrer Website ein­schränkt.

Ein weiteres Merkmal der CMF-Software Pro­cess­Wire: Alle sicht­ba­ren und un­sicht­ba­ren Be­stand­tei­le der Websites sind Pages. Darauf ordnen Sie mehrere auf die Ein­ga­be­me­tho­de zu­ge­schnit­te­ne Da­ten­fel­der an. Im Blog-CMS WordPress arbeiten Sie in einem großen Ein­ga­be­feld und verfügen über nur wenige Da­ten­fel­der zur Ka­te­go­ri­sie­rung.

Si­cher­heit

WordPress ist in­ter­na­tio­nal bekannt und beliebt. Das ruft natürlich Hacker auf den Plan. CVE-Details listete bis März 2018 insgesamt 273 Si­cher­heits­lü­cken bei WordPress-An­wen­dun­gen. Zahl­rei­che davon waren kritisch. Zudem hatte sich bereits 2017 die Zahl der ge­mel­de­ten Schwach­stel­len im Vergleich zum Vor­gän­ger­jahr mehr als ver­dop­pelt. Die Methode des Cross-Site-Scripting (XSS) führte die Liste der häu­figs­ten Cyber-Attacken an. WordPress arbeitet zwar unentwegt an Si­cher­heits-Updates, al­ler­dings nutzen viele Seiten ein Fülle an Plug-ins, die ebenso Updates benötigen. Zahl­rei­che Webseiten-Betreiber vergessen jedoch, dass auch die Plug-ins re­gel­mä­ßig Updates erhalten müssen. Auch über­la­de­ne Themes weisen häufig schwere Si­cher­heits­lü­cken auf.

Der David zum WordPress-Goliath besteht trotz der Open-Source-Ko­ope­ra­ti­on darauf, Community-Module vor der Be­reit­stel­lung zu prüfen. Die Plug-in-Bi­blio­thek ist somit kleiner, aber auch über­schau­ba­rer, und die Plug-ins sind ver­gleichs­wei­se sicher. Und auch Pro­cess­Wire arbeitet ständig an Si­cher­heits-Updates.

Pro­cess­Wire WordPress
Be­triebs­sys­tem platt­form­un­ab­hän­gig platt­form­un­ab­hän­gig
Kategorie CMF, CMS Weblog-Software, CMS
Lizenz Mozilla Public License 2.0 GNU GPLv2+
un­ter­stütz­te Webserver Windows- oder Unix-basierter Webserver mit Apache, PHP- und MySQL-Support Webserver mit MySQL- und PHP-Support
un­ter­stüt­ze Da­ten­ba­ken MySQL, MariaDB 5.0.15 oder höher MySqL, MariaDB
Template-Sprache PHP PHP
Brow­ser­ba­sier­tes Back-End ✓ ✓
ge­hos­te­tes Angebot nein ja
Tools für Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung ✓ ✓
Re­spon­si­ves Webdesign ✓ ✓
Si­cher­heit kleine Nut­zer­grup­pe ist relativ un­in­ter­es­sant für Hacker, nur geprüfte Plug-ins Große Ver­brei­tung zieht Hacker an, einige unsichere Plug-ins, re­gel­mä­ßi­ge System-Updates
Be­nut­zer­ver­wal­tung Man­dan­ten­fä­hig, Be­nut­zer­grup­pen, Be­schrän­kung von User-Rechten, Mehr­stu­fi­ge Frei­ga­be­kon­trol­le auch für einzelne Felder Man­dan­ten­fä­hig, Be­nut­zer­grup­pen, Be­schrän­kung von User-Rechten, Mehr­stu­fi­ge Frei­ga­be­kon­trol­le
Bedienung PHP-Skripte in Datenbaum, WYSIWYG-Editor, Vorschau, Labels, Suche, Back-End mit Admin-Themes WYSIWYG-Editor, Blog-System, Vorschau, Suche, Tags
Mul­ti­me­dia-Elemente Frei in Datenfeld ein­zu­ord­nen Mit Er­wei­te­rung
Mehr­spra­chig­keit Einfache Ver­wal­tung out-of-the-box, lo­ka­li­sier­te URLs Mit Er­wei­te­rung/Über­set­zun­gen für Front-End und Back-End in­te­griert
Do­ku­men­ta­ti­on ✓ ✓
Tutorials und Community ✓✓ ✓✓
Geeignet für komplexe Websites mit spe­zi­el­len Design-An­for­de­run­gen, mehr­spra­chi­ge Websites, Online-Kataloge, kleine Websites, die wenigen Design-Ver­än­de­run­gen un­ter­lie­gen,Ent­wick­lung: Profis und Fort­ge­schrit­te­ne,Nutzung: mit etwas Ein­ar­bei­tung für Anfänger geeignet Blogs, in­halt­lich begrenzte Seiten, die aber schnell, viele Design-Ver­än­de­run­gen durch­lau­fen, kleine Un­ter­neh­men oder Pri­vat­per­so­nen mit in­for­ma­ti­ven oder re­prä­sen­ta­ti­ven Websites, Fälle, in denen Pro­gram­mie­ren zu teuer ist, Anfänger und Fort­ge­schrit­te­ne

