Bei einer DApp handelt es sich um de­zen­tra­li­sier­te Open-Source-An­wen­dun­gen, die auf Block­chain basieren und kryp­to­gra­fi­sche Token für Trans­ak­tio­nen verwenden. Im Gegensatz zu pro­prie­tä­ren Apps, die einem Un­ter­neh­men gehören und über zentrale Server verwaltet werden, nutzen DApps ein aus­fall­si­che­res Peer-to-Peer-Netzwerk. Für die Ent­wick­lung eines Block­chain-basierten, de­zen­tra­len Web3-Internets sollen Dapps eine zentrale Rolle spielen.

Was sind DApps?

Der Begriff DApp steht für „De­cen­tra­li­sed Ap­pli­ca­ti­on“, zu Deutsch De­zen­tra­le Ap­pli­ka­ti­on. Bei Dapps handelt es sich somit um autonome An­wen­dun­gen, die dezentral arbeiten. Sie sind also nicht auf Un­ter­neh­mens­ser­ver an­ge­wie­sen, sondern nutzen ein dezentral ver­teil­tes Peer-to-Peer-Netzwerk. Die Spei­che­rung von Daten, Kom­mu­ni­ka­tio­nen und Trans­ak­tio­nen basiert auf einer Block­chain. Zudem nutzen DApps einen trans­pa­ren­ten Open-Source-Code, der von Nut­ze­rin­nen und Nutzern in der Regel einsehbar ist und kostenlos verwendet werden kann.

Was macht DApps besonders: 4 wichtige Kriterien

Zur De­fi­ni­ti­on von DApps kommen vier ele­men­ta­re Kriterien zur Anwendung. Soll eine Software als de­zen­tra­li­sier­te Anwendung gelten, so gilt es auf folgende Be­din­gun­gen zu erfüllen:

  • Verwendet Open-Source-Code
  • Basiert auf einer Block­chain
  • Nutzt kryp­to­gra­fisch ver­schlüs­sel­te Tokens
  • Er­mög­licht die Erzeugung von Tokens

Im Folgenden werfen wir einen genaueren Blick auf die vier zentralen Ei­gen­schaf­ten der de­zen­tra­li­sier­ten Apps:

Open-Source-Code

DApps basieren auf dem Open-Source-Prinzip. Die Software nutzt einen quell­of­fe­nen, in einer be­stimm­ten Pro­gram­mier­spra­che for­mu­lier­ten Quelltext, der für Dritte sichtbar, frei ver­wend­bar und ver­än­der­bar ist. Der Open-Source-Code einer DApp sollte sich durch Au­to­no­mi­tät aus­zeich­nen und nicht von Un­ter­neh­men oder Ad­mi­nis­tra­to­rin­nen bzw. Ad­mi­nis­tra­to­ren abhängig sein, die über Än­de­run­gen der App bestimmen.

Als Ge­gen­bei­spiel seien ei­gen­wil­li­ge Än­de­run­gen an Layout und Funk­ti­ons­wei­se der Instagram-App genannt, die re­gel­mä­ßig zu User-Protesten führen. DApps funk­tio­nie­ren somit nach einem de­mo­kra­ti­sche­ren Prinzip und passen sich Än­de­rungs­vor­schlä­gen der Community, Markt­ent­wick­lun­gen und einem Ent­wick­ler-Konsens an.

Durch den Er­folgs­zug der Kryp­to­wäh­run­gen zeigte sich wiederum, dass aktuelle de­zen­tra­le Apps keinen voll­stän­dig quell­of­fe­nen, sondern nur voll­stän­dig oder teilweise pro­prie­tä­ren Code nutzen. 2019 erwiesen sich nur 15 Prozent der ver­füg­ba­ren DApps als quell­of­fen, während ein Viertel aller DApps pro­prie­tä­ren Quelltext nutzten.

