Bringt man ein neues Produkt auf den Markt, schickt man dieses praktisch auf eine Reise. Der Erfolg des neuen Angebots ist dabei im Regelfall weder stetig gleich­blei­bend noch linear steigend. Doch wie ent­wi­ckelt er sich dann? Wis­sen­schaft­ler haben die Er­folgs­ent­wick­lung von Produkten am Markt be­ob­ach­tet und dabei ver­schie­de­ne Phasen iden­ti­fi­ziert, die so gut wie jedes Produkt durch­läuft. Damit man schon bei der Ent­wick­lung eines neuen Produkts absehen kann, wie sich die In­no­va­ti­on am Markt verhalten wird und mit welchen Ge­winn­ent­wick­lun­gen man zu welchem Zeitpunkt rechnen kann, sollte man das Modell des Pro­dukt­le­bens­zy­klus kennen.

Den Le­bens­zy­klus eines Produkts und die ver­schie­de­nen Phasen ab­schät­zen zu können, verleiht Un­ter­neh­mern größere Pla­nungs­si­cher­heit und bewahrt mitunter auch vor bösen Über­ra­schun­gen.

Was ist ein Pro­dukt­le­bens­zy­klus?

Der Begriff Pro­dukt­le­bens­zy­klus stammt aus der Be­triebs­wirt­schafts­leh­re und bezieht sich auf das generelle und nicht auf das in­di­vi­du­el­le Produkt. Man be­schäf­tigt sich also nicht mit der Halt­bar­keit eines einzelnen Ge­gen­stan­des, sondern vielmehr damit, wie sich eine Pro­dukt­grup­pe oder auch eine Dienst­leis­tung über einen längeren Zeitraum am Markt ent­wi­ckeln wird. Dabei durch­läuft das Produkt von der Mark­ein­füh­rung bis zum Markt­aus­tritt fünf Phasen.

Hinweis

Vor allem die eng­lisch­spra­chi­ge Literatur spricht häufig von nur vier ver­schie­de­nen Phasen. In den meisten dieser Modelle werden aber lediglich die letzten beiden Phasen des hier prä­sen­tier­ten Modells zu einer zu­sam­men­ge­fasst.

Der Pro­dukt­le­bens­zy­klus hat großen Einfluss auf den Umsatz und damit auch auf den Gewinn eines Un­ter­neh­mens. Deshalb ist es wichtig, sich schon vor der Markt­ein­füh­rung mit diesem aus­ein­an­der­zu­set­zen. Doch nicht nur die Ge­schäfts­füh­rung und das Con­trol­ling müssen sich damit befassen, der Pro­dukt­le­bens­zy­klus betrifft auch das Marketing eines Un­ter­neh­mens. Wenn man die ver­schie­de­nen Phasen kennt und weiß, in welcher Phase sich das eigene Produkt gerade befindet, können Res­sour­cen ef­fi­zi­en­ter ein­ge­setzt werden. Der Pro­dukt­le­bens­zy­klus sollte also auch die Wahl der Mar­ke­ting­in­stru­men­te be­ein­flus­sen, die ein Un­ter­neh­men in den un­ter­schied­li­chen Zyklen nutzt.

Phasen des Pro­dukt­le­bens­zy­klus

In den ver­schie­de­nen Phasen des Pro­dukt­le­bens­zy­klus kann man auch un­ter­schied­li­che Er­trags­span­nen erwarten. Es gibt al­ler­dings keine festen Zeit­an­ga­ben, wie lang die einzelnen Phasen andauern. Dies ist abhängig vom Produkt, dem Markt, der Kon­kur­renz und der Branche. So gibt es Produkte (vor allem solche, die auf Trends und Moden basieren), deren Le­bens­zy­klus von sehr kurzer Dauer ist, während andere sich sehr lange am Markt halten.

Ein­füh­rung

Die Markt­ein­füh­rung beginnt mit dem Datum, ab dem Kunden das neue Produkt kaufen können. Zuvor haben also – wenn überhaupt – nur wenige In­ter­es­sen­ten von dem neuen Produkt gehört. Deshalb liegt der Fokus in dieser Phase darauf, die Be­kannt­heit zu steigern. Das bedeutet, dass das Un­ter­neh­men auch die ent­spre­chen­den Res­sour­cen (also Budget und Personal) be­reit­stel­len muss, um die Ein­füh­rung möglichst er­folg­reich zu gestalten.

Dem­entspre­chend ist die Markt­ein­füh­rung sehr kos­ten­in­ten­siv. Nicht nur, dass man viel Geld ins Marketing stecken muss, gleich­zei­tig bringt das neue Produkt in der Ein­füh­rungs­pha­se meist auch kaum Umsatz ein – Gewinne damit schon gar nicht. Es ist also wichtig, Vor­fi­nan­zie­rung zu leisten. In der Regel hält man in dieser Phase auch den Ver­kaufs­preis noch relativ gering, um auf diese Weise mehr Kunden für das Produkt zu be­geis­tern.

Das Ende dieser ersten Phase lässt sich sehr genau durch den Break-even-Point bestimmen. Wenn die Erlöse durch den Verkauf des Produkts die Kosten der Pro­duk­ti­on über­schrei­ten, ist die Phase des Wachstums erreicht. Sollte dieser Punkt überhaupt nicht eintreten, war die Pro­dukt­ein­füh­rung ein Miss­erfolg und das Produkt (und damit mitunter auch das Un­ter­neh­men) ver­schwin­det wieder vom Markt.

Tipp

Was passiert, wenn niemand sich für das Produkt in­ter­es­siert? Um das Risiko eines totalen Fehl­schlags zu mi­ni­mie­ren, setzen vor allem Start-ups auf das Minimum Viable Product (MVP). Als eine Art Test­bal­lon wird zunächst eine sehr einfache Variante des ei­gent­li­chen Produkts auf den Markt gebracht, um die Re­ak­tio­nen der Kunden zu testen.