Tutorial: Erste Schritte mit Pro­cess­Wire

Kurze Anleitung zur In­stal­la­ti­on

Es gibt ver­schie­de­ne Download-Methoden, aber die meisten User laden das Programm über GitHub herunter. Haben Sie die Zip-Datei auf diese Weise her­un­ter­ge­la­den, müssen Sie die Zip-Datei entpacken. An­schlie­ßend laden Sie das Da­tei­pa­ket auf einen Server hoch und fahren mit der Web-In­stal­la­ti­on fort. Das Programm macht einen Kom­pa­ti­bi­li­täts-Check und weist Sie darauf hin, wenn die Grund­vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt sind. Falls es noch nicht geschehen ist, ak­ti­vie­ren Sie PHP in der .htaccess-Datei. Dann geben Sie im Admin-Bereich die er­for­der­li­chen In­for­ma­tio­nen zu Ihrer Datenbank an. Diese finden Sie bei Ihrem Hoster. An­schlie­ßend braucht das CMF noch eine E-Mail-Adresse. So bekommen Sie Ihre Zu­gangs­da­ten und können dann direkt anfangen.

Die ersten Schritte im Back-End

Nach dem ersten Log-in starten Sie mit einem leeren Template, das Sie nach Ihren Vor­stel­lun­gen frei gestalten. Sie finden es auf der Pro­cess­Wire-Webpage bei Modules > Site Profiles > Pro­cess­Wire Blank Profile. Oder Sie in­stal­lie­ren al­ter­na­tiv eines der Beispiel-Templates. So bekommen Sie einen ersten Eindruck, wie Sie Ihre Seite im Back-End aufbauen und verwalten. Sie haben natürlich auch die Mög­lich­keit, Templates für den Admin-Bereich zu bauen oder als Modul zu laden. So können Sie bei­spiels­wei­se ein CMS erstellen, das auf die Be­dürf­nis­se der späteren Webseiten-Verwalter zu­ge­schnit­ten ist.

Felder nach Maß

Die folgenden Er­klä­run­gen verwenden Screen­shots der Pro­cess­Wire-Demo-Version. Auf dem oben­ste­hen­den Bild oben sehen Sie die Back-End-Homepage mit dem Sei­ten­baum. Haben Sie die Seite ein­ge­rich­tet, bewegen sich die CMS-Nutzer nur noch in diesem Bereich. Hier fügen Sie Seiten hinzu und füllen Sie mit Content. Aber darauf kommen wir später zurück. Zuerst gehen Sie auf den Nach­bar­rei­ter „Setup“ und wählen den Un­ter­punkt „Fields“. Sie wählen „new Field“, um ein neues Feld anzulegen, so wie im folgenden Bild.

Sie bestimmen alle Feld­ei­gen­schaf­ten, wie Name, Typ und Label. Ob Checkbox, Datum, Text oder Bild, legen Sie fest. Speichern Sie das neue Feld und legen Sie auf diese Weise neue Felder an, bis Sie alle ge­wünsch­ten Felder für Ihre Website angelegt haben. Natürlich können Sie später noch weitere Felder hin­zu­fü­gen. Im unteren Bild sehen Sie die Ein­stel­lun­gen für das neue Feld. Der Name ist „TestTest“. Unter Typ ist fest­ge­legt, dass es ein Feld zur Text­ein­ga­be sein soll. Darunter geben wir das ge­wünsch­te Label ein. An­der­falls erhält es den ein­ge­ge­be­nen Namen als Label.