Block­chain

Die Spei­che­rung von Quellcode, Trans­ak­ti­ons­da­ten und Pro­to­kol­len muss in de­zen­tra­li­sier­ten Apps auf einer Block­chain beruhen. Diese nutzt ein de­zen­tra­les Peer-to-Peer-Netzwerk ver­schie­de­ner, weltweit ver­teil­ter Rechner. Im Gegensatz zu zentral ver­wal­te­ten Apps wie WhatsApp oder Telegram besteht somit ein ge­rin­ge­res Risiko für Hacks und Ausfälle, da Daten von Nut­ze­rin­nen und Nutzern nicht auf de­di­zier­ten Un­ter­neh­mens-Servern liegen.

DApps bieten eine höhere Si­cher­heit, da sich Angriffe bei ver­teil­ten Block­chain-Netz­wer­ken gegen jeden einzelnen Rechner richten und die kryp­to­gra­fi­sche Ver­schlüs­se­lung lösen müssten. Das ist bei einer DApp kaum möglich, da ihr Quellcode auf einer Block­chain und somit auf vielen ver­schie­de­nen, mit­ein­an­der ver­netz­ten Computern ge­spei­chert ist. Der Quellcode von DApps ist somit dezentral in der Block­chain ge­spei­chert, im Netzwerk verteilt und aus­führ­bar.

Kryp­to­gra­fisch ver­schlüs­sel­te Tokens

Fest verknüpft mit der de­zen­tra­len, ver­schlüs­sel­ten Block­chain sind kryp­to­gra­fisch ver­schlüs­sel­te Tokens, die in DApps zum Einsatz kommen. Tokens sind digitale, ver­schlüs­sel­te Da­ten­ko­pien, die in der Block­chain ge­spei­chert werden. Bei Tokens kann es sich unter anderem um Kry­po­t­wäh­run­gen wie Bitcoin in der Bitcoin-Block­chain handeln. Mit diesen lässt sich Handel betreiben bzw. die Erzeugung und das Ve­ri­fi­zie­ren neuer Tokens durch Mining belohnen.

Erzeugte oder ge­tausch­te Tokens finden sich mit Trans­ak­ti­ons­da­ten versehen als digitale Kopie bzw. fäl­schungs­si­che­res Trans­ak­ti­ons­zer­ti­fi­kat in der Block­chain hin­ter­legt. Das beugt zum einen Betrug und Hacks vor und macht zum anderen eine zentrale Ad­mi­nis­tra­ti­on über­flüs­sig. Die Ve­ri­fi­zie­rung erfolgt in einem de­zen­tra­len Peer-to-Peer-Netzwerk aus Minern und nicht über eine zentrale, hier­ar­chi­sche Ver­wal­tung.

Token-Erzeugung

Um eine DApp nutzen und Tokens tauschen, kaufen oder verkaufen zu können, müssen DApps kryp­to­gra­fisch ver­schlüs­sel­te Tokens erzeugen. In der Bitcoin- oder Ethereum-Block­chain kommt hierzu ein Proof-of-Work-Al­go­rith­mus zum Einsatz. Bitcoin verwendet so zum Beispiel einen SHA-256-Al­go­rith­mus. Die Kom­bi­na­ti­on aus Al­go­rith­mus, Cryp­to­mi­ning und Hashing, also dem Erzeugen und Ve­ri­fi­zie­ren von Tokens durch das Lösen einer Hash­funk­ti­on, erfüllen DApps das Kriterium der Token-Erzeugung.

Was un­ter­schei­det DApps von her­kömm­li­chen Apps?

Die we­sent­li­chen Un­ter­schie­de zwischen DApps und zen­tra­li­sier­ten Apps sind folgende:

