CSMA ist ein grund­le­gen­des Verfahren, das die Kom­mu­ni­ka­ti­on von mehreren Teil­neh­mern auf einem gemeinsam genutzten und dezentral or­ga­ni­sier­ten Über­tra­gungs­me­di­um regelt. In­zwi­schen gibt es dies al­ler­dings in drei ver­schie­de­nen Varianten, die abhängig vom Über­tra­gungs­me­di­um sind. Während man CSMA/CA vor allem in Funk­net­zen einsetzt, ist CSMA/CD für Ethernet ent­wi­ckelt, und CSMA/CR kommt in Con­trol­ler Area Networks (CAN) zum Einsatz, die man vor allem in Autos und Maschinen verwendet.

Um zu verstehen, was genau hinter Carrier Sense Multiple Access with Collision Avoidance steckt, ist es sinnvoll, die Be­stand­tei­le einzeln zu be­trach­ten:

  • Carrier Sense (CA): Aus­gangs­ge­dan­ke ist, dass Teil­neh­mer nur Daten über das Netz versenden dürfen, wenn das Über­tra­gungs­me­di­um frei ist. Die Trä­ger­zu­stands­er­ken­nung überprüft daher jederzeit den Kanal. Erst wenn dieser frei ist, werden Daten versendet.
  • Multiple Access (MA): Mehrere Stationen teilen sich ein Über­tra­gungs­me­di­um. Dabei ist es ent­schei­dend für eine funk­tio­nie­ren­de Kom­mu­ni­ka­ti­on, dass sich alle an ein ver­bind­li­ches Protokoll halten.
  • Collision Avoidance (CA): Ein komplexer Ab­lauf­plan versucht dafür zu sorgen, dass zwei oder mehr Teil­neh­mer nicht gleich­zei­tig eine Über­tra­gung beginnen. So werden Kol­li­sio­nen vermieden. Sollten dennoch Über­la­ge­run­gen auftreten, wird dies erkannt und die Über­tra­gung erneut versucht.

Was ist CSMA/CA und wofür braucht man es?

In einem Local Area Network (LAN) teilen sich alle Netz­werk­teil­neh­mer ein Über­tra­gungs­me­di­um – ein Kabel, den so­ge­nann­ten Bus. Drahtlose Netzwerke kennen na­tur­ge­mäß keine Kabel, doch auch im WLAN senden und empfangen alle be­tei­lig­ten Geräte über nur ein Über­tra­gungs­me­di­um, nämlich einen be­stimm­ten Funk­be­reich. Insofern ist WLAN (IEEE 802.11) mit den frühen Halb­du­plex-Ethernet-Netzen ver­gleich­bar. Somit muss auch für ein draht­lo­ses Netz ein Protokoll bestehen, das die Nutzung des Mediums regelt.

Die wich­tigs­te Regel, das kennt man auch von anderen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­si­tua­tio­nen mit mehreren Teil­neh­mern (etwa einem Gespräch mit der Familie am Esstisch), lautet: Es darf immer nur eine Person gleich­zei­tig senden. Wenn alle durch­ein­an­der sprechen, kann niemand mehr die Wort­bei­trä­ge verstehen. Auch in Netz­wer­ken können sich die Beiträge, in diesem Fall in Form von Da­ten­pa­ke­ten, über­la­gern. Dies nennt man eine Kollision: Die Da­ten­pa­ke­te treffen auf­ein­an­der und ver­frem­den so ihre Inhalte.

CSMA/CA versucht die Häu­fig­keit solcher Kol­li­sio­nen zu ver­rin­gern und gibt gleich­zei­tig einen Plan vor, wie im Falle einer Kollision vor­ge­gan­gen werden soll. Das Protokoll ist auch deshalb wichtig, weil in den draht­lo­sen Netzen die Sendungen aufgrund der ver­wen­de­ten Technik nicht so geordnet ablaufen können wie bei einem Kabel. In einem de­zen­tra­len Netz ist es notwendig, dass alle Teil­neh­mer gemeinsam einem Regelwerk folgen und so un­ter­ein­an­der die Kom­mu­ni­ka­ti­on or­ga­ni­sie­ren.

