Franchising: Mit Partnerschaft zur Selbstständigkeit

Sie sind engagierter Jungunternehmer und hegen den Wunsch, sich selbstständig zu machen. Jedoch fehlt eine konkrete Geschäftsidee, es mangelt Ihnen an Verkaufserfahrung oder die Markteintrittsbarrieren sind einfach zu groß? Aber die großen „Player“ haben es doch auch irgendwie geschafft. Doch die müssen auch nicht neu in den Markt einsteigen, sondern verfügen bereits über ein funktionierendes Geschäftskonzept, einflussreiche Beziehungen und das nötige Kapital. Wie verlockend wäre es da, sich einfach in ein bereits erfolgreiches Business miteinzuklinken, ohne dabei Ihr Streben nach Selbstständigkeit aufgeben zu müssen. Das geht – und zwar über Franchising. Wir erklären Ihnen, wie es funktioniert.

Was ist ein Franchise? Eine Definition

Der französische Begriff „franchise“ bezeichnet die Erteilung eines bestimmten Privilegs an andere. Nach mehreren Bedeutungsveränderungen in der Vergangenheit bezieht sich dieser Begriff aktuell in erster Linie auf Privilegien mit klar wirtschaftlichem Charakter. „Franchising“, auch Konzessionskauf genannt, ist in diesen Sinne eine Vertriebsform, die auf einer Partnerschaft zwischen zwei Parteien basiert: dem Franchise-Geber, der die Nutzungsrechte an seiner Marke (also Markenname, Logo, Design, Geschäftsidee und Vertriebsrechte an Produkten und Dienstleistungen) veräußert, und dem Franchise-Nehmer, an den diese Rechte übertragen werden. Diese Partnerschaft bildet ein sogenanntes „Franchise-System“. Durch die Arbeitsteilung und Synergien profitieren im Regelfall beide Teilnehmer vom Franchising und es entsteht eine Win-win-Situation.

Definition: Franchise

Franchising ist eine partnerschaftliche Vertriebsform, bei der selbstständige Unternehmensgründer (Franchise-Nehmer genannt) das erfolgreiche Geschäftskonzept eines Franchise-Gebers gegen eine Gebühr nutzen dürfen, um einen eigenen Betrieb aufzubauen. Das somit etablierte Franchise-System dient dem gemeinsamen Zweck der wirtschaftlichen Expansion.

Motive von Franchise-Nehmern

Aufgrund zunehmender Markteintrittsbarrieren (vor allem hinsichtlich der Finanzierung) wird es für engagierte Jungunternehmer immer schwieriger, eigene Firmen zu gründen. Die Notwendigkeit, als Selbstständiger ein Allround-Talent in all dem zu sein, was mit der Gründung zusammenhängt (Geschäftssinn, Finanzielles, Rechtliches), erstickt so manchen Unternehmergeist schon im Keim.

Wenn auch Sie dieser Aufwand zurückschrecken lässt, dann könnte Franchising für Sie eine interessante Alternative der Firmengründung sein: Indem Sie sich in ein bereits fest etabliertes Geschäftsmodell einbringen, wird Ihnen ein großer Teil der Organisation abgenommen. Dies ermöglicht Ihnen einen deutlich schnelleren und einfacheren Markteintritt, als Sie ihn als Selbstständiger außerhalb eines Franchise-Systems hätten. Denn die Erfahrung und die Ressourcen Ihres Franchise-Gebers verringern das Gründungsrisiko – außerdem kann er Sie vor häufigen Anfängerfehler bewahren. Trotzdem bleiben Sie zu jedem Zeitpunkt rechtlich eigenständig – Sie allein tragen die Verantwortung für Ihren Betrieb.

Motive von Franchise-Gebern

Ein Franchise-Geber wird meist von der Motivation getrieben, seine Geschäftsaktivitäten weiter auszubauen und sein Unternehmen wirtschaftlich voranzubringen. Franchising bietet ihm die Chance auf eine schnelle Expansion in neue Märkte, ohne dass er dafür ein eigenes Filialsystem aufbauen und aufwändig managen muss. Franchising gilt somit aus gutem Grund auch als eine effiziente und zugleich risikoarme Form der Internationalisierung. Eine stärkere Verbreitung der Marke bringt Mehrwerte für den Kunden, gleichzeitig wird die Firma für regionale Zulieferer attraktiver. Somit lassen sich langfristig die Profite steigern.

