Crowdfunding-Plattformen im Vergleich

Das Crowdfunding ist eine beliebte und moderne Finanzierungsmethode für private Projekte und Start-ups. Mittels einer Crowdfunding-Kampagne wird ein Spendenaufruf gestartet, wahlweise mit Finanzierungsziel und Belohnungssystem für die Spender. Dank Crowdfunding konnten schon viele interessante Projekte aus den unterschiedlichsten Bereichen realisiert werden – dazu zählen Spendenaktionen für wohltätige Organisationen, die Entwicklung und Herstellung von Gebrauchsgegenständen sowie Kunst- und Konsumgütern, aber auch die Liebhaberprojekte einzelner Personen.

Der wesentliche Vorteil von Crowdfunding besteht darin, dass man nicht auf Großinvestoren, sondern auf eine Vielzahl interessierter Privatpersonen setzt, die sogenannte „Crowd“. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann sich innerhalb dieser Community eine positive Eigendynamik entwickeln, die das Fortkommen und Bekannterwerden eines Projekts beschleunigt bzw. dieses überhaupt erst möglich macht. Transparenz und Kommunikation mit der Spenderbasis sind dabei wesentliche Faktoren einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne.

Die steigende Beliebtheit dieser Finanzierungsform führte zu einem großen Angebot entsprechender Crowdfunding-Plattformen, auf denen Sie Ihre Kampagne präsentieren und verwalten und über die Sie auch Ihre Spendengelder abwickeln können. Die populärsten Websites haben es mittlerweile geschafft, sich im Sprachkanon des Crowdfunding zu etablieren: „Mein Projekt habe ich gekickstartet“ gehört mittlerweile zum Sprachjargon. Die namensgebende Plattform Kickstarter.com ist die weltweit beliebteste, allerdings hat sich über die Jahre eine starke Konkurrenz entwickelt, die teilweise ganz unterschiedlich spezialisiert ist.

Die Wahl einer geeigneten Crowdfunding-Website hängt davon ab, ob Sie Ihr Projekt als Privatperson oder als Start-up organisieren, in welche Branche es fällt, welche Zielgruppe Sie damit ansprechen möchten, welches Crowdfunding-Modell Sie anwenden und wie groß Ihr Projekt ist. Darüber hinaus sind die Auflagen und anfallenden Gebühren der jeweiligen Plattform ebenso entscheidend wie die Frage, wie diese mit gescheiterten Projekten und veruntreuten Spendengeldern umgeht.

Hinweis

Sie müssen sich mit Ihrem Projekt nicht zwangsläufig für nur eine Crowdfunding-Plattform entscheiden. Oft ist es sinnvoll, auf mehreren Websites Geld zu sammeln. Unterschätzen Sie allerdings nicht den Aufwand, den Crowdfunding-Kampagnen verlangen!

Internationale Plattformen

Die Idee des Crowdfunding an sich ist relativ alt. Bereits im 19. Jahrhundert wurde beispielsweise der Druck von Büchern durch Spenden von Interessenten finanziert. Sogar die Freiheitsstatue in New York wurde durch Spendenaufrufe an die Bevölkerung mitfinanziert, die insgesamt 160.000 US-Dollar für die Vollendung des Sockelbaus einbrachten. „Crowdfunding“ im engeren Sinn wurde aber erst mit dem Start der US-amerikanischen Internetplattformen Indiegogo (2008) und Kickstarter (2009) ein einfach zugängliches Finanzierungsmodell, das auf der sozialen und global vernetzten Struktur des Web 2.0 fußte. Zahlreiche Plattformen kamen seitdem hinzu, wobei die international orientierten Websites mit Abstand die erfolgreichsten sind.

Kickstarter

Das Unternehmen Kickstarter nahm 2009 seinen Betrieb auf und die gleichnamige Website etablierte sich schnell als erfolgreichste und bekannteste Crowdfunding-Plattform. Auf der Website lassen sich nach der Registrierung Projekte über eine eigene, individuell gestaltbare Seite einstellen. Notwendig ist bei Kickstarter die Angabe eines Finanzierungsziels, allerdings kann das Projekt auch über die Zielvorgabe hinaus weiter unterstützt werden. Interessierte können sich mit einer Spendevon mindestens einem US-Dollar beteiligen, sobald sie sich ebenfalls registriert haben. Die Zahlung der Spenden wird über Stripe abgewickelt, wenn die Kampagne das Finanzierungsziel erreicht. Gelingt dies bis zu einem gewissen Fristtermin nicht, fließt auch kein Geld – die Kampagne gilt dann als gescheitert. Kickstarter verfährt also nach dem „Alles oder nichts“-Prinzip.

Kickstarter.com unterstützt Projektleiter in den USA, Kanada, Großbritannien und Deutschland. Die Website verfügt dementsprechend auch über eine deutsche Version. Bei erfolgreicher Finanzierung wird bei Kickstarter eine Gebühr von 5 Prozent der erreichten Summe fällig. Weitere 3 bis 5 Prozent kommen in der Regel dazu, weil der Bezahldienst Stripe zur Abwicklung der Spenden verwendet wird. Kickstarter erhebt zu keinem Zeitpunkt Besitzansprüche auf Projekte, allerdings wird jedes Projekt dauerhaft archiviert und bleibt auf der Seite sichtbar. Außerdem entzieht sich Kickstarter jeder Verantwortung gegenüber Spendern, die von Projektleitern betrogen oder in die Irre geführt werden. Dazu verweist Kickstarter die Spender auf ihr eigenes Urteilsvermögen.

