Mit Crowd­fun­ding (auf Deutsch manchmal als „Schwarm­fi­nan­zie­rung“ be­zeich­net) lassen sich Projekte rea­li­sie­ren, ohne namhafte In­ves­to­ren ins Boot holen zu müssen. Statt­des­sen fi­nan­zie­ren eine Vielzahl von In­ter­es­sen­ten bzw. Fans direkt Ihr Projekt, z. B. über Spenden und Leihgaben. Crowd­fun­ding ist ein ver­hält­nis­mä­ßig junges Konzept, das 2008 mit Gründung von Indiegogo und ein Jahr später mit der In­be­trieb­nah­me von Kick­star­ter.com seinen Anfang nahm. Seitdem konnten sich viele namhafte Projekte über Crowd­fun­ding rea­li­sie­ren, dazu gehören Kryp­to­wäh­run­gen, Mu­sikal­ben, Software-Projekte, Vi­deo­spie­le und in­no­va­ti­ve Ge­brauchs­ge­gen­stän­de.

De­fi­ni­ti­on

Crowd­fun­ding (engl. crowd = „Men­schen­men­ge“, funding = „Fi­nan­zie­rung“) be­zeich­net eine spen­den­ba­sier­te Pro­jekt­fi­nan­zie­rung, bei der haupt­säch­lich Pri­vat­per­so­nen mit eigens gewählten Geld­be­trä­gen ein Projekt un­ter­stüt­zen. Dabei wird meist ein Fi­nan­zie­rungs­ziel vor­ge­ge­ben und der Spender je nach Höhe der ge­leis­te­ten Spende belohnt.

2015 wurde in Deutsch­land eine neue Version des Klein­an­le­ger­schutz­ge­set­zes ver­ab­schie­det, die Crowd­fun­ding auch hier­zu­lan­de erheblich ver­ein­fach­te. Dadurch ent­wi­ckel­te sich Crowd­fun­ding für Business-Start-ups und Pri­vat­per­so­nen zu einer ef­fek­ti­ven Methode, in­ter­es­san­te Projekte zu ver­wirk­li­chen, ohne sich an Groß­in­ves­to­ren zu „verkaufen“.

Was ist und wie funk­tio­niert Crowd­fun­ding?

Crowd­fun­ding setzt auf eine at­trak­ti­ve und effektive Ver­mark­tung, um Pri­vat­in­ves­to­ren zu gewinnen. Weil diese Form der Fi­nan­zie­rung auf Ver­trau­ens­ba­sis fußt, darf das Ver­spre­chen an die po­ten­zi­el­len Spender nicht zu un­rea­lis­tisch ausfallen, muss aber gleich­zei­tig so einladend sein, dass Spender bereit sind, in ein noch nicht rea­li­sier­tes Projekt zu in­ves­tie­ren. Daher ist die Trans­pa­renz bei Crowd­fun­ding ent­schei­dend. Indem Sie Ihre Spender kon­ti­nu­ier­lich auf dem neuesten Stand der Ent­wick­lung Ihres Projekts halten, stärken Sie auf der einen Seite das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zu Ihrer Spen­der­ba­sis und gewinnen auf der anderen Seite neue Spender dazu. Schließ­lich sehen andere In­ter­es­sen­ten, dass Sie tat­säch­lich viel­ver­spre­chen­de Arbeit leisten, und sind dann eher gewillt, ebenfalls zu spenden.

Crowd­fun­ding hat somit oft einen Schnee­ball­ef­fekt – die er­folg­reichs­ten Projekte gehen u. a. in sozialen Netz­wer­ken viral. Daraus entstehen manchmal sogar Hypes, und diese führen mitunter zu be­ein­dru­cken­den fi­nan­zi­el­len Mitteln für ein Projekt. Die Regel ist dies aber nicht. Dennoch locken Schwarm­fi­nan­zie­rungs­pro­jek­te oftmals er­staun­lich viele frei­wil­li­ge Spender an. Die meisten Crowd­fun­ding-Platt­for­men zeigen dabei den bereits ein­ge­nom­me­nen Geld­be­trag an. Indem Pro­jekt­lei­ter ein fi­nan­zi­el­les Ziel de­fi­nie­ren, kann die Spen­der­ba­sis den Erfolg der Crowd­fun­ding-Kampagne stets mit­ver­fol­gen. Es lassen sich auch so­ge­nann­te Mei­len­stei­ne festlegen: Je mehr Geld ein­ge­nom­men wird, umso mehr Ver­spre­chen zum End­pro­dukt sind möglich. Diese Mei­len­stei­ne liegen dann oft über dem Fi­nan­zie­rungs­ziel, sodass das Projekt bei ihnen einen größeren Rahmen erreicht als ur­sprüng­lich geplant.