In selbstständigen Unternehmensgründern sehen Franchise-Geber starke Verbündete: Im Gegensatz zu Angestellten sind sie nachweislich motivierter, zeigen hohen Arbeitseinsatz und können oft auch mit lokalen Beziehungenund Wissen aufwarten. Die Nähe der Franchise-Nehmer zu regionalen Märkten erlaubt es dem Franchise-Geber zudem, schnell und flexibel auf die Bedürfnisse der Endverbraucher zu reagieren und das Geschäftsmodell kontinuierlich anzupassen und weiterzuentwickeln.

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Verbreitung und Arten

Franchise-Systeme werden als Gegenmodell zu traditionellen Vertriebsformen immer populärer und machen sogar größeren Konzernen Konkurrenz. Dabei decken sie ein breites Spektrum an Branchen ab: Erfolgreiche Franchise-Unternehmen findet man beispielsweise im Einzelhandel (Fressnapf, 242 Franchise-Nehmer), in der Bildung (Schülerhilfe, 350 Franchise-Nehmer) und im Immobilienbereich (Town & Country Haus, 300 Franchise-Nehmer), aber auch einige Optiker (Apollo-Optik, 130 Franchise-Nehmer), Fitnessstudios (Mrs. Sporty, 313 Franchise-Nehmer) und Kfz-Werkstätten (Automeister, 113 Franchise-Nehmer) arbeiten mit selbstständigen Unternehmensgründern zusammen.

Weltweit gewinnt der Bereich Franchise an Bedeutung. In Europa sind laut franchiseportal.de rund 10.000 Unternehmen Teil eines Franchise-Systems – allein in Deutschland existieren laut dem Deutschen Franchiseverband (DFV) ganze 1.000 Franchise-Systeme. Die meisten davon gehören zum Dienstleistungssektor (vor allem Nachhilfeunterricht, Sportprogramme, Autovermietung und Gebäudereinigung), danach kommen der Einzelhandel und das Handwerk. In der Systemgastronomie ist Franchising ebenfalls weit verbreitet – der bekannteste Franchise-Geber in diesem Bereich ist wohl die Fastfood-Kette McDonald’s mit hierzulande aktuell 238 Franchise-Unternehmen. Neu ist das Konzept dagegen im Gesundheitswesen – dort ist der Betreuungs- und Pflegedienst Promedica Plus praktisch eine Art Pionier.

Bei kommerzorientierten Franchise-Systemen unterscheidet man drei unterschiedliche Arten:

  • Waren- bzw. Produkt-Franchising, bei dem nur eine bestimmte Warengruppe oder ein einzelnes Produkt vom Franchise-Nehmer vertrieben wird (Coca Cola, 900 Standorte).
     
  • Dienstleistungs-Franchising, bei dem sich die partnerschaftlichen Vereinbarungen auf eine bestimmte Dienstleistung beziehen (Subway, 679 Standorte).
     
  • Großhändler-Franchising, bei dem der Hersteller einen Großhändler mit Material, Ausrüstung und Know-how versorgt. Diese stellt damit ein Produkt fertig und gibt es für den Vertrieb an den Einzelhandel weiter (OBI, 350 Standorte).

Immer häufiger wird der Franchise-Ansatz auch in sozialen Projekten adaptiert. Das sogenannte „Social Franchising“ überträgt das eigentlich stark kommerziell geprägte Konzept in den Bereich der Non-Profit-Organisationen. Dabei geht es dann nicht um die Expansion eines Geschäfts, sondern um die (internationale) Verbreitung einer sozialen Idee oder eines wohltätigen Vorhabens. Franchise-Geber sind in diesem Fall beispielsweise Stiftungen oder gemeinnützige Vereine, die bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben.

