Zu hohe Kosten, un­ge­wöhn­li­che Fluk­tua­ti­on, Un­zu­frie­den­heit am Ar­beits­platz und ein über­durch­schnitt­lich hoher Kran­ken­stand – all das können Folgen von falschen Per­so­nal­ent­schei­dun­gen sein. Werden al­ler­dings die not­wen­di­gen An­for­de­run­gen an einen Mit­ar­bei­ter im Vorfeld konkret definiert, lassen sich Stellen ideal besetzen und das Risiko einer Fehl­ent­schei­dung sinkt. Ent­spre­chen­de Kriterien for­mu­liert man in einem so­ge­nann­ten An­for­de­rungs­pro­fil.

Was ist ein An­for­de­rungs­pro­fil?

Das An­for­de­rungs­pro­fil ist Teil einer Stel­len­aus­schrei­bung und richtet sich somit direkt an po­ten­zi­el­le Bewerber. Als Ar­beit­ge­ber be­schrei­ben Sie in einem An­for­de­rungs­pro­fil, welche we­sent­li­chen Kom­pe­ten­zen und Fä­hig­kei­ten ein Mit­ar­bei­ter für die aus­ge­schrie­be­ne Stelle mit­brin­gen sollte. Verfügt ein Mit­ar­bei­ter über diese Kom­pe­ten­zen, kann er in der ent­spre­chen­den Position best­mög­li­che Er­geb­nis­se erzielen.

Je tref­fen­der und de­tail­lier­ter man die not­wen­di­gen Kom­pe­ten­zen be­schreibt, desto größer ist die Chance, dass sich geeignete Bewerber beim Un­ter­neh­men melden. Denn können sich Bewerber kein genaues Bild von den ge­wünsch­ten Qua­li­fi­ka­tio­nen machen, dann bewerben sich in der Regel auch zahl­rei­che un­ge­eig­ne­te Kan­di­da­ten auf die Stelle. Auf der anderen Seite fühlen sich passende Kan­di­da­ten durch eine zu all­ge­mei­ne Stel­len­aus­schrei­bung nicht an­ge­spro­chen und sehen daher oft von einer Bewerbung ab.

Fakt

Das An­for­de­rungs­pro­fil ist das Ergebnis der An­for­de­rungs­ana­ly­se. Im Zuge der An­for­de­rungs­ana­ly­se werden zunächst die not­wen­di­gen Ei­gen­schaf­ten ermittelt, die für die Ausübung einer be­stimm­ten Tätigkeit notwendig sind. An­for­de­rungs­ana­ly­sen sind für zahl­rei­che Prozesse innerhalb des Per­so­nal­ma­nage­ments relevant: Dazu zählen z. B. die Per­so­nal­aus­wahl, die Per­so­nal­ent­wick­lung oder die Ein­füh­rung von Mit­ar­bei­ter­be­wer­tungs­sys­te­men.

In vier Schritten ein An­for­de­rungs­pro­fil erstellen

Beim Erstellen eines An­for­de­rungs­pro­fils ist es er­for­der­lich, die für be­tref­fen­de Position wich­tigs­ten Kom­pe­ten­zen und Fä­hig­kei­ten genau her­aus­zu­stel­len. Damit die An­for­de­run­gen möglichst umfassend und exakt wie­der­ge­ge­ben werden, empfiehlt es sich, das An­for­de­rungs­pro­fil in vier Schritten zu erstellen:

  1. Analyse des Auf­ga­ben­ge­biets
  2. Sammeln von An­for­de­rungs­kri­te­ri­en
  3. Ge­wich­tung der An­for­de­rungs­kri­te­ri­en
  4. Aus­for­mu­lie­ren des An­for­de­rungs­pro­fils

Analyse des Auf­ga­ben­ge­biets

Basis des An­for­de­rungs­pro­fils bilden die konkreten Aufgaben, die der Bewerber später über­neh­men soll. Daher müssen Sie diese Aufgaben zu Beginn de­fi­nie­ren. Folgende Fragen können dabei als Ori­en­tie­rung dienen. Die Fragen sollten von der ver­ant­wort­li­chen Füh­rungs­kraft und ggf. von einem Mit­ar­bei­ter des Fach­be­reichs be­ant­wor­tet werden:

  1. Tä­tig­kei­ten her­aus­stel­len: Was sind die Haupt­tä­tig­kei­ten?
  2. Tä­tig­kei­ten prio­ri­sie­ren: Wie wichtig sind die je­wei­li­gen Tä­tig­kei­ten?
  3. Ziele de­fi­nie­ren: Welche Ziele soll der Inhaber dieser Position erreichen?
  4. Zu­künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen: Könnte sich das Auf­ga­ben­ge­biet künftig ändern?

Sammeln von An­for­de­rungs­kri­te­ri­en

Aus den Antworten auf die oben­ste­hen­den Fragen leitet man dann die wich­tigs­ten An­for­de­rungs­kri­te­ri­en an po­ten­zi­el­le Bewerber ab. Diese An­for­de­run­gen lassen sich ver­schie­de­nen Bereichen zuordnen. Grund­sätz­lich sollten Sie sich auf die wich­tigs­ten An­for­de­run­gen be­schrän­ken – also solche, die notwendig sind, um die Aufgaben effizient ausführen zu können.