Darüber hinaus können Sie als Pro­jekt­lei­ter Ihre Spender je nach Höhe der ge­leis­te­ten Spende belohnen. So ist es üblich, groß­zü­gi­ge­ren Spendern gewisse Ver­spre­chen zu machen, z. B. ein Gra­tis­exem­plar des End­pro­dukts, eine Pre­mi­um­va­ri­an­te, ein Eintrag in die „Credits“, be­son­de­res Mer­chan­di­se, die Aufnahme in einen spe­zi­el­len „VIP-Club“ u. v. m. So erhalten Spender oft schon einen gewissen Gegenwert für ihre Spende, bevor das Projekt er­folg­reich ab­ge­schlos­sen wurde.

Hinweis

Grund­sätz­lich lassen sich vier Crowd­fun­ding-Modelle un­ter­schei­den:

  • Klas­si­sches Crowd­fun­ding (Reward-Based Crowd­fun­ding): Stan­dard­mo­dell, bei dem Spen­den­gel­der gesammelt und die Fer­tig­stel­lung eines End­pro­dukts sowie kleinere Be­loh­nun­gen für die Spender als Ge­gen­leis­tung ver­spro­chen werden.
     
  • Crowd­in­ves­t­ing (Equity-Based Crowd­fun­ding): Beim Crowd­in­ves­t­ing erhalten In­ves­to­ren eine Be­tei­li­gung am späteren Gewinn. Diese Form des Crowd­fun­dings findet sich vor allem in der Start-up- bzw. Grün­der­sze­ne.
     
  • Spenden-Crowd­fun­ding (Donation-Based Crowd­fun­ding): Früher einfach als „Spen­den­ak­ti­on“ oder „Sammlung zum wohl­tä­ti­gen Zweck“ be­zeich­net, gelten viele solcher Aktionen heute als Crowd­fun­ding. Es werden schlicht Spenden gesammelt, ohne eine in­di­vi­du­el­le Ge­gen­leis­tung zu ver­spre­chen.
     
  • Crowd­len­ding (Lending-Based Crowd­fun­ding): Diese Art des Crowd­fun­ding funk­tio­niert im Prinzip über viele kleine Kredite. Mit den In­ves­to­ren wird eine gewisse Ver­zin­sung ver­ein­bart. Nach Erfolg des Projekts wird der ge­leis­te­te Kredit mitsamt Zinsen an den je­wei­li­gen „Spender“ zu­rück­ge­zahlt.

Vor- und Nachteile des Crowd­fun­dings

Vorteile Nachteile
Viel Freiheit bei der Pro­jekt­pla­nung ohne un­ge­wünsch­te Kom­pro­mis­se Kon­stan­ter Leis­tungs­druck kann zu Frus­tra­ti­on bzw. Miss­erfolg führen, wenn man den eigenen An­for­de­run­gen nicht gerecht wird; Gegenhype gefährdet das Projekt.
Projekt wird einem Markttest un­ter­zo­gen: Ist die Idee schlecht oder schlecht prä­sen­tiert, wird sie nicht fi­nan­ziert; gleich­zei­tig sammelt man Feedback. Of­fen­le­gung des Pro­jekt­plans und ständige Trans­pa­renz des Fort­schritts be­güns­ti­gen Plagiate und Ideenklau durch Kon­kur­renz.
Aufbau einer Crowd bzw. Community um das Projekt herum: Ge­ne­rie­rung von Hypes und virale Ver­brei­tung in sozialen Netz­wer­ken möglich Großer Kon­kur­renz­druck: Crowd­fun­ding-Platt­for­men sind heute sehr über­lau­fen mit teilweise absurden Projekten; das eigene Projekt muss es sofort schaffen, sich vom Gros der Projekte ab­zu­set­zen und gegenüber der Kon­kur­renz auf­zu­fal­len.
Direkte Spen­den­fi­nan­zie­rung meist kos­ten­ef­fi­zi­en­ter als der Weg über einen Zwi­schen­händ­ler (z. B. Ban­ken­kre­dit) Die Crowd besitzt alle Ei­gen­schaf­ten einer On­line­com­mu­ni­ty, also auch die toxischen: Sie müssen mit Trollen, un­be­rech­tig­ter und über­zo­ge­ner Kritik sowie per­sön­li­chen Angriffen umgehen können.
Ständige Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Crowd und Feedback wirkt mo­ti­vie­rend und ga­ran­tiert den ständigen Zufluss frischer Ideen. Das teilweise auf­wen­di­ge Ma­nage­ment der Crowd kann vom ei­gent­li­chen Pro­jekt­fort­schritt ablenken.
Erfolg des End­pro­dukts lässt sich besser ab­schät­zen, indem man die Crowd ana­ly­siert.
Zwang zur kom­pe­ten­ten Pro­jekt­pla­nung und zu kon­stan­ten Updates führt zu ef­fi­zi­en­ter und kon­zen­trier­ter Arbeit am Projekt.
Tipp

