Dem US-ame­ri­ka­ni­schen Wirt­schafts­stra­te­gen Fred Reichheld zufolge lassen sich Er­he­bun­gen zur Kun­den­zu­frie­den­heit auf eine „ul­ti­ma­ti­ve Frage“ her­un­ter­bre­chen:

Wie wahr­schein­lich ist es, dass Sie Un­ter­neh­men/Produkt/Dienst­leis­tung X einem Freund oder Kollegen wei­ter­emp­feh­len würden?

Diese Frage – so Reichheld – erlaubt es, das Ver­hält­nis von Be­für­wor­tern zu Kritikern aus­zu­lo­ten und ab­zu­lei­ten, wie Kun­den­grup­pen zu Un­ter­neh­men, Marken, Produkten oder Dienst­leis­tun­gen stehen. Der Net Promoter Score (kurz NPS) ist eine Methode, das Maß der Kun­den­zu­frie­den­heit bzw. -un­zu­frie­den­heit als Kennzahl ab­zu­bil­den. Er wurde von Reichheld in Ko­ope­ra­ti­on mit Satmetrix Systems und Bain & Company ent­wi­ckelt. Als Ori­en­tie­rung stehen Bench­marks für diverse Branchen zur Verfügung. Zu den Anwendern von NPS gehören bra­chen­füh­ren­de Un­ter­neh­men wie Siemens, E.ON, Philips, General Electric, Apple, American Express und Intuit.

De­fi­ni­ti­on

Bei NPS (Net Promoter Score) handelt es sich um ein In­stru­ment des Kun­de­n­er­fah­rungs­ma­nage­ments, das es er­mög­licht, das Maß der Kun­den­zu­frie­den­heit als quan­ti­fi­zier­ba­re Größe ab­zu­bil­den.

Wir erklären Ihnen, wie die Umfrage zur Kun­den­zu­frie­den­heit nach Reichheld abläuft und nach welcher Formel der Net Promoter Score berechnet wird.

Wie funk­tio­niert die NPS-Umfrage

Eine NPS-Umfrage ist denkbar einfach. Um Kun­den­feed­back ein­zu­ho­len, wird die Be­reit­schaft zur Wei­ter­emp­feh­lung an so vielen Touch­points wie möglich mit der immer gleichen Frage ermittelt. Als Ant­wort­mög­lich­keit kann der Kunde dabei in der Regel ein Rating von 0 bis 10 vornehmen.

Die Kun­den­zu­frie­den­heit bezieht sich je nach Bedarf auf einzelne Produkte und Dienst­leis­tun­gen, auf eine Marke oder das ganze Un­ter­neh­men.

Dazu ein Beispiel:

Fahr­rad­händ­ler Egon möchte ermitteln, wie zufrieden die Kunden mit seinem Geschäft sind. Zu diesem Zweck stellt er jedem Kunden, der eines seiner Fahrräder erwirbt, eine Reparatur in Anspruch nimmt oder sich von ihm beraten lässt, folgende Frage: „Wie wahr­schein­lich ist es, dass Sie mein Un­ter­neh­men einem Freund oder Kollegen wei­ter­emp­feh­len?“ Die Antwort erfasst er über einen Fra­ge­bo­gen, der eine Be­wer­tungs­ska­la von 0 bis 10 enthält.

Al­ter­na­tiv könnte Egon die Kun­den­zu­frie­den­heit für jedes Produkt oder jede Dienst­leis­tung, die er anbietet, separat ermitteln.

Wie wird der Net Promoter Score berechnet?

Bei der Aus­wer­tung der NPS-Umfrage werden die befragten Kunden je nach Antwort in drei Gruppen auf­ge­teilt.

  • 9–10: Kunden, die Ihre Be­reit­schaft zur Wei­ter­emp­feh­lung mit 9 oder 10 angeben, gelten als Pro­mo­to­ren.
     
  • 0–6: Kunden mit einem Score von 0 bis 6 werden als De­trak­to­ren (Kritiker) angesehen.
     
  • 7–8: Alle Antworten da­zwi­schen (ein Score von 7 oder 8) werden als in­dif­fe­rent gewertet.

Der Net Promoter Score für das un­ter­such­te Kun­den­seg­ment wird an­schlie­ßend mithilfe der folgenden Formel berechnet:

NPS = Pro­zent­satz aller Pro­mo­to­ren - Pro­zent­satz aller De­trak­to­ren

Das Ergebnis ist ein Wert zwischen +100 % und -100 %.

