Das Spanning Tree Protocol ver­hin­dert Broadcast-Stürme und andere Störungen der Kom­mu­ni­ka­ti­on in einem Netzwerk. Die ver­gleichs­wei­se lange Aus­fall­zeit, die durch die Neu­struk­tu­rie­rung des na­mens­ge­ben­den Spann­baums entsteht, macht das Verfahren al­ler­dings anfällig für Angriffe.

Was ist das Spanning Tree Protocol?

Das Spanning Tree Protocol (kurz: STP) ist ein Verfahren, das in Ethernet-Netz­wer­ken ein­ge­setzt wird und dort die Bildung doppelter Frames ver­hin­dert. STP wurde von der US-ame­ri­ka­ni­schen Netz­werk­tech­ni­ke­rin und Software-Ent­wick­le­rin Radia Perlman erfunden und 1990 vom Institute of Elec­tri­cal and Elec­tro­nics Engineers (IEEE) als Standard 802.1D fest­ge­legt. Indem es das Netzwerk auf red­un­dan­te Pfade prüft und diese ab­schal­tet, ver­hin­dert das Spanning Tree Protocol, dass zwei oder mehr parallele Frames entstehen. Denn dies würde bei­spiels­wei­se zu Schleifen führen. Das Verfahren spannt das phy­si­ka­li­sche Netzwerk zu einem Baum auf, der ohne mehrfache Ver­bin­dun­gen zwischen Quelle und Ziel auskommt.

Wofür ist das Spanning Tree Protocol wichtig?

Das Problem, das das Spanning Tree Protocol behebt, entsteht, wenn zwischen zwei Switches in einem Netzwerk mehrere gleich­zei­ti­ge Da­ten­pfa­de entstehen. Gibt es mehrere Frames, über die Da­ten­pa­ke­te geleitet werden können, kann dies zu einem Fehl­ver­hal­ten des gesamten Systems führen. Eine mögliche Kon­se­quenz, die durch zwei oder mehr gleich­zei­ti­ge Pfade zwischen zwei Punkten entsteht, ist der so­ge­nann­te Broadcast-Sturm. Dabei wird der gesamte Broadcast- oder Multicast-Verkehr in einem Netzwerk gleich­zei­tig über­tra­gen und angehäuft, was zu einem Schnee­ball­ef­fekt führen kann und im schlimms­ten Fall die gesamte Kom­mu­ni­ka­ti­on lahmlegt. Mit Hilfe eines Spanning Tree Protocols wird dies ver­hin­dert, und das Netzwerk bleibt intakt.

Die Baum­to­po­lo­gie von STP

Um si­cher­zu­stel­len, dass es zu keinen doppelten Frames kommen kann, etabliert das Spanning Tree Protocol einen Spannbaum (engl. spanning tree). In diesem findet die Ver­bin­dung zwischen zwei Punkten innerhalb des Netzwerks nur über einen einzigen Weg statt. Zudem wird die jeweils best­mög­li­che Ver­bin­dung über diese Methode gefunden. Sollte jedoch ein Frame ausfallen oder durch eine Störung be­ein­träch­tigt werden, wird der Spannbaum durch das Spanning Tree Protocol schnellst­mög­lich neu­or­ga­ni­siert und ein neuer Ver­bin­dungs­pfad geöffnet. So kommt es höchstens zu geringen Ver­zö­ge­run­gen, und die Ver­bin­dung zwischen den einzelnen Switches bleibt bestehen.

Wie funk­tio­niert das Spanning Tree Protocol?

Die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwischen zwei Switches oder Bridges innerhalb eines Netzwerks findet beim Spanning Tree Protocol über Bridge Protocol Data Units (BPDU) statt. Diese werden in sehr kurzen Abständen aus­ge­tauscht und als Multicast-Frames an die MAC-Adresse 01-80-C2-00-00-10 gesendet. Alle zwei Sekunden erfolgt eine solche Über­mitt­lung an die jeweils nächst- und tie­fer­ge­le­ge­ne Bridge. So erhält das Spanning Tree Protocol nicht nur eine Übersicht über alle ver­füg­ba­ren Wege, sondern kann gleich­zei­tig auch die schnells­te Ver­bin­dung ermitteln. Hierfür spielen ins­be­son­de­re die Datenrate und die Ent­fer­nung zwischen zwei Punkten eine ent­schei­den­de Rolle. Ist der beste Weg ermittelt, werden die übrigen Ports bis auf Weiteres de­ak­ti­viert.