Das Hidden-Station-Problem

Die tech­ni­schen Un­ter­schie­de zwischen ka­bel­ge­bun­de­nen und draht­lo­sen Netz­wer­ken führen auch zum so­ge­nann­ten Hidden-Station-Problem. Stationen in einem Funk­netz­werk haben nur eine begrenzte Reich­wei­te. So kann es passieren, dass sich Teil­neh­mer in einem Netzwerk ge­gen­sei­tig nicht wahr­neh­men.

Es ist vor­stell­bar – und nicht un­wahr­schein­lich –, dass zwei Stationen, die sich ge­gen­sei­tig nicht wahr­neh­men, eine Station, die zwischen ihnen liegt, gleich­zei­tig erreichen möchten. Über­tra­gun­gen können sich am Emp­fän­ger­kno­ten über­la­gern und so dazu führen, dass die Daten verloren gehen. Beide Sender erkennen die Kollision nicht und starten daher keinen neuen Sen­dungs­ver­such. CSMA/CA kann dieses Problem allein nicht beheben, weshalb man eine optionale Er­wei­te­rung ge­schaf­fen hat: RTS/CTS („Request to Send“ und „Clear to Send“).

CSMA/CA vs. CSMA/CD

CSMA/CA passt das Verfahren zum Umgang mit Kol­li­sio­nen (CSMA/CD), das man bei Halb­du­plex-Ethernet-Netz­wer­ken einsetzt, an die Her­aus­for­de­run­gen von Funk­netz­wer­ken an. CSMA/CD versucht dabei weniger, Kol­li­sio­nen zu vermeiden. Statt­des­sen versteht das Protokoll Kol­li­sio­nen als Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten und etabliert einen Me­cha­nis­mus, wie die Netz­werk­teil­neh­mer im Falle einer Kollision verfahren müssen, um zu ver­hin­dern, dass Kol­li­sio­nen auch beim zweiten Versuch direkt wieder auftreten: Eine zufällige Zeit­span­ne (Backoff), die Stationen nach einer fehl­ge­schla­ge­nen Über­tra­gung abwarten müssen, damit nicht wieder beide be­tei­lig­ten Teil­neh­mer zum gleichen Zeitpunkt anfangen zu senden, soll dies be­werk­stel­li­gen.

Ein draht­lo­ses Netzwerk lässt sich nicht so sicher über­wa­chen, wie dies bei einem ka­bel­ge­bun­de­nen Netz der Fall ist. Kol­li­sio­nen können durch einen zweiten Sender ver­ur­sacht werden, der außerhalb der Reich­wei­te des ersten liegt. Beide haben keine Mög­lich­keit, den Sen­dungs­ver­such des anderen wahr­zu­neh­men. Deshalb muss der Fokus darauf liegen, die Wahr­schein­lich­keit von Kol­li­sio­nen zu ver­rin­gern. CSMA/CA zieht den Backoff im Ablauf nach vorne und setzt ihn so bereits vor dem ersten Sen­dungs­vor­gang ein. Dies sorgt dafür, dass es un­wahr­schein­li­cher wird, dass Teil­neh­mer gleich­zei­tig mit einer Über­tra­gung beginnen und so Kol­li­sio­nen ver­ur­sa­chen.

Die Funk­ti­ons­wei­se von CSMA/CA

Grundidee hinter CSMA/CA ist das Prinzip „Listen before Talk“. Das heißt, dass zunächst überprüft werden muss, ob die Leitung frei („idle“) ist, bevor die Station mit einer Über­tra­gung beginnen darf. Doch dies ist nur der erste Schritt. Weitere Funk­tio­nen innerhalb des Ver­fah­rens sorgen dafür, dass Kol­li­sio­nen zu einem großen Teil vermieden werden können.

Dis­tri­bu­ted Coor­di­na­ti­on Function (DCF)

Die Dis­tri­bu­ted Coor­di­na­ti­on Function (DCF) regelt innerhalb von CSMA/CA den Zeitraum, den eine Station wartet, bevor sie bei einem freien Medium die Über­tra­gung einleitet. Auch für weitere Aktionen weist DCF den Netz­teil­neh­mern bestimmte Time Slots zu und schafft so eine ver­bind­li­che zeitliche Glie­de­rung. Dieses Verfahren ist der Schwer­punkt der Collision Avoidance. Durch die komplexe Zeit­struk­tur wird die Ver­mei­dung von Kol­li­sio­nen erst er­mög­licht. Beim Erstellen der zeit­li­chen Glie­de­rung be­rück­sich­tigt DCF ver­schie­de­ne In­ter­val­le.