  • Formale An­for­de­run­gen: Aus­bil­dung, Ab­schlüs­se, Be­rufs­er­fah­rung
  • Fachliche An­for­de­run­gen: Fä­hig­kei­ten, spezielle Kennt­nis­se wie Sprach­kennt­nis­se oder IT-Kennt­nis­se
  • Soziale und Füh­rungs­kom­pe­ten­zen: Selbst­stän­dig­keit, Durch­set­zungs­ver­mö­gen oder Stress­re­sis­tenz
  • Me­tho­den­kom­pe­ten­zen: struk­tu­rier­tes Arbeiten, stra­te­gi­sches Denken oder Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten
  • Per­sön­li­che An­for­de­run­gen: Zu­ver­läs­sig­keit, Fle­xi­bi­li­tät oder Ge­sprächs­kom­pe­tenz

Ge­wich­tung der An­for­de­rungs­kri­te­ri­en

Nachdem Sie die not­wen­di­gen An­for­de­run­gen bestimmt haben, sollten Sie diese im nächsten Schritt gewichten. Das gelingt Ihnen am besten, indem Sie die Kom­pe­ten­zen und Fä­hig­kei­ten in einer Skala einordnen. Ein typisches Beispiel wäre die Kenn­zeich­nung der An­for­de­run­gen mit den Werten von 1 bis 6, wobei 1 für „un­er­läss­lich“ und 6 für „nicht wichtig“ stehen könnte. Die Be­ant­wor­tung ver­schie­de­ner Fragen kann Sie bei der Ge­wich­tung der Kriterien un­ter­stüt­zen. Fragen Sie sich bei­spiels­wei­se stets, wie notwendig eine An­for­de­rung tat­säch­lich ist, um die be­rufs­ty­pi­schen Aufgaben optimal erfüllen zu können. Weitere sinnvolle Fragen sind:

  • Hätte das Nicht­vor­han­den­sein einer Kompetenz oder Fähigkeit Aus­wir­kun­gen auf den Fach­be­reich oder auf das Un­ter­neh­men?
  • Könnten andere Mit­ar­bei­ter das Fehlen be­stimm­ter Kom­pe­ten­zen und Fä­hig­kei­ten kom­pen­sie­ren?
  • Welche An­for­de­run­gen können nach­träg­lich leicht, welcher eher schwer (z. B. durch Be­rufs­er­fah­rung oder Wei­ter­bil­dun­gen) erworben werden?

Aus­for­mu­lie­ren des An­for­de­rungs­pro­fils

Haben Sie alle An­for­de­run­gen ermittelt und gewichtet, können Sie Ihr An­for­de­rungs­pro­fil aus­for­mu­lie­ren. Hierfür empfiehlt sich der folgende Aufbau:

  1. Formale An­for­de­run­gen zu­sam­men­fas­sen
  2. Fachliche An­for­de­run­gen for­mu­lie­ren
  3. Me­tho­di­sche Kom­pe­ten­zen dar­stel­len
  4. Soziale Fä­hig­kei­ten dar­stel­len

Beispiel eines An­for­de­rungs­pro­fils

So könnte das An­for­de­rungs­pro­fil für die Aus­schrei­bung einer Position als Marketing-Manager aussehen:

Ihr Profil:

  • Ein ab­ge­schlos­se­nes Studium im Bereich der Wirt­schafts- oder Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ten mit dem Schwer­punkt Marketing oder eine ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on.
  • Idea­ler­wei­se können Sie erste Be­rufs­er­fah­rung im Marketing bzw. On­line­mar­ke­ting vorweisen.
  • Sie verfügen über aus­ge­präg­te ana­ly­ti­sche Fä­hig­kei­ten.
  • Ihre Ar­beits­wei­se ist proaktiv und er­geb­nis­ori­en­tiert.
  • Ein hohes Maß an Ei­gen­in­itia­ti­ve ist für Sie selbst­ver­ständ­lich.
  • Sie zeichnen sich durch ex­zel­len­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit aus und treten über­zeu­gend auf.

In unserem Beispiel haben wir uns an dem emp­foh­le­nen Aufbau für eine An­for­de­rungs­ana­ly­se gehalten. Demnach wurden zunächst die formalen An­for­de­run­gen an den Bewerber genannt: ein ab­ge­schlos­se­nes Studium im Bereich der Wirt­schafts- oder Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ten mit dem Schwer­punkt Marketing oder eine ver­gleich­ba­re Qua­li­fi­ka­ti­on sowie erste Be­rufs­er­fah­run­gen im Marketing/On­line­mar­ke­ting. Im nächsten Schritt wurde das ana­ly­ti­sche Denken als fachliche An­for­de­rung genannt. Der Bewerber sollte zudem über eine proaktive und er­geb­nis­ori­en­tier­te Ar­beits­wei­se sowie über ein hohes Maß an Ei­gen­in­itia­ti­ve verfügen (me­tho­di­sche Kom­pe­ten­zen). Die sozialen Fä­hig­kei­ten wurden zum Schluss der An­for­de­rungs­ana­ly­se abgefragt: eine ex­zel­len­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit und ein über­zeu­gen­des Auftreten.

Hinweis

Eine Stelle wird dann optimal besetzt, wenn das An­for­de­rungs­pro­fil mit dem Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fil des Bewerbers über­ein­stimmt. Jedoch kommt es eher selten zu einer voll­kom­men­den Über­ein­stim­mung. Daher sollten Sie Min­dest­an­for­de­run­gen an einen Bewerber festlegen und sich schließ­lich für den Kan­di­da­ten ent­schei­den, der Ihrem An­for­de­rungs­pro­fil am nächsten kommt.

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