Templates bestimmen den Aufbau

Gehen Sie an­schlie­ßend über die Ein­stel­lun­gen (Setup) in den Menüpunkt „Templates“. Die Templates sorgen für einen ein­heit­li­chen Look von Seiten mit gleichen Aufgaben. Wählen Sie „Add New Template“ aus. Die Spe­zi­fi­ka­tio­nen des Templates laden Sie aus einer PHP-Datei von Ihrem Server oder schreiben Sie selbst auf. Besteht bereits ein Template – wie das Basic-Template aus den Downloads – du­pli­zie­ren Sie diese Vorlage für ein neues Theme. Wählen Sie dafür ein Template aus dem Drop-down-Menü unter „Duplicate fields used by another template“. Ihr neues Template enthält alle Felder des Original-Templates. Be­stehen­de Felder bleiben erhalten.

Hinweis

Achten Sie auf eine klare Na­mens­ge­bung. So er­leich­tern Sie End­nut­zern später die Bedienung der Website.

Sie haben nun ein Template angelegt. Nach­fol­gend müssen Sie es näher de­fi­nie­ren. Die Pro­cess­Wire-Demo-Version zeigt am Beispiel einer Website über Hoch­häu­ser einige An­wen­dungs­mög­lich­kei­ten der Pro­cess­Wire-Themes. Das Template „City“, im unteren Bild zu sehen, wenden insgesamt 70 Un­ter­sei­ten auf der Website an. Der erste Reiter, „Basics“, erlaubt Ihnen, die von Ihnen er­stell­ten Felder in das Template ein­zu­fü­gen. Das Template City hat drei Felder: Title (Typ: PageTitle), Ab­bre­via­ti­on (Typ: Text) und Map (Typ: MapMaker). Alle Seiten unter diesem Template verfügen also über einen Title im Header, eine optionale Titel-Abkürzung und eine Karte.

Die Felder ordnen Sie per Drag-and-drop an. Neue Felder fügen Sie über das Drop-down-Menü „Add Field“ hinzu oder Sie erstellen direkt im Template ein neues Feld (create a new field). Ein Label definiert das Theme zu­sätz­lich. Unter „Usage“ sehen Sie alle Seiten, die das Template nutzen.

Im Reiter „Access“ bestimmen Sie, wer welchen Zugriff auf Seiten in diesem Template hat. Dafür gibt es eine Vielzahl an An­wen­dungs­mög­lich­kei­ten. So lassen sich bei­spiels­wei­se Foren-Seiten erstellen, die nur für ein­ge­logg­te Nutzer sichtbar sind. Viel­leicht wollen Sie auch eine Seite bauen, die alle Besucher einsehen, aber deren Inhalt nur Mo­de­ra­to­ren be­ar­bei­ten können. Unter „Family“ legen Sie fest, ob das Template Un­ter­sei­ten erlaubt. Zudem legen Sie fest, welche Templates für die Kinder- und Eltern-Seiten gelten sollen. Pa­gi­na­ti­on und Website-Op­ti­mie­rung durch klare Weg­struk­tu­ren bereiten Sie über die URL-Ein­stel­lun­gen vor.

Der Cache ver­bes­sert die La­de­zei­ten aufwändig ge­stal­te­ter Webseiten. Unter der Rubrik „Adavanced“ finden Sie Tags, Toggles und Icons. Da Pro­cess­Wire versucht, Tools dort zu plat­zie­ren, wo Sie sie brauchen, können Sie auch im Templates-Editor unter „Import“ Felder aus anderen Themes kopieren. Über „Delete“ löschen Sie ein Template.

Alles ist eine Seite

Pro­cess­Wires Credo: Alles ist eine Seite. So haben Sie über jedes Element in Ihrer Ar­chi­tek­tur Überblick. Sie haben bereits Felder definiert und Templates erstellt. Sie haben also die nötigen Grund­la­gen ge­schaf­fen, um eine Seite zu erstellen. Dafür gehen Sie zurück zur Start­sei­te „Pages“ und klicken „Add New“ an. Im Drop-down-Menü sehen Sie alle bereits er­stell­ten Templates. Wählen Sie das ge­wünsch­te Theme, zum Beispiel „Sky­scra­pers“, wie im Bild unten zu sehen.