  • DCF In­ter­frame Space (DIFS): Im ersten Schritt müssen Teil­neh­mer das Netzwerk für die Dauer des DIFS über­wa­chen, um fest­zu­stel­len, ob dieses gerade frei ist. Für CSMA/CA bedeutet dies, dass zum Zeitpunkt des Sendens keine andere Station in Reich­wei­te sendet. Der DIFS ergibt sich aus dem SIFS und der doppelten Slotzeit und ist zwischen 28 und 50 µs lang.
  • Con­ten­ti­on Window: Wenn Teil­neh­mer fest­stel­len, dass der Kanal frei ist, warten sie zunächst noch eine zufällige Zeit­span­ne, bevor sie mit dem Versand beginnen. Diese Dauer ent­spricht dem so­ge­nann­ten Con­ten­ti­on Window. Dieses Zeit­fens­ter ver­dop­pelt sich mit jeder auf­tre­ten­den Kollision und ent­spricht somit dem Binary Ex­po­nen­ti­al Backoff (BEB), wie man ihn von CSMA/CD kennt.
  • Short In­ter­frame Space (SIFS): Nach dem Senden des Da­ten­pa­kets ver­schickt der Emp­fän­ger­kno­ten eine Be­nach­rich­ti­gung – falls zu­sätz­lich das RTS/CTS-Verfahren an­ge­wen­det wird. Vor dem Ab­schi­cken wartet al­ler­dings auch diese Station eine fest­ge­leg­te Zeit­span­ne ab. SIFS ist die Zeit, die es braucht, ein Da­ten­pa­ket zu ver­ar­bei­ten. Die Dauer ist abhängig vom ver­wen­de­ten IEEE-802.11-Standard und liegt zwischen 10 µs und 16 µs.
Fakt

Die Slotzeit be­zeich­net die Zeit, die Daten brauchen, um die maximale Länge des Netzwerks zu durch­lau­fen. Bei draht­lo­sen Netz­wer­ken ist diese abhängig vom ver­wen­de­ten Standard und liegt zwischen 9 µs und 20 µs.

Request to Send & Clear to Send (RTS/CTS)

Die Frames Request to Send (RTS) und Clear to Send (CTS) sind Teil der op­tio­na­len Er­wei­te­rung CSMA/CA RTS/CTS. Dieses Verfahren ist der ei­gent­li­chen Da­ten­über­tra­gung vor­ge­la­gert. Wenn ein Teil­neh­mer fest­stellt, dass das Über­tra­gungs­me­di­um frei ist, sendet das Gerät zunächst einen RTS-Frame an den Teil­neh­mer, der Empfänger der Daten sein soll. Hiermit macht der Aus­gangs­rech­ner deutlich, dass er eine Über­tra­gung starten möchte und dabei das Über­tra­gungs­me­di­um für eine gewisse Zeit belegen wird.

Der Empfänger wiederum sendet einen CTS-Frame an den ur­sprüng­li­chen Sender. Hierüber werden zum einen – wie auch schon mit dem RTS-Frame – alle anderen Teil­neh­mer in der Reich­wei­te darüber in­for­miert, dass das Über­tra­gungs­me­di­um derzeit belegt ist, und zum anderen erhält der Sender die Freigabe zur Über­tra­gung. Erst dann beginnt das ur­sprüng­li­che Gerät mit der Über­tra­gung der Daten. Nun ist es für die Teil­neh­mer in einem draht­lo­sen Netzwerk nicht möglich, Kol­li­sio­nen oder andere Störungen bei der Über­tra­gung fest­zu­stel­len. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass die Emp­fän­ger­sta­ti­on eine Be­stä­ti­gung (ACK) sendet, wenn das Da­ten­pa­ket korrekt an­ge­kom­men ist.

Bleibt der ACK-Frame aus, geht der Sender der Daten davon aus, dass es zu einer Kom­pli­ka­ti­on gekommen ist, und sendet das Da­ten­pa­ket erneut. Dabei hat die Station ein Vor­zugs­recht, das Medium zu benutzen – muss also nicht erneut warten, bis der Kanal frei ist. Die drei Frame-Arten bestehen jeweils aus mehreren Feldern.