Die von ihnen aufgebauten Franchise-Systeme funktionieren ähnlich wie ihr wirtschaftlich ausgerichteten Äquivalente: Franchise-Nehmer werden unter Vertrag genommen, erhalten ein Handbuch mit Handlungsanweisungen und werden in ihrer zukünftigen Tätigkeit ausgebildet. In der Regel werden keine Gebühren verlangt, dafür erhält der Franchise-Geber Zugriff auf wertvolle Datensätze, die bei der Weiterentwicklung des Projekts helfen können.

Fakt

Im Rahmen der Internationalisierung eines Franchise-Systems kommt dem sogenannten „Master-Franchise-Nehmer“ eine wichtige Rolle zu. Er ist dafür zuständig, in seinem eigenen Land stellvertretend als Franchise-Geber aufzutreten und weitere Franchise-Nehmer zu akquirieren und zu betreuen.

Wie werde ich Franchise-Nehmer?

Im Grunde kann sich jeder Unternehmensgründer als Franchise-Nehmer selbstständig machen. Im Vorfeld einer solchen Entscheidung sollten Sie sich aber erst einmal Gedanken machen, ob Ihnen dieses Vertriebssystem auch wirklich zusagt. Zwar wird Ihnen durch die Zusammenarbeit mit einem etablierten Unternehmen einiges an Arbeit abgenommen, dennoch müssen Sie eine Reihe von Aufgaben und Voraussetzungen erfüllen, bevor Sie Ihren Franchise-Betrieb offiziell eröffnen können.

Tipp

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Auswahl eines Franchise-Systems und Kontaktaufnahme

Am Anfang steht die Auswahl eines Franchise-Systems, das zu Ihren Vorstellungen passt. Wenn Sie sich den Rechercheaufwand im Internet sparen wollen, kann Ihnen der Systemfinder auf der Homepage des Deutschen Franchiseverbands (DFV) dabei helfen, den richtigen Partner zu finden.

In der hauseigenen Suchmaschine lassen sich Ergebnisse nach Branchen und Investitionssumme filtern. Die detailreichen Profile bieten Ihnen neben einer Selbstbeschreibung des Unternehmens auch Informationen über das Gründungsjahr, den Beginn der Franchise-Aktivität, das nötige Eigenkapital, die Einstiegsgebühr sowie laufende Gebühren und Werbeumlagen. Manche Unternehmen warten auch mit Bildern und Videos sowie Erfahrungsberichten Ihrer Franchise-Nehmer auf. Bedenken Sie aber, dass Ihnen nur diejenigen Franchise-Geber angezeigt werden, die assoziierte oder volle Mitglieder im DFV sind.

Um sich vom Potenzial eines Franchise-Systems zu überzeugen, geht jedoch nichts über Eigenrecherche – insbesondere News und Pressemitteilungen können hierfür eine ergiebige Quelle sein. Stellen Sie sich unter anderem folgende Fragen:

  • Wie überzeugend und zukunftsweisend ist das Geschäftskonzept?
  • Werden innovative/risikobehaftete oder bewährte/überholte Produkte und Dienstleistungen angeboten?
  • Wie steht es um das Wachstum des Unternehmens?
  • Wie ist die aktuelle Marktsituation in der Branche?
  • Wie stark ist die Konkurrenz?
  • Wie viele Franchise-Nehmer gibt es?
  • Wie hoch ist die Fluktuation unter den Franchise-Nehmern?
  • Wie sind die Franchise-Nehmer räumlich verteilt?
  • Gab es in jüngster Zeit negative Publicity oder Skandale?

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Sagt Ihnen ein Franchise-System zu, können Sie direkt via Online-Formular im DFV-Profil oder über die Homepage des jeweiligen Unternehmens Kontakt zum Franchise-Geber aufnehmen und weiterführendes Infomaterial anfordern.

