Viel zu oft herrschen am Ar­beits­platz nicht die idealen Be­din­gun­gen, um die best­mög­li­che Leistung zu erbringen. Es ist un­or­dent­lich, Ar­beits­mit­tel lassen sich erst nach einiger Zeit finden und eventuell werden sogar unnötig Res­sour­cen ver­schwen­det. Die Lösung hierfür sehen viele Betriebe in ver­ein­zel­ten Auf­räum­ak­tio­nen im Stile eines Früh­jahrs­put­zes. Das mag kurz­fris­tig helfen – nach und nach schleicht sich aber meist doch wieder der alte Trott ein.

Lang­fris­tig braucht es deshalb eine bessere Methode – ein Mindset, das in der Chefetage ebenso gepflegt wird wie unter den einfachen An­ge­stell­ten. Dem trägt die aus Japan stammende 5S-Methode Rechnung, die auch hier­zu­lan­de (ge­le­gent­lich auch als 5A-Methode be­zeich­net) immer beliebter wird. Die Ziffer 5 bezieht sich auf fünf einfache Schritte, mit denen sich die Ar­beits­um­ge­bung dauerhaft mit­ar­bei­ter­ge­recht gestalten lässt. Das Besondere an der 5S-Methode: Der einmal erlangte Standard wird immer wieder hin­ter­fragt und ver­bes­sert. Im Folgenden erfahren Sie mehr über die 5S und den Hin­ter­grund dieser Methode.

5S, Kaizen und die kon­ti­nu­ier­li­che Ver­bes­se­rung

Die 5S-Methode lässt sich dem aus Japan stam­men­den Prinzip „Kaizen“ un­ter­ord­nen, das für eine ja­pa­ni­sche Lebens- und Ar­beits­phi­lo­so­phie steht. Der Begriff setzt sich zusammen aus den Wort­tei­len „Kai“ (was für Ver­än­de­rung steht) und „Zen“ (was so viel wie „zum Besseren“ bedeutet). Es geht also um eine nach­hal­ti­ge Ver­än­de­rung zum Besseren. Im Deutschen spricht man auch von einem kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­bes­se­rungs­pro­zess (abgekürzt: KVP). Damit sind nicht nur konkrete Methoden und An­lei­tun­gen gemeint, sondern der Begriff bezieht sich vielmehr auf eine besondere Art der Wahr­neh­mung der Le­bens­be­din­gun­gen, des Ar­beits­plat­zes und der Ar­beits­pro­zes­se. Er bezieht sich darüber hinaus auch auf den Willen, sich und seine Umgebung stetig wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und die Qualität zu ver­bes­sern.

Eine solche Ver­bes­se­rung kann im Sinne von Kaizen schon im ganz Kleinen beginnen – zum Beispiel mit ein wenig mehr Ordnung am Schreib­tisch. Grund­sätz­lich geht es darum, jeden Tag nach neuen Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten zu suchen, mit neuen Ent­wick­lun­gen nie zufrieden zu sein und die Standards immer weiter zu erhöhen. Auf diese Weise werden lang­fris­tig nicht nur Ar­beits­schrit­te ef­fi­zi­en­ter aus­ge­führt, sondern auch Res­sour­cen gespart oder sinn­vol­ler als zuvor verwendet. Eine solche Denkweise lässt sich aber nur her­bei­füh­ren, wenn die Ge­schäfts­füh­rung sämtliche Mit­ar­bei­ter mit­ein­be­zieht und sie und die direkten Vor­ge­set­zen auch gewillt sind, Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge an­zu­neh­men und um­zu­set­zen.

Die 5S-Methode ist eines von mehreren Konzepten, mit denen sich der oben ge­schil­der­te Kaizen-Ansatz rea­li­sie­ren lässt.

Hinweis

Im west­li­chen Raum fällt häufig der Begriff Lean Ma­nage­ment, wenn es um die Op­ti­mie­rung von Ar­beits­pro­zes­sen und Pro­dukt­zy­klen geht. Das Lean Ma­nage­ment dient demselben Ziel wie das Kaizen-Konzept: der Schaffung einer ef­fi­zi­en­ten und pro­zess­ori­en­tier­ten Ar­beits­um­ge­bung. Es ori­en­tiert sich sehr stark an den Prin­zi­pi­en von Kaizen.

Wofür steht 5S bzw. 5A?

Die 5S-Methode wurde ur­sprüng­lich von den Pro­duk­ti­ons­lei­ter Taiichi Ōno für den Au­to­her­stel­ler Toyota ent­wi­ckelt. Toyota war aufgrund man­geln­der Res­sour­cen zur Mitte des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts an einem Schei­de­weg angelangt und konnte dank der 5S-Methode trotz schwie­ri­ger Be­din­gun­gen schließ­lich wieder große Erfolge feiern. Seitdem fand das Konzept 5S in der ganzen Welt Beachtung. Und auch, wenn viele Un­ter­neh­mer nicht bewusst mit den 5S arbeiten, so verfolgen sie dennoch das Ziel einer ef­fi­zi­en­ten Ar­beits­um­ge­bung und wenden dabei oft, ohne es zu wissen, den einen oder anderen Trick dieser Ma­nage­ment-Methode an. Doch wofür stehen die 5S bzw. 5A nun konkret?