  • Frame Control: Das in jedem 802.11-Frame ent­hal­te­ne FC-Feld ist 2 Byte groß (16 Bit) und wiederum in mehrere Elemente un­ter­teilt:
    • Protocol Version: Gibt die Version des ver­wen­de­ten Pro­to­kolls an.
    • Type: Gibt an, ob es sich um einen Control Frame (wie bei RTS/CTS und ACK), Data Frame oder Ma­nage­ment Frame handelt.
    • Sub-Type: Spe­zi­fi­ziert den Typus des Frames, indem eine von 25 Un­ter­ka­te­go­rien angegeben wird.
    • To Dis­tri­bu­ti­on System: Ist gesetzt, wenn der Frame an ein Dis­tri­bu­ti­on System geht.
    • From Dis­tri­bu­ti­on System: Ist gesetzt, wenn der Frame von einem Dis­tri­bu­ti­on System kommt.
    • More Fragments: Hat nur dann Inhalt, wenn noch mehr Frames folgen (nur bei Data Frames und Ma­nage­ment Frames relevant).
    • Retry: Gibt an, ob und wie oft der Versand des Frames schon versucht wurde.
    • Power Ma­nage­ment: Zeigt den Strom­spar­mo­dus an.
    • More Data: Gibt an, dass mehr Daten versendet werden sollen.
    • WEP: Gibt Auskunft darüber, ob die Daten mit WEP ver­schlüs­selt sind.
    • Order: Teilt dem Empfänger mit, ob die Daten in der richtigen Rei­hen­fol­ge versendet werden.
  • Duration: Gibt die Zeit an, die der Sender für die Da­ten­über­tra­gung benötigt. Diese In­for­ma­ti­on ist ent­schei­dend für den Network Al­lo­ca­ti­on Vector. Auch dieses Feld ist 2 Byte groß.
  • Receiver Address: Enthält die MAC-Adresse des Emp­fän­gers (6 Byte).
  • Trans­mit­ter Address: Enthält die MAC-Adresse des Absenders (6 Byte); nur er­for­der­lich für RTS, nicht für CTS und ACK.
  • Frame Check Sequence: Bei der 4 Byte langen Block­prüf­zei­chen­fol­ge handelt es sich um eine Prüfsumme. Hiermit kann die emp­fan­gen­de Station fest­stel­len, ob der Data Frame so an­ge­kom­men ist, wie es geplant war. Der Sender errechnet hierfür die Prüfsumme aus den Daten des Frames. Der gleiche Vorgang findet auch auf Seiten des Emp­fän­gers statt, wenn der Frame bei ihm an­ge­kom­men ist. Sollte das Ergebnis des Emp­fän­gers mit dem über­ein­stim­men, was der Sender als FCS an den Frame angehängt hat, war die Über­tra­gung er­folg­reich.

Bis auf das Feld, das die Trans­mit­ter Address angibt, sind grund­sätz­lich alle Felder in RTS, CTS und ACK enthalten. Das Ab­sen­der­feld ist al­ler­dings nur in­ter­es­sant bei der ersten Kon­takt­auf­nah­me, damit der Empfänger weiß, mit welchem Knoten er nun kom­mu­ni­ziert.

Durch die Er­wei­te­rung des CSMA/CA-Pro­to­kolls durch RTS/CTS ist es möglich, Kol­li­sio­nen auf den an­fäng­li­chen RTS-Frame zu re­du­zie­ren. So ist es trotzdem wahr­schein­lich, dass zwei Teil­neh­mer gleich­zei­tig einen Request to Send an dieselbe Station senden. In einem solchen Fall sendet der Empfänger al­ler­dings keinen CTS-Frame, da die RTS-Frames nicht korrekt an­ge­kom­men sind. Somit kann RTS/CTS das Hidden-Station-Problem lösen: Auch wenn die beiden Sender sich ge­gen­sei­tig aufgrund der be­grenz­ten Reich­wei­te nicht wahr­neh­men, sind nur die RTS-Frames gefährdet und nicht die ei­gent­li­chen Daten. Im Anschluss greift CSMA/CA, und die Über­tra­gung kann geordnet statt­fin­den.

Durch den RTS/CTS-Austausch wird zwar das Hidden-Station-Prinzip gelöst, die Er­wei­te­rung sorgt aber für eine andere Schwie­rig­keit – das Exposed-Station-Problem. Die Situation ist zunächst die gleiche wie beim Hidden-Station-Problem: Eine Station befindet sich in der Mitte von zwei anderen Stationen, die sich ge­gen­sei­tig nicht erreichen können. Eines der beiden Geräte möchte nun Daten an die Station in der Mitte senden. Alle er­reich­ba­ren Kno­ten­punk­te empfangen den CTS-Frame, der sie von einer Sendung abhält. Das umgeht das Hidden-Station-Problem – schafft dabei aber ein neues.