Als Fokus von Kickstarter gelten vor allem kreative Projekte und Start-ups, die auf die Lieferung von kulturellen Gütern oder innovativen Gebrauchsgegenständen abzielen. Das verrät zum einen die Einteilung von Projekten in Kategorien (siehe Screenshot) und zum anderen der Blick auf die erfolgreichsten Kampagnen, die über Kickstarter liefen: Die „Pebble Time“-Smartwatch, die „Coolest Cooler“-Kühlbox, die „Baubax World“-Reisejacke, das „Exploding Kittens“-Kartenspiel und die Videospielkonsole „OUYA“ gehören zu den erfolgreichsten Projekten, die Gebrauchsgegenstände bewerben. Zu den bedeutendsten ‚gekickstarteten‘ Produkten im Unterhaltungsbereich gehören die Spielfilme „The Veronica Mars Movie Project“ und „Wish I Was Here“, das Videospiel „Broken Age“ und die Webserie „Video Game High School“.

Als Crowdfunding-Modell hat sich bei Kickstarter das Reward-Based Crowdfunding etabliert. Hierbei werden Spender je nach Höhe der geleisteten Spende individuell belohnt. So versprechen Projektleiter häufig Spendern, sie in späteren Danksagungen zu erwähnen. Großzügigere Spender erhalten meist einen Vorbestellungsbonus auf das Endprodukt – oft werden aber auch Merchandise-Artikel wie T-Shirts und Mützen als Dank verschickt. Typisch für Kickstarter sind auch die sogenannten Stretch Goals, also Finanzierungsziele über das anfangs gesetzte Ziel hinaus. Die Spender schalten dann sozusagen weitere „Features“ des Endprodukts frei, weil der Projektleiter entsprechend mehr Kapital zur Verfügung hat.

Die Projektseiten bei Kickstarter sind elegant und übersichtlich. Im Header zeigt Kickstarter, wie viel Geld das Projekt schon sammeln konnte, wie viele individuelle Spender sich schon beteiligt haben und wie viel Zeit verbleibt, um das Finanzierungsziel zu erreichen. Unter „Kampagne“ stellt der Betreiber sein Projekt vor und definiert Belohnungen, Stretch Goals und weitere wichtige Details zur Kampagne. Bei „FAQ“ lassen sich Antworten auf häufig gestellte Fragen einstellen. Unter „Updates“ informieren Sie Ihre Spenderbasis und Interessierte über den Fortschritt des Projekts in Form einer Timeline. Unter „Kommentare“ können registrierte Nutzer Anregungen, Kritik und Lob einstellen.

Die Rubrik „Community“ zeigt interessante und für Sie als Projektleiter wichtige Informationen zur Spenderbasis und deren lokaler Verteilung. Außerdem finden hier einige Unterstützer Erwähnung, die in der Kickstarter-Community schon eine gewisse Bekanntheit erlangt haben. Schließlich ist es gute Werbung für ein Projekt, wenn man kompetente und teilweise berühmte Investoren ins Boot holen konnte.

Ein Problem, das die Crowdfunding-Community allgemein plagt und das auch nicht von Kickstarter gelöst werden kann, sind erfolgreich finanzierte, aber trotzdem gescheiterte Projekte. Auch auf Kickstarter.com wurde schon viel Geld verdampft, weil Projektleiter das jeweilige Projekt nach erfolgreichem Crowdfunding abbrachen, ohne das aufgewendete Kapital zurückzuerstatten. In einigen Fällen gab es schlicht keine Updates mehr zu bestimmten Projekten, die dann für tot erklärt werden mussten, und die Spender wurden schlicht im Stich gelassen. Worin die Gründe hierfür auch immer liegen: Crowdfunding ist stets ein Risikoinvestment. Kickstarter scheint zudem nicht aktiv eine Lösung für das Problem zu suchen – die eher lapidar formulierten Regeln tragen zumindest wenig dazu bei.

Kickstarter sieht sich zudem der ständigen Kritik ausgesetzt, selbst zu sehr den Erfolg von Projekten zu beeinflussen. Diese können nämlich mit einem „Staff Pick“-Orden versehen werden, also einer Empfehlung der Website. So kann Kickstarter gezielt steuern, welche Projekte mehr Aufmerksamkeit erzeugen. Es ist jedoch nicht transparent, wie sich ein Projekt den Staff Badge verdienen kann.

Auch die Navigation der Website ist nicht immer zufriedenstellend. Will man alle Projekte einer Kategorie sehen, sind oftmals bis zu vier Klicks nötig. Bis dahin bekommt man immer nur eine Auswahl an Projekten präsentiert, z. B. solche, die kurz vor dem Finanzierungsziel sind oder schon viel Aufmerksamkeit generiert haben. Es liegt die Vermutung nahe, dass viele Besucher den Großteil der Projekte schlicht nicht sehen, wenn sie sich nicht durch die sperrige Website navigieren möchten. Die effektivste Methode ist weiterhin, seine Projektseite über soziale Netzwerke selbst zu verbreiten.

Vorteile Nachteile
„Alles oder nichts“-Prinzip lässt erst Geld fließen, wenn eine Kampagne erfolgreich ist, … … das führt allerdings dazu, dass viele Projektleiter ihr Finanzierungsziel absichtlich niedrig ansetzen.
Kickstarter verlangt nur bei erfolgreich finanzierten Projekten eine Gebühr von 5 % der Gesamtsumme, … … allerdings fallen zusätzliche Gebühren beim Geldverkehr an.
Sehr übersichtliche, informative Projektseiten, … … aber die sehr sperrige Navigation der Website macht das Durchstöbern von Projekten unnötig kompliziert.
„Staff Pick“-Orden hebt bestimmte Projekte hervor, … … ist in seinen Kriterien aber nicht transparent und hat zu viel Einfluss auf den Erfolg von Projekten.
Eignet sich für Privatpersonen und Start-ups, deren Fokus tendenziell auf kreativen Projekten liegt, … … dafür finden jedoch wohltätige Projekte auf Kickstarter keinen Platz.
Die Hervorhebung fast finanzierter Projekte bringt Spannung und sorgt womöglich für die letzte notwendige Menge an Aufmerksamkeit, … … allerdings werden die Rubriken „Vorgestellte Projekte“ und „Empfehlungen für dich“ zu unregelmäßig aktualisiert.