Im Anschluss daran bewerben Sie sich und erhalten mit etwas Glück die Einladung zu einem persönlichen Interview oder zumindest einem Telefongespräch. Nun sollten Sie Ihrem potenziellen Partner noch einmal genau auf den Zahn fühlen. Dabei können Sie sich auf Ihre „besonderen Rechte in der sogenannten vorvertraglichen Aufklärungsphase“ berufen – damit meint der DFV die Verpflichtung des Franchise-Gebers, Ihnen gegenüber wahrheitsgetreue, verständliche, vollständige und nachweisbare Angaben zu machen. Eventuell bietet er Ihnen auch an, in seinem Unternehmen zu hospitieren, damit Sie sich ein Bild von den Geschäftsaktivitäten machen können.

Tipp

Der DFV hat die wichtigsten Fragen und Gesprächsthemen für ein Interview mit einem Franchise-Geber in einer praktischen PDF-Checkliste zum Download zusammengefasst.

Franchise-Vertrag und Gebühren

Die Einzelheiten einer Franchise-Partnerschaft werden in einem sogenannten Franchise-Vertrag festgeschrieben. Als Rechtsgrundlage regelt dieser u.a. den konkreten Zeitraum der Zusammenarbeit, sämtliche Vorgaben für die Umsetzung sowie die rechtskonforme Übertragung von Nutzungsrechten und Lizenzen.

Tipp

Lassen Sie sich unter keinen Umständen zur voreiligen Unterzeichnung eines Franchise-Vertrags drängen, sondern schalten Sie einen Anwalt ein, um das Dokument genau zu prüfen.

Besonderes Augenmerk gilt dabei den Gebühren, die der Franchise-Geber erhebt, um sein in Sie investiertes Kapital zu amortisieren und schließlich Gewinne erwirtschaften zu können. Dazu zählen:

  • Die Einstiegsgebühr gleicht die Kosten (zumindest teilweise) aus, die dem Franchise-Geber bei der Entwicklung und der Umsetzung seines Franchise-Systems entstanden sind oder entstehen. Zudem wird mit ihr ein Teil der Ausgaben für die Eröffnung und Inbetriebnahme Ihres Franchise-Unternehmens beglichen. Meistens beträgt die Einstiegsgebühr zwischen 5.000 und 15.000 Euro, bei größeren Investitionssummen kann sie aber durchaus auch 75.000 Euro und mehr betragen.
     
  • Die Franchise-Gebühren, auch als laufende Gebühren bezeichnet, erhebt der Franchise-Geber als festgelegten Prozentsatz monats- oder quartalsweise von Ihrem Nettoumsatz. Laut dem Statistikportal Statista betrug dieser Anteil im Jahr 2017 durchschnittlich 5,3 Prozent.
     
  • Zusätzlich zur Einstiegsgebühr und den laufenden Gebühren berechnen einige Franchise-Verträge außerdem Werbeumlagen für die Finanzierung und Umsetzung von Werbemitteln und Marketingkampagnen – laut Statista betrugen diese 2017 im Durchschnitt 1,5 Prozent.

Der Großteil der Franchise-Geber legt zudem eine Mindesthöhe für das Eigenkapital fest, das Sie bei der Gründung Ihres Franchise-Unternehmens aufzubringen in der Lage sein müssen. Bei den meisten Systemen liegt selbiges bei mindestens 25.000 Euro, bei größeren Franchisen sind aber auch Beträge von bis zu 50.000 Euro möglich. Wird kein konkreter Betrag vorgegeben, empfiehlt sich bei der Finanzierung ein Verhältnis von 20:80 aus Eigen- und Fremdkapital. Durch den Einsatz eigener Geldmittel weisen Sie nämlich nicht nur Ihre Bonität nach, Sie signalisieren Ihrem Franchise-Geber auch ein gewisses Maß an Risikobereitschaft und Vertrauen in die Geschäftsidee.

Tipp

Zwar kann der Aufbau eines Franchise-Unternehmens mit hohen Startinvestitionen verbunden sein, diese fallen aber häufig niedriger aus als bei einer herkömmlichen selbstständigen Tätigkeit. Achten Sie aber darauf, dass die Höhe der Gebühren in einem angemessenen Verhältnis zur Leistung steht, die Sie vom Franchise-Geber erwarten können. Schließlich müssen Sie nicht nur Ihre eigenen Lebenshaltungskosten decken, Sie wollen auch so schnell wie möglich Gewinn mit Ihrem Betrieb erzielen.

