In der Marketing-Theorie un­ter­schei­det man zwischen einem mi­kro­öko­no­mi­schen und einem ma­kro­öko­no­mi­schen Un­ter­neh­mens­um­feld – auch Mikro- und Makro-Umwelt genannt. Die Mikro-Umwelt umfasst das direkte Un­ter­neh­mens­um­feld: die jeweilige Branche, Wett­be­wer­ber und alle Stake­hol­der eines Un­ter­neh­mens.

Faktoren des mi­kro­öko­no­mi­schen Un­ter­neh­mens­um­felds können nicht immer direkt kon­trol­liert, in jedem Fall jedoch be­ein­flusst werden. Damit un­ter­schei­den sich diese maß­geb­lich von Ein­fluss­fak­to­ren der Makro-Umwelt, die ebenfalls auf das Un­ter­neh­men einwirken, von diesem jedoch weder kon­trol­liert noch be­ein­flusst werden können.

Eine Un­ter­su­chung der Mikro-Umwelt erfolgt in der Regel in Form von Stake­hol­der-, Wett­be­werbs-und Bran­chen­struk­tur­ana­ly­sen. Ein beliebter Ansatz für ma­kro­öko­no­mi­sche Un­ter­su­chun­gen ist die PESTEL-Analyse.

Wir zeigen Ihnen, was es mit PESTEL auf sich hat, wofür das Akronym steht und geben Beispiele für Ein­fluss­fak­to­ren, die Sie im Rahmen einer PESTEL-Analyse beachten sollten.

Was ist eine PESTEL-Analyse?

Im Rahmen einer PESTEL-Analyse er­ar­bei­ten Sie eine de­tail­lier­te Be­schrei­bung des ma­kro­öko­no­mi­schen Un­ter­neh­mens­um­fel­des in Hinblick auf po­li­ti­sche, wirt­schaft­li­che, so­zio­kul­tu­rel­le, tech­no­lo­gi­sche, öko­lo­gisch-geo­gra­fi­sche und recht­li­che Ein­fluss­fak­to­ren sowie deren Aus­wir­kun­gen.

In der Praxis kommen Analysen nach dem PESTEL-Modell zusammen mit mi­kro­öko­no­mi­schen Un­ter­su­chun­gen als Teil der Um­welt­ana­ly­se zum Einsatz. Deren Ziel ist es, Chancen und Risiken zu iden­ti­fi­zie­ren, die sich aus dem Un­ter­neh­mens­um­feld ergeben.

Der Chancen-und-Risiken-Katalog der Um­welt­ana­ly­se kann an­schlie­ßend im Rahmen einer SWOT-Analyse mit den internen Stärken und Schwächen des be­trach­te­ten Un­ter­neh­mens ab­ge­gli­chen werden. Auf diese Weise lassen sich Hand­lungs­spiel­räu­me bestimmen und Maßnahmen für das stra­te­gi­sche Ma­nage­ment ableiten.

Tipp

Die SWOT-Analyse ist einer der zentralen Be­stand­tei­le des Busi­ness­plans, der bei­spiels­wei­se im Rahmen einer Un­ter­neh­mens­grün­dung oder bei der Neu­po­si­tio­nie­rung erstellt wird.

De­fi­ni­ti­on: PESTEL-Analyse

Mit einer PESTEL-Analyse nehmen Sie das ma­kro­öko­no­mi­sche Umfeld Ihres Un­ter­neh­mens unter die Lupe. Ziel ist es, Ein­fluss­fak­to­ren aus allen re­le­van­ten Ge­sell­schafts­be­rei­chen zu iden­ti­fi­zie­ren, die sich direkt oder indirekt auf Ihr Un­ter­neh­men und dessen Agieren am Markt auswirken. Das Ergebnis dieser Analyse ist ein Chancen-und-Risiken-Katalog, der als Grundlage weiterer Analysen im Rahmen des stra­te­gi­schen Mar­ke­tings fungiert.

