Eine korrekte Zeit­er­fas­sung ist für Ar­beit­ge­ber wie für Ar­beit­neh­mer glei­cher­ma­ßen wichtig. Vor­ge­setz­te können auf diese Weise si­cher­stel­len, dass die An­ge­stell­ten ihre ver­trag­li­chen Zeiten einhalten. Ar­beit­neh­mer wiederum haben durch die korrekte Erfassung ein Mittel, um un­be­zahl­ten Über­stun­den zu entgehen. Doch die Zeit­er­fas­sung kann nur funk­tio­nie­ren, wenn ein wirksames System dafür im­ple­men­tiert ist.

Wie ein solches System al­ler­dings aussieht, hängt stark von den An­for­de­run­gen und Ei­gen­schaf­ten des Un­ter­neh­mens ab. Es gibt un­ter­schied­lichs­te Lösungen, die ver­schie­dens­ten Umständen Rechnung tragen, z. B. als reine Software- oder Hardware-Lösung oder in Form von Apps für mobile Geräte. Damit Sie ent­schei­den können, welches Zeit­er­fas­sungs­sys­tem für Sie das richtige ist, stellen wir die ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten vor.

Ver­schie­de­ne Zeit­er­fas­sungs­sys­te­me vor­ge­stellt

Nicht für jedes Un­ter­neh­men eignet sich ein um­fas­sen­des, hard­ware­ge­steu­er­tes und elek­tro­ni­sches Zeit­er­fas­sungs­sys­tem. Gerade in kleinen Betrieben würden die nötigen Auf­wen­dun­gen in keinem Ver­hält­nis zum Ergebnis stehen. Andere Un­ter­neh­men können mit festen Geräten nichts anfangen, weil die ent­spre­chen­den Mit­ar­bei­ter gar nicht an einem Ort zu­sam­men­ar­bei­ten. Was für Mög­lich­kei­ten gibt es?

Hinweis

Ein Zeit­er­fas­sungs­sys­tem muss nicht zwingend zur Do­ku­men­ta­ti­on der gesamten Ar­beits­zeit genutzt werden. Auch für Projekte oder spezielle Aufträge kann es sinnvoll sein, Zeiten genau zu erfassen.

Stift und Papier

Auch heute noch haben viele kleinere Betriebe eine Liste (einen Stun­den­zet­tel), in die Mit­ar­bei­ter ihre Ar­beits­zei­ten selbst eintragen. Der Vorteil einer solchen Do­ku­men­ta­ti­ons­wei­se liegt eindeutig in den nahezu nicht vor­han­de­nen An­schaf­fungs­kos­ten. Außerdem braucht es kaum Aufwand, den Mit­ar­bei­tern die Nutzung dieses Zeit­er­fas­sungs­sys­tems zu erklären. Mit einer selbst­er­klä­ren­den Tabelle dürfte die Nutzung intuitiv sein.

Was man aber nicht vergessen sollte – und hier besteht einer der Nachteile eines solchen manuellen Systems –: Die Daten müssen an­schlie­ßend auch per Hand aus­ge­wer­tet werden. Geben die Mit­ar­bei­ter nur Start- und Endzeiten an, muss der Vor­ge­setz­te oder die Per­so­nal­ab­tei­lung hieraus die ge­ar­bei­te­ten Stunden berechnen und diese an­schlie­ßend addieren. Der Aufwand für die Ar­chi­vie­rung des Systems kommt noch hinzu.

Deshalb ist es ent­schei­dend, wie groß das ent­spre­chen­de Un­ter­neh­men ist: Hat man nur wenige Mit­ar­bei­ter, fällt auch die Nach­ar­beit gering aus. Müssen al­ler­dings die Stun­den­zet­tel von dutzenden An­ge­stell­ten be­ar­bei­tet werden, kann sich die In­ves­ti­ti­on in eine elek­tro­ni­sche Lösung rentieren.

Das System bietet zudem Mög­lich­kei­ten zum Betrug durch die Mit­ar­bei­ter: Während andere Zeit­er­fas­sungs­sys­te­me die Uhrzeiten ma­schi­nell eintragen und daher schwie­ri­ger zu ma­ni­pu­lie­ren sind, ist diese Lösung zu einem großen Teil auf Vertrauen aufgebaut. Zwar besteht eine gewisse soziale Kontrolle durch Kollegen, aber der Stun­den­zet­tel kann nur funk­tio­nie­ren, wenn der Ar­beit­ge­ber seinen An­ge­stell­ten vertraut.