Finanzierung

Insgesamt stellt Sie ein gutes Franchise-System vor weniger finanzielle Hürden als andere Formen der Selbstständigkeit. Wenn die Finanzierung trotzdem ein Problem darstellt, stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten bereit, um an Fremdkapital heranzukommen:

  • Da es sich bei Franchise-Systemen um erprobte Konzepte handelt, haben Sie grundsätzlich größere Chancen auf Kredite und andere finanzielle Förderungen für Selbstständige.
     
  • Reicht dieses Argument nicht aus, können Sie beim Gespräch mit Ihrer Bank unter Umständen auch von der Reputation des Franchise-Gebers profitieren und auf diesen verweisen. In der Regel überlässt er Ihnen auch aussagekräftige Dokumente, Daten und Vergleichszahlen, die Sie in Ihrer Verhandlungsposition stärken.
     
  • Andere beliebte Anlaufstellen für Franchise-Nehmer sind Förderbanken aus der Sparkassen-Finanzgruppe sowie der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB).
     
  • Mehr Aufwand (und mitunter auch etwas Glück) erfordert die persönliche Suche nach Investoren oder ein Aufruf zum Crowdfunding.
     
  • Darüber hinaus gibt es öffentliche Förderprogramme speziell fürs Franchising, wie zum Beispiel von der KfW Mittelstandsbank.

Rechte und Pflichten des Franchise-Nehmers

Innerhalb der Partnerschaft bestimmt der Franchise-Geber nicht nur die Regeln, er fungiert aufgrund seiner größeren Geschäftserfahrung auch als Art „Mentor“ für den Franchise-Nehmer. Diese Rolle erfüllt er, indem er Ihnen (meist noch vor der Vertragsunterzeichnung) eine strukturierte Aus- und/oder Weiterbildung anbietet, bei der Ihnen das nötige Know-how für den Betrieb Ihres Franchise-Unternehmens vermittelt wird. Außerdem erhalten Sie in der Regel ein umfangreiches Handbuch, in dem bis ins Detail genau beschrieben wird, wie Sie Ihr Franchise-Unternehmen zu leiten haben.

Durch die strikten Vorgaben für Management, Personalpolitik, Marketing, Vertrieb, Controlling, Buchführung und Reporting soll ein einheitliches Auftreten sämtlicher Franchise-Betriebe erreicht werden. Denn eine homogene Unternehmensidentität (Corporate Identity) erhöht den Wiedererkennungswert der Marke. Die starke Standardisierung der Geschäftsprozesse impliziert jedoch auch, dass Sie nur wenig bis gar keinen Freiraum haben, Ihren Betrieb selbst zu gestalten oder direkten Einfluss auf die Entwicklung des Kerngeschäfts zu nehmen. Streben Sie nach „echter“ Selbstständigkeit, wird Ihnen dieser Umstand womöglich bitter aufstoßen.

Ihre wichtigsten Pflichten noch einmal in der Zusammenfassung:

  • Die vertraglich vereinbarten Grundsätze berücksichtigen
  • Die Corporate Identity einhalten
  • Aktiv mit dem Franchise-Geber kooperieren
  • Regelmäßig und ausführlich Bericht erstatten
  • Werbemaßnahmen wie vorgeschrieben umsetzen
  • Notwendige Seminare und Fortbildungskurse besuchen

Was aber erhalten Sie im Gegenzug für Ihre Konformität? Hier ist eine Übersicht über die Leistungen, die Sie in einem guten Franchise-System erwarten können:

  • Die Garantie auf ein funktionierendes, bewährtes Geschäftskonzept
  • Nutzungsrechte für die gesamte Corporate Identity sowie Vertriebsrechte für Produkte und Lizenzen für Dienstleistungen
  • Hilfe bei der Standortsuche für Ihren Betrieb
  • Ein lokales Monopol, auch Gebietsschutz genannt, innerhalb des Franchise-Systems
  • Unterstützung bei der Einrichtung und der Eröffnung Ihrer Geschäftsstelle
  • Zugriff auf die IT-Systeme (zum Beispiel das Warenwirtschaftssystem) des Franchise-Gebers
  • Betreuung beim Aufbau von Vertriebswegen und bei der Personalsuche
  • Vielfältige finanzielle Hilfen, etwa durch günstige Einkaufskonditionen (zum Beispiel Kostenvorteile für Büroartikel), Darlehen, Mietzuschüsse, Gebührenstaffelungen, Lieferanten- und Warenkredite sowie die Bereitstellung von Finanzierungs-, Liquiditäts- und Rentabilitätsplänen zum Nachweis von Förderungswürdigkeit gegenüber Banken
  • Evtl. Versicherungsmöglichkeiten
  • Hilfe bei der Organisation einer Eröffnungskampagne sowie Bereitstellung von Werbemitteln und anderen verkaufsfördernden Maßnahmen

Wie werde ich Franchise-Geber?

Haben Sie selbst ein erfolgreiches Unternehmen und ziehen es in Betracht, ein Franchise-System zu etablieren? Dann sollten Sie sich zuerst folgende Fragen stellen:

  • Habe ich eine eindeutig definierte Geschäftsidee?
  • Ist diese Geschäftsidee in der aktuellen Marktumgebung wettbewerbsfähig?
  • Kann ich klare Anforderungen an meine zukünftigen Franchise-Nehmer stellen?
  • Verfüge ich über ausreichende unternehmerische Erfahrungen für dieses Expansionsvorhaben?
  • Ist die Finanzierung meines Projekts gesichert?
  • Habe ich meine Geschäftsidee bereits erfolgreich getestet?

Vor allem die letzte Frage sollten Sie mit „Ja“ beantworten können. Gemäß dem Europäischen Verhaltenskodex für Franchising ist es für Franchise-Geber nämlich erforderlich, mindestens einen, im Bestfall mehrere funktionierende Test- bzw. Pilotbetriebe vorweisen zu können. Diese gelten als erfolgreich, wenn sie mindestens ein bis zwei Jahre in Betrieb gewesen und auf Basis der gemachten Erfahrungen stetig optimiert worden sind.

Ist dies der Fall, sollten Sie sich für eine Gebühr von aktuell 1.950 Euro dem Systemcheck des Deutschen Franchiseverbands unterziehen: Der professionelle Test umfasst u.a. eine Befragung der Mitarbeiter in Ihrem Pilotbetrieb, eine Prüfung Ihres Geschäftsmodells und Franchise-Vertrags sowie ein telefonisches Interview. Im Anschluss an die Absolvierung erhalten Sie das offizielle DFV-Qualitätssiegel sowie die Möglichkeit, ein Mitglied des Verbands zu werden. Gegen einen Jahresbeitrag von 1.000 bis 14.800 Euro (je nach Ihrem Umsatz) erhalten Sie Zugang zu umfangreichen Betreuungsangeboten und profitieren von Partnerschaften zu verschiedenen Geldinstituten. Darüber hinaus hat eine Mitgliedschaft laut DFV auch eine positive Außenwirkung.

Überdies erscheint Ihr Franchise im Systemfinder des DFV, wodurch Sie von potenziellen Franchise-Nehmern gefunden werden können. Natürlich ist es Ihnen auch erlaubt, auf eigene Faust (zum Beispiel auf Ihrer Homepage) für Ihr Franchise-System Werbung zu machen. Dabei sollten Sie darauf achten, ein klares Anforderungsprofil zu kommunizieren, das neben der Berufsausbildung und unternehmerischer Erfahrung auch finanzielle Voraussetzungen sowie Softskills abdeckt. Manche Franchise-Geber engagieren auch spezielle Rekrutierungsagenturen, um Ihren Bedarf an neuen Unterstützern zu decken. Seien Sie aber nicht frustriert, wenn die Suche nicht gleich auf Anhieb klappt – eine Faustregel besagt, dass sich aus 100 Erstkontakten nur ein Vertragsabschluss ergibt.