Seiri oder Sortieren (Aus­sor­tie­ren)

Oftmals be­her­bergt der Ar­beits­platz viel zu viele Ge­gen­stän­de, die man ei­gent­lich nie oder äußerst selten benötigt. Das führt dazu, dass die Übersicht ver­lo­ren­geht und sich Unordnung ein­schleicht. Deshalb muss sortiert werden. Dazu muss man sich folgende Frage be­ant­wor­ten: Welche Ge­gen­stän­de oder Ar­beits­mit­tel werden gar nicht gebraucht und können dauerhaft entfernt werden? Welche Dinge werden nur selten benötigt und sollten an einem pas­sen­de­ren Platz gelagert werden? Das Sortieren hat zudem noch den Effekt, dass sich die ver­füg­ba­ren Res­sour­cen schneller erfassen lassen. Das senkt das Risiko, dass Ar­beits­mit­tel nach­be­stellt werden, die ei­gent­lich noch vorhanden sind.

Seiton oder Sys­te­ma­ti­sie­ren (Anordnen)

Das Sys­te­ma­ti­sie­ren folgt direkt aus dem Sortieren. Es stellt sich die Frage, nach welchem System die ver­schie­de­nen Ar­beits­mit­tel gelagert und wie sie geordnet werden sollen. Alles braucht seinen festen Platz. Was wird von wem häufig genutzt? Welche Ge­gen­stän­de müssen für alle zu­gäng­lich sein? Wie gestaltet man die Wege zu not­wen­di­gen Ma­te­ria­li­en möglichst kurz? Die so ent­ste­hen­de Ordnung sollte pro­to­kol­liert werden. Schilder oder andere Marker helfen dabei, die Anordnung für alle sichtbar und nach­voll­zieh­bar zu gestalten. Auch Fotos oder Schau­bil­der der ge­wünsch­ten Sor­tie­rung tragen dazu bei, dass eine Ab­wei­chung sofort auffällt und sich zeitnah beheben lässt.

Seiso oder Sau­ber­ma­chen (Ar­beits­platz sau­ber­ma­chen)

Die beste Ordnung bringt natürlich nichts, wenn der Ar­beits­platz nicht sauber ist. Deshalb heißt es: Putzen bzw. Säubern. Das betrifft auch alle Maschinen und sonstige Ge­rät­schaf­ten, die dabei gleich einer In­spek­ti­on bzw. Wartung un­ter­zo­gen werden können. Lässt sich eine über­mä­ßi­ge Ver­schmut­zung oder ein un­ge­wöhn­lich hoher Ver­schleiß fest­stel­len, sollten die Ver­ant­wort­li­chen die Gründe dafür ana­ly­sie­ren. Dieser Säu­be­rungs­pro­zess ist si­cher­lich nicht der be­lieb­tes­te Schritt der 5S-Methode, sorgt aber im End­ergeb­nis für ein besseres Ar­beits­kli­ma. Falls sich in den Räum­lich­kei­ten auch re­gel­mä­ßig Kunden aufhalten, führt die neue Sau­ber­keit aller Wahr­schein­lich­keit nach auch beim Kun­den­kon­takt zu besseren Re­sul­ta­ten.

Seiketsu oder Stan­dar­di­sie­ren (Ar­beits­platz stan­dar­di­sie­ren)

Mit dem Begriff „Stan­dar­di­sie­ren“ fasst man in der 5S-Methode zweierlei Dinge zusammen: Zum einen geht es darum, die erreichte Ordnung und Sau­ber­keit zum Standard zu erklären und sich diesem Standard auch zu ver­pflich­ten. Zum anderen geht es darum, wie man diesen Standard erreicht. So können Mar­kie­run­gen und Schilder dafür sorgen, dass die Sor­tie­rung der Werkzeuge und Ma­te­ria­li­en un­ver­än­dert bleibt. Es lässt sich außerdem planen, welche Maschinen wie oft geputzt und gewartet werden. Weiterhin lassen sich ver­ant­wort­li­che Personen für einzelne Aufgaben und Bereiche bestimmen. Zu­sätz­lich können Listen erstellt werden, an denen sich die Mit­ar­bei­ter ori­en­tie­ren können.