GoFundMe

Die Website GoFundMe gehört zu den populärsten Crowdfunding-Plattformen, hat sich aber von Beginn an auf den Bereich Wohltätigkeit und Nonprofit spezialisiert. Die Kampagnen auf GoFundMe sammeln meist Geld für soziale Events und wohltätige Projekte. GoFundMe startete 2010 und konnte bis 2017 über 5 Milliarden US-Dollar generieren. Kampagnen sind dabei grundsätzlich mit einer Gebühr von 5 Prozent jeder einzelnen erhaltenen Spende belastet, allerdings entstehen für Projektleiter aus Europa Mehrkosten, wenn Geldtransfers aus Übersee abgewickelt werden müssen. Für Deutschland verlangt GoFundMe eine Gesamtgebühr von 8,45 Prozent der geleisteten Spende plus einen Fixbetrag von 25 Cent pro Spende.

GoFundMe sticht durch zwei Besonderheiten hervor: Anders als bei den meisten Crowdfunding-Plattformen können Sie grundsätzlich alle Spenden behalten, auch wenn Sie das Finanzierungsziel nicht erreichen. Somit lassen sich über GoFundMe Projekte zumindest teilfinanzieren. Die andere Besonderheit: Es gibt keine Frist für das Erreichen eines Finanzierungsziels. So bleibt jede Kampagne so lange online, wie der Projektleiter sie online lässt. Dadurch lassen sich auf einen längeren Zeitraum ausgelegte Projekte besser verwirklichen, beispielsweise solche, die von regelmäßig eingehenden Spenden abhängig sind. Der Modus von GoFundMe eignet sich somit auch sehr gut für Projekte, die wohltätigen Zwecken dienen.

Die individuelle Projektseite vereinigt alle nötigen Informationen und Aktionen auf einer einzigen Seite: Dort kann man sich über das schon gesammelte Geld und dem Abstand zum Finanzierungsziel informieren – auch das Hauptbild, das visuell auf das Projekt aufmerksam machen soll, erhält reichlich Platz. Auffällig sind außerdem auch die Social-Media-Schaltflächen, über die man das jeweilige Projekt sofort teilen kann. GoFundMe erkannte früh die Macht der sozialen Netzwerke und deren Fähigkeit, Hype und virale Werbung zu generieren. So findet man unter dem Hauptbild auffällig große Banner für Twitter und Facebook, die sogar dem Informationstext vorangestellt werden. Der Besucher der Projektseite wird regelrecht zu einer Aktion aufgefordert. Eine Spende zu leisten und das Projekt zu teilen scheinen auf GoFundMe gleich gewichtet zu sein.

Spenden können über Kreditkarte geleistet werden. Zudem können Spender Nachrichten auf der jeweiligen Projektseite hinterlassen, abhängig von der Art der Kampagne: z. B. Genesungswünsche, ermutigende Beiträge oder Aufrufe zu weiteren Spenden. Die Ausrichtung von GoFundMe auf soziale Projekte lässt sich auch aus der Kategorisierung von Kampagnen ablesen: „Bildung“, „Medizinisches“, „Wohltätigkeit“, „Notfälle“ und „Gedenkfeiern“ werden zuerst angeführt, während gängige Crowdfunding-Kategorien wie „Kreativprojekte“ und „Unternehmen“ eine untergeordnete Rolle spielen.

GoFundMe weiß auch mit einem Kundensupport zu überzeugen. Wer möchte, der lässt sich von sogenannten Coaches beraten, die dabei helfen, die Projektseite möglichst attraktiv zu gestalten. Im GoFundMe-Hilfe-Center gibt es zudem relativ detaillierte Guides zur Benutzung der Plattform. Auch interessierte Spender können sich hier über die Abwicklung von Spenden und ihre Rechte informieren. Im Falle von Missbrauch hält GoFundMe ein Kontaktformular bereit, falls eine geleistete Spende zurückerstattet werden soll. Die Betreiber geben darüber hinaus das Versprechen, den Geldfluss streng zu kontrollieren und sicherzustellen, dass alle Spenden bei der richtigen Adresse landen. Bei Versagen der Sicherheitsmaßnahmen willigt GoFundMe sogar ein, verlorene Beträge zu erstatten bzw. die Spendendifferenz selbst zu bezahlen. Für die Effektivität dieser Maßnahmen fehlen jedoch eindeutige Belege.

GoFundMe hat allerdings ein Image-Problem, landen doch einfach zu viele fragwürdige Projekte auf der Plattform. Weil sich hier Privatpersonen für ihre „Wünsche“ und „Pläne“ finanzieren lassen können, führten schon viele GoFundMe-Projekte zu kleinen Skandalen. Harmlos sind noch Spendenaufrufe von Personen, die sich ihre Hochzeit finanzieren lassen wollen oder einfach etwas zu essen kaufen möchten. Lustig sind auch Projekte wie die eines Amerikaners, der wegen eines bevorstehenden Haarverlusts um Spenden für eine Hutsammlung bat. Medienecho bekommen außerdem häufig Projekte, die starke kontroverse Meinungen hervorrufen, vor allem wenn diese religiös oder politisch gefärbt sind. Ohnehin gilt die Qualitätskontrolle bei GoFundMe als nicht besonders ausgereift, sodass gut gemeinte Projekte teilweise in der Masse der Mini-Kampagnen untergehen.