Sobald Sie eine Partnerschaft geschlossen haben, bedenken Sie, dass auch ein Franchise-Geber gewisse Pflichten und Verantwortlichkeiten gegenüber seinen Vertragspartnern hat. Welche genau das sind, ist in der Franchising Compliance festgelegt. Besonders hervorgehoben wird dabei ein Umgang zwischen den Parteien, der auf gegenseitigem Vertrauen beruht und auf Augenhöhe stattfindet. Auch die Transparenz der eigenen Entscheidungen ist für beide Seiten wichtig.

Die Rechtslage zum Franchising?

Da Franchising in Deutschland immer noch eine recht junge Vertriebsform ist, findet es in der nationalen Gesetzgebung bisher wenig Beachtung. Auch Grundsatzentscheidungen der höchsten Gerichte sind bisher nur rar gesät. Die einzige rechtlich gültige Basis für dieses partnerschaftliche Vertriebskonzept ist somit der Franchise-Vertrag. Als sogenannter Typenkombinationsvertrag kommen darin Bestimmungen aus verschiedenen Rechtstexten zur Anwendung, u. a. dem Handelsrecht, Gesellschaftsrecht und dem Kartellrecht. Da er somit ein ganz eigenes Rechtsdokument ist, kann er vom Franchise-Geber weitestgehend frei gestaltet werden.

Die juristische Selbstständigkeit aller Beteiligten bleibt dabei in jedem Fall erhalten, da die Zusammenarbeit zwischen ihnen nur in dem Rahmen stattfindet, der im Vertrag festgeschrieben ist. Als Franchise-Nehmer gelten Sie somit weiterhin als selbstständiger Unternehmer und agieren gemäß §7 Buch IV Abs. 1 SGB (Sozialgesetzbuch) im eigenen Namen, auf eigene Rechnung – und auf eigenes Risiko. Das bedeutet auch, dass Sie persönlich für die Produkte und Dienstleistungen Ihres Franchise-Gebers sowie die Erfüllungen Ihrer vertraglichen Verpflichtungen uneingeschränkt haftbar sind.

Was sind die Nachteile beim Franchising?

Im Allgemeinen bietet das Franchising mehr Vorteile als Nachteile für alle Beteiligten. Trotzdem gibt es ein paar Risiken, die es zu beachten gilt. Dazu gehört, dass die Win-win-Situation bei einem Franchise-System stets aus einem Kompromiss entsteht: Der Franchise-Geber kann mithilfe engagierter Unterstützer sein Business ausweiten, verzichtet dafür aber auf einen Teil seines Umsatzes. Der Franchise-Nehmer wiederum kann für die Existenzgründung auf bereits vorhandene Expertise und Ressourcen zurückgreifen, muss sich aber an klare Regeln halten und hat so gut wie keine Möglichkeit, seinen Betrieb oder das Kernunternehmen mitzugestalten.

Ein besonderes Risiko birgt außerdem die enge Verbindung der beiden Parteien: Fällt ein einzelner Betrieb negativ auf, kann dies das Image der gesamten Marke beeinträchtigen; andersherum leidet das Geschäft des Franchise-Nehmers, wenn es zu Problemen bei den Kollegen oder in der Zentrale kommt. Eine unbefriedigende Kauferfahrung kann die Meinung eines Kunden gegenüber dem gesamten Unternehmen verändern. Zudem verbreitet sich negative Publicity durch die sozialen Medien und das Internet so schnell wie nie zuvor. Dabei ist nicht gerade hilfreich, dass das Franchising in Teilen der Gesellschaft eh einen eher fragwürdigen Ruf als „Ausbeuter-Konzept“ oder „Scheinselbstständigkeit“ genießt – zurückzuführen auf die wenigen schwarzen Schafen in der Branche.