  • Im Gegensatz zu Apps werden DApps nicht von einer zentralen Instanz wie einem Un­ter­neh­men oder Sys­tem­ad­mi­nis­tra­to­ren als pro­prie­tä­re Software verwaltet
  • Der Quelltext von DApps ist in der Regel quell­of­fen, öf­fent­lich sichtbar, kostenlos nutzbar und ver­än­der­bar
  • System- und Nut­zer­da­ten werden nicht in fir­men­ei­ge­nen Servern, sondern in de­zen­tra­len, weltweit ver­teil­ten Peer-to-Peer-Netz­wer­ken ge­spei­chert, geteilt, ver­ar­bei­tet und be­ar­bei­tet
  • Grundlage von DApps ist ein de­zen­tra­les, auch von Nut­ze­rin­nen und Nutzern ver­wal­te­tes Backend in einem Block­chain-Netzwerk
  • Die Kom­mu­ni­ka­ti­on bei DApps erfolgt nicht zwischen End­nut­ze­rin­nen und End­nut­zern über die Server des Anbieters, sondern über ein weltweit ver­teil­tes, de­zen­tra­les Netzwerk aus Geräten und Servern
  • Trans­ak­tio­nen werden in einer Block­chain kryp­to­gra­fisch ver­schlüs­selt und mittels Smart Contracts ve­ri­fi­ziert sowie do­ku­men­tiert

Smart Contracts und DApps

Eine weitere zentrale Grundlage für DApps sind Smart Contracts, die zum Backend-Code der Block­chain gehören. Smart Contracts be­zeich­nen Code, der wie ein Vertrag funk­tio­niert und ve­ri­fi­zier­te, of­fi­zi­el­le Token-Trans­ak­tio­nen zwischen DApp-Usern er­mög­licht. Sobald Nut­ze­rin­nen und Nutzer die Be­din­gun­gen des Smart Contracts erfüllen, wird der Pro­gramm­code für eine Trans­ak­ti­on aus­ge­führt und in der Block­chain ge­spei­chert. Da Smart Contracts nicht ver­än­der­bar oder ma­ni­pu­lier­bar sind, er­mög­li­chen sie trans­pa­ren­te, fäl­schungs­si­che­re Trans­ak­tio­nen.

In den Smart-Contract-Be­din­gun­gen steht unter anderem, welche Gebühren die Block­chain-Miner für die Aus­füh­rung und Ve­ri­fi­zie­rung von Trans­ak­tio­nen erhalten. Verfasst werden Smart Contracts oftmals in der ob­jekt­ori­en­tier­ten Solidity-Pro­gram­mier­spra­che. Obwohl für DApps mehrere Smart Contracts zur Anwendung kommen können, nutzen mehr als 75 Prozent der der­zei­ti­gen DApps lediglich einen Smart Contract gleich­zei­tig. (Stand: September 2022)

Welche Vor- und Nachteile bieten DApps?

Vorteile Nachteile
Funk­tio­nie­ren un­ab­hän­gig von einzelnen Un­ter­neh­men oder Un­ter­neh­mens­ser­vern über ein ver­teil­tes, de­zen­tra­les Block­chain-Netzwerk Leis­tungs­fä­hig­keit und Ska­lier­bar­keit einer DApp hängt von der Leis­tungs­fä­hig­keit, Ska­lier­bar­keit und Hash-Power der Block­chain ab
Sind aus­fall­si­cher, fäl­schungs­si­cher, trans­pa­rent und kaum zu hacken Große Un­ter­neh­men wie Meta oder Microsoft bieten mit pro­prie­tä­ren Apps eine bessere Per­for­mance und Be­nut­zer­freund­lich­keit
Sind geschützt gegen staat­li­che Eingriffe, Zensur und nach­träg­li­che Ma­ni­pu­la­tio­nen Funk­tio­nie­ren durch de­zen­tra­len Peer-to-Peer-Ansatz nur online und setzen eine Ver­bin­dung zur Block­chain voraus
Er­mög­li­chen Nut­ze­rin­nen und Nutzern, am Backend mit­zu­wir­ken und auf die Ent­wick­lung Einfluss zu nehmen
Fi­nan­zi­el­le Trans­ak­tio­nen über DApps erfordern keine Ver­mitt­ler wie Banken oder andere Fi­nanz­in­sti­tu­tio­nen
Mehr An­ony­mi­tät und Da­ten­schutz, da Nut­zer­da­ten nicht an kom­mer­zi­el­le Un­ter­neh­men mit in­trans­pa­ren­ter Da­ten­ver­ar­bei­tung gehen
Viel­fäl­ti­ge An­wen­dungs­be­rei­che und aktive Wei­ter­ent­wick­lung durch User

Für welche An­wen­dungs­be­rei­che eignen sich DApps?