Vorteile Nachteile
Die beste Plattform für wohltätige und soziale Projekte, … … die aber auch massenweise für kleine und unsinnige Kampagnen missbraucht wird.
GoFundMe verspricht einen glaubhaften Schutz für Spender und Projektleiter, … … allerdings sind die Gebühren im Vergleich zu anderen Plattformen etwas höher.
Projekte bringen auch Geld, wenn sie nicht voll finanziert werden, … … was allerdings den Missbrauch von Spendengeldern einfacher macht.
Finanzierungsziele werden nicht befristet, … … wodurch jedoch ein spannender und motivierender Aspekt des Crowdfunding verloren geht.
Übersichtliche Projektseiten mit nachvollziehbarem Fokus auf die Einbindung sozialer Netzwerke, … … die jedoch nur Facebook und Twitter als Optionen bieten.
Spenden können mit kurzen Nachrichten versehen werden, … … das Leisten einer Spende ist aber nur per Kreditkarte möglich.
Gute Support-Seiten und Guides für Spender und Projektleiter  

Indiegogo

Neben Kickstarter gilt Indiegogo als Pionierauf dem Gebiet des Crowdfundings. Mit der Inbetriebnahme der Plattform 2008 war Indiegogo allein auf das belohnungsbasierte Crowdfunding-Modell für kreative Projekte und Start-ups ausgerichtet, allerdings erlaubt es seit 2016 auch das anteilmäßige Modell bzw. das „Equity-Based Crowdfunding“ für Business-Investoren. 2014 kam darüber hinaus der Service Indiegogo Life (jetzt „Generosity“) dazu, der speziell für Notfälle, medizinische Kosten, Feiern und andere soziale Zwecke konzipiert ist.

Oberflächlich betrachtet ähnelt Indiegogo sehr stark Kickstarter und GoFundMe: Nutzer erstellen eine Projektseite und legen ein Finanzierungsziel fest, das abhängig von der Wahl zwischen „Fixed Funding“ und „Flexible Funding“ die Voraussetzung für die Finanzierung des Projekts ist oder lediglich ein Richtwert. Die Hauptseite des Projekts besteht aus der Beschreibung der Idee (Reiter „Story“) und der Belohnungen (hier „Perks“ genannt), die je nach Spendenhöhe gestaffelt sind. Bei „Updates“ wird über den Projektfortschritt berichtet und unter „Kommentare“ können Nutzer kleine Textbeiträge hinterlassen. Der Reiter „Finanzielle Unterstützer“ bietet eine vollständige Spendenhistorie. Die Projektseite verfügt über alle nötigen Social-Media-Widgets, die aber nicht so aufdringlich gestaltet sind wie bei der Konkurrenz.

In puncto Design überzeugt Indiegogo mit modernem Minimalismus – die Ähnlichkeit zu Kickstarter ist dabei nicht zu übersehen. Die eher skeletthafte Struktur der Website lenkt das Hauptaugenmerk auf die Kampagnen. Die Navigation der Plattform ist flüssig und sinnvoll gestaltet, besonders die Sortierung von Projekten je nach Zeitplan (z. B. „Wird bald online gestellt“ und „Endet bald“) ist hervorzuheben. Außerdem lassen sich Projekte allgemein nach Beliebtheit (vermutlich Klickzahlen) und Top-Verdienern sortieren. Ansonsten teilen sie sich in die handelsüblichen Kategorien und Subkategorien auf.

Eine Besonderheit bei Indiegogo ist, dass Sie als Projektleiter diemeisten Spenden sofort erhalten. Weil der Großteil der Spenden über den Bezahlservice PayPal läuft, entfällt ein nötiger ‚Zwischenstopp‘ der Spende. Indiegogo bietet auch die Bezahlung über Kreditkarte an; diese Spenden landen dann allerdings erst etwa zwei Wochen nach Abschluss der Kampagne auf Ihrem Konto. Die Plattform erhebt auf jede Spende die handelsüblichen 5 Prozent Gebühr, bei Kreditkartenzahlung fallen zusätzliche 3 Prozent plus feste 30 Dollar-Cent an.

Indiegogo legt bewusst wenig Regeln für ihre Projekte fest. Projektleiter unter 18 Jahren brauchen die Genehmigung einer erziehungsberechtigten Person, um eine Kampagne zu starten. Außerdem werden Projekte gelöscht, die Geld für illegale Aktivitäten sammeln möchten oder bei denen die Grundidee absurd oder unrealistisch ist. Bei den Belohnungen dürfen Sie keine finanziellen Versprechungen machen oder Drogen, Waffen und Glücksspiel anbieten. Kampagnen dürfen zudem nicht zu physischer oder psychischer Gewalt aufrufen.

Außer diesen eher naheliegenden Regeln setzt Indiegogo den Projekten keine Grenzen und ist damit im Vergleich zur Konkurrenz sehr tolerant. Dafür fehlen allerdings einige Filter, die verhindern, dass unsinnige oder unmoralische Projekte auf der Plattform landen. Nicht zuletzt wegen fehlender Kontrollen ist Indiegogo die Plattform mit den meisten Projekten, aber der Anspruch, dass jeder mitmachen darf, führt eben auch zu einer eher geringen Durchschnittsqualität der Kampagnen. Das liegt auch daran, dass Kampagnen, die von anderen Plattformen abgelehnt wurden, oft auf Indiegogo landen.

Allerdings distanziert sich der Betreiber eindeutig von einzelnen Kampagnen und übernimmt bei Betrugsfällen keinerlei Verantwortung. Das Schutzprogramm „Trust & Safety“ beruht im Kern lediglich auf dem vertrauensvollen Umgang der Community untereinander. Immerhin hält die Plattform bei Problemfällen einen speziellen Service bereit, der rund um die Uhr kontaktiert werden kann. Ansonsten setzt Indiegogo hauptsächlich auf Eigenverantwortlichkeit: Nutzer werden dazu angehalten, das jeweilige Projekt vor der Spendengabe genau zu analysieren, Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern. Projektleiter werden darum gebeten, volle Transparenz zu gewährleisten, mit Spendern regelmäßig zu kommunizieren und das Projekt seriös zu behandeln.

