Jedes Projekt birgt ein gewisses Risiko – gerade wenn Sie mit externen Dienst­leis­tern zu­sam­men­ar­bei­ten. Mit einem aus­führ­li­chen Las­ten­heft senken Sie Ihr Pro­jekt­ri­si­ko um bis zu 60 Prozent. Damit das erreicht wird, braucht Ihr Las­ten­heft einen sinn­vol­len Aufbau. Gerade wenn Sie noch nie mit einem Las­ten­heft ge­ar­bei­tet haben, fällt es Ihnen viel­leicht schwer zu ent­schei­den, was hin­ein­ge­hört und was nicht. Wir haben die wich­tigs­ten Grund­la­gen für Sie zu­sam­men­ge­fasst. Anhand eines Beispiels erklären wir, warum es sinnvoll ist, ein Las­ten­heft anzulegen. Zudem können Sie sich ein Muster für Ihr eigenes Las­ten­heft her­un­ter­la­den.

Was ist ein Las­ten­heft?

Ein Las­ten­heft dient u. a. als Ori­en­tie­rungs­hil­fe für Auf­trag­neh­mer. Das Las­ten­heft wird manchmal auch als An­for­de­rungs- oder Kun­den­spe­zi­fi­ka­ti­on be­zeich­net. Die Website gruen­der­sze­ne.de definiert es wie folgt:

Zitat

Der Begriff Las­ten­heft be­zeich­net ein Dokument, in welchem ein Auf­trag­ge­ber seine An­for­de­run­gen gegenüber dem Auf­trag­neh­mer festhält. Die genauen An­for­de­run­gen werden be­schrie­ben, die der Auf­trag­ge­ber an die Er­rei­chung des Pro­jekt­zie­les stellt.

Sie als Auf­trag­ge­ber stellen in Ihrem Las­ten­heft also die spe­zi­fi­schen Pro­jekt­an­for­de­run­gen, damit der Auf­trag­neh­mer weiß, was genau zu erfüllen ist. Darauf basierend erstellt der Auf­trag­neh­mer dann das Pflich­ten­heft. Dieses behandelt de­tail­liert alle Schritte, die zur Umsetzung Ihres Projekts notwendig sind. Ins­be­son­de­re im Ma­schi­nen­bau werden Lasten- und Pflich­ten­hef­te oft angewandt. Auch im Bereich der Software-Ent­wick­lung machen sich Un­ter­neh­men dieses System gern zunutze.

Welche Vorteile hat ein Las­ten­heft für Auf­trag­neh­mer und Auf­trag­ge­ber?

Ein de­tail­lier­tes Las­ten­heft zu erstellen ist viel Arbeit – das schreckt viele Auf­trag­ge­ber zunächst ab. Die in­ves­tier­te Zeit lohnt sich al­ler­dings in jedem Fall. Denn ein gutes Las­ten­heft ist für ein Projekt wie eine Weg­be­schrei­bung, die klar festlegt, wo es losgeht und wo es hingehen soll. Außerdem ist ein gut struk­tu­rier­tes Las­ten­heft für Auf­trag­neh­mer attraktiv – es zeigt, dass Sie als Auf­trag­ge­ber sich genau im Klaren darüber sind, wie Sie Ihr Projekt umsetzen wollen. Hier die wich­tigs­ten Vorteile eines Las­ten­hef­tes im Überblick:

  • klare Ziel­de­fi­ni­ti­on
  • Projekt wird konkret und greifbar
  • Schwach­stel­len werden deutlich
  • Auf­trag­neh­mer kennen direkt die An­for­de­run­gen
  • Preise der Auf­trag­neh­mer sind besser ver­gleich­bar
  • Zeit­er­spar­nis
  • weniger Miss­ver­ständ­nis­se
  • kon­sis­ten­ter Ablauf des Projekts
  • Schnitt­stel­len werden deutlich
  • ef­fi­zi­en­te Prozesse
  • ge­stei­ger­te Pro­duk­ti­vi­tät
Tipp

Planen Sie aus­rei­chend Zeit für die Er­stel­lung Ihres Las­ten­hef­tes ein. Wird es unter Zeitdruck erstellt, kommt es schnell zu Fehlern, die im späteren Verlauf des Projekts viel Zeit und Geld kosten können.

