Schon so mancher An­ge­stell­te hat sich bei der Vor­stel­lung der Un­ter­neh­mens­zie­le kopf­schüt­telnd gefragt, wie sich die Ge­schäfts­füh­rung das vorstellt, so of­fen­sicht­lich klaffen stra­te­gi­sche Planung und mögliche Umsetzung einer Ziel­vor­ga­be aus­ein­an­der. Wenn das Un­ter­neh­men dennoch an der Ziel­set­zung festhält, ohne die internen Be­din­gun­gen zu ändern, ist dies Zeichen einer feh­ler­haf­ten oder zumindest un­ge­nü­gen­den Un­ter­neh­mens­pla­nung. Mit der Gap-Analyse lässt sich die Ab­wei­chung zwischen Soll- und Ist-Zustand schon in der Pla­nungs­pha­se eines Projekts fest­stel­len. Sie hat aber nur einen Nutzen, wenn an­schlie­ßend Maßnahmen zur Ver­bes­se­rung ergriffen werden oder eine stra­te­gi­sche Neu­aus­rich­tung erfolgt.

Was ist die Gap-Analyse?

Ihren Namen hat die Ana­ly­se­me­tho­de vom eng­li­schen Wort „gap“ (dt. „Lücke“). Und das be­zeich­net auch schon, worum es im Kern geht. Die Gap-Analyse ist nämlich ein klas­si­sches In­stru­ment des stra­te­gi­schen Mar­ke­tings, mit dem sich die Dis­kre­panz zwischen an­ge­streb­ten Pla­nungs­zie­len und den tat­säch­lich möglichen Er­geb­nis­sen im Un­ter­neh­mens­all­tag dar­stel­len lässt. Auf diese Weise werden schon früh Schwach­stel­len in der stra­te­gi­schen Planung deutlich. Das Un­ter­neh­men hat dann die Mög­lich­keit, drohenden Miss­erfol­gen mit einer kor­ri­gier­ten Strategie oder durch Ver­än­de­run­gen der Un­ter­neh­mens­ab­läu­fe ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Hier wird schon deutlich, dass die Gap-Analyse ohne Aus­wer­tung und wei­ter­füh­ren­de Maßnahmen wir­kungs­los bleibt. Sie bildet lediglich die aktuelle Situation ab und zeigt, ob die an­ge­streb­ten Un­ter­neh­mens­zie­le rea­lis­tisch sind. Nur der auf einer um­sich­ti­gen In­ter­pre­ta­ti­on ba­sie­ren­de Einsatz weiterer stra­te­gi­scher Mar­ke­ting­in­stru­men­te kann zu einer positiven Ver­än­de­rung führen.

Durch­füh­rung der Gap-Analyse

Die Gap-Analyse wird in einem Kur­ven­dia­gramm ab­ge­bil­det, dessen x-Achse der Abbildung der Zeit und dessen y-Achse der Abbildung der Zielgröße (z. B. Umsatz) dient. In dieses Ko­or­di­na­ten­sys­tem werden drei Kurven ein­ge­tra­gen:

  • die an­ge­streb­te Ent­wick­lung
  • die unter optimalen Be­triebs­be­din­gun­gen mögliche Ent­wick­lung
  • die pro­gnos­ti­zier­te Ent­wick­lung bei gleich blei­ben­den Be­triebs­be­din­gun­gen

Die Abstände, die sich zwischen diesen Kurven ergeben, sind die Lücken, deren Ursachen es zu ana­ly­sie­ren und zu beheben gilt.

Am besten lässt sich die Gap-Analyse am Beispiel ver­an­schau­li­chen:

Be­stim­mung der Kur­ven­wer­te

Zunächst werden die Werte der stra­te­gi­schen Ziel­set­zung ein­ge­tra­gen. Sie bilden na­tur­ge­mäß die oberste, am steilsten an­stei­gen­de Kurve, da ein Un­ter­neh­men mit einem neuen Markt­mo­dell immer den maximalen Gewinn er­wirt­schaf­ten will.