Diese generellen Guidelines sind gut gemeinte Ratschläge, die Betrügern aber wohl kaum den Wind aus den Segeln nehmen. Auch bei Indiegogo merkt man, dass der Schutz von Spendern und Projektleitern im Wesentlichen auf guten Glauben und Vertrauen basiert.

Positiv hervorzuheben ist das umfangreiche Education Center, das Crowdfunding-Anfängern umfassende Informationen, Tutorials und Webinare bietet. Es darf aber bezweifelt werden, dass der Großteil der Projektleiter diesen Service nutzt.

Vorteile Nachteile
Die Gebühr von 5 % ist verhältnismäßig gering, … … steigt bei Kreditkartennutzung allerdings auf einen handelsüblichen Betrag an.
Das Geld fließt über PayPal direkt zum Projektleiter, … … was jedoch Betrügern Tür und Tor öffnet.
Minimale Regeln für die Projekterstellung, … … wodurch allerdings sehr viele schlechte, unsinnige und moralisch fragwürdige Kampagnen auf der Plattform landen.
Minimalistisches Design und übersichtliche Projektseiten, … … die allerdings keine Statistiken zur Spenderbasis und keine FAQ-Seite bieten.
Gute Supportseiten für Spender und Projektleiter, … … die jedoch einen umfassenden Schutz vor Veruntreuung von Spendengeldern nicht ersetzen können.

Patreon

Patreon nimmt im Bereich Crowdfunding eine Sonderstellung ein: Die Projektfinanzierung ist hier abonnementbasiert und verschafft Projektleitern so einen monatlichen Geldeingang. Patreon ist besonders bei YouTubern beliebt, deren Einnahmen bei der Videoplattform nicht ausreichen, um die Existenz ihrer Projekte zu sichern. Stattdessen sind sie auf regelmäßige Spenden angewiesen. Im Gegenzug versorgen sie ihre Spenderbasis mit Belohnungen wie exklusivem Content oder Verlosungen.

Obwohl der Großteil der Patreon-Nutzer YouTuber sind, erfreut sich die Plattform auch bei Webcomic-Künstlern, Autoren, Podcast-Betreibern und Musikern großer Beliebtheit. Patreon hat es vielen Künstlern ermöglicht, ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Bei den Spenden fallen 5 Prozent Gebühren an, womit Patreon günstiger für Projektleiter ist als die meisten herkömmlichen Crowdfunding-Plattformen.

Patreon unterscheidet sich im Design nicht wesentlich von anderen bekannten Crowdfunding-Plattformen. Auch hier betreiben Projektleiter ihre eigenen Projektseiten, auf denen sie für ihren Content werben. Zudem können sie ihre Unterstützer nach Höhe der monatlich geleisteten Spende staffeln, sodass großzügigere „Patreons“ etwa Zugriff zu exklusiven Inhalten bekommen oder Teil eines exklusiven ‚Clubs‘ werden. Darüber hinaus finden Patreons meist Erwähnung im Endprodukt des Projektleiters, etwa in der Danksagung eines Videos.

Patreon nahm 2013 den Betrieb auf und ist eine vergleichsweise junge Plattform, deren Einfluss insbesondere auf die YouTube-Community aber keinesfalls unterschätzt werden darf. Für Kreative, die ihre Werke mehr oder weniger regelmäßig veröffentlichen und die eine solide Fanbasis haben, ist Patreon häufig lohnenswerter als die Konkurrenz, weil das Abonnement-Modell einen ständigen Geldzufluss ermöglicht. Allerdings sollten Sie bei Patreon möglichst transparent sein, um aufzuzeigen, wo diese Spendengelder schließlich landen. Ob für eine Immobilie, für notwendiges Aufnahme-Equipment oder ganz einfach für den Lebensunterhalt, damit Sie sich der Kunst in Vollzeit widmen können – Patreon belohnt Transparenz und regelmäßige Veröffentlichungen mit einer soliden Spenderbasis.

Projektleiter werden je nach Art des Contents in unterschiedliche Kategorien aufgeteilt, z. B. „Music“ und „Games“. Die Projektseiten selbst bieten neben einer Projektbeschreibung auch Infos über die Belohnungen für Spender und die Anzahl der „Patreons“ an – also jene Personen, die bereits eine monatliche Spende leisten. Darunter können Sie angeben, wie viel Geld Sie monatlich bereits einnehmen, müssen dies aber grundsätzlich nicht offenlegen. Auch die Finanzierungsziele müssen nicht immer transparent sein – viele Projektleiter signalisieren nur anhand einer Prozentangabe, wie nah das Projekt am Finanzierungsziel liegt. Weil ein regelmäßiges Patreon-Einkommen einem monatlichen Gehalt näher kommt als andere Formen des Crowdfunding, ist es mitunter ratsam, die tatsächlich eingenommene Summe privat zu halten. Das ist allerdings allein Entscheidung des Projektleiters.

Neben der fixen monatlichen Spende bietet Patreon auch eine Bezahlmethode an, die einem ‚klassischen‘ Abonnement nahekommt. So kann der Projektleiter festlegen, dass er immer dann eine fixe Summe von seinen Patreons überwiesen bekommt, wenn er einProdukt liefert, also z. B. ein neues Video hochlädt. Auf Spenderseite können Abonnements jederzeit angepasst oder abgebrochen werden. Patreons erhöhen oft ihren monatlichen Beitrag, wenn der Projektleiter ein neues Finanzierungsziel definiert und dies mit gewissen Versprechungen wie noch regelmäßigeren Content verbindet. Andersherum beenden Patreons oft ihre Unterstützung, wenn der Projektleiter das versprochene Produkt nicht liefert oder nicht zufriedenstellende Inhalte präsentiert. Patreon ist somit eine Plattform, die sehr empfindlich und schnell auf Änderungen reagieren kann. Ihre Patreons können Sie genauso sehr motivieren, wie sie Sie unter Druck setzen können.

