Wie viele In­ter­net­sei­ten besuchen Sie täglich? E-Mail, On­line­shops, Facebook, Nach­rich­ten-Seiten und so weiter – da kommt schon einiges zusammen. Ein un­ein­ge­schränk­ter Zugang zum Internet gehört für uns heute zum Standard. Ob für die In­for­ma­ti­ons­su­che, Un­ter­hal­tung oder Shopping, uns stehen in der west­li­chen Welt online nahezu alle Türen offen.

Im kom­mu­nis­tisch geprägten Nordkorea sind die In­ter­net­in­hal­te hingegen streng zensiert. Das Regime unter Diktator Kim Jong-un erteilt nur wenigen aus­ge­wähl­ten Bürger überhaupt die Erlaubnis, das Internet zu nutzen. Über die Domain-Welt und damit die Auswahl der In­ter­net­sei­ten, auf die man im ab­ge­schot­te­ten Land zugreifen kann, war bisher nur wenig bekannt. Denn Sachen IT-Struktur hält sich der Staat immer bedeckt, sodass keine In­for­ma­tio­nen nach außen drangen – bis jetzt. Ein Leak hat nun enthüllt, wie klein die nord­ko­rea­ni­sche Domain-Welt tat­säch­lich ist. 

World Wide Web – nicht ganz

Weltweit besteht "das Internet" mitt­ler­wei­le aus mehr als 314 Millionen Domains. Insgesamt gibt es über 200 ver­schie­de­ne Country-Code-Top-Level-Domains (ccTLDs), die auf ein be­stimm­tes Land oder eine spezielle Region verweisen. Nach der .tk-Domain der Insel Tokelau und der Länder-Domain von China landet Deutsch­land mit der Endung .de und rund 16 Millionen re­gis­trier­ten Domains auf Platz 3.

16 Millionen Domains auf rund 80 Millionen Einwohner – ein or­dent­li­cher Schnitt. Ganz anders sieht es da in Nordkorea aus. Der Staat in Ostasien zählt momentan knapp 25 Millionen Einwohner – die auf läppische 28 Domains zugreifen können. Durch eine Fehl­funk­ti­on, genauer gesagt einen falsch kon­fi­gu­rier­ten Server, wurde die Liste der nord­ko­rea­ni­schen Domains unter der Top-Level-Domain .kp of­fen­ge­legt und dem bri­ti­schen "Guardian" zu­ge­spielt. Das in Nordkorea frei zu­gäng­li­che Internet besteht demnach aus 28 re­gis­trier­ten Domains – das ist zumindest die Liste der für die Nutzer sicht­ba­ren Seiten. Alle anderen Domains stehen auf einer so­ge­nann­ten "Roten Liste". Über das staats­ei­ge­ne Intranet weiß man nach wie vor nichts. Letzteres ist von außerhalb nicht er­reich­bar und bleibt deshalb auch weiterhin der Welt­öf­fent­lich­keit verborgen.

Von maritimen An­ge­le­gen­hei­ten zu Koch­re­zep­ten

Ein Blick auf die Auswahl der Websites zeigt zunächst viele of­fi­zi­el­le Regime-Seiten, z. B. die des Komitees für kul­tu­rel­le Be­zie­hun­gen oder die der Behörde für maritime An­ge­le­gen­hei­ten. Hinzu kommt ein über­ra­schend all­täg­li­ches und normales Potpourri an Themen: Man findet ein Webportal für ko­rea­ni­sche Gerichte mit Rezepten, den Auftritt eines ko­rea­ni­schen Film­fes­ti­vals und eine Sport-Website. Neben ver­schie­de­nen News-Portalen und einer News- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­form hat die staat­li­che Airline ihre eigene Website mit der Mög­lich­keit zur On­line­bu­chung. Die komplette Liste der Domains findet man auf dem In­ter­net­por­tal Reddit. Seit die Liste publik geworden ist, sind einige Websites nicht mehr er­reich­bar. Der plötz­li­che Be­su­cher­an­sturm könnte der Grund sein, aber mög­li­cher­wei­se sind sie auch schon länger nicht mehr online. Zu dem stark be­schränk­ten Angebot an Domains kommt die dau­er­haf­te und strenge Über­wa­chung von In­ter­net­nut­zern. Das Regime hat ein strenges Auge auf alle In­ter­net­nut­zer und kann diesen jederzeit den Zugang zum Web verwehren. Das wird wohl auch in naher Zukunft so bleiben, eine An­nä­he­rung an die in­ter­na­tio­na­len Staa­ten­ge­mein­schaf­ten in dieser Sache lehnt Nord­ko­re­as Regierung strikt ab. Kontrolle und Über­wa­chung bleiben weiterhin zentrale Faktoren im Umgang mit der (in­ter­net­nut­zen­den) Be­völ­ke­rung. Doch wie kam man an die In­for­ma­tio­nen, wo es Nordkorea sonst doch so gut schafft, Interna unter Ver­schluss zu halten? Schuld war ein Si­cher­heits­leck im ko­rea­ni­schen Netz, das ein west­li­cher IT-Spe­zia­list iden­ti­fi­zie­ren konnte. Es gelang ihm, die Liste mit den 28 Domain-Namen her­aus­zu­fil­tern. Seine Er­geb­nis­se ver­öf­fent­lich­te er auf dem Pro­gram­mie­rer-Portal GitHub

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