Eine dritte Station wird nun nämlich vom Senden ab­ge­hal­ten, auch dann, wenn ei­gent­lich eine ganz andere, vierte Station das Ziel der Sendung wäre. Diese Über­tra­gung würde keine Kollision erzeugen und wird dennoch un­ter­bun­den, was zu einer Ver­lang­sa­mung des ganzen Netzes führt.

Network Al­lo­ca­ti­on Vector (NAV)

Bevor ein Gerät im Netzwerk mit einer Über­tra­gung beginnt, sendet dieses zunächst eine In­for­ma­ti­on (im Duration-Feld des RTS-Frames) an alle anderen Teil­neh­mer. So teilt die Station mit, wie lange das Netz durch die Über­tra­gung belegt sein wird. Jedes andere Gerät trägt diese In­for­ma­ti­on in seinen ganz per­sön­li­chen Netz­be­le­gungs­vek­tor ein (bei dem es sich ma­the­ma­tisch gesehen nicht wirklich um einen Vektor handelt). Dieser wird intern verwaltet und gibt die Zeit an, ab wann ein Sen­dungs­ver­such wieder möglich ist. Der Network Al­lo­ca­ti­on Vector (NAV) zählt fort­lau­fend herunter und wird nur durch neue In­for­ma­tio­nen von anderen Stationen wieder auf­ge­füllt.

Ein NAV kann den Timer um maximal 33 ms (32.767 µs) hoch­set­zen. Das ist die Ma­xi­mal­dau­er, für die ein Sender das Medium blo­ckie­ren darf. Die Geräte im Netzwerk sind, während der Netz­be­le­gungs­vek­tor noch nicht ab­ge­lau­fen ist, inaktiv. Dies spart Energie. Erst wenn der Zähler auf 0 steht, wird der Teil­neh­mer wieder aktiv und überprüft das Netz. Der NAV passt sich nicht nur durch den RTS an, sondern wird auch durch CTS und ACK be­ein­flusst. Letzteres ist für alle Teil­neh­mer das Signal, den NVA wieder auf 0 zu setzen: Das Medium ist wieder frei.

Der Ablauf des CSMA/CA-Ver­fah­rens im Überblick

Wenn Teil­neh­mer in einem draht­lo­sen Netzwerk den Vorgaben von Carrier Sense Multiple Access with Collision Avoidance folgen, müssen bestimmte Schritte ein­ge­hal­ten werden: Zunächst über­wa­chen die Stationen das Über­tra­gungs­me­di­um. Das bedeutet im Falle von WLAN, dass der Carrier Sense den Funkkanal überwacht und dabei prüft, ob andere Netz­teil­neh­mer – soweit sie für das jeweilige Gerät sichtbar sind – gerade senden.

Stellt sich heraus, dass das Über­tra­gungs­me­di­um derzeit belegt ist, wird ein zu­fäl­li­ger Backoff ein­ge­lei­tet: Die Station wartet eine zufällige Zeit­span­ne, bis eine erneute Über­prü­fung einsetzt. Allen anderen Stationen, die nicht gerade mit Senden oder Empfangen be­schäf­tigt sind, geht es genauso. Die durch den Zufall bestimmte Wartezeit sorgt dafür, dass die Teil­neh­mer nicht gleich­zei­tig beginnen, das Netzwerk zu über­prü­fen, und somit auch nicht gleich­zei­tig mit der Über­tra­gung von Daten beginnen können. Dies geschieht aber nur dann, wenn der Station nicht ohnehin aufgrund des Netz­be­le­gungs­vek­tors (NAV) klar ist, dass das Medium belegt ist.

Sollte das Netz frei sein, leitet die Station DCF ein: Zunächst wird also der Kanal für die Dauer des DIFS weiter überprüft. Sollte er auch für diese Zeit­span­ne frei bleiben, startet ein zu­fäl­li­ger Backoff und erst dann beginnt der RTS/CTS-Austausch – falls dieser zu­sätz­li­che Me­cha­nis­mus verwendet wird. Ist der Request to Send er­folg­reich beim Empfänger an­ge­kom­men und somit keine Kollision ein­ge­tre­ten, erhält der Sender durch den CTS-Frame die Erlaubnis, das Über­tra­gungs­me­di­um zu belegen.