Vorteile Nachteile
Intuitive Hand­ha­bung Viel Nach­ar­beit
Sehr günstig Fehler- und be­trugs­an­fäl­lig

Hardware-Lösung

Denkt man an ein Gerät für die Zeit­ver­fas­sung, wird vielen zuerst die typische Stechuhr einfallen. Kurz erklärt: Der Mit­ar­bei­ter steckt eine Karte in das Gerät, das daraufhin die aktuelle Uhrzeit auf­stem­pelt. Dies macht er, wenn er den Betrieb betritt und wenn er ihn wieder verlässt. Wie bei der manuellen Pa­pier­ver­si­on müssen auch bei dieser (in­zwi­schen ver­al­te­ten) Variante die Ar­beits­stun­den schließ­lich per Hand zu­sam­men­ge­rech­net werden. Auch hier ist die Ar­chi­vie­rung wieder mit zu­sätz­li­cher Arbeit verbunden. Der Vorteil, den eine solche Maschine mit sich bringt, liegt aber in der einfachen Hand­ha­bung durch die Mit­ar­bei­ter. Außerdem ist es deutlich schwie­ri­ger zu betrügen.

In­zwi­schen hat man sich wei­test­ge­hend von den klas­si­schen Stem­pel­uh­ren ver­ab­schie­det, aber die Vorteile dieses Zeit­er­fas­sungs­sys­tems bei­be­hal­ten. Mit elek­tro­ni­schen und digitalen Hardware-Lösungen erhält man ein einfach zu be­die­nen­des Gerät, das relativ fäl­schungs­si­cher ist und die Daten stan­dar­di­siert auf­be­rei­tet. Dies beseitigt auch die Nachteile der manuellen Stechuhr: Die neuen Systeme berechnen die Zeiten au­to­ma­tisch und ar­chi­vie­ren auch alle Daten selbst­stän­dig.

Mit einem Chip-Token oder einer Chip-Karte (in Form von RFID) oder sogar per Fin­ger­ab­druck iden­ti­fi­zie­ren sich Mit­ar­bei­ter an dem Gerät und lösen zugleich den Timestamp aus. Der digitale Stempel wird dann aber nicht auf dem Chip des Mit­ar­bei­ters ge­spei­chert, sondern direkt im Gerät. Die Daten kann man dann über eine Software oder eine Web­schnitt­stel­le auslesen. Alle Angaben werden dabei nach­voll­zieh­bar auf­be­rei­tet und mit­ein­an­der ver­rech­net. In vielen Fällen können Mit­ar­bei­ter über ein Display an der Hardware auch ihr Ar­beits­zeit­kon­to über­prü­fen oder weitere Ein­stel­lun­gen vornehmen.

So kom­for­ta­bel dieses Zeit­er­fas­sungs­sys­tem in seiner digitalen Form ist, es ergeben sich dennoch zwei Nachteile: Zum einen dürften gerade kleinere Un­ter­neh­men vor den teils hohen An­schaf­fungs­kos­ten zu­rück­schre­cken. Schließ­lich muss man nicht nur das Gerät an sich, sondern auch die ent­spre­chen­den Chips für jeden Mit­ar­bei­ter hin­zu­rech­nen, eventuell noch ein Gerät, um die Chips zu pro­gram­mie­ren, und viel­leicht noch eine Lizenz für die benötigte Software. Zum anderen sind solche digitalen Stem­pel­uh­ren nur stationär ein­setz­bar. Befindet sich ein Mit­ar­bei­ter bei­spiels­wei­se im Au­ßen­dienst, kann er sich an dem Tag nicht einloggen.