Ein­fluss­fak­to­ren der PESTEL-Analyse

Bei der PESTEL-Analyse handelt es sich um eine Er­wei­te­rung der der STEP-Analyse. Während STEP lediglich

  • so­zio­kul­tu­rel­le (Social),
  • tech­no­lo­gi­sche (Tech­no­lo­gi­cal),
  • öko­no­mi­sche (Economic) und
  • po­li­ti­sche (Political)

Einflüsse be­rück­sich­tigt, fließen in eine PESTEL-Analyse auch

  • öko­lo­gi­sche-geo­gra­fi­sche (Envi­ron­men­tal oder Ecological) und
  • recht­li­che Aspekte (Legal)

ein.

Hinweis

Als Al­ter­na­ti­ve zu PESTEL ist auch die Schreib­wei­se „PESTLE“ geläufig. Beide Akronyme beziehen sich auf dieselbe Ana­ly­se­me­tho­de.

Po­li­ti­sche Ein­fluss­fak­to­ren

Po­li­ti­sche Ein­fluss­fak­to­ren, die in die PESTEL-Analyse ein­flie­ßen, umfassen alle Aspekte der Staats­or­ga­ni­sa­ti­on, die direkt oder indirekt auf die Ge­schäfts­pro­zes­se Ihres Un­ter­neh­mens einwirken. Diese hängen u. a. mit folgenden Rah­men­be­din­gun­gen zusammen:

  • Wirt­schafts­ord­nung eines Landes
  • Aktuelle und an­ge­streb­te Au­ßen­po­li­tik
  • Bi­la­te­ra­le Be­zie­hun­gen
  • Sta­bi­li­tät des po­li­ti­schen Systems
  • Pres­se­frei­heit
  • Bü­ro­kra­tie- und Kor­rup­ti­ons­ni­veau
  • Lob­by­is­mus
  • Si­cher­heits­po­li­tik
  • Han­dels­po­li­tik
  • Staat­li­che Re­gu­lie­rung und De­re­gu­lie­rung

Eine Be­trach­tung der po­li­ti­schen Ein­fluss­fak­to­ren hilft Ihnen in erster Linie, tarifäre und nicht­ta­rifä­re Han­dels­hemm­nis­se zu iden­ti­fi­zie­ren, die Ihnen den Eintritt in einen Zielmarkt er­schwe­ren könnten und somit ein Risiko für Ihr Ge­schäfts­mo­dell dar­stel­len.

Zu den tarifären Han­dels­hemm­nis­sen, die sich auf die Ge­stal­tungs­frei­heit von Ge­schäfts­pro­zes­sen auswirken, zählen u. a.:

  • Zoll­po­li­tik (Im­port­zöl­le, Ex­port­zöl­le)
  • Ex­port­sub­ven­tio­nen
  • Steu­er­richt­li­ni­en

Beispiele für nicht­ta­rifä­re Han­dels­hemm­nis­se sind:

  • Ein­fuhr­über­wa­chungs­maß­nah­men
  • Ex­port­ver­bo­te und Be­schrän­kun­gen
  • Min­dest­preis­fest­set­zun­gen bei Importen

Darüber hinaus bietet der po­li­ti­sche Einfluss auf die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung des Marktes auch Chancen für Un­ter­neh­mer – bei­spiels­wei­se durch:

  • För­der­mit­tel
  • Sub­ven­tio­nen

Wirt­schaft­li­che Ein­fluss­fak­to­ren

Öko­no­mi­sche Ein­fluss­fak­ten geben Auf­schluss über die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der für Ihr Un­ter­neh­men re­le­van­ten Märkte. Aspekte, die Sie in diesem Zu­sam­men­hang be­trach­ten, betreffen u.a.:

  • Wirt­schafts­wachs­tum
  • Brut­to­in­lands­pro­dukt
  • Be­völ­ke­rungs­zahl
  • Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen
  • Kon­sum­ver­hal­ten
  • Ka­pi­tal­fluss
  • Import/Export
  • Bör­sen­trends
  • Ver­füg­bar­keit von Krediten

Diese haben einen er­heb­li­chen Einfluss auf den Erfolg und die Ren­ta­bi­li­tät Ihres Un­ter­neh­mens. Zu den Ein­fluss­fak­to­ren, die wirt­schaft­li­che Risiken dar­stel­len, zählen bei­spiels­wei­se:

  • Zins­ver­än­de­run­gen
  • Preis­schwan­kun­gen
  • Rezession
  • Ver­än­de­run­gen bei Wech­sel­kur­sen
  • Inflation
  • Ar­beits­lo­sig­keit
  • Steigende Lohn­kos­ten
  • Res­sour­cen­ver­knap­pung

Beispiele für öko­no­mi­sche Ein­fluss­fak­to­ren, die wirt­schaft­li­che Chancen dar­stel­len, sind:

  • Stei­gen­des Pro-Kopf-Einkommen
  • Zunahme der In­ves­ti­ti­ons­tä­tig­keit in der Ziel­bran­che
  • Steigende Nachfrage

So­zio­kul­tu­rel­le Ein­fluss­fak­to­ren

Bei der Be­schrei­bung des ge­sell­schaft­li­chen Un­ter­neh­mens­um­felds be­trach­ten Sie zunächst de­mo­gra­fi­sche Merkmale:

  • Al­ters­struk­tur
  • Soziale Schichten
  • Le­bens­er­war­tung
  • Po­pu­la­ti­ons­ra­te
  • Sprache
  • Ver­mö­gens­ver­tei­lung
  • Bil­dungs­ni­veau
  • Fa­mi­li­en­grö­ße und -struktur

Darüber können auch Normen, Werte und Ein­stel­lun­gen einen ent­schei­den­den Einfluss auf Ihre Ge­schäfts­pro­zes­se haben. Bei­spiels­wei­se:

  • Ge­sund­heits­be­wusst­sein
  • Ein­kaufs­ge­wohn­hei­ten
  • Rol­len­ver­ständ­nis (Ge­schlech­ter­rol­len)
  • Religion
  • Trends

Tech­no­lo­gi­sche Ein­fluss­fak­to­ren

Auch die tech­ni­sche Ent­wick­lung birgt Chancen und Risiken für Ihr Ge­schäfts­mo­dell. Zu den tech­ni­schen Ein­fluss­fak­to­ren, die Sie im Rahmen einer PESTEL-Analyse be­trach­ten sollen, zählen:

  • Staat­li­che Ausgaben für Forschung und Ent­wick­lung
  • In­no­va­ti­ons­grad
  • Zugang zu neuen Tech­no­lo­gien
  • Dis­rup­ti­ve Tech­no­lo­gien

Öko­lo­gisch-geo­gra­fi­sche Ein­fluss­fak­to­ren

Das zweite „E“ im Akronym „PESTEL“ steht je nach In­ter­pre­ta­ti­on für En­vi­ron­men­tal (um­welt­be­zo­gen) oder für Eco­lo­gi­cal (öko­lo­gisch).

Zu den um­welt­be­zo­ge­nen Ein­fluss­fak­to­ren gehören physisch-geo­gra­fi­sche Ge­ge­ben­hei­ten wie:

  • Klima
  • To­po­gra­phie
  • Größe des Landes
  • In­fra­struk­tur
  • Ver­füg­bar­keit na­tür­li­cher Res­sour­cen (Rohstoffe, Bo­den­schät­ze)

Zudem rücken für Un­ter­neh­men zunehmend auch öko­lo­gi­sche Aspekte in den Fokus von Ge­schäfts­ent­schei­dun­gen. Im Vor­der­grund stehen dabei folgende Ein­fluss­fak­to­ren:

  • Um­welt­ver­schmut­zung (Emis­sio­nen, Müll)
  • Um­welt­be­wusst­sein
  • Druck von NGOs
  • Ein­stel­lung zu nach­hal­ti­gen Produkten
  • Recycling-Standards

Recht­li­che Ein­fluss­fak­to­ren

Welchen Hand­lungs­spiel­raum Ihr Un­ter­neh­men auf einem an­vi­sier­ten Markt hat, hängt erheblich mit dem Rechts­sys­tem des je­wei­li­gen Landes sowie mit dem Rechts­be­wusst­sein der Be­völ­ke­rung zusammen. Im Rahmen einer PESTEL-Analyse un­ter­su­chen Sie in diesem Zu­sam­men­hang, welche Einflüsse auf Ihr Un­ter­neh­men sich u. a. aus den folgenden Bereichen ergeben:

  • Wett­be­werbs­recht
  • Kar­tell­recht
  • Um­welt­schutz­auf­la­gen
  • Ver­brau­cher­schutz­ge­set­ze
  • Auflagen im Arbeits- und Ge­sund­heits­schutz
  • Gesetze zu Fusionen und Über­nah­men
  • Da­ten­schutz
  • Urheber- und Pa­tent­recht
  • Haft­bar­kei­ten
  • Pro­duk­ti­ons­stan­dards
  • Eti­ket­tier-Re­ge­lun­gen

Anwendung der PESTEL-Analyse

Zwischen den Ein­fluss­fak­to­ren der oben dar­ge­stell­ten Bereiche bestehen mitunter wech­sel­sei­ti­ge Be­zie­hun­gen. Die Ver­än­de­rung eines öko­lo­gisch-geo­gra­fi­schen Aspekts wie bei­spiels­wei­se der wach­sen­den Um­welt­be­las­tung in der Region hat in der Regel auch Aus­wir­kun­gen auf recht­li­cher oder so­zio­kul­tu­rel­ler Ebene – u. a. in Form von Um­welt­schutz­auf­la­gen und einem wach­sen­den Um­welt­be­wusst­sein in der Be­völ­ke­rung. Tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen be­ein­flus­sen ebenso wie po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen oft auch öko­no­mi­sche Hand­lungs­spiel­räu­me.

Be­trach­ten Sie die oben genannten Bereiche im Rahmen der PESTEL-Analyse dennoch separat und ermitteln Sie den Status quo sowie aktuelle Trends. Welche Ver­än­de­run­gen sind wann zu erwarten? Lassen sich treibende Kräfte iden­ti­fi­zie­ren, die diese Ver­än­de­run­gen her­bei­füh­ren? Und welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus für Ihre Ge­schäfts­pro­zes­se – bei­spiels­wei­se in Bezug auf Nachfrage und Markt­ver­hal­ten von Kunden, Lie­fe­ran­ten und Wett­be­wer­bern?

Als In­for­ma­ti­ons­grund­la­ge für die PESTEL-Analyse stehen Ihnen sowohl Pri­mär­quel­len als auch Se­kun­där­quel­len zur Verfügung. Zahl­rei­che In­for­ma­tio­nen lassen sich bei staat­li­chen Ein­rich­tun­gen oder Bran­chen­ver­bän­den kos­ten­frei einholen.

Pri­mär­quel­len Se­kun­där­quel­len
Umfragen Amtliche Sta­tis­ti­ken
Interview Ver­öf­fent­li­chun­gen von Mi­nis­te­ri­en
Ex­per­ten­be­fra­gung Ver­öf­fent­li­chun­gen von Wirt­schafts­ver­bän­den
Be­ob­ach­tung Berichte von Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tu­ten
Bran­chen­be­rich­te
Ver­öf­fent­li­chun­gen von Markt­for­schungs­in­sti­tu­ten
Wis­sen­schaft­li­che Studien
Ge­schäfts­be­rich­te
In­for­ma­tio­nen von in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen

Be­schrän­ken Sie sich bei der Analyse lediglich auf die Um­welt­fak­to­ren, die Ihr Un­ter­neh­men und dessen Prozesse tat­säch­lich be­ein­flus­sen. Nur so stellen Sie sicher, dass sich aus dem von Ihnen er­stell­ten Chancen-und-Risiken-Katalog in der an­schlie­ßen­den SWOT-Analyse pra­xis­be­zo­ge­ne Stra­te­gien und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen ableiten lassen.

Das folgende Video ist aus einer Kol­la­bo­ra­ti­on der Uni­ver­si­tät Leiden, der TU Delft und der Erasmus Uni­ver­si­tät Rotterdam her­vor­ge­gan­gen und ver­an­schau­licht Ihnen den Zu­sam­men­hang zwischen PESTEL und SWOT-Analyse in drei­ein­halb Minuten:

Bitte beachten Sie den recht­li­chen Hinweis zu diesem Artikel.

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