Das Rapid Spanning Tree Protocol

Diese Neu­be­rech­nung und die damit ein­her­ge­hen­de längere Aus­fall­zeit sind leider ein Ein­falls­tor für Angriffe auf das Netzwerk. Wird ein falsches Frame ein­ge­speist und vom System nicht ab­ge­blockt, kann dadurch eine Neu­or­ga­ni­sa­ti­on ausgelöst werden, die das Netzwerk für 30 Sekunden oder länger außer Kraft setzen würde. Aus diesem Grund wurde 2003 das Rapid Spanning Tree Protocol (IEEE 802.1w) ent­wi­ckelt. Dieses ist ab­wärts­kom­pa­ti­bel und sorgt dafür, dass die aktuelle Struktur des Netzwerks so lange aufrecht gehalten wird, bis die aus­ge­fal­le­ne Strecke ersetzt wurde. Erst dann wird der Baum neu­struk­tu­riert. Diese Um­stel­lung dauert nur etwa eine Sekunde.

Die Port­zu­stän­de im Spanning Tree Protocol

Beim Spanning Tree Protocol wird zwischen insgesamt fünf Port­zu­stän­den un­ter­schie­den. Dies beugt der Ent­ste­hung einer Schleife vor und sorgt außerdem dafür, dass keinerlei In­for­ma­tio­nen zur Baum­to­po­lo­gie verloren gehen. Die einzelnen Zustände sind folgende:

  • For­war­ding: Ports, die als for­war­ding gelistet sind, können Frames wei­ter­lei­ten, Adressen lernen und Bridge Protocol Data Units empfangen, ver­ar­bei­ten und über­tra­gen.
  • Blocking: Ports, die auf blocking stehen, verwerfen zwar Frames und lernen keine Adressen, empfangen und ver­ar­bei­ten dafür aber Bridge Protocol Data Units.
  • Listening: Listening Ports verwerfen Frames, lernen keine Adressen, empfangen, ver­ar­bei­ten und über­tra­gen al­ler­dings Bridge Protocol Data Units.
  • Learning: Learning Ports verwerfen zwar Frames, lernen aber Adressen und empfangen, ver­ar­bei­ten und über­tra­gen Bridge Protocol Data Units.
  • Disabled: Ports, die auf disabled gestellt sind, verwerfen Frames, lernen keine Adressen und können Bridge Protocol Data Units weder empfangen noch ver­ar­bei­ten.

Ist das Spanning Tree Protocol aktiviert, durch­läuft jeder Port die Zustände Blocking, Listening, Learning und For­war­ding hin­ter­ein­an­der.

Die Root Bridge im Spanning Tree Protocol

Im ersten Schritt wird beim Spanning Tree Protocol eine Root Bridge aus­ge­wählt, die als Aus­gangs­punkt für den Spannbaum fungiert. Von dort werden dann die einzelnen Pfade ausgebaut, indem der Al­go­rith­mus Ports aktiviert oder de­ak­ti­viert. Nur über die Root Bridge können auch Ein­stel­lun­gen verändert und die folgenden Timer neu justiert werden.

  • Hello-Timer: Dieser Timer definiert den Zeitraum zwischen zwei Bridge Protocol Data Units, in der Regel zwei Sekunden.
  • Forward-Delay: Der zweite Timer bestimmt die Zeit in den Zuständen Listening und Learning, die zusammen 30 Sekunden beträgt.
  • Maximum Age: Der dritte Timer nennt sich Maximum Age und gibt an, wie lange ein Port die Kon­fi­gu­ra­ti­ons­in­for­ma­tio­nen verwahrt. Dieser Wert beträgt stan­dard­mä­ßig 20 Sekunden.

Vor- und Nachteile des Spanning Tree Protocols

Der große Vorteil des Spanning Tree Protocols ist die Ver­mei­dung von Über­las­tun­gen oder Störungen innerhalb eines Netzwerks. Schleifen werden aus­ge­schlos­sen und parallele Strecken so vermieden. Auch die Iden­ti­fi­ka­ti­on der kürzesten Ver­bin­dung ist ein Vorteil für das Netzwerk. Nach­tei­lig am Spanning Tree Protocol ist seine ver­gleichs­wei­se lange Kon­ver­genz­zeit, die An­grei­fen­den in die Karten spielt. Durch die Ein­füh­rung des Rapid Spanning Tree Protocols und dessen Wei­ter­ent­wick­lung Multiple Spanning Tree Protocol, bei der innerhalb eines LANs mehrere un­ab­hän­gi­ge Spann­bäu­me erstellt werden können, werden diese Aus­fall­zei­ten al­ler­dings minimiert. Dies schützt das Netzwerk vor even­tu­el­len Angriffen.

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