Crowd­fun­ding-Kampagnen können Sie auf vielen ver­schie­de­nen Platt­for­men starten. In unserem Ratgeber stellen wir Ihnen die wich­tigs­ten Crowd­fun­ding-Websites vor.

Beispiele er­folg­rei­cher Crowd­fun­ding-Kampagnen

Block­chain/Crypto-Currency-Tech­no­lo­gien: Filecoin, Tezos, EOS

Unter den er­folg­reichs­ten Crowd­fun­ding-Kampagnen finden sich zahl­rei­che Projekte aus dem Bereich Block­chain/Kryp­to­wäh­rung. Filecoin von Protocol Labs ist eine Anwendung für de­zen­tra­li­sier­te Da­ten­spei­che­rung und er­mög­licht digitale Be­zahl­vor­gän­ge, basierend auf der Block­chain-Tech­no­lo­gie. Mit ca. 257 Mio. US-Dollar ist Filecoin das bis dato fi­nan­zi­ell er­folg­reichs­te Crowd­fun­ding-Projekt. Es folgen die ebenfalls mit Block­chain ver­wand­ten Projekte Tezos (232 Mio.) und EOS (185 Mio.).

Die Be­zeich­nung „Crowd­fun­ding“ ist für viele dieser Kampagnen jedoch um­strit­ten. Sie bewegen sich oftmals innerhalb der Spe­ku­la­ti­ons­bla­se der Kryp­to­wäh­run­gen und Beiträger bekommen als Gegenwert meist ‚nur‘ einen be­stimm­ten Betrag der je­wei­li­gen Kryp­to­wäh­rung zu­ge­si­chert. Statt ein gewisses Ei­gen­in­ter­es­se und En­thu­si­as­mus für ein Projekt zu ent­wi­ckeln, spe­ku­lie­ren Spender meist lediglich auf den Erfolg dieser Kampagnen, der sich somit aus dem all­ge­mei­nen Hype um Kryp­to­wäh­run­gen speist. Deshalb gleichen Crowd­fun­ding-Kampagnen im Bereich Block­chain und Kryp­to­wäh­rung eher Bör­sen­spe­ku­la­tio­nen. Fakt ist: Das Crowd­in­ves­t­ing-Modell ist scheinbar der ideale Nährboden für Kryp­to­wäh­run­gen.

Vi­deo­spie­le: Star Citizen und Undertale

Crowd­fun­ding hat bis heute einen er­heb­li­chen Einfluss auf die Vi­deo­spiel­in­dus­trie und verhalf bereits vielen un­ab­hän­gi­gen Ent­wick­lern zur Rea­li­sie­rung ihrer Projekte. Hinter den drei genannten Block­chain-Projekten reiht sich das Mega-Vi­deo­spiel­pro­jekt Star Citizen auf Rang 4 der er­folg­reichs­ten Crowd­fun­ding-Kampagnen ein. Bis heute hat das Spiel ca. 180 Mio. US-Dollar gesammelt und setzt sich damit deutlich von der Kon­kur­renz ab. Star Citizen ist eine Art Weltraum-Sand­box­spiel, das dem Spieler schier un­be­grenz­te Frei­hei­ten ver­spricht und mehrere beliebte Vi­deo­spiel­gen­res mit­ein­an­der vereint. Die Crowd­fun­ding-Kampagne über Kick­star­ter verlief schon überaus er­folg­reich und verhalf dem Projekt zu einem be­ein­dru­cken­den On­line­hype.