Die Mög­lich­keit, Schwach­stel­len zu erkennen und aus­zu­bes­sern, ist einer der ent­schei­den­den Vorteile eines Las­ten­hef­tes. Wo ist die Wert­schöp­fungs­ket­te noch nicht optimal? Wo lassen sich Zeit oder Res­sour­cen einsparen? Wenn Sie die Schwach­stel­len in Ihrer Pro­jekt­pla­nung früh­zei­tig aufdecken und an ihnen nach­bes­sern, sind Sie auf einem guten Weg zu einer pro­fi­ta­blen Umsetzung.

Das Las­ten­heft und sein Inhalt

Ihr Las­ten­heft be­inhal­tet also alle An­for­de­run­gen Ihres Projekts, damit Mit­ar­bei­ter und Auf­trag­neh­mer einen klaren Leitfaden haben. Damit das Las­ten­heft zu einem möglichst ef­fi­zi­en­ten Pro­jekt­ab­lauf beiträgt, sollten Sie unbedingt messbare, quan­ti­fi­zier­ba­re und über­prüf­ba­re Aspekte darin fest­hal­ten. Je größer und wichtiger das Projekt, desto um­fang­rei­cher und de­tail­lier­ter sollte das Las­ten­heft angelegt sein. Erstellen Sie das Las­ten­heft stets direkt am Anfang eines Projekts.

Hinweis

Kommt es zwischen Auf­trag­neh­mer und Auf­trag­ge­ber zu einem Ver­trags­ab­schluss, ist das be­stehen­de Las­ten­heft rechtlich bindend.

Der Inhalt eines Las­ten­hef­tes hängt ganz vom durch­zu­füh­ren­den Projekt ab – schließ­lich bestimmt etwa der Umfang des Vorhabens, wie aus­führ­lich die darin fest­ge­leg­ten An­for­de­run­gen sein sollen. Es gibt jedoch einige Kern­fra­gen, die jedes Las­ten­heft be­ant­wor­ten sollte:

  1. Die Aus­gangs­si­tua­ti­on: Zunächst be­schrei­ben Sie die Ist-Situation. Machen Sie an dieser Stelle deutlich, warum das Projekt überhaupt zustande kommt. Welches Problem wollen Sie beheben? Machen Sie möglichst deutlich, warum Hand­lungs­be­darf besteht.
     
  2. Das Ziel: De­fi­nie­ren Sie genau, was Sie mit dem Projekt oder dem fertigen Produkt erreichen wollen. Achten Sie darauf, quan­ti­fi­zier­ba­re Ziele zu setzen – z. B. eine Um­satz­stei­ge­rung um 30 Prozent. Termine und ein­zu­hal­ten­de Zeit­fens­ter sollten an dieser Stelle ebenfalls vermerkt werden.
     
  3. Der spätere Einsatz: Be­schrei­ben Sie, wie und wo das Produkt nach der Fer­tig­stel­lung ein­ge­setzt wird. Gehen Sie ggf. auch auf Rah­men­be­din­gun­gen wie kli­ma­ti­sche Be­din­gun­gen ein, wenn diese eine Rolle bei der späteren Nutzung des Produktes spielen.
     
  4. Das ge­wünsch­te Ergebnis: De­fi­nie­ren Sie, was das Produkt können soll. Welche Funk­tio­nen muss es erfüllen? Dieser Punkt ist natürlich auch auf Prozesse über­trag­bar: Be­schrei­ben Sie z. B., wie diese nach dem Projekt aussehen sollen und welchen Mehrwert das für Ihr Un­ter­neh­men haben wird.
     
  5. Der Lie­fer­um­fang: Halten Sie so genau wie möglich fest, was wann geliefert werden soll. Wenn es mehrere Auf­trag­neh­mer gibt, be­schrei­ben Sie, wer was zu welchem Zeitpunkt liefert.
     