Dazu ein Beispiel:

Fahr­rad­händ­ler Egon erfasst über einen Fra­ge­bo­gen, dass 50 % der von ihm befragten Kunden die Wahr­schein­lich­keit einer Wei­ter­emp­feh­lung seines Geschäfts mit 9 oder 10 bewerten. Nur 10 % haben einen Wert von 6 oder weniger angegeben.

Er kann somit 50 % seiner Kunden als Pro­mo­to­ren und 10 % als De­trak­to­ren einstufen. Die rest­li­chen 40 % bleiben als in­dif­fe­ren­te Teil­neh­mer un­be­ach­tet.

Der Net Promoter Score für seinen Fahr­rad­la­den berechnet sich wie folgt:

50 % - 10 % = 40 %

Doch wie ist Egons Ergebnis zu bewerten?

Bewertung des Net Promoter Scores

Un­ter­su­chun­gen der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Bain & Company zufolge kor­re­liert der NPS direkt mit dem Erfolg eines Un­ter­neh­mens. Die auf Stra­te­gie­be­ra­tung spe­zia­li­sier­te Firma berichtet, dass Un­ter­neh­men mit lang­fris­ti­gem pro­fi­ta­blem Wachstum in der Regel einen doppelt so hohen Net Promoter Score erzielen wie Durch­schnitts­un­ter­neh­men. Spit­zen­rei­ter im Ranking wachsen laut Bain & Company in den meisten Branchen mehr als doppelt so schnell wie die Kon­kur­renz. In un­ab­hän­gi­gen Studien ließen sich diese Er­geb­nis­se al­ler­dings nicht re­pli­zie­ren. Die Kor­re­la­ti­on zwischen NPS und Wachstum gilt dennoch bei vielen als belegt.

Bei der Bewertung des Net Promoter Scores ist laut Reichheld davon aus­zu­ge­hen, dass Un­ter­neh­men mit einem positiven zwei­stel­li­gen NPS pro­fi­ta­bel wachsen. Mit einem Wert von 40 Prozent muss sich Fahr­rad­händ­ler Egon somit zunächst keine Sorgen machen. Wie gut er tat­säch­lich ab­schnei­det, lässt sich jedoch nur ein­schät­zen, wenn man die Werte seiner direkten Kon­kur­ren­ten kennt.

Kommt kein anderer Fahr­rad­händ­ler in der Stadt auf einen NPS von über 10 %, kann Egon sich entspannt zu­rück­leh­nen. Liegt die Kon­kur­renz im Durch­schnitt bei 80 % sollte er viel­leicht erwägen, künftig mehr in die Kun­den­zu­frie­den­heit zu in­ves­tie­ren.

Die Bewertung des NPS ist jedoch nicht nur vom Wett­be­werb abhängig, sondern auch von Markt und Branche. Bei­spiels­wei­se erreichen deutsche Un­ter­neh­men im Ban­ken­sek­tor in der Regel durchweg negative Werte, sodass ein Net Promoter Score von 0 Prozent in dieser Branche durchaus als Erfolg gewertet werden könnte.

Auch der jeweilige Kul­tur­raum kann Aus­wir­kun­gen auf das Ranking haben. Im asia­ti­schen Raum bei­spiels­wei­se erzielen Un­ter­neh­men ten­den­zi­ell schlech­te­re Werte als auf dem ame­ri­ka­ni­schen Markt.

In­ter­es­sant ist zudem die Ent­wick­lung des NPS im Zeit­ver­lauf.

Kritik am NPS

Aufgrund seiner Ein­fach­heit ist der NPS ein beliebtes In­stru­ment, um Kun­den­feed­back auf breiter Basis einholen. Er dient jedoch lediglich der Bewertung der all­ge­mei­nen Kun­den­zu­frie­den­heit. Über die Kun­den­bin­dung sagt der NPS allein wenig aus. Un­ter­neh­men, die den Net Promoter Score einsetzen, erhalten einen Index, der die Kun­den­zu­frie­den­heit ausweist und mit allgemein Bench­marks ver­gli­chen werden kann. Über den Zu­sam­men­hang von Ursache und Wirkung – den Einfluss von Un­ter­neh­mens­leis­tun­gen auf die Kun­den­ein­stel­lung – erfahren Un­ter­neh­mer nichts.