Die meisten Einnahmen erzielte das Projekt al­ler­dings durch den Verkauf in­di­vi­du­el­ler Inhalte für das geplante Spiel. So können Spender je nach Höhe des über­wie­se­nen Betrags Raum­schif­fe, Ge­gen­stän­de und Grund­stü­cke im Spiel ‚vor­be­stel­len‘. Die teilweise aber­wit­zi­gen Beträge verhalfen Star Citizen zu noch mehr Ruhm: Viele Fans leisteten schon Spenden in vier- oder gar fünf­stel­li­ger Höhe, um bei der Ver­öf­fent­li­chung des Spiels gewisse Vorteile zu genießen. Dadurch entstand auch ein ent­spre­chen­des Me­di­en­echo. Auf dem Projekt lastet somit viel Druck, die ver­spro­che­ne Qualität und den an­vi­sier­ten Umfang zu liefern. Die Spender müssen bis dato viel Geduld beweisen: An­ge­peil­te Ver­öf­fent­li­chungs­ter­mi­ne und Mei­len­stei­ne mussten seitens der Ent­wick­ler bereits öfter ver­scho­ben werden.

Im Gegensatz zu Star Citizen ist für das Kult-Rol­len­spiel Undertale von Toby Fox Mi­ni­ma­lis­mus das passende Stichwort. Die Kick­star­ter-Kampagne war anfangs mit einem Fi­nan­zie­rungs­ziel von 10.000 US-Dollar klein angelegt. Der Ent­wick­ler schaffte es jedoch, mehr als 50.000 Dollar ein­zu­neh­men. Das End­pro­dukt übertraf schließ­lich alle Er­war­tun­gen und wurde zu einem Kulthit und zu einem der er­folg­reichs­ten Indie-Vi­deo­spie­le aller Zeiten. Es fand sich auf vielen Jah­res­end­lis­ten der besten Spiele zwischen Groß­bud­get-Vi­deo­spie­len wieder, die in der Ent­wick­lung um ein Viel­fa­ches teurer und auf­wen­di­ger waren.

Das in der Retro-Ästhetik an Spiele der 1990er-Jahre er­in­nern­de Undertale war größ­ten­teils das per­sön­li­che Projekt von Toby Fox. Das hin­sicht­lich der Story, seines Humors und seines Gameplays eher un­kon­ven­tio­nel­le Spiel erreichte be­ein­dru­cken­de Ver­kaufs­zah­len und wurde später auf Play­Sta­ti­on 4, Play­Sta­ti­on Vita und Nintendo Switch portiert. Eine in­spi­rie­ren­de Er­folgs­ge­schich­te, die durch ein ver­hält­nis­mä­ßig kleines Crowd­fun­ding er­mög­licht wurde und Toby Fox ver­mut­lich zum Millionär machte.

Le­bens­mit­tel: Flow Hive

Der Flow Hive ist ein in­no­va­ti­ver Bie­nen­stock, der es Imkern er­mög­licht, au­to­ma­tisch Honig zu gewinnen, ohne die Bie­nen­ko­lo­nie dabei zu stören. So wird die klas­si­sche Ho­nig­schleu­der über­flüs­sig gemacht. Das Projekt konnte ca. 13 Millionen US-Dollar sammeln und bis März 2018 konnten bereits ca. 50.000 Flow Hives aus­ge­lie­fert werden. Flow Hive ist damit das er­folg­reichs­te Projekt, das über die Plattform Indiegogo fi­nan­ziert wurde. Außerdem wurde der Flow Hive auf Kritik hin wei­ter­ent­wi­ckelt, sodass mitt­ler­wei­le eine zweite Version zur Verfügung steht. Das er­folg­rei­che Projekt ge­ne­rier­te viel Auf­merk­sam­keit in den sozialen Netz­wer­ken und Medien – und ihm wird der Effekt zu­ge­schrie­ben, viele neue Hob­by­im­ker aktiviert zu haben.