Gleich­zei­tig werden alle anderen Teil­neh­mer darüber in­for­miert, dass das Netzwerk gerade benutzt wird. Dadurch setzen diese ihren Netz­be­le­gungs­vek­tor wieder hoch und warten, bis sie erneut über­prü­fen, ob der Kanal frei ist. Nun beginnt die Station mit der Über­tra­gung. Ist diese beendet, wartet der Empfänger für die Dauer eines SIFS und antwortet an­schlie­ßend mit einem ACK-Frame, um dem Sender den voll­stän­di­gen Empfang zu be­stä­ti­gen und den Netz­be­le­gungs­vek­tor auf 0 zu setzen – das Netz ist frei für eine neue Über­tra­gung.

CSMA/CA löst einige Probleme, die in draht­lo­sen Netz­wer­ken auftreten und nicht durch CSMA/CD gelöst werden können. Dennoch ist das Verfahren auch nicht ohne Nachteile: Zum einen können gewisse Pro­blem­fäl­le so nicht voll­stän­dig gelöst werden und zum anderen bringt CSMA/CA neue Schwie­rig­kei­ten mit sich.

Vorteile Nachteile
Hilft effektiv gegen Da­ten­kol­li­sio­nen Etabliert War­te­zei­ten
Dank Rück­mel­dun­gen gehen Daten nicht unbemerkt verloren Ver­ur­sacht zu­sätz­li­chen Da­ten­ver­kehr
Vermeidet mit der Er­wei­te­rung RTS/CTS unnötigen Da­ten­ver­kehr Löst das Hidden-Station-Problem nur durch Er­wei­te­rung mit RTS/CTS
  Schafft das Exposed-Station-Problem durch RTS/CTS

Was sind ko­or­di­nier­te Mehr­fach­zu­grif­fe?

Da das CSMA/CA-Verfahren bei weitem nicht perfekt ist, gibt es Be­stre­bun­gen, es zu erweitern. So sollen Schwach­punk­te aus­ge­merzt werden. Zwei Verfahren, die beide den Ansatz von ko­or­di­nier­ten Mehr­fach­zu­grif­fen verfolgen, sind zwar aus­ge­ar­bei­tet, werden aber aus ver­schie­de­nen Gründen kaum ein­ge­setzt. Ko­or­di­nier­te Mehr­fach­zu­grif­fe eta­blie­ren eine zentrale Or­ga­ni­sa­ti­ons­stel­le: Die Zu­griffs­rech­te der einzelnen Stationen auf das Über­tra­gungs­me­di­um sollen dabei nicht mehr aus­schließ­lich un­ter­ein­an­der ko­or­di­niert werden. Statt­des­sen laufen Anfragen über den Access Point (z. B. über den WLAN-Router).

Point Coor­di­na­ti­on Function

Die Point Coor­di­na­ti­on Function (PCF) wird zu­sätz­lich in das CSMA/CA-Verfahren ein­ge­glie­dert und ersetzt oder ergänzt die Dis­tri­bu­ted Coor­di­na­ti­on Function (DCF). Der Access Point fungiert als Ko­or­di­na­tor (Point Coor­di­na­tor) und spricht die Stationen innerhalb des Netzes gezielt an. Bevor dies nicht geschehen ist, darf niemand das Über­tra­gungs­me­di­um belegen. Für die Ordnung der einzelnen Stationen besitzt der Ko­or­di­na­tor eine so­ge­nann­te Polling-Liste.

Dieser Liste nach wird jeder Netz­teil­neh­mer entweder einfach nach­ein­an­der oder der Priorität nach geordnet gefragt, ob er eine Über­mitt­lung vornehmen möchte. Bevor der Access Point al­ler­dings die Nachfrage beginnt, läuft wie bei DFC eine Zeit­span­ne ab, al­ler­dings in der Länge eines PIFS. Der PCF In­ter­frame Space ist um eine Slotzeit kürzer als der DIFS und hat damit eine höhere Priorität. PCF greift damit früher als DCF.