Kritikern zufolge geht der NPS daher am ei­gent­li­chen Thema vorbei. Verfahren, mit denen sich die Kun­den­zu­frie­den­heit als Index abbilden lässt, gibt es zahl­rei­che – zum Teil sogar mit stärkerer Kor­re­la­ti­on zum Un­ter­neh­mens­wachs­tum. Welches zum Einsatz kommt, spielt im Grunde eine un­ter­ge­ord­ne­te Rolle, wenn es darum geht, Hand­lungs­spiel­räu­me zur Op­ti­mie­rung zu iden­ti­fi­zie­ren.

Reichheld empfiehlt NPS-Anwendern daher, das Rating der Wei­ter­emp­feh­lungs­wahr­schein­lich­keit um eine offene Frage zu erweitern, die auf die Gründe für die Bewertung abzielt. Denn nur wer weiß, warum Kunden zu Pro­mo­to­ren oder De­trak­to­ren werden, kann Chancen und Hin­der­nis­se iden­ti­fi­zie­ren und die richtigen Maßnahmen zur Ver­bes­se­rung seines Angebots einleiten.

Doch während ein Rating auf der 11-stufigen NPS-Skala eine einfache, au­to­ma­ti­sche Aus­wer­tung er­mög­licht, trifft dies auf Antworten auf offene Fragen nicht zu: Antworten auf offene Fragen bieten – un­ab­hän­gig davon, ob sie manuell oder com­pu­ter­ge­stützt aus­ge­wer­tet werden – immer einen In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum. Und einen Vorschlag, wie sich Gründe für das NPS-Rating vor­ur­teils­frei und mit möglichst geringem Aufwand auswerten lassen, hat Reichheld nicht. Als Kom­pro­miss­lö­sung erweitern Un­ter­neh­men den NPS daher oft um Fragen mit Ra­tings­ka­len oder vor­ge­ge­be­nen Ant­wort­mög­lich­kei­ten.

Um von den gewonnen Daten möglichst umfassend zu pro­fi­tie­ren, müssten Un­ter­neh­mer, die die Kun­den­zu­frie­den via NPS ermittelt haben, gezielt auf De­trak­to­ren zugehen, um diese durch Maßnahmen als Be­für­wor­ter zu gewinnen. Pro­mo­to­ren hingegen können bei Bedarf als Referenz-Kunden dienen. Vor­aus­set­zung dafür ist der direkte Kontakt zum Kunden. Dieser ist jedoch meist nur dann möglich, wenn die Umfragen nicht anonym durch­ge­führt werden. Das senkt al­ler­dings meist die Teil­nah­me­be­reit­schaft.

Fazit: Vor- und Nachteile des NPS im Überblick

Folgende Tabelle bietet Ihnen einen Überblick über die Vor- und Nachteile des NPS im Rahmen der Kun­den­bin­dungs­for­schung.

Vorteile Nachteile
NPS bietet einen Überblick über die Kun­den­zu­frie­den­heit. Der Net Promoter Score bildet nur einen kleinen Teil der Kun­den­bin­dungs­for­schung ab. (reine In­dex­er­mitt­lung).
Umfragen zur Erfassung des Net Promoter Scores sind leicht um­zu­set­zen und gut re­pli­zier­bar. Viele Un­ter­neh­men be­schrän­ken sich auf die Er­mitt­lung des NPS und klammern die Kau­sal­ana­ly­se komplett aus.
NPS wird als stan­dar­di­sier­ter Test von führenden Un­ter­neh­men weltweit ein­ge­setzt. Ein Stan­dard­vor­ge­hen für die ef­fi­zi­en­te Aus­wer­tung einer (op­tio­na­len) Rating-Be­grün­dung bietet NPS nicht.
Anwendern stehen zer­ti­fi­zier­te Bench­marks für diverse Branchen zur Ver­füh­rung. Die von Reichheld pos­tu­lier­te, besonders starke Kor­re­la­ti­on zwischen dem NPS eines Un­ter­neh­mens und dessen Wachstum wird von Kritikern an­ge­zwei­felt.
Fazit

Der Net Promoter Score bietet sich als Einstieg in die Kun­den­bin­dungs­for­schung an, kann al­ler­dings ohne eine nach­ge­la­ger­te Ur­sa­chen­for­schung nur wenig zur Ver­bes­se­rung der Kun­den­loya­li­tät beitragen.

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