Software: First­Blood

First­Blood er­mög­licht es Gamern aus aller Welt, ge­gen­ein­an­der auf einer de­zen­tra­li­sier­ten Plattform Wett­kämp­fe aus­zu­tra­gen. First­Blood hat den Anspruch, das junge Feld des eSports zu re­vo­lu­tio­nie­ren. Innovativ ist dabei das eigene Be­loh­nungs­sys­tem, das ähnlich wie eine Kryp­to­wäh­rung über die Block­chain-Tech­no­lo­gie funk­tio­niert. Darüber hinaus können Mit­glie­der mit dieser Währung in Spiele, Spieler und Teams in­ves­tie­ren und gewisse Rollen in der Community einnehmen, z. B. als „Ju­ry­mit­glied“ und „Zeuge“, was dann wiederum mit dem vir­tu­el­len Geld belohnt wird. Die Idee zündete: Innerhalb weniger Minuten wurden etwa 5 Millionen US-Dollar gesammelt, wobei die eigene Kryp­to­wäh­rung als Ge­gen­leis­tung erbracht wurde, abhängig von der ge­spen­de­ten Summe. Außerdem bekamen In­ves­to­ren innerhalb der ersten Stunde der Kampagne 70 Prozent Rabatt auf die Währung.

Beispiele er­folg­lo­ser bzw. kon­tro­ver­ser Crowd­fun­ding-Kampagnen

Crowd­fun­ding ist über die Jahre sehr populär geworden, allein die Fülle an ver­füg­ba­ren Platt­for­men spricht für sich. Al­ler­dings finden sich neben den in­no­va­ti­ven und in­ter­es­san­ten Projekten auch zahl­rei­che kon­tro­ver­se und um­strit­te­ne Kampagnen, die sich teilweise den Spott der In­ter­net­ge­mein­de zugezogen haben.

Eine der größten Kon­tro­ver­sen war das ‚Projekt‘ einer 23-jährigen Ame­ri­ka­ne­rin, die sich über die GoFundMe-Plattform eine Ab­trei­bung fi­nan­zie­ren lassen wollte. Auch wenn sich die Dame schier endloser Kritik gegenüber sah, erreichte sie ihr Ziel von 2.500 US-Dollar relativ zügig. Die Plattform merkte an, dass es Sache der Pro­jekt­lei­ter sei, wofür Geld gesammelt werde, al­ler­dings löscht sie seit dem Vorfall häufig Spen­den­auf­ru­fe dieser Art.

Ein noch harm­lo­se­res Beispiel findet sich bei Pro­jekt­lei­ter Zack Danger Brown, der lediglich nach 10 Dollar fragte, um sich seinen ersten Kar­tof­fel­sa­lat zu machen. Ver­mut­lich halfen ihm die ca. 55.000 ein­ge­nom­me­nen Dollar dabei, dieses Projekt zum Erfolg zu führen. Hierbei sei erwähnt, dass Brown den Großteil des Geldes an­schlie­ßend einer Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on spendete.

Für hoch­ge­zo­ge­ne Au­gen­brau­en sorgte Rapper B.o.B., ein be­ken­nen­der Flat Earther (jemand, der glaubt, die Erde sei eine Scheibe). Auf der Plattform GoFundMe wollte er zunächst 200.000 und später 1 Mio. US-Dollar sammeln, um einen Sa­tel­li­ten ins All zu schicken. Dieser sollte dann den „Rand der Welt“ fo­to­gra­fie­ren und beweisen, dass die Erde in Wahrheit eine Scheibe ist. Bis dato konnte B.o.B. nur etwa 7.000 US-Dollar sammeln, für reichlich Me­di­en­echo hatte er bis dahin al­ler­dings gesorgt. Ohnehin ist die Frage an­ge­bracht, ob diese Art von Crowd­fun­ding-Projekten nicht eher mehr oder weniger klug auf­ge­zo­ge­ne PR-Kampagnen sind.