Die neue Seite wird gemäß des Templates, das unter „Sky­scra­pers“ fest­ge­legt ist, aufgebaut sein. In der Demo-Version stehen die Seiten-Fa­mi­li­en­ver­hält­nis­se bereits fest. Für das Template „Sky­scra­pers“ wählen Sie eine Parent-Seite aus den vor­ge­ge­be­nen Cities aus. Dann geben Sie der Seite den Title für die Über­schrift und einen Namen für die URL.

Hinweis

Als Ent­wick­ler können Sie auch Reiter um­be­nen­nen. So finden Re­dak­teu­re später den Content-Bereich für Hochhaus-Seiten unter dem Titel Sky­scra­pers. Gehen Sie bei­spiels­wei­se im Admin-Bereich auf die Seite "Al­bu­quer­que", sehen Sie dort ver­schie­de­ne Reiter, die man als Admin in­di­vi­du­ell anpassen kann. Im ersten Reiter be­ar­bei­tet man den Sei­ten­in­halt. Daneben finden Sie einen Reiter, über den man bestimmt, welche Kinder die Seite hat. Als Admin kann man diesen Reiter um­be­nen­nen, zum Beispiel unter dem Namen "Sky­scra­pers". Denn Sky­scra­pers ist das Template für alle Kin­der­sei­ten, die einer Seite mit City-Template un­ter­ge­ord­net sind.

Speichern Sie zunächst die Seite mit „Save“. Steuern Sie über Pages > Cities > Al­bu­quer­que die Bei­spiel­sei­te (Al­bu­quer­que Petroleum Building) an und klicken Sie auf „Edit“. Im Reiter Settings legen Sie die Sei­ten­ei­gen­schaf­ten fest. Name und Template sind schon angelegt. Die Parent-Seite im Beispiel ist Al­bu­quer­que. Sie ent­schei­den hier noch über den Status (Hidden, Locked oder Un­pu­blished), Zu­griffs­rech­te und den Cache. Passen Sie im Content-Bereich (hier: Sky­scra­per Info) Ihre in­di­vi­du­el­len Felder an. Das Template Sky­scra­per gibt 12 Felder vor:

  • Title (Page Title)
  • Height (Float)
  • Floors (Integer)
  • Year (Integer)
  • Ar­chi­tects (Page)
  • Body (Text Area)
  • Map (Map Marker)
  • Images (Images)
  • Fieldset_Meta (FieldsetO­pen)
  • Free­ba­se­Guid (Text)
  • Wi­ki­pe­di­aID (Integer)
  • Fieldset­Me­ta-END

Text- und Zah­len­fel­der füllen Sie mit Inhalten. In die Landkarte tragen Sie die Mar­kie­rungs­ko­or­di­na­ten ein. Bilder laden Sie mittels Drag-and-drop in das ent­spre­chen­de Feld hoch. Über das Image-Tool können Sie Größe und Format ändern. Haben Sie alle Felder aus­ge­füllt, wählen Sie eine der Vorschau-Ansichten im Reiter „View“. Sieht alles gut aus? Dann speichern Sie die Seite unter „Save“. Mit diesen ersten Schritten bauen Sie eine einfache, in­di­vi­du­ell ge­stal­te­te Website. Für mehr Ge­stal­tungs­spiel­raum, bessere User Ex­pe­ri­ence und einen op­ti­mier­ten Admin-Bereich durch­fors­ten Sie die Open-Source-Module.

Fazit

Pro­cess­Wire ist ein wand­lungs­fä­hi­ges CMF, das sich sowohl für kleine Websites als auch große Projekte mit mehreren Domains und Ziel­spra­chen eignet. Wer damit eine Website baut, sollte in HTML und PHP versiert sein. Webseiten-Betreiber und Content-Re­dak­teu­re arbeiten damit nach kurzer Ein­ar­bei­tung nor­ma­ler­wei­se pro­blem­los. Durch Admin-Module steigern Sie die Nut­zer­freund­lich­keit. Pro­cess­Wire punktet mit einem leichten Software-Paket, stabilem API, zahl­rei­chen Mög­lich­kei­ten zur In­di­vi­dua­li­sie­rung und einer hilf­rei­chen Community.

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