Vorteile Nachteile
Sehr einfach zu bedienen Relativ hoher Preis
Genaue Zeit­er­fas­sung Nur stationär ein­setz­bar
Au­to­ma­ti­sche Be­rech­nung
Un­ab­hän­gig von sonstiger Software
Recht sicher gegen Betrug

Mobile Apps

Um Mit­ar­bei­tern, die nicht vor Ort im Büro arbeiten, sondern sich bei­spiels­wei­se im Home Office befinden oder Au­ßen­dienst haben, ein Zeit­er­fas­sungs­sys­tem zur Verfügung zu stellen, gibt es auch mobile Lösungen. Per App für das Smart­phone können Mit­ar­bei­ter das Zeit­er­fas­sungs­sys­tem immer mit sich tragen. In­zwi­schen gibt es zahl­rei­che mobile An­wen­dun­gen in dem Bereich, und die meisten sind sehr einfach zu bedienen. In nur wenigen Schritten sind Start- und Endzeiten erfasst. Außerdem bieten viele Apps nützliche Features: Au­ßen­dienst­mit­ar­bei­ter können z. B. selbst­stän­dig zu­sätz­li­che In­for­ma­tio­nen zu ihrem aktuellen Auftrag liefern, also bei­spiels­wei­se den Namen des Kunden, bei dem Sie an dem Tag waren.

Durch die GPS-Lo­ka­li­sa­ti­on der Smart­phones können auch Stand­ort­da­ten Teil einer Zeit­er­fas­sung werden. Das Führen eines Fahr­ten­buchs sowie die Erfassung von Auftrags- oder Pro­jekt­zei­ten lassen sich oftmals über ein solches Zeit­er­fas­sungs­sys­tem gleich mit­erle­di­gen. Vor­ge­setz­te oder die Per­so­nal­ab­tei­lung können an­schlie­ßend alle Daten in einer Online-Anwendung über­prü­fen und auswerten.

Eine mobile App als Zeit­er­fas­sungs­sys­tem funk­tio­niert also wie ein digitaler Stun­den­zet­tel – teilweise auch mit dessen Vor- und Nach­tei­len. So basiert auch dieses System zu einem großen Teil auf Vertrauen, was al­ler­dings vor allem an der Natur des Au­ßen­diens­tes liegt. Gleich­zei­tig ist es relativ einfach zu verstehen. Im Gegensatz zu einer kom­plet­ten Hardware-Lösung liegen die Apps meist preislich in einem mittleren Bereich.

Un­ter­neh­mer können zudem in der Regel zwischen ver­schie­de­nen Paketen wählen und so das richtige Angebot für die Größe ihres Betriebs auswählen. Was man al­ler­dings nicht vergessen darf: Jeder Mit­ar­bei­ter benötigt dann auch ein Smart­phone. Sollte das Un­ter­neh­men keine Dienst­ge­rä­te verteilt haben, muss die App also auf den Pri­vat­ge­rä­ten laufen. Deshalb sollten Sie sich im Vorfeld unbedingt in­for­mie­ren, für welche mobilen Be­triebs­sys­te­me die jeweilige App kon­zi­piert wurde.

Hinweis

Bei jedem Zeit­er­fas­sungs­sys­tem gilt es, den Da­ten­schutz gemäß DSGVO zu beachten. Da man bei mobilen Lösungen noch weitere In­for­ma­tio­nen (z. B. Be­we­gungs­pro­fi­le) sammeln kann, müssen Sie klären, was erlaubt ist und ob die Apps den An­for­de­run­gen gerecht werden.

Vorteile Nachteile
Mobil ein­setz­bar Benötigt Smart­phone
Kom­for­ta­ble Nutzung
Au­to­ma­ti­sche Be­rech­nung
Viele Zu­satz­fea­tures

Software-Lösung

So wie es mobile Apps für das Smart­phone gibt, sind auch Software-Lösungen für den Büro-PC verfügbar. Im Aufbau sind diese Zeit­er­fas­sungs­sys­te­me den Apps meist ähnlich. In der Software legt ein Admin alle Mit­ar­bei­ter mit ihren in­di­vi­du­el­len Ar­beits­zei­ten an. Das Programm befindet sich zu­sätz­lich auf den Computern der An­ge­stell­ten. Sobald diese ihren Ar­beits­tag beginnen, können sie mit einem Mausklick die Zeit­er­fas­sung starten. Pausen und das Ar­beits­en­de lassen sich ebenso un­kom­pli­ziert erfassen.

Vor­ge­setz­te greifen über eine Ad­mi­nis­tra­ti­ons­ober­flä­che auf alle Daten zu und über­prü­fen so das Zeit­ar­beits­kon­to jedes einzelnen Mit­ar­bei­ters. Ein soft­ware­ge­stütz­tes Zeit­er­fas­sungs­sys­tem lässt zudem in der Regel den Eintrag von Urlaubs-, Krank­heits- und Fei­er­ta­gen zu. Es gibt also keinen nach­träg­li­chen Ver­wal­tungs­auf­wand.