An­schlie­ßen werden auf der Basis von Ist-Werten aus den aktuellen Ge­schäfts­ab­läu­fen die zu­künf­ti­gen Per­for­mance-Werte pro­gnos­ti­ziert. An dieser Kurve lässt sich ablesen, wie sich die Geschäfte unter un­ver­än­der­ten Be­din­gun­gen ent­wi­ckeln werden. Üb­li­cher­wei­se ist das die am wenigsten an­stei­gen­de Kurve.

In einem letzten Schritt wird berechnet, welche Werte unter optimalen Be­din­gun­gen erzielt werden könnten. Die daraus ent­ste­hen­de Kurve befindet sich in der Regel zwischen den Kurven für Ziel­set­zung und Ist-Zustand.

In­ter­pre­ta­ti­on der Lücken

Der wich­tigs­te Aspekt der Gap-Analyse sind al­ler­dings nicht die Kurven, sondern die Lücken zwischen ihnen. Sie zeigen deutlich, wie sehr stra­te­gi­sche Ziel­set­zung, Optimal- und Ist-Zustand von­ein­an­der abweichen. Die Lücke zwischen Ziel­vor­ga­be und Op­ti­mal­zu­stand wird als stra­te­gi­sche Lücke be­zeich­net, diejenige zwischen Optimal- und Ist-Zustand als operative Lücke.

Eine große stra­te­gi­sche Lücke zeigt, dass die Ziel­set­zung äußerst un­rea­lis­tisch ist und die vor­han­de­nen (bzw. fehlenden) Res­sour­cen des Un­ter­neh­mens bei der Planung nicht aus­rei­chend be­rück­sich­tigt wurden. Mögliche Kon­se­quen­zen sind eine Über­ar­bei­tung der Strategie oder die Ver­bes­se­rung der Po­ten­zia­le des Un­ter­neh­mens (z. B. durch Per­so­nal­auf­sto­ckung oder die An­schaf­fung ef­fi­zi­en­te­rer Maschinen).

Eine große operative Lücke zeigt, dass es Hin­der­nis­se gibt, die den optimalen Ablauf von Un­ter­neh­mens­pro­zes­sen be­ein­träch­ti­gen. Die Liste der möglichen Ursachen ist lang und reicht von tech­ni­schen Mängeln der Be­triebs­aus­stat­tung bis zur fehlenden Mo­ti­va­ti­on von Mit­ar­bei­tern. Aus diesem Grund müssen sich weitere Un­ter­su­chun­gen an­schlie­ßen, die aufzeigen, wie der Ist-Zustand ver­bes­sert werden kann.

Potenzial und Grenzen der Gap-Analyse

Die Gap-Analyse ist ein nütz­li­ches In­stru­ment für die erste grobe Ein­schät­zung der aktuellen Situation. Mit ihr können Schwach­stel­len früh erkannt und die nötigen Ge­gen­maß­nah­men ein­ge­lei­tet werden.

Al­ler­dings sind die In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­räu­me so groß, dass unbedingt weitere Un­ter­su­chun­gen folgen müssen, um die Er­kennt­nis­se ziel­füh­rend auf die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung des Un­ter­neh­mens zu über­tra­gen. Ein weiteres Problem ist, dass Faktoren außerhalb des Un­ter­neh­mens nicht be­rück­sich­tigt werden. Unter dieser Vor­aus­set­zung ist die Pro­jek­ti­on von aktuellen Daten auf die Zukunft höchst spe­ku­la­tiv.

Solange die Aus­wer­tung der Gap-Analyse im Be­wusst­sein dieser Grenzen erfolgt, ist sie ein hilf­rei­cher Aus­gangs­punkt für die stra­te­gi­sche Planung eines Un­ter­neh­mens.

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