Durch das Abonnement-Modell ist der Community-Aspekt bei Patreon besonders stark ausgeprägt. Die ‚Abonnenten‘ sichern Ihnen nicht nur regelmäßige Einnahmen, sondern treten auch als Konsumenten auf. Die Interaktion mit dieser Community ist umso wichtiger und noch entscheidender als bei herkömmlichen Plattformen, die auf einmalig geleisteten Spenden basieren. Schließlich werden Sie hier fortlaufend aktiv durch die Patreons unterstützt, deren persönliche Bindung zu Ihrem Projekt dank des monatlichen Geldtransfers weitaus stärker ausfällt. Das bedeutet: Bei Patreon ist die Community-Arbeit mit der wichtigste Aspekt, wenn Sie über einen langen Zeitraum erfolgreich finanziert werden möchten. Planen Sie also diesen regelmäßigen Aufwand unbedingt mit ein.

Viele deutsche Künstler nutzen schon Patreon als Crowdfunding-Plattform, allerdings ist die Website bisher nur auf Englisch verfügbar. Die Betreiber der Plattform sind relativtolerant hinsichtlich des eingestellten Contents. Verboten sind offiziell nur gewaltverherrlichende und bestimmte als pornografisch einzustufende Inhalte. Dennoch scheint Patreon gewisse moralische Prinzipien zu haben, die aber nicht vollständig kommuniziert werden. Kontrovers war etwa die Löschung des Projekts eines YouTubers im Juli 2017, in dem dieser zu Spenden für seinen moralisch bedenklichen Aktivismus in der Gruppe „Defend Europe“ aufrief, um die gewaltsame Blockade von NGO-Schiffen zu dokumentieren. Patreon verteidigte die Löschung mit dem Hinweis, keine Projekte unterstützen zu wollen, die „Leben gefährden“.

Kritik hagelte es auch, als Patreon die Projektseite einer Anarchistengruppe löschte. Daraufhin musste sich Patreon den Vorwurf der Doppelmoral gefallen lassen, gelobte aber, seine Richtlinien und Bewertungsprozesse zu verbessern.

Vorteile Nachteile
Abonnement-Modell eignet sich besonders gut für Kreative, die regelmäßigen Content schaffen, … … allerdings übt die stärkere Bindung zur Spenderbasis mehr Druck auf Projektleiter aus.
Regelmäßiges Einkommen kann die Kunst als Vollzeitbeschäftigung ermöglichen, … … der Geldfluss ist aber abhängig von der Qualität des Produkts – und der Verlust von Patreons kann den eigenen Lebensunterhalt gefährden.
Der Zugewinn von Patreons als ‚Superfans‘ kann motivieren und die Interaktion mit diesen kann frische Ideen bringen, … … allerdings kann der Hochmut einiger Patreons zu störendem Verlangen nach Mitbestimmung führen und Projektleiter in ihrer kreativen Freiheit einschränken.
Patreon lässt dem Projektleiter die Wahl, die tatsächliche Summe monatlicher Einnahmen zu verbergen, … … jedoch verlangt ein erfolgreiches, fortlaufendes Crowdfunding größtmögliche Transparenz und die Offenlegung von Ausgaben.
Patreon ist sehr tolerant gegenüber Projektleitern, … … was aber auch zur qualitativen Verwässerung von Projektseiten führt.
Umfangreiche und sinnige Kategorisierung von Projekten, … … allerdings wäre die Ergänzung der Kategorien „YouTube“, „Twitch“ usw. sinnvoll.
Patreon ist elegant designt und die Projektseiten sind sowohl ansehnlich als auch informativ gestaltet, … … jedoch könnte die Suche nach Patreons verbessert und die Website in weitere Sprachen übersetzt werden.

Deutsche Plattformen

Deutsche Crowdfunding-Plattformen haben sich bisher als wenig rentabel erwiesen. So mussten nach dem ‚Boom‘ im Herbst 2010 mehrere Portale den Betrieb inzwischen wieder einstellen. Zu stark war die Konkurrenz aus den USA, zu schlecht kamen die deutschen Alternativen und Konzepte teilweise an. Das stärkste Argument einer Crowdfunding-Plattform ist schließlich eine große Community: Warum sollten Sie als Projektleiter auf einer kleineren deutschen Plattform eine Kampagne starten, wenn Kickstarter, Indiegogo und GoFundMe viel mehr Spender anziehen?

Deutsche Plattformen funktionieren allerdings bei denjenigen Projekten besser, von denen hauptsächlich Menschen in Deutschland profitieren: z. B. lokale Vorhaben wie ein neuer Bolzplatz in der eigenen Stadt, gemeinnützige Projekte wie die Integration von Geflüchteten oder auch Bier-Start-ups. Potenzielle Spender, die sich für deutsche Projekte interessieren, bekommen auf deutschen Portalen eher eine spezielle Auswahl angeboten. Für Projektleiter ist es daher sinnvoll, zu einem Projekt zwei Kampagnen laufen zu lassen, eine auf einer internationalen Plattform und eine auf einer deutschen.

