# Was ist Credential Stuffing?

Wir alle nutzen Dutzende oder sogar Hunderte verschiedener Online-Services: E-Mail Provider, Anwender-Software, Streaming-Dienste, Zeitungs-Abos und vieles mehr. Jeder dieser Services verlangt von uns Login-Daten – mindestens einen Benutzernamen und ein Passwort. Häufig werden solche Login-Daten jedoch auf die ein oder andere Weise gestohlen und dann in großen Passwortsammlungen von Cyberkriminellen zum Verkauf angeboten. Solche Login-Daten nutzen Hacker dann beispielsweise beim sogenannten **Credential Stuffing**, um Profit aus den gestohlenen Daten zu schlagen.

## Weshalb das Thema Credential Stuffing so wichtig ist

Immer wieder gelingt es Hackern, in die Datenbanken großer Online-Services einzudringen und dort die Login-Daten zahlreicher Nutzer zu stehlen. Die erbeuteten Daten werden im Darknet in Form von Listen zum Verkauf angeboten. Die derzeit bekannteste und größte Liste heißt „Collection #1-5“ und enthält über [2,2 Milliarden Kombinationen von Benutzernamen und Passwörtern](https://www.heise.de/security/meldung/Neue-Passwort-Leaks-Insgesamt-2-2-Milliarden-Accounts-betroffen-4287538.html "Neue Passwort-Leaks (Heise)") – ein Datenvolumen von rund 900 Gigabyte!

Was kann man mit dieser Liste anfangen? Auf den ersten Blick nicht sehr viel. Wenn ein Service-Anbieter den Datendiebstahl bemerkt, warnt er seine Kunden und fordert sie auf, ihr Passwort zu ändern.

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### Tipp

Auf der [Website des Hasso-Plattner-Institutes](https://sec.hpi.de/ilc/search? "Identity Leak Checker") können Sie feststellen, ob Ihre E-Mail-Adresse bereits im Darknet veröffentlicht wurde.

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Das Ändern des Passwortes schützt zwar davor, dass Hacker auf das entsprechende Benutzerkonto zugreifen können. Nur: Viele Anwender sind bequem. Sie verwenden dieselbe Kombination von E-Mail-Adresse und Passwort für verschiedene Online-Services. Hier kommt das **Credential Stuffing** ins Spiel, das Hacker nutzen, um die entwendeten Login-Daten doch noch zu ihrem Vorteil einsetzen zu können.

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### Tipp

Mehr zum Thema [Passwortsicherheit](https://www.ionos.at/digitalguide/server/sicherheit/passwortsicherheit/ "Passwortsicherheit") erfahren Sie in unserem Schwerpunkartikel. Lesen Sie auch im Digital Guide, wie Sie mit [Passwort Managern](https://www.ionos.at/digitalguide/server/sicherheit/passwort-manager-die-besten-tools-im-ueberblick/ "Passwort Manager: Die besten Tools im Überblick") den Überblick über Ihre Logins behalten.

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## Credential Stuffing kurz erklärt

Beim Credential Stuffing versuchen Angreifer, mit gestohlenen Login-Daten (engl. „Credentials“) in ein System einzudringen. Dabei probieren sie eine **hohe Zahl verschiedener Credentials** aus, die sie **bei anderen Online-Services** erbeutet haben. Ziel des Angriffs ist es, an weitere wertvolle Daten im gehackten Account zu gelangen, zum Beispiel an die Kreditkarten-Nummer oder die Adresse des Anwenders, an gespeicherte Dokumente, an Kontaktdaten – kurz: an weitere Daten, aus denen sich Profit schlagen lässt.

Statistiken zufolge ist ungefähr jeder tausendste Login-Versuch erfolgreich. Mit anderen Worten: Ein Angreifer muss im Schnitt 1.000 verschiedene Login-Daten ausprobieren, um in ein System einzudringen.

## Wie Credential Stuffing funktioniert

Für einen erfolgversprechenden „Credential Stuffing“-Angriff benötigt der Hacker vier Dinge:

- Eine Liste mit Login-Daten
- Eine Liste mit beliebten Online-Services, die er angreifen will (Beispiele: Dropbox, Adobe Cloud, Canva, etc.)
- Eine Technik, um eine hohe Zahl unterschiedlicher [IP-Adressen](https://www.ionos.at/digitalguide/server/knowhow/was-ist-eine-ip-adresse/) als Absender zu benutzen (IP-Rotation)
- Einen „Bot“ (Computerprogramm), der vollautomatisch Login-Versuche bei den diversen Online-Services vornimmt.