Übersicht: Vorteile und Nachteile von Franchising

In der folgenden Übersicht haben wir noch einmal für Sie zusammengefasst, welche Vor- und Nachteile das Franchising sowohl für Franchise-Nehmer als auch für -Geber bietet:

 

Franchise-Nehmer

Franchise-Geber

Vorteile

✔ Verwendung eines bereits etablierten Geschäftskonzepts

✔ schneller und einfacher Markteinstieg

✔ Minimierung des Gründungsrisikos

✔ rechtliche Selbstständigkeit

✔ vielfältige Finanzierungsmöglichkeiten

✔ umfassende Unterstützung und Betreuung durch den Franchise-Geber

 

✔ effiziente und risikoarme Expansion in neue (internationale) Märkte

✔ Alternative zum aufwändigen Filialsystem

✔ Chance auf nachhaltige Profitsteigerung

✔ Kooperation mit motivierten Arbeitskräften mit Nähe zum Markt

✔ verringertes Haftungsrisiko durch Auslagerung auf vorgeschaltete Vertragsunternehmen

Nachteile

✘ als Vertriebsform noch nicht im deutschen Recht verankert

✘ hohe Startinvestitionen

✘ Gebühren

✘ kaum oder keine Möglichkeiten zur Mitgestaltung

✘ Haftungspflicht für fremde Produkte und Dienstleistungen

✘ Negativschlagzeilen über den Franchise-Geber oder andere Franchise-Nehmer können sich auf den eigenen Betrieb auswirken

✘ Verzicht auf einen Teil des Umsatzes

✘ kosten-, zeit- und personalintensives Rekrutierung von Franchise-Nehmern

✘ teils negative Haltung gegenüber Franchising in der Gesellschaft

✘ ein einzelner Franchise-Nehmer kann das Image der gesamten Marke beeinträchtigen

Fazit und Zukunftsaussichten

In den vergangenen Jahren ist es für engagierte Jungunternehmer zunehmend schwieriger geworden, die zahlreichen Markteintrittsbarrieren auf dem Weg zur Existenzgründung zu überwinden. Franchising kann Ihnen dazu verhelfen, Ihren Traum von der wirtschaftlichen Eigenständigkeit doch noch zu erfüllen. Aber nicht jeder ist für die Rolle eines Franchise-Nehmers gemacht: Wer nicht nur rechtlich selbstständig sein, sondern auch kreative und unternehmerische Freiheiten bei der Ausgestaltung seines Betriebs haben will, der wird von dem Vertriebsmodell wohl eher enttäuscht werden, denn hier spielt man nach den Regeln des Franchise-Gebers. In diesem Fall ist vielleicht der individuelle Gründungsweg die bessere Wahl.

Wenn Ihr Interesse am Konzept Franchise trotzdem ungebrochen ist, sollten Sie Ihr Partnerunternehmen und die Vertragsgrundlage genau prüfen. Handelt es sich um ein erprobtes Geschäftsmodell? Gibt es bereits viele Franchise-Nehmer? Stimmt das Verhältnis zwischen Gebühren und Leistungen? Wenn Sie diese Fragen nach ausreichend Vorbereitung und Recherche mit einem klaren „Ja“ beantworten können, stehen die Chancen gut, dass Sie finanziell vom Franchising profitieren werden.

Allerdings lässt sich beobachten, dass das Franchising sich nicht so schnell verbreitet, wie von vielen Unternehmen erhofft: DasFranchisebarometer vom Deutschen Franchiseverband verzeichnet für das Jahr 2017, dass nur die Hälfte seiner Mitglieder die gesetzten Expansionsziele mithilfe von Franchising erreicht hat. Gründe dafür sieht der Verband in den angesichts eines weitgehend gesättigten Markts überhöhten Vorstellungen. Diesem Missstand versuchen viele Franchise-Geber mit innovativen Wachstumsformen beizukommen.

Eine davon nennt sich „Multi-Unit-Franchising“ – ein einzelner Selbstständiger, der sich im Laufe der Partnerschaft bewährt hat, übernimmt dabei die Verantwortung über gleich mehrere Franchise-Betriebe. Dass der Trend ganz klar in diese Richtung geht, zeigen auch die Beobachtungen des DFV: Denn obwohl die Rekrutierung neuer Franchise-Nehmer eher schleppend vorangeht, hat die Zahl der gegründeten Geschäftsstellen dennoch deutlich zugenommen.

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