Startnext

Startnext wurde 2010 in Dresden gegründet und expandierte später nach Berlin. Die größte deutsche Crowdfunding-Website konzentriert sich auf die Massenfinanzierung von kreativen Projekten, wohltätigen Zwecken und Start-ups. Laut CEO Denis Bartelt ist Startnext vor allem für Kreative, Erfinder und Unternehmer gedacht, die durch die Möglichkeiten, die ihnen das Crowdfunding eröffnet, finanzielle Sicherheit gewinnen können. Im Kern orientiert sich Startnext an den internationalen Vorbildern und nennt vier Grundstärken des Crowdfunding: Kreativität, Nachhaltigkeit, Kraft der Crowd und Transparenz bzw. Offenheit. Außerdem sei die Einbindung sozialer Medien elementar für den Erfolg von Crowdfunding.

Hinsichtlich der Umsetzung merkt man Startnext den Einfluss der internationalen Größen Kickstarter und Indiegogo an. Die Projektseiten sind auch beim deutschen Anbieter bunt und informationsreich gestaltet, während die Website an sich minimalistisch designt ist und so maximalen Platz für die Ersteller lässt. Das Finanzierungsziel wird bei Startnext als sich auffüllender Balken mit Meilensteinen dargestellt. Viel auffälliger ist allerdings das große Bild im Header der Projektseite. Ein „Video abspielen“-Button unterstreicht die Wichtigkeit von medialen Elementen bei Startnext.

Beim Geldfluss funktioniert Startnext wie Kickstarter: Der Projektleiter bekommt nur den Gesamtbetrag, wenn das Finanzierungsziel erreicht wurde, andernfalls bekommen die Spender ihr Geld zurück („Alles oder Nichts“). Besonders hervorzuheben ist der Verzicht auf eine fixe Gebühr, womit Startnext auf Wunsch eine komplett kostenlose Plattform ist und sich für Crowdfunding-Einsteiger besonders empfiehlt. Projektleiter spenden einen selbst bestimmten Teil der Summe an Startnext, die Website ist also selbst spendenfinanziert, ganz im Geiste des Crowdfunding.

Kampagnen laufen auf Startnext im Grunde wie bei der internationalen Konkurrenz ab: Als Projektleiter erstellen Sie eine eigene Webpage, auf der Sie mithilfe von Text, Bildern und Videos Ihr Vorhaben beschreiben. Außerdem legen Sie Belohnungen für Spender fest, entweder materieller oder ideeller Art. Eine Besonderheit bei Startnext ist die „Startphase“, die vor der eigentlichen Spendenphase beginnt: In dieser gilt es, Fans für sein Projekt zu gewinnen, notwendige Anpassungen vorzunehmen und Informationen zu ergänzen. Abhängig vom Finanzierungsziel muss das Projekt dann zunächst eine bestimmte Anzahl an Fans gewinnen, bevor es aktiv mit Spenden finanziert werden kann. Im Gegenzug werden ‚Fans‘ über Neuigkeiten zum Projekt informiert. In dieser Phase kann und soll das Projekt außerdem über soziale Medien geteilt werden, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die „Fundingphase“ ist dann der entscheidende Zeitraum, in dem das Projekt vollständig finanziert werden muss.

Hervorzuheben ist außerdem die Kooperationswilligkeitvon Startnext mitanderen Projekten, u. a. mit dem Deutschen Integrationspreis der Hertie-Stiftung und dem „Sciencestarter“ von Wissenschaft im Dialog. Aufsehen erregte Startnext auch durch die Kooperation mit der SPD-Politikerin Andrea Nahles, die das Crowdfunding-Projekt „RefugeesWelcome@Startnext“ organisiert. Dadurch etablierte sich die Plattform endgültig als Plattform für wohltätige Zwecke. Zu den weiteren bekannten Kampagnen zählen das Album „Laufen lernen“ von Max Giesinger, der Spielfilm „Iron Sky“ (Regie: Timo Vuorensola) und die gemeinnützige Internetplattform Foodsharing.de. Startnext konnte bis zum November 2017 über 5.000 Projekte erfolgreich finanzieren.

Vorteile Nachteile
Bei der größten deutschen Plattform lassen sich (lokale) deutsche Projekte besser vermarkten, … … allerdings fällt dann ein mögliches internationales Publikum größtenteils weg.
Startnext ermöglicht die komplett kostenfreie Nutzung der Plattform, … … jedoch ist zweifelhaft, ob sich die Plattform so am Leben erhalten kann, wenn sie nicht mittelfristig auf das Gebührenmodell umsteigt.
„Alles oder nichts“-Prinzip sorgt für Spannung und schützt die Spender besser vor Betrug, … … das schränkt allerdings die Projektleiter in der Konzeption und Art ihrer Kampagnen ein.
„Startphase“ ist praktisch, um die Kampagne vor der „Fundingphase“ zu optimieren, … … jedoch kann ein anfänglicher Hype dadurch nachlassen und das Projekt in Vergessenheit geraten.
Die Zusammenarbeit mit wohltätigen und gemeinnützigen Organisationen ist sinnvoll und löblich, … … allerdings geht dadurch ein wenig der Unabhängigkeitsgedanke des Crowdfunding verloren.
Umfangreiche Bezahlmethoden inkl. Lastschrift, … … aber fehlende Option, über PayPal zu bezahlen

Steady

Steady ist eine noch sehr junge (Gründungsjahr: 2017) und mit knapp 30.000 Mitgliedern vergleichsweise kleine Plattform, erfreut sich aber eines raschen Zuwachses und soll aufgrund seines innovativen Konzepts an dieser Stelle Erwähnung finden. Steady überträgt nämlich das Abonnement-Modell von Patreon auf die unabhängige Medienlandschaft im deutschen Raum. Kurz gesagt bezahlen Mitglieder monatlich ausgewählte „Publisher“ und erhalten so regelmäßigen Zugang zu deren Content. Die Spender werden je nach Höhe der geleisteten Beiträge mit zusätzlichen Zugriffsrechten oder den klassischen materiellen oder ideellen Belohnungen vergütet. Auf Steady kann neben Lastschrift und Kreditkarte auch über PayPal bezahlt werden. Dafür ist die Gebühr von Steady – 10 Prozent auf alle Zahlungsvorgänge – auch im Vergleich zu den internationalen Plattformen relativ hoch.