Auf Crowd­fun­ding-Platt­for­men finden sich Unmengen an frag­wür­di­gen Kampagnen, bei denen man sich oft fragt, ob sie ernst gemeint sind. Einige wollen sich ihre Hochzeit oder Flit­ter­wo­chen, andere ein Tattoo fi­nan­zie­ren lassen. Wiederum andere nutzen die Plattform für po­li­ti­sche Zwecke, die teilweise ras­sis­ti­sche Untertöne of­fen­ba­ren. Natürlich sind die Websites nicht vor Trollen geschützt, die sich dort nur zum Vergnügen austoben. Während zahl­rei­che Projekte un­be­ach­tet und un­fi­nan­ziert bleiben, erregen jedoch viele irr­wit­zi­ge, unsinnige oder men­schen­ver­ach­ten­de Kampagnen immer wieder die Auf­merk­sam­keit der sozialen Medien. Auch deswegen sieht sich das Crowd­fun­ding-Konzept immer wieder der Kritik aus­ge­setzt, zu oft in die Lä­cher­lich­keit ab­zu­rut­schen und vielen un­sin­ni­gen Projekten Auf­merk­sam­keit zu schenken. Dafür gelten witzig ge­stal­te­te Crowd­fun­ding-Kampagnen mitt­ler­wei­le als fester Be­stand­teil der Meme-Kultur.

Au­to­in­dus­trie: Elio Motors

Elio Motors’ Konzept des um­welt­freund­li­chen und günstigen Autos auf drei Reifen kam bei den In­ves­to­ren gut an: Um die 6.000 in­di­vi­du­el­le Spender un­ter­stütz­ten das Projekt mit insgesamt ca. 100 Millionen US-Dollar, was die eigenen Ziele weit übertraf. Somit war die Crowd­fun­ding-Kampagne sehr er­folg­reich – nur das Ergebnis derselben lässt noch auf sich warten. Ur­sprüng­lich wollte Elio Motors die erste Version seines in­no­va­ti­ven Gefährts bereits 2012 auf den Markt bringen, hat dies aber bis heute nicht geschafft. Neuesten Angaben zufolge soll 2019 die Pro­duk­ti­on beginnen. So oder so wurde hier das Lie­fer­ver­spre­chen bisher nicht ein­ge­hal­ten und die In­ves­to­ren müssen sich weiterhin gedulden. Trotzdem sind dank der ef­fek­ti­ven Kampagne schon Unmengen an Geldern geflossen. Ungeklärt ist größ­ten­teils, wo dieses Geld gelandet ist: Schon Ende 2016 beliefen sich die Schulden von Elio Motors angeblich auf über 100 Millionen US-Dollar.

Vi­deo­spie­le: Mighty No. 9

Das über Kick­star­ter fi­nan­zier­te Vi­deo­spiel Mighty No. 9 von Comcept bewarb sich vor allem bei Vi­deo­spiel­nost­al­gi­kern, weil es eine enge Anlehnung zu den beliebten „Mega Man“-Klas­si­kern versprach. Die mit namhaften Ent­wick­lern bestückte Kampagne konnte fast 4 Millionen US-Dollar ge­ne­rie­ren, was Un­ter­stüt­zer und Fans des Projekts op­ti­mis­tisch stimmte. Die Ver­öf­fent­li­chung des Spiels musste al­ler­dings mehrmals ver­scho­ben werden, bis es schließ­lich 2017 für mehrere Platt­for­men auf den Markt kam – und letzten Endes von Fans und Kritikern verrissen wurde. Das Spiel war qua­li­ta­tiv sehr durch­schnitt­lich und entsprach nicht den hohen Er­war­tun­gen. Zu allem Ärger der In­ves­to­ren wurden die haupt­säch­lich digitalen Be­loh­nun­gen schlecht gemanagt: Defekte Bo­nus­codes und feh­ler­haft ver­schick­te Be­loh­nun­gen waren die Folge. Zudem gab es Fälle, in denen Vor­be­stel­ler nicht einmal das End­pro­dukt erhielten.

Mighty No. 9 hat si­cher­lich dazu bei­getra­gen, dass die an­fäng­li­che Euphorie um das Crowd­fun­ding von Vi­deo­spie­len in eine all­ge­mei­ne Skepsis gegenüber voll­mun­di­gen Ver­spre­chun­gen über­ge­gan­gen ist. Allgemein lässt sich an diesem Projekt gut ablesen, wie Hype und Gegenhype im Crowd­fun­ding funk­tio­nie­ren und wie emp­find­lich eine Community, die sich um ein Projekt bildet, auf Ent­täu­schun­gen reagieren kann.

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