Shitsuke oder Selbst­dis­zi­plin (Alle Punkte einhalten und ver­bes­sern)

Schließ­lich geht es darum, das Erreichte lang­fris­tig zu halten und die dafür nötige Selbst­dis­zi­plin auf­zu­brin­gen. Kommt es zu Nach­läs­sig­kei­ten, gilt es, diese schnellst­mög­lich zu un­ter­bin­den. Dafür sind re­gel­mä­ßi­ge Kon­trol­len und die Ein­satz­be­reit­schaft jedes Mit­ar­bei­ters er­for­der­lich. Der gesamte Zyklus der 5S sollte re­gel­mä­ßig wie­der­holt werden, damit sich weitere Ver­bes­se­run­gen erzielen lassen. Shitsuke stellt den fünften Schritt dar, der – ganz im Sinne einer Kreis­an­ord­nung – wieder zum ersten führt. Nicht selten wird die Selbst­dis­zi­plin aber auch als grund­le­gen­des Ba­sis­prin­zip ver­stan­den, weshalb sie al­ter­na­tiv mittig im 5S-Kaizen-Zyklus platziert sein kann, während sich die vier anderen Schritte stets um sie her­um­be­we­gen.

Umsetzung und Vorteile der 5S- bzw. 5A-Methode

Die einzelnen Schritte wirken zunächst so, als ließen sie sich leicht rea­li­sie­ren, doch kann es in der konkreten Umsetzung durchaus zu Problemen kommen. Denn damit sich die Prin­zi­pi­en eines solchen 5S-Lean-Ma­nage­ments im­ple­men­tie­ren lassen, müssen alle An­ge­stell­ten mitziehen. Aber häufig gibt es dabei Wi­der­stän­de innerhalb der Be­leg­schaft. Schließ­lich sind diese Methoden zunächst mit einem ver­meint­li­chen Mehr­auf­wand verbunden und können zudem von einzelnen Mit­ar­bei­tern auch als un­ge­woll­ter Eingriff in ihre Ar­beits­um­ge­bung empfunden werden.

Es liegt in diesem Fall am je­wei­li­gen Vor­ge­setz­ten, aus­führ­lich über 5S und Kaizen zu in­for­mie­ren und die Vorteile konkret zu benennen. Diese lassen sich fol­gen­der­ma­ßen zu­sam­men­fas­sen:

  • Ordnung und Sau­ber­keit erhöhen das Wohl­be­fin­den.
  • Es werden Res­sour­cen ein­ge­spart, die sich an anderer Stelle sinn­vol­ler einsetzen lassen.
  • Ar­beits­ab­läu­fe lassen sich ef­fi­zi­en­ter und pro­duk­ti­ver ausführen.
  • Die Übergabe eines Ar­beits­plat­zes gestaltet sich un­kom­pli­zier­ter.
  • Das Risiko von Ar­beits­un­fäl­len sinkt.
  • Es wird freier Platz ge­schaf­fen, durch den wiederum neue Mög­lich­kei­ten entstehen.

Werden diese Vorteile dargelegt und erklärt, lassen sich in der Regel deutlich mehr Mit­ar­bei­ter von den Neue­run­gen über­zeu­gen. Die Ge­schäfts­füh­rung muss deutlich machen, dass nicht nur das Un­ter­neh­men als solches, sondern jeder Einzelne von der 5S-Methode pro­fi­tie­ren kann. Damit diese Botschaft ankommt, sollte die Schulung einen großen Stel­len­wert einnehmen. Bis die 5S-Methode wirklich ver­in­ner­licht ist, dauert es mitunter einige Zeit, dennoch werden die positiven Ver­än­de­run­gen mit ein wenig Disziplin und aus­rei­chend Wie­der­ho­lun­gen schon bald spürbar sein. In jedem Fall sollten Vor­ge­setz­te mit gutem Beispiel vor­an­ge­hen. Nur so ist ein dau­er­haf­ter Erfolg möglich.

Die wich­tigs­ten Eckdaten in aller Kürze

Die 5S-Methode setzt sich aus fünf Schritten zusammen:

  • Sortieren
  • Sys­te­ma­ti­sie­ren
  • Säubern
  • Stan­dar­di­sie­ren
  • Selbst­dis­zi­plin

Sind diese Prin­zi­pi­en ur­sprüng­lich für die Pro­duk­ti­ons­in­dus­trie ent­wi­ckelt worden, so lassen sie sich doch uni­ver­sell an jedem Ar­beits­platz umsetzen. Ziel ist es, eine or­dent­li­che und pro­duk­ti­ve Ar­beits­at­mo­sphä­re zu schaffen. Damit das gelingt, müssen die Vor­ge­setz­ten nicht nur ein gutes Vorbild sein, sondern ihre Mit­ar­bei­ter auch vor der Umsetzung von den Vorteilen über­zeu­gen.

Wie streng die Methode befolgt wird, sollte immer in Absprache mit der Be­leg­schaft ent­schie­den werden. Ein Al­lein­gang der Füh­rungs­ebe­ne ist kei­nes­falls sinnvoll. Es wird einige Zeit dauern, bis die einzelnen Schritte fest im Ar­beits­all­tag verankert sind, dennoch lohnt sich die Mühe. Aus gutem Grund werden die 5S seit ihrem Erfolg in Japan in vielen Un­ter­neh­men weltweit an­ge­wen­det.

Zum Hauptmenü