  6. Die wich­tigs­ten Phasen und Mei­len­stei­ne: Projekte werden üb­li­cher­wei­se in ver­schie­de­ne Phasen un­ter­teilt. Be­schrei­ben Sie, was in den einzelnen Phasen passiert? Die Übergänge von einer Phase in die nächste sind Mei­len­stei­ne. Halten Sie fest, wann Sie mit der Er­rei­chung dieser Mei­len­stei­ne rechnen und de­fi­nie­ren Sie, was bis zum je­wei­li­gen Zeitpunkt erreicht sein soll.
     
  7. Offene Fragen: Konnte etwas bisher nicht geklärt oder fest­ge­legt werden? Dafür gibt es diesen Teil des Las­ten­hef­tes. Schreiben Sie alle offenen Fragen auf. Am besten merken Sie an dieser Stelle auch an, wer sich um die Be­ant­wor­tung der Fragen kümmert und welches Zeit­fens­ter es dafür gibt.
     
  8. Abnahme des Projekts bzw. Produkts: Wann gilt das Projekt als ab­ge­schlos­sen und wer definiert, ob die Qualität stimmt? In vielen Un­ter­neh­men gibt es dafür spezielle Gremien. Legen Sie klar fest, wer für die Abnahme ver­ant­wort­lich ist.
Hinweis

Das Las­ten­heft ist zwar de­tail­liert, doch behalten Sie im Hin­ter­kopf, dass Ab­wei­chun­gen normal sind. Es ist nicht un­ge­wöhn­lich, dass Prozesse sich ändern, sobald das Projekt anläuft.

Las­ten­heft: Ein Beispiel für die Anwendung

An­ge­nom­men Sie sind Au­to­her­stel­ler und wollen ein neues Fahrzeug auf den Markt bringen. Für dieses Fahrzeug beziehen Sie Bauteile von un­ter­schied­li­chen externen Dienst­leis­tern.

In Ge­sprä­chen mit den Zu­lie­fe­rern be­schrei­ben Sie, wie Sie sich das Auto vor­stel­len. Dabei kommt es jedoch zu Miss­ver­ständ­nis­sen mit einigen Auf­trag­neh­mern, die erst auf­flie­gen, als die Fertigung der Teile bereits ab­ge­schlos­sen ist. Sie können das Fahrzeug nicht wie geplant bauen, und die nach­träg­li­che Fertigung der richtigen Bauteile kostet Zeit und ist teuer.

Ein Las­ten­heft mit schrift­lich fest­ge­leg­ten Spe­zi­fi­ka­tio­nen für jeden Zu­lie­fe­rer hätte das Risiko für Miss­ver­ständ­nis­se von vorn­her­ein ent­schei­dend ver­rin­gern können.

Ihre Vorlage für ein Las­ten­heft

Wenn Sie sich die Vorteile eines Las­ten­hef­tes für Ihr nächstes Projekt zunutze machen möchten, können Sie sich mit einer Vorlage die Er­stel­lung des Pro­jekt­fahr­plans er­leich­tern. Ob Sie eine Vorlage für ein Las­ten­heft in Word oder Excel nutzen wollen, hängt von Ihren Vorlieben ab – Haupt­sa­che, es ist über­sicht­lich und voll­stän­dig. Mithilfe dieses Musters fällt Ihnen der Einstieg mit Si­cher­heit leichter.

Fazit

Ein Las­ten­heft bietet eine ganze Reihe an Vorteilen: Sie als Auf­trag­ge­ber bekommen eine klare Vor­stel­lung von Ihrem Projekt. Gleich­zei­tig können Sie Angebote von Auf­trag­neh­mern gut ver­glei­chen – schließ­lich nutzen alle das Las­ten­heft zur Auf­wands­ein­schät­zung. Schwach­stel­len werden früh­zei­tig auf­ge­deckt und Ihr Projekt wird pro­duk­ti­ver umgesetzt.

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