Nachteile ergeben sich bei dieser Lösung nur durch die Kosten (auch bei dieser Variante sind meist re­gel­mä­ßi­ge Li­zenz­ge­büh­ren zu zahlen) sowie durch die Plat­zie­rung der Software auf dem PC: Dieser muss morgens meist erst hoch­ge­fah­ren werden. Kann die Zeit­er­fas­sung dann nur per Mausklick gestartet werden, wird die Ar­beits­zeit u. U. nicht korrekt erfasst. Zudem ist auch diese Lösung nur bedingt für die mobile Arbeit nützlich und verlangt hierfür in jedem Fall einen Laptop.

Tipp

Software zur Zeit­er­fas­sung gibt es oft in gleich mehreren Varianten. Einige Anbieter halten daher auch Apps bereit oder Programme, die nahtlos mit digitalen Stem­pel­uh­ren zu­sam­men­ar­bei­ten. So kann man die ver­schie­de­nen Ar­beits­mo­del­le in einem Zeit­er­fas­sungs­sys­tem verbinden.

Vorteile Nachteile
Kom­for­ta­bel nutzbar An Hardware gebunden
Viele Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten Mobil nicht ein­setz­bar
Au­to­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen

Online-Zeit­er­fas­sung

Möchte man Mit­ar­bei­ter im Büro und im Home oder Mobile Office über die gleiche Anwendung ihre Zeit erfassen lassen, kann ein Online-Zeit­er­fas­sungs­sys­tem sinnvoll sein. So können Mit­ar­bei­ter über den Browser auf das System zugreifen. Ähnlich wie bei der Desktop-Software notieren Ar­beit­neh­mer ihre Ar­beits­zeit nun im Webportal. Vor­ge­setz­te wiederum können alle erfassten Zeiten in einer Übersicht abrufen. Auch bei diesem System lassen sich meist zu­sätz­li­che In­for­ma­tio­nen sowie Fehl­zei­ten und freie Tage hin­ter­le­gen.

Da man die Online-Anwendung über einen normalen Browser verwenden kann, hat man im Gegensatz zu einer Software-Lösung weniger Kom­pa­ti­bi­li­täts­pro­ble­me. Solange Nutzer einen aktuellen Browser verwenden, sollten alle Funk­tio­nen voll­um­fäng­lich verfügbar sein – un­ab­hän­gig von der Hardware und dem ver­wen­de­ten Be­triebs­sys­tem. Im besten Fall bietet die Anwendung sogar eine Schnitt­stel­le zu anderen Pro­gram­men, um so etwa die Lohn­ab­rech­nung zu ver­ein­fa­chen. Si­cher­stel­len muss man – auch aus Da­ten­schutz­grün­den –, welche Daten wo ge­spei­chert sind und wer auf diese Zugriff hat.

Vorteile Nachteile
Zugriff meist über Browser Da­ten­spei­che­rung online
Orts­un­ab­hän­gig
Un­ab­hän­gig vom ver­wen­de­ten System
Au­to­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen

Die Zeit­er­fas­sungs­sys­te­me im Vergleich

Für welches Zeit­er­fas­sungs­sys­tem Sie sich ent­schei­den sollten, hängt stark von Ihrem Un­ter­neh­men und dessen An­for­de­run­gen ab. Während vielen kleineren Un­ter­neh­men günstige und simple Lösungen reichen, können große Betriebe in kom­ple­xe­re Systeme in­ves­tie­ren. In manchen Si­tua­tio­nen dürfte eine Mischung aus mehreren Systemen die richtige Lösung sein. Sie sollten darauf achten, dass die Lösungen vom gleichen Anbieter kommen oder zumindest mit­ein­an­der kom­bi­nier­bar sind.

System Ziel­grup­pe Komfort: Nutzer Komfort: Admin Preis
Stun­den­zet­tel Kleine Un­ter­neh­men ** * ***
Hardware Große Un­ter­neh­men *** *** *
App Kleine und mittlere Un­ter­neh­men ** *** **
Software Kleine und mittlere Un­ter­neh­men ** *** **
Online Kleine und mittlere Un­ter­neh­men *** *** **
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