Steady teilt Projekte in die Kategorien „Magazine“, „Podcasts“, „Blogs“, „Newsletter“, „Lokal“, „Video“ und „Tech“ auf. Auffällig ist die sehr schnelle und elegante Navigation durch die Website. Ebenfalls erfrischend ist die eher minimalistische Aufmachung der Projektseiten, die die harten Fakten wie den Finanzierungsstatus und das Finanzierungsziel übersichtlich darstellen, aber auch viel Platz für die Informationen zu dem Projekt lassen.

Unter dem Haupttext finden sich dann die Bezahloptionen, bei denen ein weiterer wesentlicher Unterschied zu anderen Plattformen deutlich wird: Hier gibt der Projektleiter die Bezahloptionen vor (pro Monat oder pro Jahr) und verbindet diese mit festen Rewards, während die anderen Plattformen Rewards „freischalten“, wenn die Crowdfunding-Summe eine bestimmte Grenze überschritten hat. Dadurch lässt sich die voraussichtliche Höhe der monatlichen Spenden etwas besser einschätzen als beispielsweise bei Patreon, allerdings kratzt Steady damit ein wenig am typischen Crowdfunding-Prinzip der komplett selbstbestimmten Spendenleistung.

Praktisch für Sie als Publisher: Steady bietet Overlays bzw. Widgets an, mit denen Sie auf Ihren eigenen Seiten zum Spenden aufrufen können. Diese Widgets verbergen journalistischen Content hinter einer Paywall oder installieren eine Adwall, wenn Leser Adblocker nutzen (durch die Ihnen Werbeeinnahmen verloren gehen). Das Widget bitte dann um eine Spende über Steady, statt den Lesern Inhalte vorzuenthalten. Relevant ist dabei für Sie auch, dass durch die Integration eines Steady-Widgets der Traffic Ihres Webangebots nicht der Crowdfunding-Website zugutekommt, wie das beim Großteil der Konkurrenz der Fall ist.

Steadys Fokus auf Publisher wird auch dadurch deutlich, dass die Plattform umfangreiche Statistiken bietet und sämtliche Bezahlvorgänge auch über Rechnung erlaubt. Auch hinsichtlich der Transparenz sind Sie bei Steady flexibel: So ist die Angabe der Finanzierungslage und eines Finanzierungsziels komplett freiwillig.

Vorteile Nachteile
Eine junge und innovative deutsche Plattform mit Abonnement-Modell, … … aber die Community ist (Stand: April 2018) noch sehr klein.
Umfangreiche Bezahloptionen und Widget-/Overlay-Implementierungen machen Steady extrem flexibel, … … allerdings ist die Gebühr von 10 Prozent aber vergleichsweise hoch.
Sehr elegant designte und schnelle Website, … … allerdings verstecken sich die Bezahlmodelle auf den Projektseiten ganz unten.
Eigens definierte Bezahloptionen verbessern das finanzielle und konzeptuelle Management der Kampagne, … … jedoch kratzt das am ‚Geist des Crowdfunding‘, weil die Selbstbestimmung bei der Spendenleistung wegfällt.
Steady ist für Publisher von journalistischen Inhalten hervorragend geeignet, … … allerdings finden hier andere klassische Crowdfunding-Projekte wie gemeinnützige Vorhaben und Start-ups (noch) keinen Platz.
Die Implementierung von Paywalls im Bereich des Onlinejournalismus ist Trend und soll über Steady zentralisiert werden, … … das wird dem allgemeinen Unmut der Internetnutzer gegenüber Paywalls aber kaum entgegenwirken.

Crowdfunding-Plattformen in der Übersicht

Plattform Gründungsjahr Sprachen Mitglieder (gerundet, Stand April 2018) Gebühren Crowdfunding-Modelle Geeignet für
Kickstarter 2009 Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch 14,5 Mio. 5 % + 3–5 % Transaktionsgebühr Reward-Based/Klassisches Crowdfunding („Alles oder nichts“-Prinzip, Projektleiter erhält Geld ca. 2 Wochen nach erfolgreicher Finanzierung) Künstler, Erfinder, Start-ups
GoFundMe 2010 Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch 50 Mio. individuelle Spender (keine Angaben zu Registrierungszahlen) 8,45 % + 25 Cent je Spende Spendenbasiertes Crowdfunding (ohne Gegenleistung), wobei alle Spenden ausgezahlt werden, unabhängig vom Erfolg der Kampagne Wohltätige und gemeinnützige Zwecke, private Spendenaufrufe, Notfälle
Indiegogo 2008 Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch 9 Mio. 5 % + 3 % + 30 Dollar-Cent je Transaktion Reward-Based/Klassisches Crowdfunding (Spenden gehen individuell und unmittelbar an den Projektleiter) Künstler, Erfinder, Start-ups; wohltätige und gemeinnützige Zwecke („Indiegogo Generosity“)
Patreon 2013 Englisch 1 Mio. 5 % Reward-Based/Klassisches Crowdfunding (Abonnement-Modell) Künstler, Content-Producer (insb. YouTuber)
Startnext 2010 Deutsch 900.000 Freiwillig Reward-Based/Klassisches Crowdfunding („Alles oder nichts“-Prinzip) Künstler, Erfinder, Start-ups, wohltätige und gemeinnützige Zwecke
Steady 2017 Deutsch 30.000 10 % Reward-Based/Klassisches Crowdfunding (Abonnement-Modell) Publisher, Onlinejournalisten, Künstler

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