DApps gelten als ein wichtiger Aspekt des Web3. Beim Web3 handelt es sich um eine neue Ge­ne­ra­ti­on von Internet, die auf Block­chains und de­zen­tra­len Netz­wer­ken basieren soll. DApps spielen jedoch jetzt bereits eine wichtige Rolle für Trans­ak­tio­nen in de­zen­tra­len Netz­wer­ken. Be­güns­tigt wird die Ent­wick­lung und Anwendung von DApps von der Tatsache, dass sie sich von Nut­ze­rin­nen und Nutzern mit Block­chain- und Pro­gram­mier­kennt­nis­sen selbst pro­gram­mie­ren lassen.

Mögliche An­wen­dungs­be­rei­che umfassen unter anderem:

  • Finanzen: DApps fördern de­zen­tra­le Fi­nanz­trans­ak­tio­nen und Han­dels­ge­schäf­te, die keine Fi­nanz­in­sti­tu­te als Ver­mitt­ler vor­aus­set­zen. Hierzu kommen zum Beispiel monetäre Pro­to­kol­le für Fi­nanz­trans­ak­tio­nen zum Einsatz. An­wen­dungs­mög­lich­kei­ten sind Kredite, Anleihen, In­ves­ti­tio­nen, Tausch­ge­schäf­te sowie Auktionen.
  • Gaming und NFTs: Ver­schie­de­ne Gaming-DApps er­mög­li­chen den Handel und das „Spiel“ mit einem NFT. Auf diese Weise lässt sich mit dem Erstellen, Sammeln und Tauschen oder durch Wetten mit NFTs Geld verdienen.
  • Browser: DApp-Browser stellen Ver­bin­dun­gen zu de­zen­tra­len Apps her, er­mög­li­chen das Surfen in DApps über Block­chain-Netzwerke und bieten eine in­te­grier­te Wallet für Kryp­to­zah­lun­gen.
  • Soziale Netzwerke: De­zen­tra­le soziale Netzwerke wie Leeroy lassen sich als Al­ter­na­ti­ve zu zen­tra­li­sier­ten und aus Da­ten­schutz­sicht frag­wür­di­gen Social-Media-Un­ter­neh­men wie Meta oder Twitter nutzen.

Pra­xis­bei­spiel für DApps

Bekannte DApps, die bereits heute eine große Community bieten, sind:

  • Rarible: Bei Rarible handelt es sich um eine de­zen­tra­le Ap­pli­ka­ti­on, die als NFT-Markt­platz fungiert. NFTs lassen sich über Rarible erstellen, verkaufen und kaufen. Weitere Ver­dienst­mög­lich­kei­ten umfassen den Kunst­han­del sowie den Handel mit Samm­ler­stü­cken.
  • Tra­ce­Do­na­te: Der DApp-Dienst nutzt Krypto-Wallets für Spenden an Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­tio­nen.
  • Minds: Als Social-Medial-DApp nutzt Minds Open-Source-Code und zu­ver­läs­si­ge Ver­schlüs­se­lung von Nut­zer­da­ten.
  • 1inch: Fungiert als Börsen-DApp, über die sich Bör­sen­trans­ak­tio­nen auf­split­ten und Handel zu optimalen Kon­di­tio­nen auf mehreren DEX treiben lässt.
  • Ipse: Der DApp-Browser ist eine de­zen­tra­le Such­ma­schi­ne, die auf dem In­ter­pla­ne­ta­ry-File-System und der EOS-Block­chain basiert. Dank asym­me­tri­scher Ver­schlüs­se­lung ver­spricht Ipse mehr An­ony­mi­tät und Da­ten­schutz.
  • Pan­ca­kes­wap: Gilt als eine der größten de­zen­tra­len Börsen für Kryp­to­wäh­run­gen, die sich als DApp nutzen lässt. Sie dient als Ver­mitt­lungs­platt­form für den Tausch von BEP-20-Tokens.
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