Je länger man wartet, desto mehr ver­blas­sen die Er­in­ne­run­gen zu einem be­stimm­ten Ereignis. Man kann sich kaum noch an Details oder an den Ablauf einer Situation erinnern. Später bereut man womöglich, dass man sich nichts notiert hat. Dies kann sich nämlich sogar nach­tei­lig für Sie auswirken, sollten diese In­for­ma­tio­nen bei­spiels­wei­se für die Ver­si­che­rung wichtig sein. Um Probleme zu vermeiden, empfiehlt es sich daher, ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll an­zu­fer­ti­gen.

De­fi­ni­ti­on: Ge­dächt­nis­pro­to­koll

Ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll ist eine sub­jek­ti­ve Dar­stel­lung der eigenen Gedanken nach einem wichtigen Vorfall. Es basiert auf Er­in­ne­run­gen und Notizen. Diese Form des Pro­to­kolls dient primär privaten Zwecken und ist nicht zur Wei­ter­ga­be an andere gedacht. Daher un­ter­liegt ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll auch keinen Regeln oder Normen.

Es ist immer eine große Hilfe, nach einem Zwi­schen­fall (z. B. einem Au­to­un­fall), mündlich ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen oder einem Vorgang bei den Behörden ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll (auch „Er­in­ne­rungs­pro­to­koll“ genannt) zu schreiben. Dieses Protokoll kann als Ge­dächt­nis­stüt­ze jederzeit wieder her­an­ge­zo­gen und durch­ge­le­sen werden. Daher sollten Sie sich an­ge­wöh­nen, besonders nach einem negativen Vorfall, ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll anzulegen. So beugen Sie dem Vergessen von wichtigen Details vor.

Ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll an­zu­fer­ti­gen, ist al­ler­dings nicht nur für einen negativen Zwi­schen­fall sinnvoll. Auch um Vor­komm­nis­se im Ar­beits­all­tag für sich per­sön­lich fest­zu­hal­ten oder ge­trof­fe­ne Ab­ma­chun­gen im Fa­mi­li­en­all­tag nicht zu vergessen, kann ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll eine gute Er­in­ne­rungs­stüt­ze dar­stel­len. So lässt sich Gesagtes später nochmal ins Ge­dächt­nis rufen. Auch bei ganz privaten Anliegen hilft ein solches Protokoll: Bei wie­der­keh­ren­den Schmerzen kann ein ent­spre­chen­des Protokoll die ärztliche Diagnose ver­ein­fa­chen.

Wie ist ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll aufgebaut?

Das Ge­dächt­nis­pro­to­koll dient als schrift­li­che Er­in­ne­rung. Dabei gibt es keine festen Regeln, die man einhalten muss. Doch ein paar Grund­sät­ze sollten Sie dennoch beachten, um auch zu einem späteren Zeitpunkt noch vom Ge­dächt­nis­pro­to­koll zu pro­fi­tie­ren: Je zeitnäher Sie dieses Protokoll verfassen, desto exakter ist es, denn Ihre Er­in­ne­run­gen sind noch frisch. Des Weiteren ist es wichtig, so viele Details wie möglich (und nötig) im Protokoll un­ter­zu­brin­gen. Sprach­no­ti­zen, Fotos und Videos können als wichtige Ergänzung dienen. Aber wie bauen Sie ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll auf, wenn es keinen formellen Richt­li­ni­en un­ter­liegt?

Wie gehe ich vor, um ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll zu schreiben?

Zunächst tragen Sie sämtliche Auf­zeich­nun­gen, Fotos, Belege, Vi­deo­ma­te­ri­al, Sprach­nach­rich­ten etc. zusammen, die mit dem Vorfall zu tun haben, sofern solche vorhanden sind. Nun beginnen Sie damit, sämtliche Er­in­ne­run­gen zu notieren. Dabei reichen auch Stich­wor­te oder Satz­frag­men­te. Diese können Sie zu einem späteren Zeitpunkt immer noch aus­for­mu­lie­ren. An­schlie­ßend bringen Sie alles in die richtige Rei­hen­fol­ge. Vergessen Sie dabei nicht, das Datum, die ungefähre Uhrzeit und den Ort zu notieren. Schreiben Sie auch auf, was auf Fotos oder Vi­deo­ma­te­ri­al zu sehen ist, und fassen Sie zusammen, was in Sprach­nach­rich­ten gesagt wurde. Dies ist wichtig, falls Dateien un­ab­sicht­lich gelöscht werden oder eine Fest­plat­te versagt.

Beginnen Sie nun damit, komplette Sätze zu for­mu­lie­ren, daraus einen Text zu verfassen und dabei die Stich­punk­te zu­ein­an­der in Bezug zu setzen. Sie können am Ende des Pro­to­kolls auch ein Ergebnis oder eine Zu­sam­men­fas­sung for­mu­lie­ren, sollte es sich bei dem Ge­dächt­nis­pro­to­koll um eine Er­in­ne­rung für eine Ver­ein­ba­rung oder etwas aus dem Ar­beits­all­tag handeln. In diesem letzten Teil halten Sie auch fest, ob weitere Termine oder Ideen ver­ein­bart wurden oder ob Sie neue Ver­pflich­tun­gen über­nom­men haben.