Wachstum

Nach der Markt­ein­füh­rung befindet sich das Produkt in der Phase des Wachstums. Absatz und damit auch Umsatz und Erlös steigen in dieser Phase stetig an. Durch die Mar­ke­ting­maß­nah­men der ersten Phase haben immer mehr Menschen von dem Produkt erfahren und kaufen es nun. Hierbei darf man sich aber nicht auf den an­fäng­li­chen Mar­ke­ting­ef­fekt verlassen. Auch in dieser Phase muss man das Produkt weiterhin stark bewerben, damit das Wachstum nicht früh­zei­tig stagniert oder die Er­folgs­kur­ve zu flach steigt.

Gleich­zei­tig werden in dieser Phase meist auch die Mit­wett­be­wer­ber auf das Produkt auf­merk­sam. Dies führt zu zwei un­ter­schied­li­chen Problemen:

  • Preis­kämp­fe: Kon­kur­ren­ten, die bereits am Markt mit ver­gleich­ba­ren Produkten vertreten sind, senken ihre Preise, um die Markt­ver­lus­te möglichst klein zu halten.
  • Imi­ta­tio­nen: Das neue Produkt wird nach­ge­ahmt und die Nach­ah­mer­pro­duk­te machen durch einen güns­ti­ge­ren Preis oder bessere/zu­sätz­li­che Funk­tio­nen dem Original Kon­kur­renz.

Reife

In der Rei­fe­pha­se hat sich das Produkt etabliert. Der Umsatz wächst kaum noch und erreicht sein Maximum. Diese Phase zieht sich in der Regel am längsten hin und sorgt für die größten Gewinne. Gleich­zei­tig hat man zu diesem Zeitpunkt aber auch den stärksten Kon­kur­renz­druck aus­zu­hal­ten. Damit die Phase nicht zu früh endet, greifen Un­ter­neh­men zu ver­schie­de­nen Maßnahmen:

  • Durch neue Va­ria­tio­nen des gleichen Produkts kann man das Interesse hoch­hal­ten und einen Vorteil gegenüber der Kon­kur­renz erlangen.
  • Das Marketing in diesem Zeitraum kon­zen­triert sich vermehrt auf die Pro­dukt­viel­falt und weniger auf die ei­gent­li­che In­no­va­ti­on.
  • Nun ist man selbst in der Situation, einen Preis­kampf führen zu können.
  • Da man sich am Markt etabliert hat, kann man viele Dis­tri­bu­ti­ons­ka­nä­le einsetzen und so durch flä­chen­de­cken­de Ver­füg­bar­keit über­zeu­gen.

Sättigung

Die vierte Phase be­schreibt den Zeitraum, in dem keinerlei Wachstum mehr statt­fin­det. Statt­des­sen beginnen Umsatz und Gewinn langsam zu­rück­zu­ge­hen – so lange, bis das Produkt überhaupt keinen Gewinn mehr einbringt. In diesem Fall un­ter­schrei­tet man mit dem Produkt wieder den Break-even-Point. Es ist möglich, diesen Punkt hin­aus­zu­zö­gern: Viele Un­ter­neh­men versuchen in einer solchen Situation, die Kosten der Pro­duk­ti­on oder Be­reit­stel­lung so niedrig wie nur möglich zu gestalten. Auf diese Weise be­an­sprucht das Un­ter­neh­men die Kos­ten­füh­rer­schaft für sich und erlangt damit einen Wett­be­werbs­vor­teil.

Rückgang

Ir­gend­wann ist der Punkt gekommen, an dem das Un­ter­neh­men mit einem Produkt keine Gewinne mehr erzielt. Diese Phase lässt sich häufig daran erkennen, dass nicht nur die eigenen Produkte weniger Absatz finden, sondern der komplette Markt schrumpft. Spä­tes­tens in dieser Phase sind Mar­ke­ting­be­mü­hun­gen nicht mehr effektiv. Statt­des­sen haben Un­ter­neh­men zwei Optionen zur Verfügung:

  • Pro­dukt­eli­mi­na­ti­on: Die of­fen­sicht­li­che Lösung besteht darin, das Produkt komplett vom Markt zu nehmen und sich auf eine neue Pro­dukt­rei­he zu kon­zen­trie­ren. Die Ent­fer­nung eines Produkts aus dem Sortiment ist keine Nie­der­la­ge, sondern ein kal­ku­lier­ter und not­wen­di­ger Faktor. Dies beendet den Pro­dukt­le­bens­zy­klus.
  • Wei­ter­ent­wick­lung: Manche Un­ter­neh­men schaffen es, eine komplett neue Version mit anderen Funk­tio­nen auf den Markt zu bringen. Dadurch kann man unter Umständen einen neuen Markt mit einer an­ge­pass­ten Ziel­grup­pe erreichen. Es ist möglich, dass die neue Version den Pro­dukt­le­bens­zy­klus dann erneut durch­läuft.
Fazit

Sowohl für Gründer als auch für erfahrene Un­ter­neh­mer ist der Pro­dukt­le­bens­zy­klus ein nütz­li­ches Pla­nungs­mo­dell. Wenn man sein eigenes Produkt der richtigen Phase zuordnen kann, kann man auch besser ab­schät­zen, welche Mar­ke­ting­maß­nah­men nun sinnvoll sind und ver­schenkt so keine Po­ten­zia­le. Zu­sätz­li­che In­for­ma­tio­nen zum Markt­ver­hal­ten von Produkten und Dienst­leis­tun­gen liefern auch die BCG-Matrix oder die Ansoff-Matrix.

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