Über solche Bots probiert der Hacker bei einem Online-Service ein Login nach dem anderen aus, wobei systematisch die Absender-IP-Adresse verändert wird, damit der Zielserver die Login-Versuche nicht blockiert. Denn jeder gut konfigurierte Server wird eine IP-Adresse sperren, wenn die Anzahl fehlgeschlagener Login-Versuche eine bestimmte Schwelle überschreitet.

Gelingt das Login, greift der Bot die oben erwähnten, wertvollen Informationen ab. Zusätzlich werden die erfolgreichen Login-Daten zur spätere Verwendungen – beispielsweise für Phishing-Attacken und dergleichen – gespeichert.

Verglichen mit folgenden Hacker-Methoden ist Credential Stuffing oft deutlich effizienter:

- [Brute-Force-Attacken](https://www.ionos.at/digitalguide/server/sicherheit/brute-force-definition-und-schutzmassnahmen/) erfordern eine viel höhere Anzahl Versuche, weil rein zufällige Passwort-Kombinationen ausprobiert werden und nicht – wie beim Credential Stuffing – tatsächlich existierende Passwörter.
- [Social Engineering](https://www.ionos.at/digitalguide/server/sicherheit/social-engineering-die-sicherheitsluecke-auf-layer-8/) beschränkt den Angriff meist auf eine einzige Plattform (Beispiel: Amazon), während Credential Stuffing Hunderte verschiedener Online Services gleichzeitig angreifen kann.

## Wie Sie sich gegen Credential Stuffing schützen können

Die einfachste und sicherste Schutzmaßnahme ist die **Verwendung unterschiedlicher Passwörter** für Ihre verschiedenen Logins. Dies ist zwar unbequem, aber es ist trotzdem weniger mühsam, sich eine Methode zum Merken unterschiedlicher Passwörter zurechtzulegen, als im Falle eines Sicherheits-Lecks das Passwort für *sämtliche* Logins einzeln ändern zu müssen.

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### Tipp

Lesen Sie hier, wie Sie sich durch ein [sicheres Passwort schützen](https://www.ionos.at/digitalguide/server/sicherheit/sensible-daten-durch-ein-sicheres-passwort-schuetzen/ "Sensible Daten durch ein sicheres Passwort schützen").

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Bewährte Methoden im Umgang mit unterschiedlichen Passwörtern sind:

- **ein geheimes Passwort-Schema**, das für alle Passwörter gleichermaßen angewandt wird. Ein bewährtes Schema ist die Vermischung von Plattform-Name mit einer festen Zahlenkombination. Das Passwort für Dropbox wäre dann zum Beispiel dro33pbox22 und dasjenige für Amazon ama33zon22.
- **die Verwendung eines** **Passwort-Managers**; hier hat man die Wahl zwischen einer App und einem Browser-[Add-on](https://www.ionos.at/digitalguide/websites/web-entwicklung/was-ist-ein-add-on/).
- **die Verwendung mehrerer E-Mail-Adressen bzw. Benutzernamen** für die verschiedenen Plattformen, jeweils mit einem anderen Passwort.

## Serverseitige Schutzmaßnahmen

Für die Betreiber von Websites, Webshops und Online-Services existiert eine ganze Reihe verschiedener Möglichkeiten, die Anwender vor Credential Stuffing zu schützen:

- [TOTP](https://www.ionos.at/digitalguide/server/sicherheit/totp/)-**based Authenticator**, d.h. Verwendung eines einmaligen temporären Passwortes (*time-based one-time password*) für die Anmeldung
- **Multi-Faktor-Authentisierung,** zum Beispiel Zusendung eines SMS-Codes auf das Smartphone
- **Blockieren von Headless Browsern**, wie sie bei Bots zum Einsatz kommen
- **Datenverkehr aus Datencentern** wie z.B. Amazon Web Services oder IBM Watson blockieren. Denn Bots werden häufig von solchen Datencentern aus betrieben.
- Verwendung spezialisierter **Verteidigungs-Software**. Für WordPress bietet sich beispielsweise das Plugin *Wordfence Login Security* an.
- **Device Fingerprinting**. Dabei werden verschiedene Merkmale des Anwender-Computers wie zum Beispiel die [MAC-Adresse](https://www.ionos.at/digitalguide/server/knowhow/mac-adresse/), die Festplatten-Größe, usw. ausgelesen und zu einem Hash-Wert verrechnet, sodass ein Login-Versuch von einem fremden Computer sofort entlarvt werden kann.


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