Tipp

Wenn Sie nicht genau wissen, wie Sie anfangen sollen, be­ant­wor­ten Sie die W-Fragen: Was ist passiert? Wann? Warum? Was war der Auslöser? Welche Folgen hat diese Be­ge­ben­heit? So fällt Ihnen der Einstieg leichter und Sie haben etwas, woran Sie sich ori­en­tie­ren können.

Achten Sie darauf, all Ihre Notizen zu einem Vorfall gesammelt an einem Ort auf­zu­be­wah­ren und zu kenn­zeich­nen, sodass Sie zu einem späteren Zeitpunkt leicht auf diese zu­rück­grei­fen können. Bei Bedarf können Sie so jederzeit ein be­stimm­tes Ereignis nach­voll­zie­hen.

Wie kann ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll aussehen?

Da Sie ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll zunächst nur für sich selbst an­fer­ti­gen, un­ter­liegt es keinen Richt­li­ni­en. Sie können Ihr Ge­dächt­nis­pro­to­koll demnach gestalten, wie Sie es möchten und wie es Ihrem Ge­dan­ken­fluss ent­ge­gen­kommt. Es empfiehlt sich al­ler­dings, eine gewisse Ordnung bzw. Struktur ein­zu­hal­ten, um das Protokoll über­sicht­lich zu halten.

Tipp

Wenn Sie möchten, dass Ihr Protokoll auch von anderen gelesen werden soll, sollten Sie auf eine sachliche Schil­de­rung des Zwi­schen­falls achten. Es ist Ihnen über­las­sen, ob Sie erst ein Protokoll für sich privat schreiben und mithilfe dieses Dokuments dann ein weiteres für jemand anderen erzeugen oder ob Sie direkt eine Rein­schrift an­fer­ti­gen. Oft aber hilft die erste Methode, um das zweite Protokoll neutraler aus­zu­drü­cken.

Vorlage für ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll

Anhand dieser Leit­fra­gen und Ihrer Notizen können Sie die Er­in­ne­run­gen zu Protokoll bringen. So könnte ein fertiges Ge­dächt­nis­pro­to­koll zum Beispiel aussehen:

Welche Vor- und Nachteile hat ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll?

Ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll kann eine her­vor­ra­gen­de Stütze sein, um sich an ein Ereignis oder ein Gespräch auch später noch erinnern zu können. Haben Sie viele Details auf­ge­schrie­ben, werden Sie sich diese beim Lesen auch wieder ins Ge­dächt­nis rufen können. Dies hilft, die Be­ge­ben­heit noch einmal zu re­ka­pi­tu­lie­ren. Es kann al­ler­dings auch passieren, dass man bereits beim Notieren Fehler macht und falsche oder un­wich­ti­ge Details auf­schreibt. So könnte das Ge­dächt­nis­pro­to­koll beim Erinnern sogar hin­der­lich sein oder – schlimmer noch – falsche Er­in­ne­run­gen ma­ni­fes­tie­ren.

Zu­sätz­li­ches Material kann gegen ein lü­cken­haf­tes Ge­dächt­nis helfen. Bei Fotos und Videos gibt es jedoch das Problem, dass Dateien aus Versehen gelöscht werden, nicht wie­der­zu­fin­den oder nicht mehr zu öffnen sind. Auch durch einen Schaden an der Fest­plat­te kann es passieren, dass Ihre Daten verloren gehen. Daher sollten Sie alle ent­schei­den­den In­for­ma­tio­nen aus Bildern, Sprach­no­ti­zen oder Videos ebenso mit in Ihre schrift­li­chen Notizen aufnehmen – als doppelte Si­cher­heit. Vor allem bei Vorfällen, die für die Ver­si­che­rung in­ter­es­sant sind, ist dies wichtig.

Hier noch einmal die Vor- und Nachteile auf einen Blick:

Vorteile Nachteile
Gute Ge­dächt­nis­hil­fe Ruft bei fehler- oder lü­cken­haf­ten Notizen getrübte Er­in­ne­run­gen hervor
Fotos, Video- und Sprach-Dateien als zu­sätz­li­che Er­in­ne­rungs­stüt­zen Digitale Daten können leicht verloren gehen (z. B. durch ver­se­hent­li­ches Löschen)
Kein festes Format Es ist kein of­fi­zi­el­les Dokument
Hilft in privaten wie be­ruf­li­chen Si­tua­tio­nen  
Fazit

Vor allem bei negativen Vorfällen sollten Sie sich an­ge­wöh­nen, ein Ge­dächt­nis­pro­to­koll zu schreiben. Auch wenn Sie zunächst nur Stich­wor­te notieren, können Ihnen diese später dazu dienen, Ihre Er­in­ne­run­gen wie­der­her­zu­stel­len. Mit einer struk­tu­rier­ten und chro­no­lo­gi­schen Pro­to­kol­lie­rung wird Ihnen das Ge­dächt­nis­pro­to­koll eine große Hilfe sein, sollten Sie ein Ge­scheh­nis anzeigen oder zur Sprache bringen wollen.

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