Das Verfahren liefert einen Ansatz, um das Hidden-Station-Problem zu lösen: Durch eine gute Po­si­tio­nie­rung des Access Points kann die benötigte Reich­wei­te halbiert werden. Durch PCF müssen die Teil­neh­mer sich nicht mehr ge­gen­sei­tig wahr­neh­men. Es reicht, wenn der Access Point mittig platziert ist und so stern­för­mig alle Stationen erreichen kann.

Die Point Coor­di­na­ti­on Function erzeugt al­ler­dings eine andere Schwach­stel­le: Um die Technik nutzen zu können, müssen alle Netz­werk­teil­neh­mer die Fähigkeit zu PCF besitzen. Dies ist aber bei weitem nicht immer der Fall. Wenn Geräte nicht am PCF-Vorgang teil­neh­men, werden sie und ihre Über­tra­gungs­wün­sche einfach ignoriert. Deshalb hat man ein al­ter­nie­ren­des System ent­wi­ckelt: Hierbei können sich PCF und DCF ab­wech­seln, um allen Geräten im Netzwerk die Mög­lich­keit zur Über­tra­gung zu geben. Dafür stellt der Access Point zwei Zeit­span­nen zur Verfügung: Zum einen gibt es die Con­ten­ti­on Free Period (CFP), in der PCF für ko­or­di­nier­te Mehr­fach­zu­grif­fe sorgt, und die Con­ten­ti­on Period (CP), in der DCF gilt und Kol­li­sio­nen wie oben be­schrie­ben mithilfe von CSMA/CA vermieden werden. Ein­ge­lei­tet wird diese Al­ter­nie­rung durch einen Beacon Frame, den der Ko­or­di­na­tor an alle Stationen sendet.

Hybrid Coor­di­na­ti­on Function Con­trol­led Channel Access (HCCA)

Das andere Verfahren mit ko­or­di­nier­ten Mehr­fach­zu­grif­fen, der HCF Con­trol­led Channel Access, ori­en­tiert sich stark am PCF-Verfahren. HCCA regelt al­ler­dings den Wechsel zwischen der Con­ten­ti­on Period und der Con­ten­ti­on Free Period anders. Statt eines al­ter­nie­ren­den Systems etabliert HCCA die Mög­lich­keit, dass der Access Point jederzeit von CP auf CFP um­schal­ten kann – die sich beim HCCA aber Con­trol­led Access Phase (CAP) nennt. In diesem Zeitraum ko­or­di­niert der Hybrid Coor­di­na­tor (auch hier der Access Point), wer wann Daten ver­schi­cken darf, und zwar auf Basis der Priorität. Diese ermittelt der Ko­or­di­na­tor über Traffic Classes (TC), die Stationen mit­an­ge­ben. So können ver­schie­de­nen Klassen un­ter­schied­li­che Prio­ri­tä­ten zu­ge­ord­net werden.

Hinzu kommt, dass bei HCCA der Über­tra­gungs­zeit­raum zu einer Transmit Op­por­tu­ni­ty (TXOP) wird. Diese be­schreibt eine Zeit­span­ne, in der Sender nicht nur einen Frame ver­schi­cken dürfen, sondern so viele Da­ten­frames, wie es innerhalb der TXOP-Phase möglich ist. Wenn ein Frame zu groß für die Periode sein sollte, muss dieser auf­ge­bro­chen und in mehreren Teilen ver­schickt werden. So ver­hin­dert man, dass lang­sa­me­re Stationen schnel­le­re aus­brem­sen.

In der Zeit der Con­ten­ti­on Period gilt hingegen der Enhanced Dis­tri­bu­ted Channel Access (EDCA). Auch hinter EDCA steckt eine Ordnung nach Prio­ri­tä­ten. Diese Ordnung wird aber nicht durch eine zentrale Stelle or­ga­ni­siert, statt­des­sen ordnen sich die teil­neh­men­den Stationen un­ter­ein­an­der, wie man es von DCF kennt. Kno­ten­punk­te, die wichtigen Traffic zu über­mit­teln haben, brauchen nicht einen vollen DIFS ab­zu­war­ten. Statt­des­sen pausieren solche Stationen nur für die Länge des Ar­bi­tra­ti­on In­ter­frame Space (AIFS). Um genau zu sein, gibt es ver­schie­de­ne AIFS, die – abhängig von der Priorität – durch­num­me­riert sind. Dabei hat AIFS1 die höchste Prio­ri­täts­stu­fe und ist deshalb kleiner als der DIFS, aber länger als ein SIFS. Auch bei EDCA gilt TXOP.

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